Bereit zum Einsatz: FĂŒr die Rostparade

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Ich stehe hier – und warte: Auf Schnee und ander Ungemach./ Zu schieben auf die Seite, was nicht gebraucht, doch ach: / Was mach ich mit den SchĂ€tzen,/ die auf so vielen PlĂ€tzen / verworfen, ausgekehrt. / Einst waren sie begehrt. / Um einen Lidschlag spĂ€ter fast ungebraucht zu enden? Dabei ist es oft möglich, sie wieder zu verwenden.

Das ist mein Beitrag zur Rostparade bei Frau Tonari.

Webmasterfriday: Der eigene Schreibstil im Blog

Vor einiger Zeit gab es in der Frankfurter Allgemeinen ein witziges Tool, mit dem der eigene Schreibstil mit dem Schreibstil bekannter Schriftsteller verglichen werden konnte. Damit aber zunÀchst der Blogpost gelesen wird, gibt es den Link erst am Ende desselben.

Der Webmasterfriday fragt in dieser Woche nach dem eigenen Schreibstil. Ob ich einfach und frei nach Schnauze schreibe oder elaboriert, also komplex und differenziert. Das kommt ganz darauf an. Weder mag ich ein Stakkato an kurzen, abgehackten HauptsĂ€tzen, noch ein Durcheinander an SchachtelsĂ€tzen, bei denen das entscheidende Verb – das funktioniert im Deutschen ganz wunderbar – erst ganz am Schluss zu finden ist.

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Hier wird zwar nicht geschrieben, sondern gemalt, doch das gibt irgendwann auch einen eigenen Stil.

Ich versuche, verstĂ€ndlich zu schreiben. Mich kurz zu fassen – und trotzdem nichts Wesentliches zu vergessen. Ich weiß, dass im Internet anders gelesen wird, als auf dem Papier, auch aus meiner eigenen Erfahrung. Langweilt der Schreiber, bin ich fix weg. Das hat allerdings nichts mit der SatzlĂ€nge zu tun, ich lese auch gerne verschachtelte SĂ€tze. Nicht alle Gedanken sind gerade und klar, manchmal sind die krummen Wege interessant, in ihnen lassen sich wie in einem Garten mit gewundenen Pfaden interessante Ideen entdecken. Allerdings fand ich auch schon solch kompliziert geschriebene SĂ€tze, dass ich gedachte habe: Was hat der denn geraucht? Haben will…

Ich versuche, Bilder zu finden, damit abstrakte Gedanken verstĂ€ndlich werden. Es ist ein Unterschied, ob jemand einfach zur Arbeit geht, dorthin trottet, sich um die Ecke drĂŒckt oder davonschleicht. Das kann eine Metapher, Anapher oder ein anderes Stilmittel sein. Hier ist eine schöne Übersicht ĂŒber die unterschiedlichen Stilmittel: Link.

Ich versuche, das Passiv zu meiden: „Dem Passiv gilt die Liebe von Gebrauchsanweisungen, KochbĂŒchern und Behördenbriefen“, schrieb Wolf Schneider in seinem Buch: „Deutsch fĂŒrs Leben“. Die Schriftsprache kann ziemlich kompliziert sein, ich erinnere mich noch gut an manche Deutschstunde in der Oberstufe, als uns der Lehrer die unterschiedlichsten Formen und ihre Feinheiten beibringen wollte. Manchmal bedauere ich heute, dass ich damals nicht besser aufgepasst habe. Denn mit Hilfe des Konjunktivs oder anderer Konstruktionen lassen sich manche Feinheiten besser ausdrĂŒcken. Da hilft nur: Nachschlagen, wenn ich was nicht weiß. Falls es mir auffĂ€llt. Wenn nicht, nun, dann bleiben Fehler stehen, von denen ich nicht weiß, dass es welche sind. Passiert bestimmt.

Ich lese viel: BĂŒcher, andere Blogs, Zeitungen, was mir eben so zwischen die Finger und vor die Nase kommt. Dabei merke ich schnell, wann mich ein Artikel langweilt und ihn nicht zu Ende lesen mag. Ich versuche herauszufinden, wie jemand schreibt, von dem ich gerne etwas lese: Was macht der anders als ich?

Ich besuche Seminare: Die Bundesakademie in WolfenbĂŒttel hat einiges im Programm, bei dem sich Schreiben lernen lĂ€sst. Einfach stöbern. Ich war schon in Seminaren, die ÂŽbeispielsweise von Harald Martenstein (Kolumnenschreiben), Christoph Biemann (Schreiben wie die Maus) oder Klaus Viedebantt (journalistischer Reisebericht) geleitet wurden.

In diesem Beispiel: Link nimmt Johannes Flörsch einen wunderbar ĂŒberdrehten Satz ein wenig auseinander.

Ich lerne immer weiter, probiere Dinge aus, und schreibe. Fertig werde ich damit vermutlich nicht. Und jetzt gibt es – quasi als Belohnung fĂŒrs Lesen – noch den oben versprochenen Link:

Faz.net: Ich schreibe wie…

Da der Link zur Faz laut Alex nicht dorthin fĂŒhrt, wohin er soll, hier jetzt ein anderer. Den hab ich vorher extra ausprobiert, er sollte also funktionieren:

Ich schreibe wie… (und fĂŒhrt zu einer englischsprachigen Seite)

Hier ist (dank Stefan) der Link zum deutschsprachigen Test: Ich schreibe wie…

 

Gesehen: Das Salz der Erde

Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich eine Fotografie von SebastiĂŁo Salgado das erste Mal bewusst wahrgenommen habe, aber ich weiß noch, welches Foto das war: Eines derjenigen, die das wimmelnde Treiben in einer brasilianischen Goldmine zeigen, wo abertausende Arbeiter ameisengleich Leitern klettern, Erde in SĂ€cken buckeln, versuchen, reich zu werden.

img056In der ZEIT grinste mich die AnkĂŒndigung fĂŒr den Film „Das Salz der Erde“ an, fĂŒr den Samstagabend war noch nichts geplant, also ging’s ins Metropolis-Kino nach NĂŒrnberg. In dem Kino lief der Film, ein Film ĂŒber SebastiĂŁo Salgado, gedreht von Wim Wenders.

Was soll ich sagen? Beeindruckend. Ruhig. Da der grĂ¶ĂŸte Teil der gezeigten Bilder Fotografien waren, und sich diese nun einmal nicht bewegen, blieb genug Zeit, in den großformatigen Bildern von Salgado auf einer großen Kinoleinwand mit den Augen herumzuspazieren.

 

 

Wer sich ein paar der Bilder selbst angucken möchte, kann das

hier

und hier mal einfach machen. 

FĂŒr mich war der Film eine beeindruckende Reise durch unsere Welt, die heute schon so klein geworden ist, dass ich alles innerhalb von Stunden erreichen könnte. Und doch ist diese Welt viel grĂ¶ĂŸer, als wir sie uns jemals vorstellen können: Was bewegt Menschen, die in der Sahelzone am Verhungern sind? Wieso können andere Menschen diesen die Nahrungsmittel einfach vorenthalten? Warum bringen Menschen andere Menschen einfach um, wie es in Ruanda oder auch im ehemaligen Jugoslawien vor gar nicht langer Zeit geschehen ist?

Das sind Dinge, von denen ich einfach nur sagen kann: Ich verstehe sie nicht. Ich kann nur von mir ausgehen, von dem was ich kenne, was ich wahrnehme, was mir andere spiegeln. Aber was weiß ich schon vom anderen? Weiß ich denn, wenn er „grĂŒn“ sagt, ob er das gleiche „grĂŒn“ meint, wie ich? Gut, bei „grĂŒn“ könnten wir uns auf eine WellenlĂ€nge einigen, die zwischen 490 und 575 Nanometer liegt. Doch das ist eine so abstrakte Angabe, dass von der grĂŒnen Farbe, ihren Nuancen und Zwischentönen, nichts ĂŒbrig bleibt.

Beeindruckend fand ich auch Salgados Interesse an den Menschen, seine Aufmerksamkeit und Zugewandtheit, besonders zu denen, die oft am Rand ĂŒbersehen werden. Manchmal zeigt Wenders sein Gesicht in den Fotos, wĂ€hrend er von diesen erzĂ€hlt, wo er die Aufnahme gemacht hat, und noch einiges mehr.

Ja, die Bilder sind sehr schön, sehr Ă€sthetisch, auch und gerade dann, wenn sie ein Elend zeigen, wie es fĂŒr mich kaum vorstellbar ist. Susan Sontag hat einmal die Bilder von Salgado kritisiert, er mache mit dieser Schönheit das Elend konsumierbar, ĂŒberhaupt erst ertrĂ€glich. Darf das Elend so schön gezeigt werden? Das wurde im Film nicht diskutiert. Als Co-Regisseur war Salgados Sohn dabei, der den Vater schon mehrfach auf seinen Reisen begleitet hat. Jetzt ist er groß, jetzt darf er mit: Wie fĂŒhlte er sich aber, als er klein war und der Vater wochen-, monate-, oder gar jahrelang unterwegs war? Vieles wird im Film nicht angesprochen. Das fand ich so im Nachhinein, beim DarĂŒbernachdenken ein wenig schade. Wenders hat Salgado ein schönes Denkmal gesetzt. Mehr leider nicht.

 

Das Fremdselfie

Eine Beobachtung.

Eine etwas grĂ¶ĂŸere Familie sitzt in einem Restaurant gemeinsam an einem Tisch. Es sind eine ganze Menge Erwachsene und drei Kinder, zwei Jungs und ein MĂ€dchen, im Teenie-Alter. Einer der Jungs zĂŒckt sein Smartphone. Er spielt eine Weile still vor sich hin und damit herum, ihm scheint langweilig zu sein, ist ja auch klar, wenn sich Erwachsene miteinander unterhalten und sich nicht mit den Kindern beschĂ€ftigen, wird diesen langweilig.

Nach einer Weile scheint dem Knaben die BeschĂ€ftigung nur mit sich und seinem Smartphone endgĂŒltig zu langweilig. Also ruft er ein Foto auf, das er selbst aufgenommen hat und einen der anwesenden Erwachsenen in einer fĂŒr ihn sehr unvorteilhaften Pose zeigt: Er sitzt mit zurĂŒckgelegtem Kopf auf einem Sessel und schlĂ€ft. Dabei steht sein Mund halb offen. Nicht nur wegen der ungĂŒnstigen Perspektive der Aufnahme sieht das Foto nicht schön aus, sondern weil es einen Menschen in einem sehr intimen Moment zeigt, nĂ€mlich wĂ€hrend des Schlafes, wĂ€hrend einer Zeit also, in der dieser Mensch keine Kontrolle ĂŒber sich hat und deswegen auch nichts von diesem Foto mitbekommt, geschweige denn protestieren kann. Schön sieht das nicht aus.

Das Foto zeigt er, erst den anderen beiden jugendlichen Kindern, dann seiner Mutter. Eine kurze Zeit spÀter wandert das Smartphone mit dem darauf befindlichen Foto von Hand zu Hand, rund um den Tisch. Jeder guckt sich das an, auch derjenige, der darauf zu sehen ist. Alle lachen. Irgendwie. Auch derjenige, der auf dem Foto zu sehen ist, allerdings wirkt dessen Lachen etwas gequÀlt.

Warum lachen eigentlich die Erwachsenen ĂŒber diese offensichtlich peinliche Darstellung eines der Anwesenden? Warum weisen weder der Vater noch die Mutter den Jungen darauf hin, dass es sich a) nicht gehört, solch ein Foto zu machen und dass man es b) nicht öffentlich zeigt. Der erste Artikel unseres Grundgesetzes lautet: Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar. Hier wird jedoch die WĂŒrde eines Menschen zutiefst verletzt und missachtet, sogar innerhalb des Schutzraumes, den sonst die Familie fĂŒr jeden bedeutet.

Passiert so etwas in einer Schulklasse: Ein peinliches Bild eines MitschĂŒlers wird auf dem Handy herumgereicht und alle machen sich ĂŒber diesen lustig, könnte man schon von Mobbing sprechen. Auch in Familien kommt Mobbing vor. Das Wort selbst stammt vom englischen Verb to mob = anpöbeln und meint nichts anderes, als dass eines der Familienmitglieder verĂ€chtlich und abwertend behandelt wird. Man sagt, dass derjenige, der mobbt, dies aus der Unzufriedenheit mit seiner eigenen Existenz heraus macht, weil er jemanden haben möchte, an dem er seinen Ärger quasi auslassen kann: Eine Druckentlastung auf Kosten anderer.

Was lernt also dieses halbe Kind, dieser noch nicht ganz pubertierende Knabe? Er lernt, dass er sich ungestraft ĂŒber andere Menschen lustig machen darf. Seine Eltern lachen darĂŒber, und zeigen das peinliche Bild den anderen Erwachsenen, so dass jeder darĂŒber lachen kann, auch wenn manchen dabei das Lachen im Hals stecken zu bleiben scheint.

Darf jetzt kein Bild mehr von einem schlafenden Menschen gemacht werden? Doch. Das sicherlich. Es gibt ein wunderbares Bild von meinem Urgroßvater: Dieser liegt hinter dem Haus auf einem Liegestuhl, und schlĂ€ft. Aus der Perspektive, mit der das Bild aufgenommen wurde, wirken die Schuhe meines Urgroßvaters besonders riesig. Und daran kann ich mich noch gut erinnern: Er hatte unglaublich große FĂŒĂŸe – und beeindruckend große Schuhe.

Denn wenn man ein Bild macht, worĂŒber man lachen kann, ohne dass man fies dabei ist oder solange es einfach wegen der Perspektive lustig anzusehen ist, solange das im Kreise der ENGEN Familie gezeigt wird, oder solange es eine Erinnerung an etwas ist, nicht deswegen aufgenommen, weil man den dargestellten Menschen lĂ€cherlich machen will, sondern einfach weil man den Blickwinkel schön findet, weil man ein lustiges Erinnerungsfoto haben möchte – ohne fiesen Beigeschmack – dann kann man diesen Menschen natĂŒrlich auch schlafend fotografieren.

Es ist die Haltung, die hinter einer derartigen Aufnahme zu spĂŒren ist: Wenn ich den Menschen achte, den ich fotografiere, dann achte ich auch darauf, dass ich von diesem  Menschen keine Bilder zeige, die ihn beschĂ€men könnten.

Wie macht Ihr das mit Bildern, die ihr selbst fotografiert, oder die von euch gemacht wurden – und manchmal auch unvorteilhaft sein können?

 

Die Wasserkatz

Tequila mag Wasser: Ich nahm ein Fußbad – und die Katze stiefelte mit in die SchĂŒssel. Da meine Kamera nicht bei mir lag, habe ich davon kein Foto gemacht. Sonst wĂ€re nicht nur die Katze, sondern auch ich mit nassen FĂŒĂŸen ĂŒbers Parkett getappt.

Das ist eine kleine Geschichte fĂŒr: Alles fĂŒr die Katz von Kalle.

Der Wasserhahn tropft: herbst privat 147

Das interessiert die Katzmatz. Gehen wir doch einmal nÀher ran:

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Noch ein StĂŒckchen:

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Nee. Lieber erstmal nicht. Von der anderen Seite geht das vielleicht besser.

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Wenn nur nicht diese blöde Blume im Weg stehen wĂŒrde.

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Was mache ich damit? Achja…

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Zwischen die ZĂ€hne klemmen…

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und raus damit. Jetzt ist mehr Platz fĂŒr mich.

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So komme ich besser ins Waschbecken. Eindeutig. Zuerst: Vorsichtig tatzen. Man weiß ja nie…

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Schon mit zwei Pfötchen drin. Der Dosenöffner hĂ€tte ruhig mehr Wasser in das Becken lassen können. Das reicht ja gerade fĂŒr die Sohlen.

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Bin drin.

Webmasterfriday: Hilfe, eine Blogkrise

Krise.

Krise im Blog.

Krise. Was fĂŒr ein Wort. Das klingt wie: Von nun an geht’s bergab. Oder: NĂ€chste Woche geht die Welt unter. Dabei war Krise ursprĂŒnglich nur die Bezeichnung fĂŒr einen Höhepunkt. Ging es hinterher positiv weiter, mit anderen Worten: Hat der Kranke ĂŒberlebt, dann war es ein Wendepunkt. Ansonsten ein Niedergang, eine Katastrophe, der Tod.

Ein Höhepunkt also: Ich stehe oben auf dem Berg. Erst einmal ist der Aufstieg geschafft. Da sollte genug Zeit und Muße fĂŒr eine Rast bleiben, schließlich will ich die Aussicht ja genießen.

FĂŒr den Blog gilt das bei mir auch: Ich habe einen Beitrag verfasst, ihn noch einmal gelesen, damit möglichst wenig Fehler ĂŒbrig bleiben, und stelle ihn online fĂŒr alle zum Lesen bereit. Puh. Geschafft. Schön. Dann kann ich jetzt getrost eine Pause machen. Manchmal bis zum nĂ€chsten Tag, manchmal drei Tage oder aber einen Monat lang. Immerhin ist das hier mein privater Blog, da schreibt mir niemand vor, wie oft ich etwas veröffentlichen muss. Ich kriege nichts dafĂŒr bezahlt, ich mache das, weil es mir Spaß macht.

Innehalten. (Immer mal ein bisschen gucken, ob sich jemand fĂŒr den Blogartikel interessiert.)

Ruhe bewahren. (Besonders dann, wenn ein Kommentar kommt, der mich erst einmal aufregt oder Àrgert.)

Es nutzt nichts, wenn ich vor dem Monitor wie ein HB-MĂ€nnchen auf und ab hĂŒpfe, wĂ€hrend ich auf die Seitenstatistik schaue. Davon lĂ€sst sie sich nicht beeindrucken.

Es sind Menschen, die meinen Beitrag angucken und lesen. Und wie das mit echten Menschen so ist, wenn es sie nicht interessiert, lesen sie das eben nicht. Das muss nicht am Thema liegen: Das, was mich interessiert, muss ja nicht alle interessieren. Ich langweile mich ja auch bei Themen, die anderen Menschen brennend am Herzen liegen und denke dann nur: Ist ja nun mal gut damit und nicht meine Baustelle.

Klar freue ich mich, wenn ich Kommentare kriege. Das fĂŒhlt sich an wie frĂŒher, als noch Bienchen unter die Hausaufgaben gestempelt wurden. Noch schöner ist es, wenn es – und sei es auf einem anderen Weg – zu einem Austausch kommt. Wie beispielsweise ĂŒber die Briefe meines Großvaters, die ich hier angefangen habe, einzustellen. Damit können beispielsweise die restlichen Cousinen und Cousins mitlesen, die weit entfernt von mir wohnen. Außerdem gibt es Menschen, die sich mit der Geschichte ebenjener Infanteriedivision weitaus besser auskennen, als ich. Das ist logisch, ich habe ja gerade erst damit angefangen. Aber ich bekomme Hinweise, wie ich an alte Luftkarten der AufklĂ€rung komme, die auf amerikanischen Webseiten lagern und die Stellungen relativ genau zeigen. Ein anderer gab mir den Hinweis zu einem Link, der zu einem Film mit privaten Filmaufnahmen aus der Division fĂŒhrt, die in Kampf- und Ruhepausen gedreht wurden. Die Briefe selbst verraten nicht viel vom Krieg. (Und ehrlich gesagt: Das finde ich auch ganz gut so).

Der Webmasterfriday hat nach der Krise gefragt, die eintritt, wenn der Blog mal nicht lĂ€uft, ich habe geguckt und festgestellt: Steht keine vor der TĂŒr. Das ist auch gut so.

Immerhin schreibe ich beispielsweise Texte fĂŒr andere Webseiten, da nennt sich das Arbeit, ich krieg es bezahlt und da gibt es auch keine Krise. (Dieser kleine Werbeblock musste jetzt einfach mal sein.)

 

12 Bilder vom 12. November

12o12 003Der erste Blick nach draußen: Das Wetter verspricht, schön zu werden. Schaun wir mal. Dabei habe ich heute kaum Zeit, um draußen zu sein. Schreiben ist angesagt. 

12o12 002Das tröstet mich fast: Wenn ich schon drin arbeiten muss, dann braucht draußen auch kein schönes Wetter zu sein. Dann kann ich es mir drin schön muckelig einrichten.

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Ich hab die Katze gefragt, ob sie gerne raus gehen möchte. Sie hat sich das eine Weile angeguckt, um dann deutlich zu verneinen.

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Der Platz hinter der Fensterscheibe zwischen meinem GrĂŒnzeug war ihr lieber.

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Das Feuer brennt schon mal. So bleibt alles schön warm.

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Vom Urlaub trĂ€umen: Mit den Postkarten habe ich die Fliesen in der Toilette etwas verschönert. Dabei fiel mir auf: Sie sind fast alle in GrĂŒn- und Blautönen. Ob das Absicht ist, damit sie auf den gelben Fliesen besser zur Geltung kommen?

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Das Bild – gemalt von der Lieblingshausziege – habe ich jetzt hinter meinem Arbeitsplatz hĂ€ngen. DafĂŒr haben Hammer und Nagel gereicht.

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Salat mit Roter Bete, Fenchel und Apfel. Igitt, sagt da die Lieblingshausziege, die den Fenchel ĂŒberhaupt nicht schĂ€tzt.

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DafĂŒr bĂŒgelt sie – und nicht ich – die WĂ€sche, die noch im Korb liegt und wartet.

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Ich mache mir lieber eine Tasse Tee.

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Also: Wenn die Amaryllis bis Weihnachten noch blĂŒhen möchte, muss sie sich jetzt aber sputen. So wird das nichts. Sollte ich ihr drohen, dass ich mir sonst eine neue kaufe?

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Schluss fĂŒr heute. Feierabend. Nichts mehr schreiben und arbeiten, nur noch chillen. Oder wie das auch immer auf Neudeutsch heißt.

12 von 12: Das ist eine Aktion, die bei Draußen nur KĂ€nnchen lĂ€uft. Da gibt es noch viel mehr davon zu sehen.

Meine Heimat.

Heimat ist fĂŒr mich kein Ort, Heimat ist ein Platz:

Das ist mein Stuhl, auf den ich mich mitten in der KĂŒche lĂŒmmele und meine FĂŒĂŸe auf dem nĂ€chsten Stuhl parke. Heimat ist dort, wo ich mich mitten im Raum aufhalten kann und nicht mit dem RĂŒcken an der Wand stehen muss. Ich kann die Lieblingstasse mit Kaffeesatz stehen lassen und mich mit Lieblingsmenschen ohne Schminke treffen.
Heimat ist kein Ort, nirgends, Heimat ist ein GefĂŒhl.

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Es gab eine Zeit, da war es dieser eine magische Moment, wenn ich, von anderswo kommend, die letzte RaststĂ€tte vor den Kasseler Abfahrten passierte. Ab dann kribbelte es in mir, weil die Zeit endlos schien, bis ich endlich daheim war. Solange ich studierte, war Kassel Heimat. Kam ich von Norden ĂŒber die A7, fuhr ich trotz aller Vorfreude so langsam, dass mich selbst die dicksten Brummis ĂŒberholten. Sah ich unter mir die abendlich beleuchtete Stadt mit dem Herkules, musste das Fenster runter und frische Luft ins Auto: Nie roch Heimat so gut, wie kurz vor der Ankunft zu Hause.

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Oft deckelte Dunst den Kasseler Kessel gegen jeden Luftzug ab. Dann mischte sich Kohldampf mit Abgasqualm, Hundehaufengestank mit Schimmelgeruch, der aus feuchten Kellern quoll.
Aber das Ding mit der Heimat funktionierte auch andersherum:
Zog ich gelegentlich durch die Innenstadt, schaute dabei den Nordhessen in ihre griesgrĂ€migen Gesichter, wurde es Zeit, zurĂŒckzukehren. Ins Eichsfeld zurĂŒck, dorthin, wo meine kindliche Heimat wurzelt. Auch hier gibt es diesen speziellen magischen Moment, wenn ich die ehemalige Grenze ĂŒberquere.

Dann fahre ich dorthin, wo die Welt immer noch so eng ist, dass sie mir nur dann kuschelig erscheint, wenn ich sie aus der Ferne sehe. Je lÀnger und weiter ich von dort entfernt bin, desto flauschiger wird die Erinnerung im Lauf der Wochen und Monate und die Sehnsucht wÀchst immer mehr. Bis die nÀchstbeste Gelegenheit kommt. Das kann beispielsweise ein fast vergessener und plötzlich hochwillkommener Geburtstag sein.

 

Sobald ich allerdings Schulter an Schulter mit Menschen um mich herum sitze, die zwar aus der gleichen Heimat stammen wie ich, und doch nie aus ihrer Enge herauskamen, dann weiß ich, warum diese Heimat fĂŒr mich keine mehr ist. Gut, inzwischen habe ich gelernt, dass es ĂŒberall Menschen gibt, die sich nur fĂŒr den Preis des billigsten Schnitzels und die Frisur der Nachbarin interessieren.

Heimat, das ist, wenn ich meine TĂŒr aufschließe und mir die Katze um die FĂŒĂŸe streicht, vorwurfsvoll mauzt, weil frĂŒher das Dosenfutter pĂŒnktlicher gereicht wurde. Heimat ist, wenn im Zimmer der Lieblingshausziege unter dem Bett ein nur halb gelöffelter Jogurt steht, der sich gegen die KĂ€lte mit einem grĂŒnen Pelzchen gewappnet hat.

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Nein, Heimat ist kein Ort, Heimat ist das GefĂŒhl, das ich habe, wenn ich dort bin, wo ich hingehöre, dort, wo Menschen sind, die ich mag und die mich mögen, so wie ich bin. Dort bin ich zu Hause.
Mal ehrlich: Mir sind die Menschen suspekt, die nie ihren Ort, ihre Heimat verließen, die nie von dort wegwollten, wo sie geboren wurden, wo sie aufwuchsen. Das fĂŒhlt sich fĂŒr mich an, als blieben sie morgens unter ihrer warmen, kuscheligen Decke und weigerten sich, in den frischen Tag zu gehen. Statt dessen besuchen sie sich gegenseitig zu Kaffee und Kuchen, obwohl sie sich nichts zu erzĂ€hlen haben. WĂ€hrenddessen grillen die MĂ€nner, trinken Bier und lamentieren darĂŒber, wie miserabel doch inzwischen alles geworden sei. Sie nennen das Heimat. Ich wĂŒrde eher sagen, es ist Angst. Angst vor etwas Neuem, Angst davor, dass etwas anderes besser sein könnte, als das altvertraute Biotop, die Heimat.

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Heimat: Das ist fĂŒr mich dort, wo ich mich zu Hause fĂŒhle. Das kann ich ĂŒberall haben, das kann ich mir ĂŒberall selbst machen. Manchmal brauche ich dafĂŒr nur ein bisschen Farbe, um mir die WĂ€nde bunt zu streichen.

Und wo ist eure Heimat?

Verbunden mit: Blogparade Heimatorte von Anwolf.

Wer alle BeitrÀge der wunderbaren Blogparade von Anwolf nachlesen möchte, findet diese hier: Auswertung der Blogparade Heimatorte Teil 1 

und hier: Auswertung der Blogparade Heimatorte Teil 2 

Verbunden mit: Daily prompt „puncture“

Traum in der Nacht

Da sich der Lieblingsmann gerade im Krankenhaus vergnĂŒgt, ist dies eine gute Gelegenheit fĂŒr mich, mal wieder zu fasten. Das hat mir heute morgen einen Traum beschert, fĂŒr den ich keinen Traumdeuter brauche: Ich lief an einem reich gefĂŒllten BĂŒffet entlang, auf dem es viele leckere Sachen gab: HĂ€hnchenspieße mit Curry, Drachenzungen, marinierte Auberginenscheiben. Nur: Es gab keine Teller. Also konnte ich mir nichts zu essen holen. Zwar habe ich alles grĂŒndlich abgesucht, doch es waren nirgendwo Teller zu finden. Warum bin ich eigentlich im Traum nicht auf die Idee gekommen, die Dinge einfach in die Hand zu nehmen? Hmm.

Und weil es draußen so griesegrau ist und seit zwei Tagen vor sich hin nieselt, macht es richtig Spaß, die Fotos vom letzten Samstag anzugucken. Da haben wir eine Wanderung durch einen frĂ€nkischen Weinberg gemacht und sind dafĂŒr durch Orte gefahren, von denen ich noch nie zuvor etwas gehört hatte. Die sind da zu bestaunen: Am Weinberg in Weinfranken.

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I see faces

bodensee 003Von Ackerbau in Pankow ĂŒber Frau Tonari zu Rosenruthie: Kaum fange ich mal wieder an, in den Blogs zu stöbern, stolpere ich ĂŒber deren nette Projekte. Zwar möchte Rosenruthie die Gesichter am jeweils 1. des Monats, doch da hatte ich ihren Blog noch nicht entdeckt.

Das TĂŒrmchen steht ebenfalls auf der Insel Mainau, und wacht ĂŒber die BlĂŒmchen. Zur Illustration als WĂ€chter musste es bereits einmal dienen, als ich ĂŒber ein kleines bisschen Unbehagen schrieb.