T wie Türen: Magic Letters

Dritter Oktober. Tag der Deutschen Einheit:

Du, im Fernsehn kannst du sehen, wie alle auf der Mauer tanzen: War es Igor, der damals im November extra in mein Zimmer im Wohnheim kam, mich zum Mitgucken einlud? Ich weiß es nicht mehr so genau. Ich jedenfalls hatte damals keinen Fernseher, es war weder genügend Platz dafür im Zimmer, noch zu viel Interesse an einer solchen Flimmerkiste meinerseits, schließlich habe ich ja heute auch keinen (mehr).

Heute waren wir bei diesem wunderbaren Wetter unterwegs, von Unterleinleiter über Volkmannsreuth, den Totenstein, Veilsbronn – dort hoch ins Naturfreundehaus auf ein Bier und eine Käsebrotzeit – und wieder zurück nach Unterleinleiter.

Im Juni hatte ich ja schon einmal Türen gezeigt, aber für die Magic Letters von Paleica habe ich ein paar ganz spezielle Türen ausgesucht:

weg der hoffnung 028

Weg der Hoffnung am Point Alpha: Die Türen sind alle offen.

münchsteinach 140

Der Eingang ist auch der Ausgang.

kfd 049

Da war mal eine Tür. Ganz bestimmt. Das ist aber lange her.

zabrze 076

Hier geht es ab nach unten, tief in den Schacht, wo die Kohle abgebaut wird.

breslau 117

Hier geht es auch nach unten: In den Ratskeller von Breslau. Bleibt allerdings der Mann zu lange dort, und hält sich am Bier fest (wie der Herr links über der Tür), kommt das Weib und holt ihn sich (rechts gut zu sehen)

 

 

Seid gut zu Vögeln

Vögel.

Kaum wird es bei uns nach dem langen und kalten Winter ein kleines bisschen wärmer, fängt das Gras an zu wachsen und die ersten Blumen blühen. Dann kommen sie. Jedes Frühjahr, wenn es bei uns anfängt zu grünen und zu blühen, fallen sie in großer Anzahl bei uns ein. Sie kommen aus dem warmen Süden, wo sie überwintert haben, schließlich ist es dort schöner und wärmer als bei uns. Still, leise und heimlich besetzen sie Hauswände, Hecken und Bäume. Sie sammeln ihr Baumaterial einfach zusammen, fragen dabei weder um Erlaubnis, noch zahlen sie ein entsprechendes Entgelt. Aus Holz und Stroh, aus trockenem Gras und Lehm errichten sie ihre Bauten völlig ohne Bauplan oder Erlaubnis der Bauaufsicht. Sie nisten sich ein, vögeln, setzen ihre Brut in die Welt, fressen sich überall durch, sammeln und raffen an Futter, was sie nur kriegen können, ohne jegliche Gegenleistung. Sie säen nicht, sie bauen nichts an, sie ernten einfach nur und nehmen sich gewissermaßen alles vom bereits gedeckten Tisch. Sie müssen schließlich ihre Kinder versorgen, die alles brauchen, was sie kriegen können.

Doch auch wenn diese groß sind und eigentlich selbst für ihr Auskommen sorgen könnten, geben sie nichts zurück. Sie säen nicht, sie helfen nicht, sie rotten sich statt dessen in großer Anzahl zusammen und fressen, was das Zeug hält. Irgendwann, wenn die Tage wieder kürzer werden, sitzen sie in luftigen Höhen und warten darauf, dass der Wind für sie günstig steht. Dann fliegen sie auf – und davon. Einfach so.

Das ist mein Beitrag zu den Magic Letters von Paleica: S wie schwarz-weiß. Der Klick auf den Link führt zu den anderen Teilnehmern.

R wie Ruhe: Magic Letters

Endlich. Ruhe.

Gestern fuhren Bruder und Schwägerin mit den drei kleinen Nichten in ihr eigenes Zuhause, heute Mittag fuhr die Lieblingshausziege zu ihrer großen Schwester. Jetzt sind nur noch der Mitreisende und ich bei meinen Eltern, die ja nun auch schon ältere Herrschaften sind. Es ist Ruhe eingekehrt. Das heißt nicht, dass nun hier niemand mehr etwas zu sagen hat, es heißt einfach, dass nicht mehr alles sofort erfolgen muss, sondern Dinge gemächlich erledigt werden können.

Ruhe heißt ja nicht: Stille. Also kann durchaus Krach sein, ohne dass die Ruhe verloren geht, wie beim Rauschen eines Wasserfalles oder sogar beim Lärm einer Autobahn. Ich halte gerne inne, wenn ich auf der Fußgängerbrücke über der Autobahn unterwegs bin, und sehe den Autos beim rastlosen Rasen von oben zu. Die haben es so eilig, und ich kann ganz in Ruhe zu meinem Termin gehen.

Das ist mein Beitrag zu den Magic Letters von Paleica: R wie Ruhe. Der Klick auf den Link bringt zu den anderen Teilnehmern.

Ruhe am Wasser.

Ruhe im Wald.

Ja klar. Ruhe bitte. Sonst kann ich nicht schlafen.

 

 

O wie Oben: Magic Letters

Himmelhoch oben: Wolken, Flugzeuge, Luftschiffe, Vögel, alles schwebt, fliegt oder flattert in der Luft herum. Ich dagegen muss ohne Technik unten am Boden bleiben. Von dort kann ich nur sehnsüchtig nach oben sehen und davon träumen, wie es wäre, wenn…

Vielleicht schaue ich ja deswegen den Akrobaten so gerne zu, wie sie die Schwerkraft überwinden, Dinge hoch stapeln, sich hoch über den schnöden Boden erheben. Und wenn es auf dem Rücken des Partners ist.

Das sind meine Bilder zu Paleicas Projekt: Magic Letters für O wie Oben.

Schwebend am Trapez

Hochgestapelte Stühle

IMG_5962 IMG_5970

N wie Nacht: Magic Letters

Nacht. Seit in den Dörfern und Städten alle Straßen beleuchtet sind, haben es die finsteren Gestalten schwer, unerkannt zu jagen. Seit die Nacht den Tag verlängert, ist sie nicht mehr die Zeit, in der alles zur Ruhe kommt, sich schlafen legt.

IMG_2257

Tulpe in der Nacht

Im Tannenwald herrscht Dunkelheit, dort sind Geister im bleichen Mondenschein unterwegs. Ist die Nacht am tiefsten, drängt das Grauen im Morgengrauen nach oben. Nachtraben zerkrächzen den Schlaf. Nachts, wenn die Gedanken wie herrenlose Hunde auf der Suche nach Nahrung streunen, schreibt die Phantasie ihre Märchen.

Mit Feuer werden böse Geister seit Menschengedenken vertrieben: Doch die Schatten bleiben. Sie warten geduldig am Rand. Dort, wo das Licht nicht mehr hinfällt.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas Projekt: Magic Letters. Klick auf den Link, er führt zu den anderen Bildern der Nacht.

IMG_4355

Glühendes Feuer in der Tonne

IMG_4591

Feuerspiele.

IMG_4578

Feuerspucker.

M wie Metall: Magic Letters

weg der hoffnung 046

Weg der Hoffnung – Die Verurteilung – Skulpturen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze am Point Alpha von Ulrich Barnickel

Du bist schuld. Du bist schuld, auch wenn Du nur das Gute gewollt hast. Du hast dafür gesorgt, dass die Menschen unzufrieden sind, unzufrieden mit ihrem Los.
He, wer soll denn jetzt die Arbeit machen? Wer soll die Felder bestellen und die Steine aus dem Steinbruch schlagen? Wer soll uns die Paläste bauen und uns bedienen?
Hättest Du nicht einfach Deinem Beruf nachgehen können? Wärst Zimmermann geblieben, hättest ein anständiges Mädchen geheiratet, einen Sohn in die Welt gesetzt, Dir ein Haus gebaut und einen Baum gepflanzt, dann stündest Du jetzt nicht hier, vor mir – und ich müsste Dich nicht verurteilen.
Dabei waren doch die anderen mit einem Stück trockenem Brot, einer Zwiebel und einem möglichst schnellen, frühen Tod doch sehr zufrieden, auch ein ein paar Schläge mit der Peitsche nahmen sie hin und wieder auf den Buckel und murrten nicht. Schließlich sollten sie sich nicht ausruhen, sondern arbeiten, ausruhen gilt nicht, ist Drückebergerei, ist Stillstand, ist Tod.
Jetzt sind die Menschen unzufrieden mit dem, was sie haben, sie wollen nicht nur ein kurzes Leben vor dem schnellen Tod, sondern für ihre Leiden belohnt werden. Sie sind widerspenstig und fügen sich nicht mehr.
Also. Du bist selber schuld. Was wolltest Du auch anderen helfen, für andere ein Himmelreich errichten. Man erzählt doch den Schweinen im Stall nichts von einem besseren Dasein, aus ihnen soll guter Schinken werden, das reicht doch.
Leben, das ist immer für die anderen.
Die übergroßen Metallfiguren von Ulrich Barnickel bilden am Point Alpha einen Kreuzweg, genau dort, wo für eine lange Zeit Zäune aus Streckmetall ein Teil des eisernen Vorhangs waren, der Ost von West schied – und der zwar heute kaum sichtbar ist, doch manchmal noch gefühlt werden kann.
Das ist mein Beitrag für Paleicas Fotoprojekt „Magic Letters“: M wie Metall. (Klick führt zu Paleica und den anderen Teilnehmern)

L wie Licht: Magic Letters

Ob Goethes letzte Worte vor dem finalen Atemzug wirklich „mehr Licht“ waren? Das kann keiner von denen nachprüfen, die es zwar behaupten, aber mangels Anwesenheit den letzten Beweis schuldig bleiben müssen. Heute ist das Licht mein Thema: Licht brauche ich, wenn ich sehen will, und auch, wenn ich Bilder machen möchte, Bilder mit der Kamera.

bodensee 369

Licht auf dem Rhein.

Photografie: Mit Licht schreiben, den Moment, den flüchtigen Lidschlag fangen, einfrieren, damit die Erinnerung bleibt – bis zuletzt. Die Bilder aus der Kindheit der Eltern hielten Szenen und Posen in schwarz-weiß fest, mit den damals noch scharf gezackten Rändern, über die ich mit dem Finger gerne strich, um die kleinen Mulden und Spitzen an der Fingerkuppe zu spüren. Die Bilder von mir selbst hatten schon einen glatten Rand, bis auf die ersten, die Babybilder, auf denen die Mutter in schwarz-weißen Kleid mit Hahnentrittmuster, mich im Kinderwagen schiebend zu sehen ist.

bodensee 045

Hafen in Konstanz

Das Licht ist dann licht, wenn es in der Dunkelheit leuchtet und strahlt. Dagegen kann ich es im gleißenden Sonnenschein nur dann betrachten, wenn ich nicht direkt hineinschaue, mich blenden lassen vom hellen Schein. Die Leuchttürme zeigen mit ihrem Licht, wo sich sichere Fahrwasser befinden, damit nicht an Untiefen Schiffe zerschellen.

sonntagsspaziergang 0071

Sonnenuntergang am Weiher

In der Dämmerung brechen Luft und Wolken  das Spektrum des Lichts auf und färben den Weiher, so dass es scheint, als sei er für einen kurzen Moment nicht von dieser Welt.

fränkischer tag 11601

Autofahrt durch den Tunnel.

Das ist mein Beitrag zu den Magic Letters von Paleica und hier ist das Licht der anderen Teilnehmer: Klick.

I wie Innen: Magic Letters

Innen. Dort, wo es ein Innen gibt, gibt es auch ein Außen. Beide sind durch – in der Regel wahrnehmbare – Grenzen voneinander getrennt. Nähern sich Philosophen dem Innen, dann reden manche von tiefen Gefühlen, mit denen man direkt in das Herz der Natur gelangen könne. Wann ist eigentlich ein Gefühl ein tiefes Gefühl? Können eigentlich alle Gefühle tief sein, oder nur einige? Ich meine, das ist ja nicht wie bei einem Brunnen, in den ich oben hineingucken und staunen kann, wie tief unten sich das Wasser spiegelt.

Aber das sind alles Dinge, die ich nicht fotografieren und bebildern kann. Also suche ich innen – und werde dieses Mal im Archiv fündig.

IMG_5991

Eine kleine Wohnung in einem Koffer.

So eine Wohnung im Koffer wäre schon praktisch: Alles ist dabei, soll es weitergehen, wird einfach zugeklappt.

IMG_6025

Drei kleine Meerschweinchen

Das Kind bekam einst vor vielen Jahren ein Meerschweinchen als Geschenk. Eins! Innendrin waren aber – wie bei einer dieser russischen Puppen, in der auch immer noch eine mehr versteckt ist – noch drei andere Meerschweinchen versteckt. Die kamen eines schönen Tages heraus und waren sogar schon fertig angezogen.

IMG_6318

Innen in einem hohlen Baum

Normalerweise sind Bäume groß und hart und lassen sich liebevoll umarmen. Oder absägen – dann werden sie zu Mobiliar, Brennholz oder Papier verarbeitet. Dieser hier hat seine beste Zeit auch schon hinter sich, trotzdem darf er stehen bleiben. Im Urwald an der Sababurg ist er zu finden, jedenfalls so lange er noch steht. Aber das kann noch viele Jahre sein.

 

 

 

 

IMG_8593

Kurz vor dem Glockenguss.

Kurz bevor die glühende Masse in die vorbereiteten Glockengussformen läuft, wird innen alles mit einer langen Stange noch einmal umgerührt: Diesem Inneren nähert sich keiner ungeschützt.

IMG_8614

Der Glockenguss.

Das glühende Metall läuft in die Gusskanäle – und von dort in die vorbereiteten Glockenformen. Blau entweicht das Gas aus den Hohlräumen.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas Projekt: Magic Letters.

H wie Hochkant: Magic Letters

Kinoleinwand, Fernseher, Monitor: Alles nutzt das Querformat. Schließlich hat Mensch ja zwei Augen, die nebeneinander angeordnet sind. Seit Oskar Barnack für Leitz das Kleinbildformat erfunden hat, ist dieses das am meisten verwendete Format. Im Gegensatz zum Fernseher/ Monitor/ Kinoleinwand ist die Fotokamera allerdings drehbar – und so können Aufnahmen auch hochkant im Hochformat entstehen.

Die Bilder erinnern mich an eine Zeit, an die ich nur wenig Erinnerung habe: Als ich noch klein war – und überall hochgucken musste. Inzwischen bin ich groß, doch es gibt noch vieles, was größer ist, als ich.

breslau 027

Der Dom von Breslau

 

Fast 100 Meter sind die Türme hoch, so nah an Gott und dem Himmel gebaut, wie es damals in der Gotik nur irgend ging.

Die großen Fenster mit ihren Spitzbögen ließen so viel Licht, wie möglich in das Kirchenschiff. Strebepfeiler stützten die Wände, so dass diese nicht mehr so wuchtig wirken.

 

 

 

 

breslau 020

Die Nadel vor der Jahrhunderthalle in Breslau.

Vor der Breslauer Jahrhunderthalle piekt seit 1948 die Nadel „Iglica“ in den Himmel.

Ursprünglich 106 Meter hoch, ist sie inzwischen 10 Meter kürzer.

Aber immer noch imposant.

 

 

 

 

 

 

 

 

auschwitz 051

Lagerzaun in Auschwitz

Nicht weit entfernt von Breslau – und doch wie in einer anderen Welt: Auschwitz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist mein Beitrag zu: Magic Letters von Paleica. 

G wie Geheimnisvoll: Magic Letters

IMG_1124

Eine geheimnisvolle Stimmung im Gras

Ein Geheimnis: Es macht neugierig.

Der Satz: „Das ist noch nichts für dich“ motiviert manche Kinder. Dann probieren sie in einem unbeobachteten Moment aus, was ihnen – manchmal auch aus gutem Grund – verwehrt bleiben sollte.

IMG_4616

Licht zaubert Geheimnisse ins Laub.

Früher war bereits die Herstellung von Pulver, Glas und Porzellan geheimnisvoll für alle diejenigen, die nicht eingeweiht waren: Wer wusste wie es geht, sollte den anderen nichts davon verraten.

IMG_1157

Licht lässt Geister zwischen Stämmen wohnen.

IMG_1173

Ist das wirklich eine helle Birke?

Wie geht es dem Geheimnis in einer Beziehung oder überhaupt zwischen Menschen? Wird diese nicht nur langweilig und öde, wenn alles vom anderen bekannt ist? Geht das überhaupt: Alles vom anderen wissen? Da ich nur von mir selbst auf andere schließen kann, verrät das, was ich über einen anderen Menschen mutmaße, doch mehr über mich selbst, als über den anderen.

Die Bilder für das Fotoprojekt Magic Letters von Paleica habe ich im Botanischen Garten in Kassel gemacht, als dieser einmal abends beleuchtet wurde.

IMG_1158

Botanischer Garten Kassel

IMG_4655

Botanischer Garten Kassel