12 Bilder vom 12. Juni

Zwei Libellen ├╝ber dem Wasser.

Vormittags war Schreibzeit, ich kann ja schlie├člich nicht den ganzen Tag faulenzen. Daf├╝r war ich aber bald nach dem Mittag drau├čen: Das Wetter war sch├Ân, die W├Ąsche ist geduldig und wer wei├č, wie lange es sonnig und warm ist. Ich wollte die Fr├Âschlein besuchen, ein paar Holunderbl├╝ten pfl├╝cken und auf der Bank am Weiher einen kleinen Text mit der Hand schreiben.

Hupf – da war das Fr├Âschlein weg.

Doch am ersten Weiher waren die Fr├Âschchen schneller als ich, hupften ins Wasser, nur die Kreise im Wasser k├╝ndeten davon, dass sie grad hier noch waren.

Einer der unz├Ąhligen Weiher, die es hier zu hunderten und tausenden zwischen den W├Ąldern und Feldern gibt.

Die Kiefernnadeln bildeten einen weich-federnden Teppich, von oben wehte der Wind die Zapfen herab.

Ein leerer Weiher. Jetzt ist hier Wiese.

Harziger Holzduft.

Der harzige Duft des frisch geschlagenen Holzes kriecht in meine Nase. Ich inhaliere den Duft, habe f├╝r einen Moment das Gef├╝hl, als s├Ą├če ich in einer Wanne mit Latschenkiefernschaumbad, doch der Wind treibt mich weiter.

Verwunschener Pfad?

Ein wie verwunschen wirkender Pfad f├╝hrt in den Wald, da ich keine Eile habe, folge ich einfach –

H├╝tte im Wald

und finde eine kleine H├╝tte im Wald. Wohnt da jemand?

Der Holunder bl├╝ht.

Ich hole die Schere aus der Tasche, schneide die Dolden und verstaue sie sorgf├Ąltig. Nachher gibt es R├╝hrkuchen mit Holunderbl├╝ten.

Ein Fr├Âschchen.

Im n├Ąchsten Weiher h├Âre ich die Fr├Âschchen schon von weitem. Und als ich mich n├Ąherschleiche, sehe ich sie.

Gro├čartiger Himmel

Auf einer Bank am Weiher schaue ich den ziehenden Wolken hinterher. Und schreibe.

Kreuzende Flugzeuge.

Gleich bin ich zur├╝ck.

Keine bunten Sommerbl├╝ten, nirgends, nur einheitlich sattes Gr├╝n: Grasgr├╝n, Tannennadelgr├╝n, Moosgr├╝n, Birkengr├╝n, Hafergr├╝n. Lediglich die Dolden des Holunders leuchteten wei├č und verstr├Âmten ihren bitters├╝├čen Duft, der Basti an den Sirup erinnerte, den die Oma manchmal vor ihn stellte und an den Fliedertee, den er trinken musste, wenn er fieberkrank im Bett lag.

Sie kamen bis zu einem Hof, von dem nichts mehr existierte, au├čer dem leeren Platz, den sich das Unkraut langsam zur├╝ckeroberte. Kaum etwas erinnerte mehr daran, dass es hier einmal ein Wohnhaus, St├Ąlle und Scheunen gegeben hatte. „Zu nah an der Grenze“, lautete das Urteil, das die Sprengung befahl. Die Bewohner durften ihre Sachen packen und mussten gehen. Selbst der Schutt wurde abtransportiert. Zwei Stufen schienen nach unten zu f├╝hren, versandeten im Kies „Hier war sicher ein Bunker“, vermutete Norbert.

Weit hatten sie es jetzt nicht mehr.

Verbunden mit: Drau├čen nur K├Ąnnchen, hier gibt es noch viele andere Bilder sch├Âner Tage.

Verbunden mit: Irgendwas ist immer und den drei gespendeten Worten Bunker, Sommerbl├╝ten und bitters├╝├č.

Verbunden mit: Daily prompt „Taper“.┬á

4 Gedanken zu „12 Bilder vom 12. Juni

  1. Die deutsche Sprache kennt so unglaublich viele Gr├╝ns, sagt eine Untersuchung, die mich mal schwer beeindruckt hat, und dass wir damit angeblich f├╝hrend sind. So wie die Inuit unendlich viele W├Ârter f├╝r den Zustand und die Farbe von Eis und Schnee haben. (Sieh mir die mangelnden Zahlen nach, ich wei├č sie nicht mehr.)
    Bin gespannt, wie es mit den dreien weitergeht. Und was machen eigentlich die Daheimgebliebenen?
    Liebe Gr├╝├če
    Christiane

    • Ja, die warten erst einmal. Bis sie merken, dass die Jungs nie mehr kommen werden. ­čÖé Weils nunmal nur in eine Richtung, aber nicht mehr zur├╝ck geht, erst viele Jahre sp├Ąter ├Ąndert sich das ja.

  2. Interessant die Wortspende und was du daraus gemacht hast. Ein bisschen hat es mir die durch das viele Gr├╝n hervorgerufene friedliche Gestimmtheit verstimmt.
    LG
    Astrid

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