Wieder auf Reisen…

Der Eingang zum Keltendorf Gabreta. Welche Geister wohl damit abgewehrt wurden?

Ab April sind sowohl das Keltendorf Gabreta als auch das Freilandmuseum Tittling wieder geöffnet. Es lohnt sich wirklich, und nein, für diese Werbung werde ich nicht bezahlt, da war ich ganz freiwillig:

Ein Wochenende im Bayerischen Wald (klick auf den Link führt zum Bericht)

Die Wolfssteiner Ohe zwängt sich durch die Buchberger Leite

Jetzt wird für drei Wochen gepackt: Es geht nach Israel. Wenn ich es schaffe und mit dem nötigen Netz versorgt bin, gibt es hier jeden Tag einen kleinen Einblick.

Die Synagoge in Uehlfeld

Man muss schon zweimal gucken, wenn man erkennen will, dass das schlichte Lagergebäude mit der Rampe an der Traufseite einmal eine Synagoge war: Der Erker, in dem die Thorarollen im Schrein aufbewahrt wurden, ist an der Ostseite noch zu sehen, ebenso wie die fünf großen Fenster an der südlichen Längsseite. Auch die zwei Eingänge an der Westseite lassen sich noch erahnen. Durch den nördlichen betraten die Frauen das Gebäude, der südliche war den Männern vorbehalten.

Nach dreijähriger Bauzeit war die Uehlfelder Synagoge Anfang 1818 fertiggestellt und wurde im März feierlich eingeweiht. Von diesem Tag existiert noch ein Bericht, erzählte Christiane Kolbet, Gästeführerin im Aischgrund. Sie hatte zu einer Führung rund um die ehemalige Synagoge eingeladen, der immerhin mehr als 50 Menschen gefolgt waren.

Da den Juden erst seit der Zeit Napoleons überhaupt das Erlernen eines Handwerks erlaubt war, wurden die meisten Arbeiten am Gebäude von christlichen Handwerkern der Umgebung ausgeführt. Die neue Synagoge ersetzte damit das alte, 1696 errichtete Gebäude und wurde vom christlichen Maurer als „Zierde von Uehlfeld“ bezeichnet. Das nach Osten ausgerichtete Bauwerk war ein modernes Sakralgebäude einer liberalen jüdischen Gemeinde. In seiner ersten Predigt beschwor der Rabbiner die Gemeinsamkeiten der christlichen und jüdischen Religion, berichtet Kolbet. Samson Wolf Rosenfeld predigte jedoch nicht nur Integration, sondern setzte sich aktiv dafür ein, dass Juden die gleichen Rechte wie Christen erhalten sollten. Wie fortschrittlich die vermeintliche Provinz war, lässt sich bereits daran ablesen, dass die Uehlfelder Synagoge die erste Synagoge war, in der in deutscher Sprache gepredigt wurde und eine Orgel den Gesang begleitete.

Gästeführerin Christiane Kolbet vor dem Fenster, an dem einmal der Eingang der Männer in die Synagoge war.

Auch wenn die hiesigen Rabbiner Freundschaften zu den ortsansässigen Pfarrern pflegten und die Gemeindemitglieder mehr als 100 Jahre friedlich mit den Christen Haus an Haus wohnten, half es nicht gegen die Schrecken der Nationalsozialisten. Seit den 20er Jahren war die NSDAP in Uehlfeld ansässig und bereits 1933 so stark, dass sie vor ihrem Vereinslokal einen Galgen mit Judenpuppe aufstellten, an dem ein Schild verkündete, dass hier Platz für alle Juden sei. Obwohl bereits Verkaufsverhandlungen für die Synagoge liefen, schüttete der Ortsgruppenleiter der NSDAP am 10. November 1938 gemeinsam mit zwei anderen Männern Petroleum und Benzin auf das Mobiliar und zündete alles an. Bis auf die Außenmauern brannte die Synagoge nieder. Nach Ende des Krieges erwarb die Raiffeisengenossenschaft die Ruine und baute das Gebäude als Lager um. Heute befindet es sich in Privatbesitz und eine Tafel erinnert an die wechselvolle Geschichte des Gemäuers und an die Menschen, die einst hier lebten und von denen viele nicht überlebten.

Nieselregen, weich, irren #abc.etüden

Kommt der Abfahrtslaufhektiker in Schwung, stiebt der Schnee bereitwillig zur Seite und der blankgeputzte Untergrund wagt keinerlei Widerstand. Er schreit »Platz« und erwartet, dass sämtliche Pistenschnecken flugs aus seiner Spur entfleuchen.

Nur Oma Hilde nicht. Sie hörte nichts, sie hörte nie etwas – und schon gar nicht, wenn sie die Ohrenklappen ihrer Russenmütze nach unten gezogen und unter dem Kinn zusammengeknotet hatte. Auf alten Skiern unterwegs, kreuzte Hilde des Hektikers Weg, bremste ihn aus und sorgte dafür, dass er an diesem Tag erst im Tal landete, als sie ihre heiße Milch vor dem Kamin trank.

Der Abfahrtslaufhektiker hatte nicht registriert, wer ihm derart in die Parade gefahren und ihn dabei in den Tann gedrängt hatte, dorthin, wo unter dreieinhalb Metern Tiefschnee nur die Spitzen der Bäume lugten. Nach knapp hundert Metern verhakte sich eine Skispitze zwischen den Ästen und brachte ihn zu Fall. Der Griff in die Jackentasche – zum Handy – blieb folgenlos, da die Taschenklappe offen war.

Ohne Ski ging er weiter und grub sich mit jedem Schritt tief in den Schnee. Er marschierte, stapfte, bis er ausglitt und rücklings versank. Dort blieb er sitzen, einen Moment nur, doch es reichte: Er sah die funkelnden Schneekristalle, den tiefblauen Himmel und die sich unter ihrer Last biegenden Baumspitzen. Der Schnee umhüllte ihn wie eine weiche Decke und er spürte eine solch tiefe Müdigkeit, dass er am liebsten bis in alle Ewigkeit geschlafen hätte.
Schnell raffte er sich auf, irrte weiter, nach unten, sah fasziniert zu, wie sich das Spektrum der Sonnenstrahlen langsam ins Rötliche verschob. Unten flammten Laternen auf.
Der leichte Nieselregen auf den letzten Metern polierte die Hoteleingangsstufen derart, dass der Abfahrtslaufhektiker durch die Tür sauste und in gewohnter Geschwindigkeit landete.

Verbunden mit: abc.etüden, die drei Worte waren: Nieselregen, weich und irren.

Alles für die Katz #91

War das schon wieder der Februar? Und die ersten beiden Tage des März sind auch dahin?

Im Februar hatte mich eine dicke Erkältung gut im Griff und beorderte mich gelegentlich auf das Sofa, öfter, als mir eigentlich lieb war, schließlich gab es genug zu erledigen. Vielleicht hat das die Katz gemeint, als sie sich immer wieder – und das ziemlich hartnäckig – genau dort niederließ, wo ich einen Teil meiner Arbeit erledige.

Deswegen war es hier so ruhig – und deswegen ist es heute auch der 3. März und nicht der Monatserste.

Laß mich hier liegen – und leg dich aufs Sofa. Dort gehörst du gerade hin.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 5

Du wolltest fliegen,
den Wind in den Haaren spüren,
deine Träume in Freiheit leben
Doch die unentwegten Gedanken
An das, was du dir eigentlich gewünscht
Aber nie bekommen hast,
haben dein Herz bedrängt.
Da war kein Raum mehr für
Freude, keine Hand für Freunde,
– und keine Zukunft für dich.

Ganz egal, ob du Johnny heißt – oder Jana.

Verbunden mit: der Frapalywo, der Lyrikwoche von Frau Paulchen, der Impuls war „Johnny“

Tagebuchbloggen am 5. Februar

Auch wenn ich das sonst mit dem Tagebuchbloggen irgendwie nicht auf die Reihe kriege, an (fast) jedem Monatsfünften schaffe ich es doch, irgendwie, einfach, weil Frau Brüllen so nett auffordert und fragt, was ich so den ganzen Tag lang mache, WmdedgT: 

Aufstehen, anziehen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, schnell Mails checken – und losfahren. Heute ist Dienstag und damit Kurstag in Nürnberg. Da ich nicht mit der Lieblingshausziege, sondern selbst fuhr, startete ich etwas später und kam ziemlich knapp an. Der Raum war noch recht kühl, ich drehte die Heizung auf und legte die Matten aus. Kaum war ich fertig, kamen die ersten Mütter mit ihren Babys, ich begrüßte sie und wir fingen an.

Als der zweite Kurs vorbei war, räumte ich alles auf, brachte den Müll raus, zog meine Jacke über und fuhr nach Erlangen. Im E-Werk war eine Veranstaltung, die mich interessiert hat. Unter dem Titel „Erlangen erzählt“ drehte sich heute alles um Idole, frühere und heutige und was das so ist und warum man sie so braucht. Immerhin gab es Kaffee und Kuchen und Gespräche, bevor ich zurück nach Hause fuhr.

Für ein kurzes Schwätzchen mit dem Mitbewohner blieb Zeit, nur fürs Essen reichte sie nicht. Ich musste noch zur Gemeinderatssitzung, auf der sich die Gemeinderäte nicht ganz einig waren, ob sie ihren im vergangenen Jahr gefassten Beschluss vielleicht doch noch einmal ändern wollten. Doch die Geschäftsordnung sagt, dass das nur möglich ist, wenn es neue Erkenntnisse zur Sachlage gibt, schließlich kann man ja nicht so lange abstimmen, bis man mit dem Ergebnis auch zufrieden ist.

Glücklicherweise konnte ich gehen, als die öffentliche Sitzung beendet war, fuhr nach Hause und erwischte den Mitbewohner und die Lieblingshausziege, wie sie den von mir gerade frisch gekauften Käse mit Brezeln futterten.

dein Herz hat anderswo zu tun,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn

Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Draußen ist es kalt, da ist warmes Feuer im Ofen genau richtig.

Verbunden mit Frau Paulchen und der Frapalywo, der Impuls für heute war ein erasure Gedicht, im  Gedicht „erklär mir, liebe“ von ingeborg bachmann.sollten nur die Wörter bleiben, die ich stehen lassen wollte.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 3

Tränenhalsband
Jede Träne, die um dich geweint
zu einer Kette gefädelt
funkelt in der Sonne.
Die Kehle deines Vaters
brennt vor Sehnsucht nach dir.
Nimm den Schmerz,
spinn ihn zu Fäden,
web ein buntes Kleid für dich und
trag es auf der anderen Seite,
in einer Zeit, in der das Paradies
überwuchert und der Gott der Kindheit verloren ist

Verbunden mit: Frau Paulchen und ihrer Lyrikwoche, heute mit dem dritten Impuls „Tränenhalsband“ von Selma Meerbaum-Eisinger.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 2

Wird die Asche ins Grab gesenkt,
fällt mit dem Vorhang die Maske
und die nackte Wahrheit friert
ob der Berechnung, mit der die Menschen
zählen, was ihnen zusteht.
Liebe ist das, was bleibt,
wenn die Kerze längst verloschen ist
und die Eule in ihrem Nest schläft.
Im Wiederweg begegnen wir einst
denjenigen, die uns vorangingen.

Für Tag 2 lautete der Impuls: „im wiederweg“, aus dem Gedicht „Landschaft“ von Alfred Kolleritsch
Verbunden mit der Frapalywo, der Lyrikwoche von Frau Paulchen.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 1

„heute nacht bin ich unten beim ballast“ (geborgt von tomas tranströmer aus „nachtdienst“)

als wäre die zeit ein meer,
zwischen versunkenen erinnerungen
spielen fische fangen
jeder erlebte tag schickt
eine Handvoll staub, der
wie Sand auf den Grund sinkt
bis er unten
zu sedimenten versteinert
tentakelgleich schwanken die Fäden der Medusen
in der Strömung der emotionen
streicheln in der trauer
dicht unter dem Wasserspiegel
schaue ich in ihn hinein,
blickt persephone zurück.

Verbunden mit der Frapalywo, der Lyrikwoche von Frau Paulchen.

Alles für die Katz #90


Mea culpa. Mea maxima culpa. Wollte ich doch öfter bloggen, täglich gar. Und was war? Ein Termin jagt den nächsten und die Papiere breiten sich nicht nur über den Schreibtisch, sondern belegen bereits das Fensterbrett. Hier dienen sie der Katzmatz als Unterlage, die sich – im Falle eines schnellen Sprunges – jedoch als eher rutschig erweist. Liegt alles unten, darf ichs wieder aufheben.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.