√∂kologisch, √∂kologischer, am verr√ľcktesten – Webmasterfriday

Urspr√ľnglich bedeutete das Wort √Ėkologie einfach nur: Haushaltskunde, abgeleitet vom griechischen Wort oikos f√ľr Haus und logos f√ľr Lehre.
Das Wort buzz bedeutet summen bzw. schwirren oder es bezeichnet ein Ger√ľcht, etwas, √ľber das sich Menschen aufregen und es deswegen herumschwirrend verbreiten und jedem davon erz√§hlen.
Der Webmasterfriday m√∂chte, dass sich die Aufregung √ľber das √Ėkobloggen viral verbreitet. Jeder Blogger der teilnimmt, soll beschreiben, wie sparsam er seinen Blog betreibt und jedem darin erkl√§ren, wie sauber der Strom ist, mit dem der Schlepptop oder Computer betrieben wird und wie umweltbewusst sich ein Blogger als solcher verh√§lt. Vielleicht geht es auch nur darum, wie oft er sich und sein Shirt w√§scht? Ganz nach der Formel: Je seltener, desto dreckiger sind zwar die Ohren und der Hals, aber die Umwelt bleibt sauber, weil keine Seife verbraucht und in den Abfluss gesp√ľlt wird.
Wenn √Ėkologie schlicht Haushaltskunde ist, dann w√§re es sicherlich gut, wenn sich die Menschen verhielten, wie die sprichw√∂rtliche schw√§bische Hausfrau, die nicht mehr ausgibt, als sie in ihrer Tasche hat. Auf den Haushalt unserer Erde und die darauf lebenden Lebewesen bezogen, l√§sst sich der √∂kologische Fu√üabdruck jedes einzelnen Menschen ann√§hernd berechnen: Wir haben nun einmal nur eine Erde – und was diese erzeugt oder was sie an Rohstoffen hergibt, so viel kann eigentlich nur verbraucht werden. Doch die meisten von uns brauchen mehr, auch wenn es uns nicht immer bewusst ist.
Es gibt keine Handlung, die keine Folgen hat, das gilt auch f√ľr das Bloggen. Immerhin: Es verbraucht kein Papier, weil die Beitr√§ge direkt am Bildschirm gelesen werden k√∂nnen. Aber es verbraucht Strom und die Ger√§te m√ľssen ja auch irgendwie und irgendwo hergestellt werden. (Vielleicht sollte ich mal nachforschen, wie √∂kologisch das alles ist oder nicht ist). Alles ist miteinander vernetzt und einzelne Dinge oder Handlungen lassen sich auch nur schwer voneinander trennen und unabh√§ngig voneinander betrachten. Aber aus nachwachsenden Rohstoffen l√§sst sich nunmal leider kein Laptop schnitzen, auch wenn ich gerne so leben m√∂chte, dass ich nicht mehr Dinge brauche und mehr an M√ľll verursache, als unbedingt n√∂tig ist.
Wenn ich also √∂kologisch korrekt blogge, und dieses mit einem wie auch immer gearteten Label nachweise, bin ich dann ein besserer Mensch? Das w√§re dann so, als w√ľrde ein Blog durch ein √Ėkolabel f√ľr den Blog aufgewertet werden k√∂nnen. Kommt es dadurch dann zu einer Gentrifizierung der Blogs, analog zur Gentrifizierung ganzer Stadtviertel?
Ich stelle mir das jetzt gerade so vor, wie es in angesagten Stadtvierteln ja in der Realit√§t passiert: Entwickeln sich ehemals heruntergekommene Stadtviertel, dann freut das vor allen Dingen die Immobilienbesitzer, weil diese mehr Miete bekommen. Aber deren Verwertungsstrategien der Grundst√ľcke und H√§user sind nur dann erfolgreich, wenn dabei die alten Bewohner, die leiderleider nicht so zahlungskr√§ftig sind, vertrieben werden. Erst dadurch entsteht ein h√∂herer Anreiz, hier zu investieren, damit sich die Biol√§den und Pilatesstudios, das ganze Bionade-Biedermeier also, ausbreiten kann.
Kleiner Einschub: Selbstverst√§ndlich habe ich √ľberhaupt nichts gegen √∂kologisch sinnvolles Verhalten. Mitnichten. Ich achte seit vielen Jahren auf viele kleine Dinge, werfe selten etwas weg und denke dreimal dar√ľber nach, ob ich etwas wirklich brauche, bevor ich es kaufe. Ich benutze meinen Laptop, so lange es geht. Ich reise lieber in meiner Umgebung herum, statt in der ganzen Welt. Doch w√ľrde ich alles selbst herstellen, wie es die Menschen vor vielen Jahren gemacht haben, dann w√ľrde ich zwar eventuell √∂kologisch korrekter leben, h√§tte aber keine Zeit mehr, zu bloggen oder f√ľr meine Entdeckungen in Franken und anderswo unterwegs zu sein. Ein bisschen Geld verdienen muss ich gelegentlich ebenfalls, weil der B√§cker mir die Br√∂tchen sonst nicht gibt.
Aber ich frage mich trotzdem, wozu ein √Ėko-Label f√ľr einen Blog gut sein soll. Wertet es den Blog auf? Verleiht es ihm eine mystische Aura der Reinheit? Erkl√§rt es den Blogger zu einem Gutmenschen? Immerhin tummeln sich in einer realen gentrifizierten Welt lieber die Individualisten, die K√ľnstler, die Kreativen eben, die sich auch (manchmal, nicht immer) der malochenden Bev√∂lkerung ein wenig √ľberlegen f√ľhlen: Sie verdienen ihr Geld nun einmal nicht mit ihren H√§nden, sondern mit ihrem Kopf. Nun, kreativ sind Blogger allerdings definitiv: Jeder sitzt einzeln und individuell allein vor seinem Bildschirm, ob √∂ko oder nicht, tippt (hoffentlich) seine eigenen W√∂rter in die Tastatur und hofft, dass andere Menschen eben diese lesen. Ob nun mit √Ėkolabel, oder ohne. In diesem Sinne w√ľnsche ich mir und allen anderen, die sich an dieser Blogparade beteiligt haben, viele Leser. Und durchaus ein konstruktives Nachdenken dar√ľber, wie sich ein Leben √∂kologisch gut f√ľhren l√§sst. So, dass wir nicht mehr verbrauchen, als zum Leben eben notwendig ist. Und damit meine ich keinesfalls ein asketisches Leben, in dem wir uns nichts mehr g√∂nnen.
Das l√§sst sich auch nur in kleinen Schritten erreichen – St√ľck f√ľr St√ľck. Wenn ich etwas sehe, was ich gerne haben m√∂chte, frage ich mich immer, ob ich das wirklich brauche. Hat der Strumpf ein Loch, wird er selbstverst√§ndlich ersetzt – aber nicht vorher. Und so gilt das f√ľr die meisten Dinge. Von vielen meiner Kleidungsst√ľcke kann ich mich nur schwer trennen – ich habe sie sorgf√§ltig ausgesucht und ziehe sie immer wieder gerne an. Allerdings ist mir shoppen gehen ohnehin ein ziemlicher Graus, da f√§llt es mir leicht, einen gro√üen Bogen um L√§den zu machen.
So hoffe ich, wenigstens ein bisschen die Welt zu retten. Auch wenn ich kaum daran glauben kann, dass mein Beitrag dazu entscheidend etwas beitragen wird. Manchmal ¬†kommt mir ja das Ganze wie eine neue religi√∂se Bewegung vor, in der sich eine Apokalypse nur dann abwenden l√§sst, wenn ich meinen Strom mittels Generator und Pedale unter dem Schreibtisch selbst erzeuge. Deswegen kann ich immer wieder vergn√ľgt √ľberlegen: Warum muss jetzt eigentlich auch noch mein Blog √∂kologisch sein?