Geborgte Worte #Frapalywo Tag 5

Du wolltest fliegen,
den Wind in den Haaren spüren,
deine Träume in Freiheit leben
Doch die unentwegten Gedanken
An das, was du dir eigentlich gewünscht
Aber nie bekommen hast,
haben dein Herz bedrängt.
Da war kein Raum mehr für
Freude, keine Hand für Freunde,
– und keine Zukunft für dich.

Ganz egal, ob du Johnny heißt – oder Jana.

Verbunden mit: der Frapalywo, der Lyrikwoche von Frau Paulchen, der Impuls war „Johnny“

Tagebuchbloggen am 5. Februar

Auch wenn ich das sonst mit dem Tagebuchbloggen irgendwie nicht auf die Reihe kriege, an (fast) jedem Monatsfünften schaffe ich es doch, irgendwie, einfach, weil Frau Brüllen so nett auffordert und fragt, was ich so den ganzen Tag lang mache, WmdedgT: 

Aufstehen, anziehen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, schnell Mails checken – und losfahren. Heute ist Dienstag und damit Kurstag in Nürnberg. Da ich nicht mit der Lieblingshausziege, sondern selbst fuhr, startete ich etwas später und kam ziemlich knapp an. Der Raum war noch recht kühl, ich drehte die Heizung auf und legte die Matten aus. Kaum war ich fertig, kamen die ersten Mütter mit ihren Babys, ich begrüßte sie und wir fingen an.

Als der zweite Kurs vorbei war, räumte ich alles auf, brachte den Müll raus, zog meine Jacke über und fuhr nach Erlangen. Im E-Werk war eine Veranstaltung, die mich interessiert hat. Unter dem Titel „Erlangen erzählt“ drehte sich heute alles um Idole, frühere und heutige und was das so ist und warum man sie so braucht. Immerhin gab es Kaffee und Kuchen und Gespräche, bevor ich zurück nach Hause fuhr.

Für ein kurzes Schwätzchen mit dem Mitbewohner blieb Zeit, nur fürs Essen reichte sie nicht. Ich musste noch zur Gemeinderatssitzung, auf der sich die Gemeinderäte nicht ganz einig waren, ob sie ihren im vergangenen Jahr gefassten Beschluss vielleicht doch noch einmal ändern wollten. Doch die Geschäftsordnung sagt, dass das nur möglich ist, wenn es neue Erkenntnisse zur Sachlage gibt, schließlich kann man ja nicht so lange abstimmen, bis man mit dem Ergebnis auch zufrieden ist.

Glücklicherweise konnte ich gehen, als die öffentliche Sitzung beendet war, fuhr nach Hause und erwischte den Mitbewohner und die Lieblingshausziege, wie sie den von mir gerade frisch gekauften Käse mit Brezeln futterten.

dein Herz hat anderswo zu tun,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn

Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Draußen ist es kalt, da ist warmes Feuer im Ofen genau richtig.

Verbunden mit Frau Paulchen und der Frapalywo, der Impuls für heute war ein erasure Gedicht, im  Gedicht „erklär mir, liebe“ von ingeborg bachmann.sollten nur die Wörter bleiben, die ich stehen lassen wollte.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 3

Tränenhalsband
Jede Träne, die um dich geweint
zu einer Kette gefädelt
funkelt in der Sonne.
Die Kehle deines Vaters
brennt vor Sehnsucht nach dir.
Nimm den Schmerz,
spinn ihn zu Fäden,
web ein buntes Kleid für dich und
trag es auf der anderen Seite,
in einer Zeit, in der das Paradies
überwuchert und der Gott der Kindheit verloren ist

Verbunden mit: Frau Paulchen und ihrer Lyrikwoche, heute mit dem dritten Impuls „Tränenhalsband“ von Selma Meerbaum-Eisinger.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 2

Wird die Asche ins Grab gesenkt,
fällt mit dem Vorhang die Maske
und die nackte Wahrheit friert
ob der Berechnung, mit der die Menschen
zählen, was ihnen zusteht.
Liebe ist das, was bleibt,
wenn die Kerze längst verloschen ist
und die Eule in ihrem Nest schläft.
Im Wiederweg begegnen wir einst
denjenigen, die uns vorangingen.

Für Tag 2 lautete der Impuls: „im wiederweg“, aus dem Gedicht „Landschaft“ von Alfred Kolleritsch
Verbunden mit der Frapalywo, der Lyrikwoche von Frau Paulchen.

Geborgte Worte #Frapalywo Tag 1

„heute nacht bin ich unten beim ballast“ (geborgt von tomas tranströmer aus „nachtdienst“)

als wäre die zeit ein meer,
zwischen versunkenen erinnerungen
spielen fische fangen
jeder erlebte tag schickt
eine Handvoll staub, der
wie Sand auf den Grund sinkt
bis er unten
zu sedimenten versteinert
tentakelgleich schwanken die Fäden der Medusen
in der Strömung der emotionen
streicheln in der trauer
dicht unter dem Wasserspiegel
schaue ich in ihn hinein,
blickt persephone zurück.

Verbunden mit der Frapalywo, der Lyrikwoche von Frau Paulchen.

Alles für die Katz #90


Mea culpa. Mea maxima culpa. Wollte ich doch öfter bloggen, täglich gar. Und was war? Ein Termin jagt den nächsten und die Papiere breiten sich nicht nur über den Schreibtisch, sondern belegen bereits das Fensterbrett. Hier dienen sie der Katzmatz als Unterlage, die sich – im Falle eines schnellen Sprunges – jedoch als eher rutschig erweist. Liegt alles unten, darf ichs wieder aufheben.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Kain und Abel – zwei Brüder

Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: „Ich habe einen Mann vom Herrn erworben.“

Doch eigentlich hat sie ja noch gar keinen Mann, sondern einen hilflosen Säugling, der weint und schläft, der lacht und gluckst, mit den Händchen patscht und gestillt werden will.

Kain wächst und bekommt von Eva Möhrenbrei und Fencheltee, fühlt sich riesig, wenn er von ihr getragen wird – so kann er genauso weit gucken, wie sie. Und Kain ist ein aufgewecktes und neugieriges Kind, so wie eigentlich alle Kinder sind.

Eva putzt und kümmert sich

Eva putzt, räumt und kocht, kümmert sich um Kind und Wäsche, Haus und Garten. Nebenher hat sie ihren Sohn, den erstgeborenen Kain. Von Adam ist an dieser Stelle in der Bibel nicht die Rede. Was macht Adam den ganzen Tag lang? Zieht er mit den Herden umher, damit die Schafe immer frisches Gras fressen können, geht er auf die Jagd, damit Eva dann den Braten mit Knoblauch spicken kann und bestellt er die Felder, damit Getreide für Brei und Brot im Haus?

Adam ist abwesend. Vielleicht kommt er abends völlig fertig nach Hause – und wenn Eva ihm Kain reichen will, wehrt er ab: „Lass mal, ich kann mit so kleinen Kindern nichts anfangen“, isst seinen Abendbrei und legt sich erschöpft schlafen.

Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder.

Ich nehme einmal an, dass Kain vielleicht noch nicht ganz drei Jahre alt gewesen sein könnte: Ein Alter, in dem die Kinder schon „Ich“ und „Nein“ sagen können, und doch noch in den meisten Fällen die vertrauensvolle Nähe zur Mutter brauchen. Denn sie brauchen diese Liebe und den liebevollen Blick, der sie ins Leben zieht genauso, wie die Milch, genügend Schlaf und ab und an eine frische Windel.

Auch der Vater spielt gerade für das männliche Kind eine sehr wichtige Rolle, nicht nur, weil er mit ihm tobt und rangelt, wenn er abends von der Arbeit nach Hause kommt.

Denn irgendwann merkt der kleine Junge, dass er nicht so werden wird wie die Mama, dass er gar nicht so werden kann, auch wenn ihm die Mama das Liebste auf der Welt ist – und weswegen er den Vater auch schon mal zur Seite schieben will: Was der große Kerl da bloß will, das ist seine Mama, seine allerliebste Frau auf Erden, die er heiraten will, gleich dann, wenn er groß ist.

Nur so, wie die Mama ist, kann er nicht werden. Er wird, wenn er groß ist, keine Frau, die Kinder bekommen kann, sondern ein Mann. Und hier ist jetzt der Vater immens wichtig, der den Kleinen an die große Hand nimmt und ihm zeigt, wie er – statt zu Hause Kartoffeln zu schälen und Wäsche zu waschen – mutig die Schafe vor dem Wolf beschützt und die schwere Arbeit auf dem Feld verrichtet, damit die Familie etwas zu essen hat und die Mama stolz auf ihn sein kann.

Ich denke, Adam hat das irgendwie verpasst, warum auch immer. Vielleicht musste er mit den Schafen so weit ziehen, bis sie grünes Gras zu fressen hatten oder vielleicht war das Feld so weit weg im nächsten Tal, was weiß ich denn. Es steht davon ja nichts in der Bibel. Stattdessen steht geschrieben, dass Eva noch einen zweiten Sohn bekam, Abel.

Jetzt war Kain nicht mehr wichtig, so schien es ihm. Und so geht es vielen Erstgeborenen, wenn das nächste Kind kommt. Ein wenig ist es vom Alter abhängig und der Entwicklungsstufe, in der sie stehen, ob ihnen der Verlust der Einzigartigkeit schwerer oder leichter fällt.

Ständig trug jetzt die Mama den anderen, den Bruder, den Widersacher, schaukelte ihn, schmuste mit ihm – und Kain musste zugucken, wie Abel an der Brust trank. Kain dagegen wurde von der Mutter weg geschoben, wenn er auch von der süßen Milch trinken wollte: „Du bist doch jetzt groß“, tröstete ihn Eva. Doch für Kain war das kein Trost. Der Papa war nicht da und die Mama hatte jemand anderes im Arm.

Wilhelm Busch hat über die Dramatik dieser Situation ein passendes Gedicht geschrieben:

„Die Tante winkt, die Tante lacht:
He Fritz, komm mal herein!

Sieh welch ein hübsches Brüderlein

der gute Storch in letzter Nacht

ganz heimlich der Mama gebracht.

Ei ja, das wird dich freun! –

Der Fritz, der sagt ganz kurz und grob:

Ich hol’n dicken Stein und schmeiß ihn

an den Kopp!“

Für Kinder kann die Ankunft eines neuen Geschwisterchens tiefgreifend grausam sein. Etwa so, als wenn der geliebte Partner einem frohen Gesichtes eines schönen Abends erklärt, dass demnächst noch jemand einziehen und mit ihnen leben wird: „Und dann könnt ihr Euch die Anziehsachen im Schrank, die Schuhe und das Schminkzeug schön teilen – ich habe euch alle beide dann genauso lieb“. Na, wer das glaubt und mit einer Nebenfrau nicht eifersüchtig werden würde, der lügt, denke ich.

Kain ist eifersüchtig auf seinen Bruder und neidisch. Wäre jetzt Adam da und nähme ihn an der Hand und würde sagen: „Komm mit, lass die beiden da zu Hause hocken – wir gehen jetzt hinaus in die große weite Welt, denn du bist doch mein großer Sohn“, vielleicht hätte Kain dann etwas gefunden, auf das er stolz gewesen wäre. Und niemand hätte ihm diesen Stolz auf seine Leistung nehmen können.

Aber davon erzählt die Bibel leider nichts.

Kain ist neidisch. Und weil er neidisch ist, denkt er, dass es Abel einfach besser hat, dass Abel alles besser kann und dass Gott Abel auch noch viel lieber hat.

Und vielleicht wäre die biblische Geschichte anders ausgegangen, wenn Eva ihren Kain nicht immer weggeschubst hätte, weil er sie beim Stillen von Abel störte. Großen Kindern hilft es, wenn man sich Zeit nimmt, sich ganz allein mit ihnen beschäftigt, mit ihnen ein Bilderbuch ansieht oder einfach nur schmust und singt, mit ihm einen großen Turm baut oder ähnliches. Kain hätte die Gewissheit so sehr gebraucht, dass die Mama trotzdem noch für ihn da ist.

Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer.

Jeder hat etwas, wo er arbeitet und schafft und sich über das Geschaffene und Geleistete freuen kann. Doch Kain ist immer noch neidisch, auch wenn sich Abel einen Bereich gewählt hat, in dem sich die beiden Brüder überhaupt nicht direkt vergleichen können: Denn man kann nicht einfach einen Sack mit Gerste neben ein Schaf legen und sagen, das sei das Gleiche.

Neid ist ein Affekt, ein Gefühl, eine Leidenschaft, eine heftige Bewegung, eine Erregung des psychophysischen Organismus, der meistens zu einer Handlung drängt. Der Mensch ist unfrei, seinem Neid, wie auch Wut, Zorn, Hass, Eifersucht, Angst, Trauer, Geiz und Misstrauen ausgeliefert. Der neidische Mensch fühlt sich ohnmächtig, will sich mit seinem Neid in der Krisenlage selbst behaupten.

Eine Merkwürdigkeit dieser Affekte ist dass sie in der Regel „Ersatz für ein nicht vollzogenes oder geleistetes Gefühl ist“. Im Gefühl sind wir Menschen mit der Welt verbunden, alle sind gewissermaßen Spielarten der Liebe: Ob Freude, Mitleid und Güte, Mut und Höflichkeit.

Im Neid dagegen wird die Bewunderung und Liebe für die Vorzüge des anderen versäumt. Kain liebt seinen Bruder nicht, hat ihn, der ihn von Evas Seite quasi schubste, nie geliebt. Abel war für Kain immer der Rivale, den es zu besiegen galt.

Als Älterer musste er einfach besser sein, als der Kleine. Doch Abel ist auch groß geworden. Und vielleicht wurde er deswegen Schafhirt, weil Kain schon Ackerbauer war. So mied er den direkten Vergleich – vielleicht in der Hoffnung, dass der Ältere ihn dann wenigstens anerkennen würde.

Doch Neid ist hartnäckig. Kains Neid ist ein Charakterzug, etwas, was sich nicht wie ein zu klein gewordenes Hemd einfach ablegen lässt. Alfred Adler beschreibt den Neid in seinem Buch „Menschenkenntnis“ 1926 als einen Charakterzug aggressiver Natur und bringt ihn mit Eitelkeit, Ehrgeiz, Geiz und Hass in Verbindung: Neidische Menschen sind aggressive und feindselige Menschen. Für Adler ist der Neider ein Opfer seiner eigenen starken Minderwertigkeitsgefühle, die er durch fortwährendes Messen mit anderen zu kompensieren versucht. Er fühlt sich immer benachteiligt, was in seinem Immer-mehr-und-alles-haben-wollen zum Ausdruck kommt.

Der Neider unternimmt wenig aktive Anstrengung, um seine Lage zu verbessern. Er ist neidisch – und das reicht ihm. Würde er sich dagegen selbst entfalten und entwickeln, dann würde er selbst bei offensichtlicher Benachteiligung nicht neidisch, sondern zufrieden mit seiner Leistung sein.

Kain ist nicht zufrieden mit sich und seiner Leistung. Und weil er nicht mit sich eins ist, sondern neidisch auf seinen in seinen Augen von allen bevorzugten Bruder schaut, dann nehmen die Dinge einfach ihren Lauf, wie sie in der Bibel beschrieben stehen:

Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß, und warum senkt sich dein Blick?

Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon.

Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn!

Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn.

Nicht immer vertragen sich Geschwister so gut wir die Schweinchen auf dem Bild

Regensonntag

So ist das mit den Vorsätzen: kaum wollte ich öfter schreiben, kommt mir ein Schnupfen in die Quere. Deswegen habe ich das Wochenende wunderbar ruhig verbracht, das Sofa hat mich klaglos ertragen und der Stapel ungelesener Bücher ist ohnehin viel zu hoch. Da kam die Ruhe ganz recht.

Die Lieblingshausziege ist aushäusig unterwegs, besucht erst Oma und Opa, dann wollte sie noch  ihre neue Nichte bestaunen, das Christkindchen.

Donnerstags kommt die Abokiste. Oft steckt so viel Gemüse drin, dass ich einen Teil davon zu Brotaufstrich verbastele. Ich versuche dabei, so weit es geht ohne Dickungsmittel auszukommen, meistens klappt es, manchmal wird es eher ein Dip, in den das Brot eben getunkt wird. Leider führt abwechselndes Kochen und Schreiben zu einer klebrigen Tastatur, weil jedoch die Spülmaschine keine Option ist, muss ich statt dessen Lappen und Q-Tipps bemühen. Da der Mitbewohner tagsüber in der Küche schnippelt, kocht und mit dem Tageslicht um die Wette eifert, damit es noch zum Fotografieren reicht, muss ich mit den Zeiten in der Küche vorlieb nehmen, die übrig bleiben.

Neulich gehörte Meinung: Ach, ich bin viel zu unwichtig, für mich interessiert sich kein Hacker. Dann hoffe ich mal, dass du recht hast.

Eine kleine Buchhandlung gesehen, die offen war, ich gehe rein und schaue mich um. Schön sortiert, viel Unbekanntes, das gefällt mir. An der Kasse steht die Buchhändlerin und unterhält sich mit zwei Kunden, die sich gleichzeitig auch miteinander unterhalten: Ja, die Kinder von heute, die können noch nicht einmal eine einfache Aufgabenstellung lesen und begreifen. Beide nicken sich wissend zu und erklären der Buchhändlerin, dass einer von ihnen Mathe- und die andere Deutschlehrerin ist.

Katzmatz hat sich vermutlich geprügelt, sie ist an der Flanke verwundet. Wir wollten uns die Sache genauer anschauen, das fand sie aber nicht witzig. Inzwischen ist alles trocken, ich kann mit der Hand über die Stelle streicheln und sie bleibt ruhig. Heilt.

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Angeblich liken auf Instagram ja keine Bots. Poste ich jedoch ein schlichtes Brot, bestrichen mit Gänsefett, habe ich plötzlich Likes vom Karstadt Restaurant und einer Bar aus Düsseldorf. Seltsam.

Mit den Eltern waren wir im Herbst im Höllental wandern, jetzt whatsappte der Vater, dass am Sonntag im SWR eine Sendung über ebenjenes, doch ein kurzes Nachgucken zeigte, dass die Sendung nicht über das Tal an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, sondern über das Höllental in der Eifel informiert. Gucken kann ich trotzdem, vielleicht komme ich ja mal wieder in die Gegend. (Der Mitbewohner grinst, dort war er während seiner Bundeswehrzeit stationiert. Vermutlich gibt es dann heute – parallel zur Sendung – die Kommentare aus dem Sessel)

Bevor ich gleich wieder das Sofa hüte, koche ich mir noch eine große Kanne Ingwertee. Hilft gegen Wetter, Hals und maulende Katzen gleichermaßen.

Gute Vorsätze

Wenn ich mir einen Satz ausdenke und vor diesem noch einen weiteren Satz: Habe ich dann einen Vorsatz?

Beginnt ein neues Jahr, sind Vorsätze nicht weit. Immerhin lassen sie sich piepeinfach fassen: Ich denke mir etwas aus, ich wünsche mir etwas, ich stelle mir vor, wie ich gerne wäre, was ich gerne wäre – wenn ich nicht ganz so bequem und überhaupt mehr Zeit haben würde. Weil der innere Schweinehund ganz schön fett und feist ist und sich nicht bewegen will, ist das mit dem Vorsatz auch so schwierig. Der Schweinehund liegt vor mir, den Kopf auf die Pfoten gelegt. Will ich ihn hochjagen, zieht er eine Augenbraue hoch und weiß ganz genau: So schnell passiert nichts.

 

Gewohnheiten sind stark, sind stärker, sind gewöhnlich, ich wohne in ihnen und mit ihnen. Sie sind wohnlich, gemütlich und überhaupt ganz angenehm: Sonst wären sie ja keine Gewohnheiten geworden. Ich will dagegen aus den Gewohnheiten heraustreten, wie aus bequemen und ausgelatschten Schuhen und mit bloßen Sohlen durch das Gras hüpfen. Nur nicht heute, wo doch der Schnee überall liegt, morgen aber ganz bestimmt, wenn es warm genug ist. Ich will auf pieksigen Steinen laufen, bis die Füße untendrunter eine Schwiele gebildet haben und gelegentlich in neue Schuhe schlüpfen, die hier noch reiben und dort noch drücken. Ich will so lange durchhalten, bis diese bequem und eingelaufen sind, gewissermaßen neue Gewohnheiten werden – das erfordert Geduld und Muße.

Manchmal fehlt sowohl die Muße als auch die Geduld. Trotzdem schleichen sich manche neue Gewohnheiten einfach ein, gleichgültig, ob nun gerade Jahresanfang war oder nicht..

Und manchmal gelingen diese sogar.

Denn: Ich kaufe immer noch fast nichts, was ich nicht unbedingt brauche. Ich freue mich an den Dingen, die in Schaufenstern stehen und wundere mich, was es alles so gibt. Wofür Menschen ihr Geld ausgeben. Und auf das Glück hoffen, das sie so kaufen. Oder auch nicht. (Meistens wollen diese Dinge ja bedient werden und ich mag nicht mehr der Diener meiner Dinge sein).

Darum mache ich das alles

Auf die Frage:
“Wofür steht Ihr? In was für einer Welt wollt Ihr leben –  und was tut ihr dafür? Woran sollen sich die Nachfolgenden erinnern, wenn sie von Euch reden?”
antworte ich mit ein paar kleinen Geschichten:
Als ich studierte, mit Kind und wenig Geld, traf ich eine Kommilitonin beim Einkauf. Wir quasselten über dies und das, plötzlich fiel ihr ein: „Och, ich muss mir noch frisches Brot kaufen, ich hab nur noch welches von gestern“.
Wie? Brot von gestern?
„Und was machst Du mit dem alten Brot?“, fragte ich zurück.
„Das werfe ich weg“, war die Antwort.
Ich war sprachlos. Auch wenn ich mir bis dahin wenig Gedanken über Lebensmittel gemacht habe, und die Sparsamkeit meiner Urgroßmutter etwas lästig fand, wenn sie mich ermahnte, die Kartoffeln bitte nur ganz dünn zu schälen. Brot wegzuwerfen, nur weil es einen Tag alt war, das ging mir irgendwie zu weit.
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Manchmal kommt es auf die richtige Richtung an.

Es muss in der zweiten Klasse gewesen sein, so etwa. Wir sollten zu Hause einen Aufsatz schreiben. Das eigentliche Thema habe ich längst vergessen, ich weiß nur noch: Ich habe glücklich im Brockhaus-Lexikon gestöbert, gelesen und dann meine frisch gewonnenen Kenntnisse über die griechische Göttin Hygieia im Aufsatz niedergeschrieben. Am nächsten Tag sammelte die Lehrerin die Hefte ein. Einige Tage später begegnete ich ihr auf dem morgendlichen Weg zur Schule. Sie stellte Fragen zu dem von mir gewählten Aufsatzthema. Auch wenn ich erst acht Jahre alt war, nahm ich die Absicht wahr und war verstimmt: Die Lehrerin glaubte mir irgendwie nicht, dass ich etwas davon wusste, worüber ich geschrieben hatte. Ich war einigermaßen sauer und betrachtete die bis dahin hochverehrte Lehrerin mit Argwohn, ob sie das, was sie sagte, auch wirklich so meinte.

Rückten mein Geburtstag oder Weihnachten näher, wurde ich als Kind unruhig. War ich allein zu Hause, habe ich nachgekramt, was die Eltern so alles versteckt hatten. Ich war neugierig. Sehr sogar. Die Neugier hatte einen ganz konkreten Grund: Ich wollte wissen, was ich geschenkt kriegen würde. Nicht alles, was ich bekam, gefiel mir. An Schlafanzügen, Pullovern, Mützen oder Handschuhen hatte ich so gar kein Interesse. Damit meine Enttäuschung an dem Tag, an dem die ganze Pracht unter dem Weihnachtsbaum oder auf dem Geburtstagstisch lag, nicht zu groß sein würde, habe ich lieber vorher nachgeguckt, was es so geben würde.
Als ich anfing zu studieren, konnte ich mir nicht vorstellen, nach dem Ende des Studiums bis zur Rentenzeit an ein und derselben Stelle ein und dieselbe Arbeit zu machen und dabei an ein und demselben Ort zu leben. Für mich wirkte das wie ein Graus. Dass es anders kommen würde, konnte ich damals noch nicht ahnen…
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Was treibt mich also an?
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Meine Neugierde. Die Lust darauf, meine Nase in Dinge zu stecken, die mich vielleicht nicht immer etwas angehen, die ich aber trotzdem interessant finde. Dazu gehört, dass mich interessiert, was andere Menschen antreibt, warum sie Dinge tun und andere lassen. Warum sie auf eine bestimmte Art und Weise reden und handeln. In der Grundschule dachte ich noch, dass die großen Schüler es einfacher haben, es schien, als kämen sie ohne Zankerei und andere fiese Gemeinheiten miteinander aus. Doch das war ein Irrtum. Selbst erwachsene Menschen sind zickig, zänkisch und manipulieren andere Menschen emotional.
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Die Lust, zu schreiben. Ich war noch in der Grundschule, als ich mein erstes Buch, ein Sachbuch über den Wald, zu schreiben begann: Zwar habe ich bisher immer noch kein Buch fertig, aber dafür viele andere Texte, für Zeitungen, in meinem Blog und anderswo. Am liebsten schreibe ich übrigens die Jubiläumstexte für die Zeitung, diese kleinen Miniaturen über Ehepaare, die seit 50, 60 oder 65 Jahren miteinander verheiratet ist. Es ist so spannend zu erleben, wie unterschiedlich und vielfältig solche Leben miteinander gelingen können.
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Das Wissen darüber, dass Kaufen und Haben-Wollen nicht alles ist. Geschenke können enttäuschen und sind, wie die anderen gekauften Sachen auch, nur Dinge. Viel wichtiger war für mich immer, dass ich Zeit dazu habe, Zeit zu verlieren. Diese Zeit verbringe ich im Wald und beim Wandern, mit anderen Menschen, wohne zwischen Buchdeckeln oder gucke der Hummel zu, wie sie zwischen hohen Grashalmen laviert und punktgenau in ihrem Erdloch verschwindet.
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Ich möchte in einer Welt leben, in der die Menschen ein echtes Interesse aneinander haben.
Ich möchte in einer Welt leben, in der die Menschen achtsam sind – mit sich und den anderen.
Ich möchte in einer Welt leben, in der die Menschen Zeit dafür haben, um glücklich zu sein.
„Es gibt einen Mangel an Zeit, der ist schon ein Mangel an Menschlichkeit.“
Heinz Kahlau.