Lechweg: Die erste Etappe

Der Formarinsee. Türkisgrünes Auge im Stein, gespeist von Himmelswasser, das von den Bergen herunterrinnt. Von dort beginnt der Lech seinen Lauf, zunächst unsichtbar unterirdisch, in vielen Rinnsalen, die sich finden, zueinander fließen.

Hier oben könnte man vor lauter Schönheit besoffen werden, glücklicherweise ahnt das der Himmel, zieht ein paar Wolken zusammen und lässt es ein bisschen regnen. Wir wandern langsam, wollen jeden Stein am liebsten mit den Augen streicheln. Das helle Tock-tock-tock der Wanderstöcke hinter uns ist nicht zu überhören. Wir weichen aus, wir machen Platz und lassen alle, die es eiliger haben, einfach vorbeiziehen.

Die Lech wird links und rechts von immer neuen Rinnsalen gespeist, sammelt sie alle ein, wächst Tropfen für Tropfen, bahnt sich ihren Weg über die Felsen, höhlt sie aus, wäscht sich Tobel, poliert Geröll und rauscht bergab, immer weiter.

Für 29000 Schritte haben wir acht Stunden gebraucht, das ist genau richtig um ausreichend zu Gucken, Trödeln, Schwätzen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Morgen geht es weiter.

Himmelhochoben am Lech

Oben auf dem Rüfikopf

Manchmal ist es einfach gut, hoch auf einen Berg zu steigen, nagut, sich mit der Seilbahn fahren zu lassen. Wir kamen heute so rechtzeitig in Lech an, dass wir – auf Empfehlung der Wirtin – unsere Lechkarte gleich genutzt haben und mit der Rüfikopfbahn hoch auf den Rüfikopf gefahren sind. Oben war es entschieden frischer als unten, glücklicherweise hatten wir ja die Jacken dabei. Wir gingen über schmale Pfade, kletterten über Steine und staunten darüber, dass alles irgendwann einmal unter Wasser war. Obendrauf liegt nämlich Dolomit – und der entstand einst aus Kalkschlamm. Das ist zwar für uns Menschen schon ein Weilchen her, geht es jedoch um Gesteine und Geochronologie, war das geradezu erst vorgestern.

Morgen nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus zum Formarinsee, zur Quelle des Lech und laufen an der Lech nach Lech zurück. Ich hoffe, das Wetter bleibt einigermaßen gut. Wir werden es sehen.

Alles für die Katz #83

Kätzchen, pass auf! Da ist eine Straße…

Selbstverständlich gab es auch am Wochenende eine Katze, die sich zwischen den Menschen aufhielt und gerne kraulen ließ. Wir haben sie alle ausgiebig beschmust, auch wenn sie bei einigen als Dank an den Fingern geknabbert hat. Da ich heute mit dem Mitbewohner zu einem Essen eingeladen war, wurde es doch später als gedacht. Und weil wir morgen in aller Herrgottsfrühe nach Füssen fahren, kann ich möglicherweise erst später antworten.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Ich bin dann mal weg

Für ein Wochenende bin ich mit dem Mitbewohner und anderen Wortrebellen aus Erlangen etcetera in der Fränkischen. Wir wollen ein Wochenende lang Inspirationen sammeln, Texte schreiben, überarbeiten und alles in einem Poetry Slam enden lassen.

P.S. Am Sonntag gibt es auch wieder „alles für die Katz“, allerdings erst am Nachmittag oder gegen Abend.

Was willst du denn?

Immer
dauert genau so lange,
bis du nie genug davon bekommst.
Du stehst von Tönen umhüllt
auf dem Platz. So ist der
Schrei weniger laut und
trägt dich
über die Wolken,
dorthin,
wo der Flügel drei Beine hat
und fest auf dem Boden des Ungefähren darauf wartet,
dass der Schmetterling in China
genügend Stäubchen aufwirbelt
um Amor zu blenden.
Bis
er abstürzt aus allen Wolken.
Psyche an seiner Seite
welche die tropfende Kerze hält
mit ihr
die Wirklichkeit auslöscht
und wie eine gewöhnliche Badeente im Schaum versinkt.

#abc.etüden: Fledermaus, schwül, verraten

Dämmerung senkt ihre leisen Flügel über Bäume und Stein, hüllt alles ein, verwischt die Grenze zwischen heute und morgen. Einer großen Fledermaus gleich kriecht die Angst aus der Höhle, in der sie tagsüber schlief und beginnt ihren Flug durch die schwüle Nacht. Der Atem verrät die unruhigen Schläfer: Sie nutzt die Lücke, nistet sich ein, füllt sie allmählich auf, bis sie innerlich vergiftet nicht mehr zwischen dunklem Lug und heller Wirklichkeit unterscheiden. Grauen fesselt die Gedanken der Seelen, hält sie und hindert grenzenlosen Flug. Meist dauert es nicht lange, bis sie ihr eigenes Ich im Spiegelbild verkennen und nur noch mit dem Blick der Anderen urteilen.
Im gleichen Takt, in dem sich die Dunkelheit senkt, brechen in der vertraut scheinenden Welt Risse auf, zunächst fadendünn, bis im Lauf der Zeit das Licht mit Macht durch die Ritzen zwängt und zeigt: Es gibt einen Ort, an dem alles geborgen und unerreichbar bleibt für die Gespenster der Angst.
Ist Geburt Anagramm für Betrug, trägt die Liebe. Sie hält ihre sicheren Hände und fängt Fallende auf. Wird am nächsten Morgen der Schatten vom Licht vertrieben, zieht Angst machtlos von dannen.

Drei Worte in maximal zehn Sätzen: Das ist die Vorgabe für die abc.etüden bei Christiane.

 

Seid gut zu Vögeln

Seit Wochen regnet es nur selten. Da freuen sich die Vögel, wenn extra für sie eine Vogeltränke im Baum hängt und diese so angebracht ist, dass garantiert keine Katze das Wasserbad stören kann.


Auch wenn sie schon ein wenig rostig ist, hat sie doch Sitzstange und Ast: So können die Vögel vom Wasser trinken. Wir sahen sie, als wir rund um Königsberg (Link) unterwegs waren und haben sie extra für die Rostparade bei Frau Tonari eingepackt.

Eigentlich

Eigentlich müsste ich Wäsche waschen und vorher die Taschen der Hosen ausräumen. Es gibt nix zu säumen. Die Schränke sind leer, ich finde nichts mehr. Nimm gewendete Socken und wenn du die Locken lang hängen lässt, verbirgst du den Rest der Flecken am Kragen aus vergangenen Tagen. Die Spuren verweisen auf unsere Reisen durchs Land. Solange sie bleiben, hält die Zeit – wir schweigen und schöpfen Atem. Riechen Schweiß und Tränen – ich muss grad mal gähnen. An Schlaf war nur wenig zu denken. (Du könntest mir auch ein neues Kleid schenken). Drum lass ich das Waschen, gehe mit raschen Schritten weiter den Weg. Wie gewohnt. Jeden Tag ein Stück.

Heute ist der Mitbewohner unterwegs, sucht ein Brett aus Pflaumenholz und will darauf mit Zinn schreiben. Die Lieblingshausziege hat Urlaub und endlich war Gelegenheit, für uns beide ein Spotify-Konto einzurichten, so dass ich schon den ganzen Tag Chris Eckman hören kann. Passt.

 

Auswärts auf der Hardenburg unterwegs

Für den Ausflug auf Burg Pappenheim (wer mag, kann dem Link folgen) gab es als Belohnung einen Picknickkorb und zwei Eintrittskarten für die Hardenburg. Also fuhren wir via Speyer und Landau bis in die Pfalz nach Bad Dürkheim und zur Hardenburg.

So schmeckt die Pfalz: Auf der Hardenburg

Wir stöberten auf der Hardenburg herum, stiegen bis auf den Turm, spitzten durch alle Fenster und genossen den Blick ins Weite.

Blick vom Turm auf die gesamte Burganlage der Hardenburg

An den Mauern hatte der Zahn der Zeit schon fleißig genagt, Gras und Kräuter wuchsen überall dort, wo sie ein bisschen Halt und Erde fanden.

Wie große Zahnstummel ragen die Mauerreste in den Himmel.

N. hätte es hier gefallen, sagte der Mitbewohner. Er liebte Burgen. Deswegen besuchte der Mitbewohner mit ihm einst sämtliche Burgen in der Fränkischen, eine nach der anderen.

Als wir uns aus einem Fenster lehnten, von dem nur noch die steinerne Laibung vorhanden war und die unten grasenden Ziegen entdeckten, erinnerte sich der Mitbewohner daran, dass sich N. als Kind immer vor der Tiefe gefürchtet hatte.

Blick über die steinerne Fensterlaibung.

Auf dem Rückweg schlendern wir erst durch das Kurstädtchen Bad Dürkheim, schlecken ein Eis, nehmen ein, zwei tiefe Atemzüge Salinenluft und ich fahre zurück auf die Autobahn. Doch ich mag den Rückweg nicht in einem Rutsch durchfahren und nehme die Ausfahrt nach Bad Wimpfen.

Hier ist der Ort, wo hoch über dem Neckar die Stauferpfalz thront, die Pfalz von Fridericus Rex, dem puer apuliae – und daran, dass sich hier sein ältester Sohn unterwerfen musste. Doch es nutzte nichts, Heinrich wurde als König abgesetzt und in immer wieder anderen Gefängnissen untergebracht.

Wir saßen mit dem Rücken zur Pfalz, sahen den jungen Turmfalken bei ihren Flügen zu, ließen den Neckar ziehen, aßen Maultaschen und fuhren wieder nach Hause.