KreativitĂ€t fĂŒr alle — eine Blogparade

Kreativ ist höchstens der liebe Gott
Das erste, was mir zum Thema KreativitĂ€t einfĂ€llt, ist das Bonmot eines Redakteurs, der als QualitĂ€tsbeauftragter der Zeitung ĂŒber die grassierende KreativitĂ€tsflut grummelte: Kreativ sei höchstens der liebe Gott – und wer das nĂ€chste Mal das Zusammenstecken von drei Tannenzweigen mit zwei Zapfen und einer Kerze in einem Artikel als kreativ bezeichne, der könne gerne erleben, was er dann Kreatives zu sagen hĂ€tte. Ab sofort war das Wort „kreativ“ gewissermaßen sakrosankt. Jedenfalls in dieser Zeitung.
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Das schaffe ich nie
Das zweite, was mir zur KreativitĂ€t einfĂ€llt, ist das GefĂŒhl, welches mich kurz vor dem Abitur beschlich: Es gab so unglaublich viel zu lesen, die griechischen Philosophen, die moderne Belletristik, und natĂŒrlich auch die ganzen Klassiker. Ich glaubte damals, dass ich es nie schaffen wĂŒrde, alles zu lesen, was ich lesen möchte. Nie in meinem Leben. Ich las, als ob davon irgendetwas abhinge, alles durcheinander. Ich las, bis die Finger selbst dann blĂ€tterten, wenn ich kein Buch in der Hand hielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich ĂŒberhaupt nicht alles lesen muss. Dass ich plötzlich trotzdem ZusammenhĂ€nge sehe, Dinge verstehe und Assoziationen habe. Plötzlich fĂŒgten sich die Dinge, die gelesenen und die erlebten, sie bildeten gewissermaßen neue Muster und fĂŒhrten auf neue Wege. Das blieb bis heute so: Lese ich etwas, dann sehe ich Analogien, dann fĂ€llt mir noch etwas anderes dazu ein, was ich ergĂ€nzen könnte und manchmal kommt es zu ganz neuen Bildern, Ideen und Assoziationen. Manchmal sind diese Assoziationen klar, manchmal weniger, aber wenn ich dem nachspĂŒren möchte, dann weiß ich, wo ich nachlesen und suchen kann.
Kochen als Experiment
Ähnlich war es beim Kochen: WĂ€hrend ich das Kochen lernte, so kurz, nachdem ich aus dem elterlichen Haushalt ausgezogen war, befolgte ich zunĂ€chst jedes Rezept akribisch genau und trotzdem schmeckte es oft anders, als gedacht. Erst nachdem ich durch Routine und Ursachenforschung den GrĂŒnden des Misslingens auf die Schliche kam, wurde es besser. Ich verstand nicht nur, wie das Kochen eigentlich funktionierte, sondern nutze Rezepte lĂ€ngst nur noch als Anregung.
Beim Schreiben trödeln
Beim Schreiben ist es im Prinzip nicht viel anders: Das flutscht am Besten, wenn ich zwischendrin Zeit zum Trödeln habe. Wenn ich also nicht ausgesprochen kreativ bin, sondern die WĂ€sche bĂŒgele, die Fenster putze, laufen gehe, Essen koche, aber es nutzt mir nur dann etwas, wenn ich bei diesen eigentlich monotonen und routinierten TĂ€tigkeiten wirklich dabei bin. Es nutzt nichts, wenn ich diese Dinge nur mit halber Aufmerksamkeit, quasi gebremst mache, wĂ€hrend ich innerlich mosere und viel lieber etwas anderes machen wĂŒrde. Die Liebe zur jeweiligen TĂ€tigkeit, auch wenn ich sie gar nicht wirklich mag, gehört dazu. Diese Feststellung hat mich mit Sachen versöhnt, die ich frĂŒher einfach nur fĂŒr Zeitverschwendung hielt, wie beispielsweise Putzen und AufrĂ€umen.
Rituale und Gewohnheiten
In solch verlĂ€sslichen Ritualen und Gewohnheiten bin ich gut zu Hause. Da brauche ich nicht jeden Tag aufs Neue zu ĂŒberlegen: da gibt es Morgens Kaffee, FrĂŒhstĂŒck und Mittags was Warmes zu essen, wenn die Lieblingshausziege aus der Schule kommt.
GlĂŒck im Leben: Ich mache, was mir gefĂ€llt
Ich denke, ich habe einfach GlĂŒck: Ich bekomme mein Geld fĂŒr Dinge, die ich auch noch gerne mache. MĂŒsste ich an der Kasse eines Supermarktes arbeiten und das Geld wĂŒrde trotzdem nicht zum Leben reichen, dann sĂ€he es bestimmt anders aus. Dann wĂ€re ich geschafft und kaputt und mĂŒde und einfach froh, wenn mich der Fernseher noch ein wenig unterhalten und ablenken könnte. Nehme ich mal an. Aber da ich keinen Fernseher habe, kann ich das nicht wissen.
Freiraum fĂŒr KreativitĂ€t
FĂŒr KreativitĂ€t brauche ich Freiraum. Zeit. Einfach so. FĂŒrs Nichtstun. FĂŒrs NĂ€hen. Dann fĂ€llt mir auch was ein. WĂŒrde ich mich dagegen den ganzen Tag in einem Hamsterrad abstrampeln, dann wĂŒrde ich nur den Ausgang suchen. Denke ich mal. Aber auch das weiß ich nicht. Man sagt ja, dass ein Manager dieses Hamsterrad als Karriereleiter interpretiert. Und weiter strampelt.
Das ist ein Beitrag zur Blogparade, ausgerufen von Sybille Johann zum Thema: „Was bedeutet fĂŒr mich KreativitĂ€t und wo hilft sie mir im Alltag?“