Da war eine Schraube locker: Für die Rostparade

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

Da ich für ein paar Tage meine Eltern besuchte, war es hier ein wenig ruhiger. Wir waren schließlich viel unterwegs und haben Dinge angeguckt, die ich zwar schon lange kenne, aber nichtsdestotrotz ganz gerne habe. Schließlich treffe ich mich ja auch mit Bekannten und Freunden, auch wenn ich diese bereits kenne. Oder vielmehr: Genau dann macht das Wiedersehen Vergnügen und weckt manches Mal auch alte Erinnerungen.

So fuhren wir beispielsweise mit einer Draisine auf der längst stillgelegten Bahnstrecke. Auf dieser fuhren auch einmal Züge, so weit, so logisch. Mit diesen bin ich hier als Kind gefahren, habe an einem Haltepunkt gewartet, von dem heute nichts mehr übrig ist, habe mein Ohr auf die Schiene gelegt, damit ich hören konnte, wann denn der Zug endlich aus dem Tunnel kommt. Oder einen Pfennig: Der Stahlkoloss fuhr einfach über das kleine Geldstück und walzte es völlig platt.

An dem Bahnhof, an dem wir mit der Draisine umkehren und wieder zurückfahren mussten, saßen wir ein wenig herum, unterhielten uns und inspizierten die Umgebung. An einem ungenutzten Nebengleis guckte einer der dicken Schraubenköpfe ein wenig hervor, hier war quasi eine Schraube locker.

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

„Lass die Schraube in Ruhe“: Mütter verlernen das Zurechtweisen des Nachwuchses wohl nicht, egal wie alt beide sind und werden. Was mich – wie schon als Kind – nie daran gehindert hat, trotzdem nachzugucken, was passiert, wenn… ich in diesem Fall an der Schraube ziehe. Und siehe da, sie ließ sich ganz widerstandslos aus ihrem Loch herausziehen. Ich brauchte gar nicht an ihr zu drehen.

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

Und jetzt? Ist die Schraube auf mir völlig unerklärliche Weise erst in meine Tasche und dann bis zu mir nach Bayern geraten.

Also: Ich sag’s ja. Ich hab eine Schraube locker. Und nicht mehr alle Tassen im Schrank, denn es steht immer mindestens eine auf dem Küchentisch oder in der Spülmaschine.

Das ist mein Beitrag zur Rostparade von Frau Tonari: (hier klicken) Über die Draisinenfahrt erzähle ich später noch mehr, die war nämlich interessant.

22 Gedanken zu „Da war eine Schraube locker: Für die Rostparade

  1. Ja, die hätte ich auch mitgenommen. Unbedingt sogar.
    Das Motiv Rostschraube mit der angewitterten Holzschwelle ist richtig toll.
    Und nun freue ich mich auf die angekündigte Beschreibung der Draisinenfahrt.
    Kanonenbahn klingt sehr spannend.
    Hab einen schönen Sonntag.

  2. Was für ein toller Beitrag.
    Eine Draisinenfahrt, die würde ich auch gern mal unternehmen. Das muss super sein.
    Hihi, du hast echt ne Schraube locker.
    Herrlich, deine Bericht.
    Viele Grüße Bärbel

    • Nun, es gibt ja inzwischen in etlichen Gegenden Draisinen, mit denen man fahren kann. Vielleicht ergibt sich für dich mal eine Gelegenheit. 🙂
      Viele liebe Grüße
      Jaelle Katz

  3. Letztes Jahr war ich ganz in der Nähe, auf dem Hülffenberg. Tolle Gegend, zum Draisinenfahren bin ich leider nicht gekommen. Immer wenn ich die Fotos mit rostigen Muttern sehe, muss ich daran denken, wie es wohl ist, wenn man die aufkriegen muss. Eine Arbeit, die ich schon immer gehasst habe…. Liebe Grüße, Andreas

    • Unterhalb vom Hülfensberg habe ich meine Grundschulzeit verbracht. Damals fuhr die Eisenbahn noch, sogar über den großen Viadukt. Was das Aufkriegen der rostigen Muttern angeht: Die Schraube ging ganz von alleine raus 😉
      liebe Grüße
      Jaelle Katz

  4. Bei so einer Fahrt muss man ganz schön strampeln; weniger gut, wenn aber die Schwellen nicht fest sind. Auf jeden Fall ein tolles Motiv für Tonaris Projekt! Liebe Grüsse Kalle

    • Ja, in einer Richtung ging es auch nur bergauf. Auf der Rückfahrt dagegen konnten wir die Draisine im Prinzip rollen lassen. Das war dann ganz bequem. Die Schwellen der Draisinenschienen sind alle bombenfest ;-), die Schraube war an einem nicht mehr genutzten Ausweichgleis im ehemaligen Bahnhof locker.
      liebe Grüße
      Jaelle Katz

  5. Die Kanonenbahn – vor vielen Jahren war ich auf der hessischen Seite unterwegs auf ihren Spuren.
    Heute bin ich viele Kilometer davon weg. Es fühlt sich an, wie in eine alte Geschichte einzutauchen.
    Das Leben ist Veränderung – und das ist gut so. Ohne Veränderungen hätte ich viele liebe Menschen nicht kennengelernt.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüße aus Chemnitz. Jörg

    • Aber auf der hessischen Seite wurden ja die Schienen abgebaut :-), dort fuhr schon viel länger kein Zug mehr. Hier war wenigstens noch ein Schienenstrang erhalten, der zweite musste als Reparation nach dem ersten Weltkrieg abgebaut werden.
      Ja, die Fortsetzung folgt. 🙂
      viele Grüße
      Jaelle Katz

  6. Tztztz, Schraube klauen…. Hätte ich aber wahrscheinlich auch nicht widerstehen können. 😉 Tollen Rost hast Du abgelichtet. Aber auch die Schwellen finde ich klasse.
    LG,
    Thea

    • Ja, einige der Schwellen waren wohl noch aus der Erbauungszeit der Eisenbahnstrecke. Einige andere dagegen bereits aus Beton. Trotzdem fährt dort keine Eisenbahn mehr, sondern eine Draisine.
      viele Grüße
      Jaelle Katz

  7. So etwas 😉 Und was sagt Mama zu ihrem stibitzenden Mädchen?
    Ich würde sagen, dass du dir die Schraube mit den stimmigen Fotos verdient hast 🙂
    Herzlich, do

    • Wo doch gerade die Schrauben dazu verdonnert waren, an Ort und Stelle zu verharren, während die Züge über sie hinweg rauschten, zu fernen und unglaublich schönen Orten. 🙂

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