Memento moriendum esse im Wald

Weiß leuchtet der Schädel auf braunrotem Laub und ist alles, was von diesem Leben übrig blieb:

Andreas Gryphius – Einsamkeit

In dieser Einsamkeit, der mehr denn öden Wüsten
Gestreckt auf wildes Kraut, an die bemooste See:
Beschau ich jenes Tal und dieser Felsen Höh‘
Auf welchem Eulen nur und stille Vögel nisten.

Hier, fern von dem Palast; weit von des Pöbels Lüsten,
Betracht‘ ich: wie der Mensch in Eitelkeit vergeh‘,
Wie, auf nicht festem Grund all unser Hoffen steh‘,
Wie die vor Abend schmähn, die vor dem Tag uns grüßten.

Die Höll‘, der rauhe Wald, der Totenkopf, der Stein,
Den auch die Zeit auffrisst, die abgezehrten Bein‘
Entwerfen in dem Mut unzählige Gedanken.

Der Mauern alter Graus, dies unbebaute Land
Ist schön und fruchtbar mir, der eigentlich erkannt,

dass alles, ohn‘ ein‘ Geist, den Gott selbst hält, muss wanken.

11 Gedanken zu „Memento moriendum esse im Wald

    • Mit Fotografien in schwarz-weiß habe ich schließlich vor gefühlt ewigen Zeiten einmal angefangen, noch analog. Jetzt hat mir mein Vater seine alte Spiegelreflexkamera geschenkt, ich habe mir schon Filme bestellt und werde demnächst losziehen. Dieses Bild ist zwar mit der digitalen Spiegelreflex, aber in s/w wirkt es auf das Wesentliche konzentrierter.

  1. SW ist in meinen Augen viel interessanter . Wie Du schon gemerkt hast man Konzertriet sich auf das wesentliche und alkles anders stört einfach nicht . bei Bunten Bilder ist ganz was anders manche Bilder durch die viele Farben wirken ganz anders …
    Meine SW Fotografie habe ich vor vielen Jahren aufgegeben …Jetzt seit gewisse Zeit habe ich die wieder Endect obwohl NUR Diegital …aber wer weis das ganze hardware wartet bereit man muss nur den SchweineHund überwinden 🙂
    schönen Sonntag noch

  2. Das ist so traurig, aber wahr. Von dem Leben bleiben nur die sterblichen Überreste. (Ob es wohl ein Fuchs war?)
    Und was noch bleibt: So tolle Texte wie der von Andreas Gryphius. Und spätestens, wenn man mal an einem Sterbebett stand, kann man den letzten Satz sehr gut verstehen.

    Einwandfreier, ergreifender Eintrag!

    • Ich muss gestehen, dass ich gar nicht weiß, was für ein Tier das war. Die Fangzähne, wie sie für einen Fuchs typisch wären, sind nämlich nicht mehr dran am Schädel. Am Besten ist: Ich frag mal nach.
      Ja, die Barockzeit: Unter dem Eindruck des Sterbens im 30-jährigen Krieg relativierte sich wohl vieles. Die Sonette von Gryphius finde ich phantastisch, allerdings bin ich irgendwann durch Zufall darüber gestolpert. Im Schulbuch waren sie jedenfalls nicht.

  3. Hallo liebe Sylvia
    Nun habe ich auch deinen Beitrag zu Black & White gefunden. Interessantes und gutes Bild, sehr schön kombiniert mit dem passenden Gedicht. Ich freue mich auf deinen Februar-Beitrag.
    Meine Projekte habe ich nun alle in meinen Blog Escara’s Fotoprojekte integriert, die www Adresse ist hier oben vermerkt.
    Liebe Grüsse
    Esther

  4. Guter Blick, schoen entdeckt. Ist gar nicht so einfach zwischen den ganzen Laub und gut nicht draufgetreten zu sein. Die Lyrik ist dann nicht so mein Ding, sprachlich klingt es etwas antiquiert.
    Aber was will man machen wenn es soweit ist. So bleibt wenigstens dieser „Rest“ im Foto erhalten. Passt auch gut zum Thema.

    Gruss
    Olaf

    • Wenn etwas so hell zwischen dem rotbraunen Laub blitzt, gucke ich durchaus genauer hin 😉
      Die Lyrik ist auch etwas antiquiert, der Herr lebte schließlich von 1616 bis 1664, das ist ja schon fast vierhundert Jahre her. Und damals war immerhin dreißig Jahre lang Krieg in Europa.
      viele Grüße
      Sylvia

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