T wie Türen: Magic Letters

Dritter Oktober. Tag der Deutschen Einheit:

Du, im Fernsehn kannst du sehen, wie alle auf der Mauer tanzen: War es Igor, der damals im November extra in mein Zimmer im Wohnheim kam, mich zum Mitgucken einlud? Ich weiß es nicht mehr so genau. Ich jedenfalls hatte damals keinen Fernseher, es war weder genügend Platz dafür im Zimmer, noch zu viel Interesse an einer solchen Flimmerkiste meinerseits, schließlich habe ich ja heute auch keinen (mehr).

Heute waren wir bei diesem wunderbaren Wetter unterwegs, von Unterleinleiter über Volkmannsreuth, den Totenstein, Veilsbronn – dort hoch ins Naturfreundehaus auf ein Bier und eine Käsebrotzeit – und wieder zurück nach Unterleinleiter.

Im Juni hatte ich ja schon einmal Türen gezeigt, aber für die Magic Letters von Paleica habe ich ein paar ganz spezielle Türen ausgesucht:

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Weg der Hoffnung am Point Alpha: Die Türen sind alle offen.

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Der Eingang ist auch der Ausgang.

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Da war mal eine Tür. Ganz bestimmt. Das ist aber lange her.

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Hier geht es ab nach unten, tief in den Schacht, wo die Kohle abgebaut wird.

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Hier geht es auch nach unten: In den Ratskeller von Breslau. Bleibt allerdings der Mann zu lange dort, und hält sich am Bier fest (wie der Herr links über der Tür), kommt das Weib und holt ihn sich (rechts gut zu sehen)

 

 

R wie Ruhe: Magic Letters

Endlich. Ruhe.

Gestern fuhren Bruder und Schwägerin mit den drei kleinen Nichten in ihr eigenes Zuhause, heute Mittag fuhr die Lieblingshausziege zu ihrer großen Schwester. Jetzt sind nur noch der Mitreisende und ich bei meinen Eltern, die ja nun auch schon ältere Herrschaften sind. Es ist Ruhe eingekehrt. Das heißt nicht, dass nun hier niemand mehr etwas zu sagen hat, es heißt einfach, dass nicht mehr alles sofort erfolgen muss, sondern Dinge gemächlich erledigt werden können.

Ruhe heißt ja nicht: Stille. Also kann durchaus Krach sein, ohne dass die Ruhe verloren geht, wie beim Rauschen eines Wasserfalles oder sogar beim Lärm einer Autobahn. Ich halte gerne inne, wenn ich auf der Fußgängerbrücke über der Autobahn unterwegs bin, und sehe den Autos beim rastlosen Rasen von oben zu. Die haben es so eilig, und ich kann ganz in Ruhe zu meinem Termin gehen.

Das ist mein Beitrag zu den Magic Letters von Paleica: R wie Ruhe. Der Klick auf den Link bringt zu den anderen Teilnehmern.

Ruhe am Wasser.

Ruhe im Wald.

Ja klar. Ruhe bitte. Sonst kann ich nicht schlafen.

 

 

Eiserne Wassersperre am Dechsendorfer Weiher: Für die Rostparade

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Dechsendorfer Weiher im Abendlicht

Nur ein Fahrradstündchen durch den Wald liegt der Dechsendorfer Weiher von uns entfernt, oder der Große Bischofsweiher, wie der Teich kurz vor Erlangen auch genannt wird. Als ich nach Oberfranken zog, waren wir dort gelegentlich. Jetzt ist es etwas weniger geworden. Das liegt daran, dass es noch viele andere schöne Plätzchen rundum gibt, und dass es – so kurz hinter Erlangen und nicht weit von Nürnberg entfernt – hier für meinen Geschmack manchmal einfach zu belebt ist.

Immerhin gibt es von JBO einen Song über den weißen Hai im Dechsendorfer Weiher:

JBO: Der Weiße Hai

Einmal hatte die Lieblingshausziege extra ihre Badesachen mitgenommen, als wir mit dem Fahrrad zum Weiher fuhren und war dann ganz enttäuscht, dass Baden verboten war, der Blaualgen wegen.

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Dechsendorfer Weiher im Abendlicht

Dabei sieht der See ganz in Ordnung aus. Es schwimmen Fische darin, Schwäne, Blesshühner und Enten darauf, am Rand flitzen Bachstelzen herum. Sogar Muscheln sind zu sehen, wenn mal das Wasser abgelassen wird. Und was für große!

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Dechsendorfer Weiher mit Muschel.

 

Der Grund für das Problem mit den Blaualgen soll der Röttenbach sein, heißt es. Aber nichts genaues weiß man nicht, schließlich sagt der Betreiber der Kläranlage – von dort werden geklärte Abwässer in den Röttenbach geleitet -, dass alle Werte in Ordnung seien. Außer bei Starkregen. Nun ist der Röttenbach neu eingesperrt, abgedichtet und wird am Dechsendorfer Weiher vorbeigeleitet. Vorher wurden in einem der Nebenweiher fette Stahlprofile in den Seeboden gerammt. Wenn es denn hilft – und der Seeschönheit dient, bitte sehr.

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Dechsendorfer Weiher

Die Profile lagen bereits rostig am Seeufer, jetzt stecken sie rostig in Wasser und tief im Schlamm.

Das ist mein Beitrag zu Frau Tonaris Rostparade, die an jedem Monatsletzten alles Rostige einsammelt. (Klick auf den Link öffnet den Zugang zu Frau Tonari und allen anderen Teilnehmern)

O wie Oben: Magic Letters

Himmelhoch oben: Wolken, Flugzeuge, Luftschiffe, Vögel, alles schwebt, fliegt oder flattert in der Luft herum. Ich dagegen muss ohne Technik unten am Boden bleiben. Von dort kann ich nur sehnsüchtig nach oben sehen und davon träumen, wie es wäre, wenn…

Vielleicht schaue ich ja deswegen den Akrobaten so gerne zu, wie sie die Schwerkraft überwinden, Dinge hoch stapeln, sich hoch über den schnöden Boden erheben. Und wenn es auf dem Rücken des Partners ist.

Das sind meine Bilder zu Paleicas Projekt: Magic Letters für O wie Oben.

Schwebend am Trapez

Hochgestapelte Stühle

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N wie Nacht: Magic Letters

Nacht. Seit in den Dörfern und Städten alle Straßen beleuchtet sind, haben es die finsteren Gestalten schwer, unerkannt zu jagen. Seit die Nacht den Tag verlängert, ist sie nicht mehr die Zeit, in der alles zur Ruhe kommt, sich schlafen legt.

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Tulpe in der Nacht

Im Tannenwald herrscht Dunkelheit, dort sind Geister im bleichen Mondenschein unterwegs. Ist die Nacht am tiefsten, drängt das Grauen im Morgengrauen nach oben. Nachtraben zerkrächzen den Schlaf. Nachts, wenn die Gedanken wie herrenlose Hunde auf der Suche nach Nahrung streunen, schreibt die Phantasie ihre Märchen.

Mit Feuer werden böse Geister seit Menschengedenken vertrieben: Doch die Schatten bleiben. Sie warten geduldig am Rand. Dort, wo das Licht nicht mehr hinfällt.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas Projekt: Magic Letters. Klick auf den Link, er führt zu den anderen Bildern der Nacht.

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Glühendes Feuer in der Tonne

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Feuerspiele.

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Feuerspucker.

J wie Jetzt: Magic Letters

Jetzt ist so ein Moment, ein flüchtiger, der kaum wahrnehmbar verstreicht. Guckt man ihn an, bleibt er ein Weilchen, manchmal schlafe ich darüber ein. So wie das Kind, dem ich zum Mittagsschlaf den Wecker in die Hand gab: Zeigt der große Zeiger ganz nach oben, darfst du wieder aufstehen. Wer dem Moment, dem Jetzt, dem Nu zuschaut, dem fallen schnell die Augen zu. Und dann ist er vorbei, einfach so, unwiederruflich, unwiederbringbar. In der Erinnerung bleibt er nur manchmal, als ein Gefühl, das mich anspringt, unvermutet und unverhofft.

Ob wohl eher die glücklichen oder die unglücklichen Momente besser in der Erinnerung bleiben? Das weiß ich nicht: Aber Fotos helfen, das Jetzt einzufrieren, festzuhalten, machen es stets und ständig abrufbar. Die Bilder entstanden an einem Stadtfest und das sichere Befestigen der Kinder dauerte länger, als die eigentliche Fahrt mit dem Karussell, das so herrlich skurril war. Ob sie sich noch an den Moment erinnern können, an das kurze Jetzt, als sich alles drehte, jauchzte, freute?

urlaub im sommer 175 urlaub im sommer 180 urlaub im sommer 178Das ist mein Beitrag zu dem Buchstaben: J der Magic Letters von Paleica. 

und zu: Childhood.

Erinnerung an Constanta

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Die St. Mina Kirche im Tabacarie Park von Constanta in Rumänien

Zehn Jahre ist es inzwischen schon her, dass ich in Rumänien war. Ich habe eine ruhige Stunde genutzt und ging alleine vom Hotel aus in Richtung Stadtmitte. Da mir die Hauptstraße nicht so schön schien, bog ich ab, in einen Park. Durch das Laub schimmerte Wasser. Der Park war groß und wirkte verwildert, mit Teichen zwischendrin. Am Rand stand Schilf, dazwischen lagen Unmengen an leeren Plastikflaschen. Frösche quakten. Viele Angler saßen rund um die Teiche, alle paar Meter saß wieder einer.

Zunächst war das Land schon schockierend: dreckig, verkommen, ruinös, vermüllt, grau, betoniert, ungepflegt – dann sah ich langsam Details und nahm die Schönheit wahr, die hier manchmal sehr verborgen ist: Eine Blume, die aus den Pflasterritzen wuchs, ein lächelndes Kind, junge Frauen, die sich hübsch machen, aber auch Bettler, dunkel vor Dreck und trotzdem mit Hoffnung in den Augen.

Hier im Park waren viele Menschen unterwegs, junge Pärchen, Menschen mit Kindern, es war eine Stimmung wie ein sonniger und fröhlicher Sommertag, ein perfekter Tag für ein Picknick im Gras.

Die Kirche, die ich von der Bank am See fotografierte, wurde übrigens erst 1995 gebaut. Es ist eine orthodoxe Kirche, St. Mina, ganz aus Holz, so wie die Holzkirchen im Norden von Rumänien, in Maramures.

Das Bild ist für das Black & White Fotoprojekt von Marius. Da er sich einen Bezug zur „Sieben“ gewünscht hat, empfehle ich: Spitzen zählen ;-). Wer noch mehr Bilder in Schwarz-Weiß gucken möchte, klickt einfach auf das Label unten. Das ist der Link.

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I wie Innen: Magic Letters

Innen. Dort, wo es ein Innen gibt, gibt es auch ein Außen. Beide sind durch – in der Regel wahrnehmbare – Grenzen voneinander getrennt. Nähern sich Philosophen dem Innen, dann reden manche von tiefen Gefühlen, mit denen man direkt in das Herz der Natur gelangen könne. Wann ist eigentlich ein Gefühl ein tiefes Gefühl? Können eigentlich alle Gefühle tief sein, oder nur einige? Ich meine, das ist ja nicht wie bei einem Brunnen, in den ich oben hineingucken und staunen kann, wie tief unten sich das Wasser spiegelt.

Aber das sind alles Dinge, die ich nicht fotografieren und bebildern kann. Also suche ich innen – und werde dieses Mal im Archiv fündig.

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Eine kleine Wohnung in einem Koffer.

So eine Wohnung im Koffer wäre schon praktisch: Alles ist dabei, soll es weitergehen, wird einfach zugeklappt.

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Drei kleine Meerschweinchen

Das Kind bekam einst vor vielen Jahren ein Meerschweinchen als Geschenk. Eins! Innendrin waren aber – wie bei einer dieser russischen Puppen, in der auch immer noch eine mehr versteckt ist – noch drei andere Meerschweinchen versteckt. Die kamen eines schönen Tages heraus und waren sogar schon fertig angezogen.

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Innen in einem hohlen Baum

Normalerweise sind Bäume groß und hart und lassen sich liebevoll umarmen. Oder absägen – dann werden sie zu Mobiliar, Brennholz oder Papier verarbeitet. Dieser hier hat seine beste Zeit auch schon hinter sich, trotzdem darf er stehen bleiben. Im Urwald an der Sababurg ist er zu finden, jedenfalls so lange er noch steht. Aber das kann noch viele Jahre sein.

 

 

 

 

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Kurz vor dem Glockenguss.

Kurz bevor die glühende Masse in die vorbereiteten Glockengussformen läuft, wird innen alles mit einer langen Stange noch einmal umgerührt: Diesem Inneren nähert sich keiner ungeschützt.

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Der Glockenguss.

Das glühende Metall läuft in die Gusskanäle – und von dort in die vorbereiteten Glockenformen. Blau entweicht das Gas aus den Hohlräumen.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas Projekt: Magic Letters.

Platz für Neues schaffen

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Pferdefuhrwerk

Eine Reihe alter Bäume liegt in der Wiese: so alt, dass sie sich in ihrer Jugend bestimmt staunend umgedreht haben, wenn mal ein Auto vorbeifuhr. Schließlich wurde damals noch mit Pferden geackert, wer keine hatte, spannte die Kühe vor den Pflug.

Jetzt sind die Bäume alt, morsch, tragen keine Früchte mehr oder das tote Holz ist wertvoller, als alles, was auf und an ihnen wuchs. So wurden sie gleich mit ihren Wurzeln aus der Wiese gezogen. Das Pferdefuhrwerk erinnert an die Zeit, in der die Bäume jung waren, frisch gepflanzt, noch voller Freude auf künftige und reiche Ernten.

Die Früchte gibt es doch jetzt frisch im Supermarkt, schon gepflückt, gewaschen und eingetütet. Da braucht niemand mehr Hand anzulegen beim Pflücken. Wer will schon für so wenig Geld arbeiten, wie die Früchte dann einbringen?

Das ist ein Beitrag zu: (einfach auf die Grafik klicken)BW2015L-550

G wie Geheimnisvoll: Magic Letters

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Eine geheimnisvolle Stimmung im Gras

Ein Geheimnis: Es macht neugierig.

Der Satz: „Das ist noch nichts für dich“ motiviert manche Kinder. Dann probieren sie in einem unbeobachteten Moment aus, was ihnen – manchmal auch aus gutem Grund – verwehrt bleiben sollte.

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Licht zaubert Geheimnisse ins Laub.

Früher war bereits die Herstellung von Pulver, Glas und Porzellan geheimnisvoll für alle diejenigen, die nicht eingeweiht waren: Wer wusste wie es geht, sollte den anderen nichts davon verraten.

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Licht lässt Geister zwischen Stämmen wohnen.

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Ist das wirklich eine helle Birke?

Wie geht es dem Geheimnis in einer Beziehung oder überhaupt zwischen Menschen? Wird diese nicht nur langweilig und öde, wenn alles vom anderen bekannt ist? Geht das überhaupt: Alles vom anderen wissen? Da ich nur von mir selbst auf andere schließen kann, verrät das, was ich über einen anderen Menschen mutmaße, doch mehr über mich selbst, als über den anderen.

Die Bilder für das Fotoprojekt Magic Letters von Paleica habe ich im Botanischen Garten in Kassel gemacht, als dieser einmal abends beleuchtet wurde.

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Botanischer Garten Kassel

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Botanischer Garten Kassel