Samstagsplausch

Während der Regen heute ein leises Lied auf die Fenster getröpfelt hat, habe ich gebügelt. Ja, gebügelt. Ich finde bügeln nicht nur meditativ, sondern es eignet sich ausgezeichnet zum nachdenken.

Und da gab es so einiges:

Ganz egal ob der Ausstoß von Kohlendioxid nun besteuert oder qua Emissionshandel anderweitig teurer werden soll und ganz egal, ob die Regierung nun versichert, dass niemand unnötig und überhaupt dadurch belastet werden soll. Ganz gleich, wie hoch in den vergangenen Jahren der Benzinpreis gestiegen ist – fahren deswegen weniger mit unseren Autos? Werden statt dessen die (nicht mit Strom betriebenen) Fahrräder oder gar die eigenen Füße zur Fortbewegung genutzt? Statt dessen sollen jetzt E-Scooter kurze Entfernungen überbrücken, auf dass ja niemand mehr laufen muss.

Einkaufen: Steht der Einkaufsmarkt weit vor dem Ort, brauche ich das Auto. Logisch. Dafür gehe ich aber nicht mehr täglich hin, sondern wöchentlich. Ich kaufe mehr, schließlich soll es ja die Woche über reichen, und ich brauche mehr Platz im Kühlschrank, also wieder mehr Strom. Es ist wie eine Spirale, die sich stets höher dreht.

Kochen: Wer kochen lernt, braucht Zeit und Geduld. So ganz einfach ist es nicht, auch wenn sich manche Rezepte einfach lesen. Ich weiß noch genau, wie lange ich geübt habe, bis ich die Pfannekuchen unfallfrei und am Stück aus der Pfanne holen konnte. Bis dahin war es eher eine Art „Rupfkuchen“, oder, wie die älteste Lieblingshausziege sagte, Mama, lass mal, ich esse die Eierkuchen lieber bei Oma. Wer schon einmal auf der Hausfrauenmesse zusehen konnte, wie virtuos dort Küchen- und andere Geräte gehandhabt werden, ahnt sicher, dass diese nicht immer das Leben leichter, sondern nur die Schränke voller machen. Oft reicht es aus, Dinge lange genug zu üben: Ich weiß noch, wie ich meine Uroma bewundert habe, wenn sie mit einem einzigen Schnitt die dann geringelte Schale vom Apfel oder der Kartoffel geschält hat. DAS wollte ich auch hinkriegen. Inzwischen ist es mir nicht mehr so wichtig, aber ich nehme bis heute lieber ein kleines Messer zum Kartoffelschälen als einen für mich unbequemeren Sparschäler. Auf einer guten Reibe sind Kartoffeln und Möhren bereits fertig gerieben, wenn ich anderenfalls erst die Küchenmaschine aufgebaut hätte. Und damit wären die Einzelteile der Maschine nach der Arbeit noch nicht einmal sauber.

Abgestürzt. Wenn alles so weiter geht, wird das wohl irgendwann passieren.

Jedenfalls haben wir einen alten Gefrierschrank im Keller ausgeräumt und ausgeschaltet. Da der Mitbewohner neugierig war, hat er nachgemessen: Die Stromrechnung dürfte allein damit bereits fünf Euro monatlich geringer ausfallen.

Vielleicht sollte jeder ein bestimmtes Kontingent an Energie bekommen. Das kann er nach Herzenslust und -laune für Strom, Benzin und auch für Flüge oder Kreuzfahrten nutzen. Wenns nicht reicht, nun, dann kann er ja gucken, ob er jemandem, der weniger braucht, etwas abkaufen kann. Andernfalls, nun, dann ist eben noch Monat übrig.

Nein, die Energiewende ist nichts, was ich im eigenen Haushalt irgendwie hinkriegen könnte, auch dann nicht, wenn noch zehn andere Menschen mitmachen. Da brauchen wir deutlich mehr Menschen, die mitmachen. Bis es die Politiker endlich begreifen.

Statt dessen ist die rechte Spur auf den Autobahnen dicht von Lastkraftwagen besetzt. Es ist ja billiger, Milch aus Berchtesgaden nach Bayreuth in die Molkerei zu fahren, als gleich in Oberbayern in Flaschen zu füllen. Es ist auch billiger, Einzelteile für jeden Arbeitsschritt in ein anderes Unternehmen zu fahren, statt alles an einem Ort zu fertigen. Das kostet ja nur Sprit, verursacht Stau und zerstört die Fahrbahnen. Daran kann ich nichts ändern, die Politiker jedoch wohl.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und ihrem Samstagsplausch. Auch wenn er heute wenig vergnüglich ausfiel.

 

12 Bilder vom 12. Juli

Wie jeden 12. des Monats gibt es auf Wunsch von Caro zwölf Bilder vom Tag: Heute war ich nicht unterwegs, sondern in Küche und Bad beschäftigt. Allerdings nur dann, wenn ich nicht gerade telefonieren, mailen, schreiben und nachdenken musste.

angenagtes Zyperngras.

Nach dem Kaffee war jedenfalls erst einmal der Herd fällig. Zwischen den Flaschen mit Öl und Essig steht Zyperngras, hübsch eingebaut, damit die Katzen nicht so viel daran knabbern. Leider hat es doch nicht so viel genutzt. Fast alle Blätter sind ab- oder wenigstens angefressen. Ich auch.

Ein Weckglas als Aquarium. Für Schnecken.

Den Schnecken im Aquarium gönne ich mal ein bisschen frisches Wasser und eine kleine Gurkenscheibe. Es ist zwar auf dem Foto nicht zu sehen, aber die Schnecken sind ganz schön schnell, wenn es was zu futtern gibt.

altes Küchenhängeschränkchen.

Unten auf der Terrasse steht das kleine Küchenhängeschränkchen, das von meiner Oma stammt und jetzt von der Lieblingshausziege aufpoliert wird. Echtes Flair aus den fünfziger Jahren: Es hat nicht nur Schiebetüren, sondern ist unten etwas weniger tief als oben. So bleibt der Kopf auch in einer engen Küche ohne Beule.

Echinacea mit Besuch.

Weil ich schon einmal unten bin, freue ich mich über den Besuch in der Echinacea-Staude. Ich soll aufpassen, ruft der Mitbewohner von oben, während er am Fenster steht und den Rahmen streicht, damit dieser noch weitere fünfzig Jahre halten kann.

Der Fensterrahmen wird gestrichen.

Neulich saßen Wespen in den Rosen, warnt er mich. Tatsächlich. Da lasse ich die Rose lieber dort, wo sie jetzt ist.

Rose mit Bewohner.

Innen wartet ein Päckchen auf mich, mit lauter kleinen Wasserbällen. Die brauche ich für meine Pekip-Gruppen in Nürnberg, weil das die einzigen Wasserbälle sind, die ohne Phtalat zu kriegen sind.

Kleine Wasserbälle

Hach. Der Mitbewohner kruschelt immer noch in der Küche und bastelt, aber was er kocht, wird wohl erst später fertig. Ich habe jetzt Hunger und lasse mich spontan von Ichlebejetzt! zu einem Pfannkuchenfreitag inspirieren. Erdbeermarmelade ist auch noch da.

Für Pfannkuchen sind alle Zutaten immer im Haus.

Draußen fängt es an zu regnen und wird immer dunkler. Da! Ein Blitz! Ein Gewitter! Aber wozu haben wir schließlich eine Gewitterkerze. Ich zünde sie an – und das Unwetter zieht vorbei.

Gewitterkerzen sind immer schwarz. Diese ist aus Walldürn.

Die Katze interessiert das nicht. Sie liegt auf dem Schränkchen und schläft. War was?

Die Katze wacht nicht, sie schläft.

Noch ein bisschen Badputz. In die Seifenschale kommt eine frische Seife, die letzte, die wir vor zwei Jahren aus Russland mitgebracht haben.

echt russische Seife.

Den zerbrochenen Kamm lege ich zurück in die Schublade. Das eingeprägte „handgesägt“ auf ihm hat mich schon immer interessiert. Vielleicht mache ich mich mal auf die Suche danach, wie so ein Kamm „handgesägt“ wird.

zerbrochener Kamm

Jetzt ist Schluss mit Putzen: Aus der Küche duftet es und der Mitbewohner ruft zum Essen. Was es gibt? Schaut einfach bei den Fränkischen Tapas nach.

Ideen wachsen wie Blumen

Raunen weise Frauen in Träumen, können nächtens seltsame Dinge geschehen:
Manchmal raunen sie, es sei nicht genug. Es ist nie genug. Ich hätte die Prüfungen nicht bestanden.
Aber wann ist es Zeit, wann ist es genug?
Nachts funkeln die Sterne und glitzern auch dann kalt, wenn es unten so warm ist, dass ich nicht schlafen kann. Sie sind unerreichbar, egal wie hoch ich mich recke. Mir reicht das Laken, doch die Katze will kuscheln und schmiegt sich mit ihrem dichten Fell an meinen Rücken.
Beginnt ein neues Jahr, halten die Menschen inne, zählen nach, denken, entwerfen Pläne und sortieren ihre Möglichkeiten. Ist alles da? Ob es reicht? Kaum drei Wochen später ist alles vergessen, alles geht seinen gewohnten Gang.
Doch manchmal kommt später ein Stups, ein Anstoß, etwas, das aufhorchen lässt, mich aus dem gewohnten Allerlei reißt.
Der Blogpost von Ich lebe jetzt! war im Februar ein solcher Anstoß: Tschüß, denkst. 
Jetzt ist Sommer.
Wir haben den Boden bereitet, alles Unkraut gezupft und Ideen gesät. Inzwischen keimen die ersten Ideen wie kleine Pflänzchen.
Seid neugierig. Bleibt neugierig. Ich verrate bald mehr davon. 

Für Martha

Du bist — ein Mädchen.

Weil du ein Mädchen bist, sollst du leise sein,
anschmiegsam und lieb, die weiße Strumpfhose nicht mit Grasflecken bekleckern und,
liebe Mädchen hört man nicht.
Hör nicht darauf.
Sei zickig, fordernd und laut,
du hast die gleichen Rechte wie dein Bruder,
der seine Zwistigkeiten mit einem Schlag klären kann.
Verzichte nicht – aus Nettigkeit und
weil dir der Frieden, die Liebe und das: hoffentlich-mögen-mich-alle
wichtiger ist als
das zu bekommen, was dir zusteht.

Leider lernen viele Mädchen, dass sie nur dann beachtet werden,
wenn sie den niedlichen Augenaufschlag meistern.
Sie werden belohnt, wenn sie aufgeben, klein bleiben und
die Großen machen lassen.

Vielleicht schaffst du es, kein Mädchen zu werden, für das gezupfte Brauen, lackierte Fingernägel und geschminkte Augen eine größere Rolle als Infinitesimalrechnung oder Kosten-Nutzen-Relationen spielen: „Wer seinen Doktor im dritten Semester noch nicht hat, muss ihn selber machen“, hieß es an der Uni.

Mädchen gelten selbst dann als zickig, wenn sie Tornado fliegen und mit dem G36 in Afghanistan schießen.

Google weiß Bescheid und ergänzt:
Du Mädchen… bist einfach peinlich.
Warum sind Mädchen so… zickig.

Mädchen haben: Wutanfälle, Frauen sprechen an, was sie stört.
Mädchen wollen Prinzessin sein.
Mädchen ist ihr Aussehen wichtig.
Mädchen wissen, dass sie von Männern finanziert werden. Erst vom Vater – später vom Mann.
Mädchen sind Konkurrentinnen.
Mädchen sind stolz darauf, nichts zu können.
Mädchen wollen Aufmerksamkeit und Bewunderung.

Doch, alles Mädchen. Auch wenns auf den ersten Blick anders aussieht.

Ja, Mädchen sind anstrengend. Das sagen sogar andere Mädchen.

Wann wird eigentlich ein Mädchen zur Frau? Wann wird sie erwachsen und – ernst genommen?
Wenn sie ihren Mädchennamen ablegt?
Weil es sich so gehört, wählen die meisten Frauen immer noch: Den Nachnamen des Mannes. Sie sind mit allen Wahlmöglichkeiten aufgewachsen – doch sie wollen ihren nicht behalten. Dabei ist dieser ein Teil ihrer Geschichte.
Der Mädchenname wird fürs Frausein abgelegt.

Frauen dagegen sind intelligent, menschlich und integer.
Sie wissen, was sie können und sind unabhängig.
Frauen sind solidarisch.
Frauen kümmern sich – um sich selbst und andere.
Frauen wollen Respekt.
Frauen entwickeln Visionen.

Doch wollen Frauen die Hälfte vom Kuchen, heißt es immer noch:
Die nervt.
Ein Attribut, das Frauen vorbehalten ist. Genauso wie zickig, anstrengend, verbissen oder schwierig. Es scheint, wer als Frau normal, nett und fähig ist, kommt nirgendwo hin und schon gar nicht an Posten, die traditionell für Männer vorgesehen sind.

Die nervt: Sie entspricht nicht dem Bild, trotz Bildung, Emanzipation und Karriere. Das Etikett warnt: Wer sich nicht lieb zu den Männern verhält, wird missachtet. Ehrgeiz, Unabhängigkeit, Durchsetzungsfähigkeit gehören nicht zur Norm der Weiblichkeit, die sich an das Begehren – der Männer – richtet. Diese meint:
– sei weich
– sei fürsorglich
– sei schutzbedürftig
– konkurriere mit den anderen Frauen
– pflege deinen Körper
– gefall den Männern

Vielleicht fängst du ganz einfach später damit an: Du weichst in der Fußgängerzone nicht aus und lächelst dein Gegenüber nicht an. Du konzentrierst dich auf eine Sache, auch wenn dich andere dann besessen nennen.
Du musst kein Spiegel sein, in dem sich der Mann doppelt so groß sehen kann – zeige ihm lieber seine eigenen Unzulänglichkeiten. Männliche Nervigkeit ist nämlich nicht nervig, sie heißt zielstrebig und kämpferisch.

Ich wünsche mir mehr Solidarität.
Ich will, dass Frauen im Mittelpunkt stehen.
Dort gehören sie hin.
Wir trösten uns, nehmen uns in den Arm und können super zusammenhalten.
Wie wäre es damit?

Tagebuchbloggen am 5. Juli

Manche Tage fangen quer an – und enden schlussendlich als Traumtage. Da die liebe Blognachbarin immer am fünften jeden Monats fragt, was wir alle so machen, WMDEDGT, will ich das heute nachtragen. Gestern wurde es so spät, da hab ich es einfach nicht mehr geschafft.

Der Wecker rief mich schon halb sechs unter der Decke hervor, schließlich war praktischer Prüfungstag für die Lieblingshausziege. Nachdem wir am Morgen zuvor etwas verschliefen, hatte ich ihr versprochen, fürs Wecken und Kaffeekochen zu sorgen. Sie brauchte nicht lange, ich wünschte ihr Glück und sie fuhr los.

Anschließend las ich das Briefing für einen Text, stellte fest, dass Bild und Auftrag nicht übereinstimmten und gab alles zurück, mit der Bitte um Verbesserung.

Dann wollte noch der nicht ganz einfache Text über eine Schulsanierung geschrieben werden, bei der im Abbruch viele Schadstoffe aufgetaucht waren. Ich hoffe, ich habs richtig aufgedröselt: Schulsanierung

Noch ein paar Klamotten packen, das gefrorene Schaf hatte der Mitbewohner längst im Auto verstaut, ebenso die von den Eltern gewünschten Kiste Bier und Wein. Dann ging es los, Richtung Norden, immer auf der A 73 entlang, über O. und G. nach M. Dort warteten die Eltern schon mit Kaffee und Kuchen.

Heute Abend sei Konzert im Kloster, sagte der Vater. Kostet nix. Ich kann nicht, muss zum Sport, sagte die Mutter. Hab was zu tun, schickte uns der Vater alleine hin. Das Navi zeigte uns, wo es lang ging.

 

Im von der Sonne hell erleuchteten Kubus des Christus-Pavillons huschten die Schatten der Vögel über die transparenten Wände, Gitarre und Akkordeon begleiteten die Eröffnung einer Ausstellung. Das hatte uns der Vater einfach vorenthalten, er hatte nur was von Konzert gemurmelt.

Über Nichtvergessen und Leichtigkeit: Eine Ausstellung von Gerd Kanz im Christus-Pavillon Kloster Volkenroda.

„Maler sind gewissermaßen Gärtner im philosophischen Raum. Maler und Gärtner graben den Boden um und erkunden dessen Beschaffenheit, ehe sie etwas ganz Bestimmtes hineinpflanzen, immer in der Hoffnung, es möge gerade dort gut gedeihen. Manchmal pflanze ich Fragen und manchmal wächst daraus eine Antwort. Ich male und pflanze und staune über das Wachsen der Dinge“, wird Kanz im Begleitheftchen der Ausstellung zitiert.

Verletzungen, Enttäuschungen, Angst, Verluste und Schmerzen gehören unauslöschlich zur menschlichen Existenz und es gehört zum Leben, diese zu bewältigen. Die Bilder wurden mit Ölfarben auf Holz gemalt, die Strukturen ergeben eine Tiefe als dritte Dimension, die mit dem Meißel in das glatte Holz hineingegraben wurden, so dass Linien als Narben und Risse entstanden.

Auf dem Feuerlöschteich installierte der Künstler Flügelwesen.

Wir blieben noch eine Weile im Innenhof des Pavillons sitzen und folgten dann der Einladung von Petra Arndt, sie in ihrem Atelier zu besuchen, das sich zwei Häuser weiter im alten Konsum von Volkenroda befand.

Die Bilder von Gerd Kanz bleiben bis zum 1. September in Volkenroda, wer dort in der Nähe ist, es lohnt sich. Wirklich.

 

Alles für die Katz #94

An diesem Monatsersten ist wieder alles für die Katz. Ist es heiß, werden beide Stubentiger außerordentlich träge. Sie suchen sich ein Plätzchen, das im Gegensatz zum Winter jetzt nicht vor dem Ofen, sondern lieber im dunklen Flur, dort, wo ein kleiner Windhauch eine Idee von Kühle ahnen lässt und legen sich dort längelang. Wir dürfen über die Damen steigen, stolpern, sie ignorieren es.

Selbst das Futter wird nicht mit der gleichen Geschwindigkeit gefuttert. Sie lassen sich Zeit, gelegentlich bleibt sogar etwas im Napf zurück. Und ja, sie haben genügend zu trinken.

Ach, Fressen gibt’s? Joa, dann komm ich mal…

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Zum Waldbaden in den Steigerwald

Es war heiß, es war, nein, nicht laut, aber irgendwie war heute ein Tag, an dem zwar einiges schief schien, sich jedoch schlussendlich glücklich fügte. Der Treffpunkt war ein Parkplatz, gegenüber vom Schwimmbad, so stand es in der Einladung und ich fuhr rechtzeitig los. Ich hätte – wäre alles gut gegangen – über eine halbe Stunde Zeit bis zum Beginn gehabt, doch da nicht immer alles gut geht, war nicht nur Stop-and-Go auf der A3, sondern Stau. Vollsperrung, sagte der Verkehrsfunk.

Naprima. Die nächste Abfahrt war meine, das Navi wollte, dass ich wende, ich fuhr auf der Landstraße, viele suchten und ich hoffe, sie fanden, was sie wollten. Die Kennzeichen waren schon reichlich exotisch. Doch der Stau alleine reichte nicht, in gefühlt jedem zweiten Dorf war Party, Umleitung, langsames fahren angesagt. Langsam waren auch die hochmotorisierten Cabriofahrer unterwegs, mit mehr als 100 Pferden unter der Haube zockelten sie mit gerade einmal 70 Stundenkilometern vor mir und es gab keine Gelegenheit zum Überholen.

Naprima. Selbstverständlich war ich zu spät, selbstverständlich war niemand mehr da, selbstverständlich ging niemand ans Handy und sagte mir, in welcher Richtung ich jemanden finden würde.

Die kleine Schlange zeigte mir den Weg.

Ja. Da saß ich jetzt, mitten im Steigerwald, nein, nicht mitten im Wald, sondern an der Straße, ganz ohne Schatten. Ging erst in die eine Richtung ein paar Schritte, probierte einen zweiten Weg, nein, beide sagten mir nicht zu, also setzte ich mich wieder ins Auto und fuhr in die Richtung, aus der ich nicht gekommen war. Nach kurzer Fahrtzeit ein Parkplatz, nagut, warum nicht. Ich fahre drauf, schnappe Tasche und Kamera und gehe los. Ein paar Schritte nur, dann lotst mich ein schmaler Weg in den Wald, gekennzeichnet mit kleiner Schlange.

Ich bin allein. Nein, bin ich nicht. Über mir unterhalten sich Vögel, neben mir raschelt eine Maus durchs dürre Laub und einige mir unbekannte Insekten wollen mich tatsächlich begleiten, wie es scheint.

Ich gehe den Weg entlang, komme ins Tal, laufe im Grund entlang, quere einen Weiher, sehe eine Bank, denke noch, och, nett, könnte ich mich ja setzen und einfach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, da sehe ich Menschen. Mitten im Wald laufen Menschen. Achnee. Da habe ich sie gefunden, die Menschen, mit denen ich Waldbaden wollte. Eintauchen in das Grün der Buchen.

Waldbaden. Mitten im Wald.

Man muss sich fürs Waldbaden übrigens keine spezielle Badekleidung zulegen, schnöde Alltagskluft reicht völlig aus. Alle atmen ein – und wieder aus. Ach. Das mache ich ja sonst auch, nagut, vielleicht etwas flacher und so nebenbei. Hier soll ich tiefe Atemzüge nehmen, damit ich die von den Bäumen ausgeschickten Botenstoffe aufnehmen kann. Die senken den Stresslevel. Nachweislich. Das glaube ich gerne, mein Stresspegel ist schon wieder ziemlich normal, jedenfalls im Vergleich zur Stunde davor.

Waldbaden ist doch mehr als ein gewöhnlicher Waldspaziergang. Wir sollen mit allen Sinnen über den Waldboden gehen, riechen, fühlen, schauen. Dann sucht sich jeder einen Baum, kann sich anlehnen, ihn umarmen, mit ihm kommunizieren, zur Ruhe kommen. Wir können ihm unsere Sorgen, Nöte und Ängste anvertrauen, meint der Waldführer. Wer den Baum fragt, bekommt manchmal eine Antwort.

Jeder hat seinen Baum gefunden.

Ich sitze auf dem Baumstamm, sehe den Schwebfliegen zu, höre leises Rauschen und Vogelzwitschern. Ob das Hintergrundrauschen von der Autobahn kommt? Je länger ich sitze, desto mehr kann ich hören. Jeder kann einfach bei sich zu Hause einen Wald suchen, einen Baum suchen, möglichst einen, der etwas abgelegen steht und mit ihm reden.

Auf dem Rückweg fordert uns der Waldführer noch zu einer Entdeckungsreise auf, einer Reise, die gerade einmal so groß wie zwei Handflächen ist: Wir sollen uns setzen, mit unseren Händen eine Fläche bedecken und in diesem kleinen Stück Welt spazieren. Wonach riecht es dort?

Mehr als einen kleinen Einblick könne er nicht geben, scheint sich der Waldführer für die kurzweiligen zwei Stunden zu entschuldigen. Doch jeder kann sich dem Wald ganz allein nähern und in ihm baden, ob mit oder ohne Anleitung. Da wäre es doch schön, wenn der Steigerwald künftig zum Weltnaturerbe erklärt würde.

 

Auf dem DLD Campus in Bayreuth

Jeden Freitag streiken die Kinder und Jugendlichen, sie gehen auf die Straße und protestieren. Sie werden immer aktiver und haben für September die nächste große Demonstration geplant. Sie machen Krach, weil sie sich um ihre Zukunft und die Zukunft der Welt sorgen. Viel ruhiger ging es dagegen auf der Innovationskonferenz DLD Campus zu, der von Hubert Burda Media veranstaltet wird: Im Audimax an der Bayreuther Universität tauschten sich Studenten, Unternehmer und Politiker nicht nur über die Zukunft der digitalen Welt aus, sondern auch darüber, wie künftig Probleme gelöst werden können.

Die Techniker bereiten sich vor: Gleich startet der DLD Campus 19 in Bayreuth

Während jedoch Steffi Czerny von DLD vom Quantum Computing schwärmte, würde sich Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen im Bayerischen Landtag) schon freuen, wenn die digitale Infrastruktur bis in den ländlichen Raum reicht und jeder Ort in der Zeit zwischen fünf Uhr morgens und Mitternacht an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen ist und das Netz ausreicht, sich via App nach der nächsten Abfahrt zu erkundigen.

Podiumsdiskussion mit Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ die Grünen im Bayerischen Landtag, sie hat gerade das Mikro in der Hand

In der Podiumsdiskussion wurde denn auch die Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellem Internet hierzulande mit der Situation in Schwellen- und Entwicklungsländern verglichen. Dabei fallen mir viele Möglichkeiten ein, an die kaum jemand zu denken scheint: Wenn schon so viele Menschen ihre Waren online bestellen, warum kann davon nicht ein kleiner Dorfladen leben? Die Menschen bestellen, was sie gerne hätten – und holen es dort ab, so frisch wie in jedem Supermarkt. Sie sparen sich die Fahrten zum Stadtrand und die Mühen des Einkaufs im großen Markt.
Wolfgang Kerler, früher Journalist bei Wired, ist sich sicher, dass wir hierzulande mehr Optimismus brauchen: „große Narrative haben Einfluss auf uns!“ – und wir nehmen Technologien als Naturgewalten und uns selbst nur noch als Opfer wahr.
Andreas Kunze von Konux war vor fünf Jahren noch Student. Heute will er mit seinen gut 100 Mitarbeitern weltweit Züge pünktlicher machen. Wir sollten aufhören, Protokolle zu schreiben und lieber die Technik benutzen, forderte er.
Das habe ich schon vor Jahren ausprobiert und festgestellt: Ich kann mir Dinge besser merken und auch fokussierter notieren, wenn ich mit der Hand schreibe. Also bleibe ich lieber bei Block und Stift. Außerdem kann ich nicht mehr benötigte Blätter einfach zusammenknüllen und in den Papierkorb werfen. Versuch das mal mit einer Datei! Das ist nicht halb so vergnüglich und bringt wesentlich weniger Genugtuung.
Über die vermeintliche Erfolgsstory der Kunststoffe sprach Christian Laforsch, Professor an der Bayreuther Universität. Sicher, vieles wäre ohne Kunststoffe nicht denkbar. Da allerdings gut 40 Prozent als Verpackung genutzt werden und nach ihrem Eintagsleben als Müll enden, ist das nicht nur für Flüsse und Meere, sondern bereits für alle Bereiche unseres Planeten tragisch: „Mikroplastik ist überall“, versicherte Laforsch. Nicht nur die Tiere verwechseln Kunststoffe mit Nahrung und verenden, sondern selbst wir Menschen nehmen über unser Essen Mikroplastik auf. Das wirkt sich auf die Darmbakterien aus, kann Entzündungen und Tumore hervorrufen, ist sich Laforsch sicher. Da es hierzu noch mehr Fragen als Antworten gibt, müsse mehr geforscht werden.

Draußen war es sonnig und heiß, das Audimax glücklicherweise gut temperiert.

Auf der Veranstaltung wurde in den Pausen Essen angeboten. Allerdings war sämtliches Geschirr Einweggeschirr: Kaffeebecher ebenso wie Kuchenteller, Suppenschüssel und Besteck. War das wirklich nötig? Direkt neben dem Audimax ist die Mensa: Dort war sicherlich genügend Geschirr für alle vorhanden.
Als im Laufe des Nachmittags weiter über die schöne neue Welt der Computer geschwärmt wird, erinnerte ich mich daran, was uns bereits vor vielen Jahren versprochen wurde: Schon damals versicherten Forscher und Zukunftsgucker, wie einfach doch die Welt würde, wenn uns die Technik alles Schwere abnimmt. Sicher, ich brauche nicht mehr aufzustehen, wenn ich das Programm am Fernseher wechseln will. Ich kann auch das Autofenster auf Knopfdruck nach unten fahren lassen. Doch wir arbeiten längst nicht weniger, sondern eher mehr, immer verdichteter. Es soll immer mehr in immer kürzerer Zeit geschafft werden. Dabei nehmen uns doch Computer und Roboter so viel ab?
David Hanson von Hanson Robotics kam extra aus Hongkong nach Bayreuth – und ich muss an die Emissionen der Flugzeuge denken. Wäre das nicht via Technik einfacher gewesen, ihn direkt zuzuschalten? Nein, wäre es nicht. Eine direkte Kommunikation, bei der sich sämtliche Beteiligten direkt im gleichen Raum befinden, ist einfach durch nichts zu ersetzen. Sein Traum ist es, richtig lebende Maschinen zu schaffen, doch irgendwie erinnerte ich mich dabei an das Buch Simulacron-3 von Galoye. In diesem erzählt der Autor, wie in einem Computer Menschen simuliert werden, und zwar so echt, dass diese über ein eigenes Bewusstsein verfügen und nicht merken, dass sie lediglich Software sind.

Draußen war intensives Schwätzen angesagt.

Wir haben die Kommunikation und Interaktion zwischen den Menschen noch nicht verstanden, werden von unseren Gefühlen beherrscht, von chemischen und hormonellen Ereignissen geflutet – wie wollen wir das auf Computer übertragen? Woher weiß ich denn, wann mich jemand anders liebt? Das weiß ich einfach, sagte die Lieblingshausziege vor vielen Jahren. Viele Zustände kann ich spielen – ohne es wirklich zu sein. Manchmal kann ich entscheiden, wer ich sein will – und manchmal auch nicht. Haben Maschinen auch diese Möglichkeiten?
Der Tag war lang und dicht mit Wissen und interessanten Gedanken gepackt, so dicht, dass ich sie hier ohnehin nicht alle aufzählen kann. Der zentrale Satz Amerikas: „Alles ist möglich“ wurde im Silicon Valley zu „Nichts ist unmöglich“, referierte Hans-Ulrich Gumbrecht, der als Hochschullehrer in Stanford Literatur lehrt. Die Technologien machen Begierden möglich, die es vorher so nicht gegeben hat, resümiert er und ist sich sicher, dass es längst zu spät ist, die Computer noch abzuschalten. Die Programmierer wüssten längst nicht mehr, was sich in deren Inneren abspielt und dank Deep Learning ist alles zu einem gewissen Grad längst außer Kontrolle. Doch dieser Gedanke scheint ihn nicht zu stören: „Ich lebe lieber in einer Risikokultur als in einer Fehlervermeidungskultur“.

Froschkönig, trüb, helfen #abc.etüden

Juli raffte alle Sachen zusammen, die sie in Augusts Zimmer fand. Es roch nach ihm, seinem sauren Duft ungewaschener Shirts, käsiger Socken und lang nicht gewechselter Bettwäsche, in der ein brauner Abdruck seines Kopfes davon zeugte, dass er am Ende Haarewaschen überflüssig fand. Der Knoblauch, den er mit trockenem Brot als ausreichende Ernährung für hundertjähriges Leben behauptet hatte, schwebte mit seinem leichten Hauch nach Verwesung und trüben Eiern im Zimmer, hatte sich gewissermaßen fest in Tapeten und Ritzen gekrallt.
Sie griff zwei der blauen Säcke, die sie voll gestopft hatte und zerrte sie ohne Hilfe über die Treppen bis in den Keller. Auf dem Weg zurück fand sie einen kleinen grünen Frosch mit dem goldenen Krönchen. August war fünf Jahre alt, als er ihn von einem Freund des Vaters geschenkt bekam, während sie sich über eine Stoffschlange freuen sollte. Sie hatte das Mitbringsel gleich nach dem Wochenende im Mülleimer entsorgt, doch August warf seinen Frosch mit nicht nachlassender Wut an die Wand: „Du bist gar kein echter Froschkönig!“, brüllte er das mit Reiskörnern gefüllte Stofftier an, wenn es wieder einmal nicht wie ein Ball zurückgeprallt oder sich in einen Prinzen verwandelt hatte, sondern mit einem leisen Seufzer zu Boden gerutscht war.
Juli sah August so lebhaft vor sich, als hätte sich die Zeit zwanzig Jahre zurückgedreht und sie stünde vor der damals noch unverputzten Mauer, auf der die Handwerker in großen Lettern „Mamas Palast“ geschrieben hatten. Sie wollte August schon damals loswerden, am liebsten für immer. Als sie jedoch den schlaffen Frosch in der Hand hielt, wurde ihr schlagartig klar, dass er jetzt zwar für den Rest ihres Lebens verschwunden war, sie ihn dafür aber fester als je zuvor an sich gekettet trug und das nicht nur, weil sein Fingerabdruck als Anhänger um ihren Hals hing.

Nicht jeder Frosch ist ein König.

Verbunden mit: Irgendwas ist immer und den abc.etüden: 300 Worte, in denen drei vorgegebene Wortspenden untergebracht werden müssen.

Vorsichtshalber: Selbstverständlich ist alles nur erfunden. Logisch. Ich kenne niemanden, der Juli oder August heißt.

In Bayreuth unterwegs

Es gibt Sommerorte und Winterorte. Nachdem ich ein einziges Mal in Bayreuth war, während des Winters, zog mich dort einfach nichts hin. Ich fand die Stadt kalt, grau, steinern, abweisend.

Der Markgraf auf dem Markgrafenbrunnen in Bayreuth.

Gestern war ich noch einmal dort, hatte am späten Nachmittag einen Termin und noch gut zwei Stunden Zeit. Tatsächlich wirkte die Stadt auf mich ganz anders. Es gibt wohl Orte, die unter der Sonne richtig aufblühen. Sie räumen das Mobiliar auf die Straßen, lassen eine leise Brise vorüberziehen, Musik perlt durch offene Fenster, die Vögel singen ihre Melodie dazu, ein leichter Duft nach geröstetem Kaffee liegt in der Luft und lässt mich am Tisch Platz nehmen. Ja, ein Milchkaffee bitte.

Leises Gemurmel an den Nachbartischen, von irgendwo schwebte ein Hauch nach Zigarre. Am Nebentisch zeichneten zwei junge Frauen die steinernen Fassaden auf Papier, erst ganz hingegeben, bis eine von ihnen den Stift auf den Block warf: Bin voll unzufrieden, das wird nichts, sie fährt sich mit den Fingern durch die halblangen Haare und genießt den Widerspruch ihres Gegenübers.

Vor den Geschäften werden die Sonderangebote gelüftet, doch bei Sonnenschein mag niemand in halbdunkle Läden tauchen.

Am anderen Nebentisch berichtet eine, wie ihre Mum übelst ausgerastet ist. Dabei hat sie doch nur vergessen, sich um einen Termin zu kümmern. Aber ich hasse es, wenn jemand so an die Decke geht, erklärt sie ihrer Begleiterin. Man kann das doch auch normal sagen. Jetzt fahre ich die nächsten vier Wochen bestimmt nicht nach Hause, dort geht mir ohnehin alles auf den Keks. Komplett-Eskalation nannte sie es.

Das alles funktioniert aber nur, wenn es draußen warm genug für kurze Ärmel ist. Pfeift dagegen ein eisiger Wind durch die Gassen, regnet es gar oder wird winterlich kalt, werden die Statuen eingehaust und in Bretter gehüllt. Die Menschen dagegen ziehen sich dicke Jacken an und bleiben doch lieber in ihren Stuben hocken. Dann werden auch die Fassaden wieder grau, sandsteingrau, betongrau und die Straßen asphaltgrau, granitgrau und basaltgrau.

Vielleicht komme ich ja jetzt öfter her.