Corpus-Christi-Kreuz auf dem Staffelstein: fĂŒr die Rostparade

staffelstein 0991

Das Corpus-Christi-Kreuz an der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg in Oberfranken.

An der Kapelle auf dem Staffelstein hĂ€ngt ein Corpus Christi aus rostigem Eisenblech am Kreuz. Es lag vergessen auf dem Dachboden der kleinen Kapelle, die der heiligen Adelgundis gewidmet ist. Erst als diese 2003 – 2004 renoviert wurde, fand man die einzelnen Teile unter dem Dach.

Seit 2006 hĂ€ngt es außen an der Kapellenwand, die rostige Patina ließ der Restaurator so, wie sie war.

Es wird vermutet, dass dieser Corpus Christi einst an einem der großen Kreuze hing, die auf dem Staffelberg stehen und es soll aus dem 17. Jahrhundert stammen. Damals war Eisen teuer: FĂŒr eine Tonne Roheisen wurden vier Tonnen Holzkohle gebraucht. Heute werden fĂŒr die Herstellung der gleichen Menge Roheisen weniger als eine halbe Tonne Kokskohle verfeuert. Sowohl in der Oberpfalz, als auch in Oberfranken wurde damals Eisenerz gefördert, verhĂŒttet und verarbeitet.

Das ist mein Beitrag fĂŒr Frau Tonaris Rostparade am letzten Tag des Jahres. Im nĂ€chsten Jahr geht es dann – hoffentlich – weiter.

Mein JahresrĂŒckblick

Mein Jahrbuch ist praktisch: Jetzt kann ich bequem zurĂŒckblĂ€ttern und nachlesen, was in den einzelnen Monaten so alles passiert ist und wichtig war:

Januar

foto 042

In den TÀlern der FrÀnkischen Schweiz unterwegs.

Eine Waage kam ins Haus. Der Vorsatz dazu lautete: Endlich dem Speck den Kampf ansagen! Das gelang schlussendlich nicht ganz, aber es wurde wenigstens nicht mehr. Das war doch schon mal was. Im Kino kam „12 Years a Slave“. Die Lieblingshausziege hat sich eine Tasche und die erste Bluse genĂ€ht. Unterwegs waren wir im Leinleiter-, Ailsbach- und vor allen Dingen im Paradiestal.

Februar

staffelstein 059

Weit ĂŒber das Maintal hinweg reicht der Blick vom Staffelstein. Rechts gegenĂŒber liegt Kloster Banz im Wald.

Ein guter Vorsatz fĂŒr die Fastenzeit: Kein Alkohol bis Ostern. Wir wanderten ĂŒber den Staffelberg im Schnee, durch das Kleinziegenfelder Tal, rund um MĂŒnchsteinach, den Dechsendorfer Weiher und Marloffstein. Am Geburtstag der Ă€ltesten Lieblingshausziege wurde mein Ă€ltester Enkel geboren, ab jetzt bin ich Oma. Der Monat war gegen Ende so warm, dass wir bereits am 24. die FrĂŒhbeete hergerichtet haben. Am 28. Februar fuhren wir nach MĂŒnchen, damit wir am nĂ€chsten Morgen rechtzeitig am Flughafen sind.

MĂ€rz

fĂŒr facebook 0301

Februar ist Fastenzeit. Meistens jedenfalls.

Eine Woche Kappadokien. Danach hatte der Zahnarzt was zu tun, das lag aber nicht am Urlaub, sondern daran, dass ich vorher ein wenig nachlĂ€ssig war. Als Besuch kam, kochten wir tĂŒrkische Gerichte und guckten uns die Bilder vom Urlaub an. Auf dem Balkon bekam das GelĂ€nder eine frische silbrige Farbe und die BlumenkĂ€sten Erde und Blumen. In NĂŒrnberg kam „La Traviata“, zu Weihnachten gab es nĂ€mlich Karten dafĂŒr. Unterwegs in Bad Windsheim.

 

April

storchenlehrpfasd 021

Der Storchenlehrpfad bei Uehlfeld im Aischgrund. Ein Aussichtspunkt war wie ein großes Storchennest gestaltet.

Die Lieblingshausziege bekam Herrenbesuch. Der war ab dann öfter da. Wir pflanzten Himbeeren und Rosen im Garten, vor dem Haus wurde das Holz gesĂ€gt. So brauchen wir im kommenden Winter nicht zu frieren. Die GewĂ€chshĂ€user wurden ebenfalls schon bepflanzt, ab jetzt wuchsen Tomaten, Paprika und Gurken darin. Da die Terrassentreppe nicht mehr sicher war, wurde sie Stufe fĂŒr Stufe erneuert. Ab jetzt bin ich immer mal fĂŒr den FrĂ€nkischen Tag unterwegs, damit ich auch hier aus dem Haus komme. Gelesen: „Konzentriert Euch“. Unterwegs im Fernwehpark Hof, auf dem Storchenlehrpfad, Burg Greifenstein, WĂŒrzburg und am 25. April zum ersten Kellerbesuch in Willersdorf in diesem Jahr.

Mai

frÀnkischer tag 134

Der Herzog auf dem Marktplatz von WolfenbĂŒttel.

Die Terrassenstufen wurden fertig verlegt und die Fenster gestrichen. Die Lieblingshausziege bekam ein E-Piano. Das hat gegenĂŒber dem konventionellen Klavier einen eindeutigen Vorteil: Sie setzt die Kopfhörer auf und freut sich, dass ich ihre schiefen Töne nicht hören kann. Die HolunderblĂŒten wurden gesammelt, damit aus ihnen wieder HolunderblĂŒtensirup werden konnte, wir fuhren nach WolfenbĂŒttel in die Bundesakademie, um zu lernen, wie aus Reisen Literatur wird und ich traf mich mit anderen Schreiberlingen vom Wortwerk Erlangen.

Juni

frÀnkischer tag 340

Das Freibad in Höchstadt: Schön sind hier die Liegewiesen unter den alten BÀumen.

Im Garten wuchsen die Erdbeeren wie irre, es war heiß und Freibadzeit in Höchstadt. Es gab Forellen und frische Kirschen und eine ganze Menge Feiern: Taufe des Enkels, einer der BrĂŒder des Mannes ließ sich kirchlich trauen und im Speyerer Dom waren wir zu einer Priesterweihe eingeladen.

Juli

Antoniuskapelle 033

Brotzeit auf dem Keller, hier in Voggendorf.

In diesem Monat haben wir gerne unterwegs irgendwo gefuttert, ob Vesper auf der Vexierkapelle, Picknick am Weiher oder Brotzeit auf dem Keller: Unterwegs sein ist schön. Das fanden auch die Eltern und die große Lieblingshausziege, die nacheinander zu Besuch kamen und die FrĂ€nkische Schweiz besichtigten. Die sĂŒĂŸsauren Gurken kamen in die EinweckglĂ€ser, die BalkontĂŒr bekam ein Moskitonetz, damit die MĂŒcken hoffentlich draußen bleiben. Endlich Sommerferien.

August

urlaub im sommer 492

Straßenszene in Krakau.

Als in Forchheim Annafest war, waren wir beim Griechen essen und hatten hinterher das VergnĂŒgen einer Polizeikontrolle: Der Verbandskasten im Auto hatte sein Verfalldatum ĂŒberschritten. Soso. Massenweise Tomaten im GewĂ€chshaus: als Sugo eingekocht. Unterwegs: Pirna, Dresden, Bastei, Bautzen, Görlitz, Oppeln, Krakau, Auschwitz und zurĂŒck. Eine große Grillparty auf der Terrasse gefeiert, weil der Mann und der Zwilling demnĂ€chst Geburtstag haben. Poetenfest in Erlangen: Ich las dort gemeinsam mit den anderen Wortwerkern.

September

frÀnkische musik 050

Unsere neue Mitbewohnerin.

Im Kellerwald wuchsen massenhaft Pilze und wir sammelten und futterten. Nach MĂŒhlhausen zu den Eltern gefahren, die Kirmes besucht, den Baumkronenpfad und das Kloster Volkenroda. Von dort aus gibt es einen Pilgerweg bis nach Waldsassen. Die Schule begann und bei uns zog eine kleine Katze ein. Wir fuhren noch einmal nach MĂŒhlhausen, feierten Geburtstag und pflĂŒckten Hagebutten. Leider wurde ich krank, als zwei meiner Hausziegen kamen. Auch den Enkel nahm ich mit meinem Husten und Schnupfen lieber nicht auf den Arm.

Oktober

franken 090

FĂŒr Hagebuttenwein. Wenns was wird.

Die Hagebutten kamen in den großen Weinballon. Ich hoffe ja, dass im Lauf der nĂ€chsten Zeit daraus Hagebuttenwein wird. Der Mann wurde auch krank, wir dachten, er hĂ€tte sich bei mir angesteckt. Doch das war nicht so: Er hatte sich Salmonellen bei einem auswĂ€rtigen Essen eingefangen und durfte erst wieder arbeiten, als er frei von diesen Mitbewohnern war. FĂŒr die Teedosen gab es ein neues Regal in der KĂŒche. Unterwegs in Hohenmirsberg und rund um die Maximiliansgrotte. Außerdem drei Tage Oberpfalz: Waldsassen, Waldnaabtal, Zoiglwirtschaften und FlossenbĂŒrg.

November

freitag 540

Das Walberla im FrĂŒhnebel, von der Vexierkapelle aus gesehen.

Noch war alles goldig und warm, deswegen wanderten wir in den Weinbergen rund um Bullenheim. Der Hagebuttenwein wurde von der Maische abgezogen. Bis jetzt sieht alles gut aus. Die TreibhĂ€user im Garten wurden wieder abgebaut und es gab den ersten GlĂŒhwein, der erste Lebkuchen buk im Backofen. Die Lieblingshausziege suchte sich ihren Stoff aus, aus dem sie selbst ihr Tanzstundenabschlussballkleid schneidern wollte. Einmal standen wir frĂŒh auf, fuhren zum Walberla und erlebten dort den Sonnenaufgang im Nebel.

Dezember

Abschlussball und Weihnachtsmarkt 053

Die Lieblingshausziege auf dem Abschlussball.

Ab jetzt gingen wir regelmĂ€ĂŸig zum Training beim AC Bavaria, damit der Speck weniger wird. Am Anfang des Monats war dann der Abschlussball der Lieblingshausziege. Zwei Wochen vorher war das Wohnzimmer im Ausnahmezustand: Sie nĂ€hte ihr Kleid selbst. Sogar die Großeltern kamen extra. Weihnachtsmarkt in Rothenburg o.d.Tauber. Sehr schön. Die Lieblingshausziege feierte ihren 15. Geburtstag und nahm glĂŒcklich den Hut in Empfang, den sie sich Anfang September in Bamberg ausgesucht hat. Gesehen: „Labyrinth des Schweigens“. Über Weihnachten fuhren wir wieder ins Kloster, dieses Mal nach Plankstetten.

 

Eierlikör

Ist die Weihnachtszeit gerade vorbei und noch nicht Silvester, ist Zeit, vor allen Dingen dann, wenn es draußen so schneit, wie gerade heute. Zeit, vor dem Ofen zu sitzen, die Katze hinter den Ohren zu kraulen und nichts zu tun, was sich mit „zielgerichtet“ beschreiben ließe. Einfach treiben lassen, hier blĂ€ttern, dort lesen, zwei Gedanken notieren, einfach trödeln, faul sein, fast nichts tun, außer essen machen und gleich alles aufessen.

Und so, beim Stöbern in den Tiefen des weltweiten Netzes, stolperte ich ĂŒber den Beitrag ĂŒber ein selbst gebasteltes Likörchen in den Herzdamengeschichten. Dort wird beschrieben, wie Baileys entsteht, aus Whiskey und diversen Zutaten.

Zu Baileys fĂ€llt mir nicht so viel ein, den mochte ich nicht, weder auf Eis, noch ohne. Ein anderes Stichwort sorgte dafĂŒr fĂŒr Erinnerungen: Eierlikör. Den gab es bei der Oma auf dem Lande, selbstgemacht, und im Schokobecherchen. Da hat noch niemand nach Jugendschutzgesetz und Ausweis geguckt, Eierlikör war schließlich kein Schnaps, sondern lecker. Also durfte ich den schon als Kind…

Im Sommer habe ich selbst Eierlikör gebastelt – und mich dabei an die Oma erinnert. Die kleinen Becherchen gibt es ĂŒbrigens immer noch zu kaufen. Die Lieblingshausziege hat sich darĂŒber gefreut, den Eierlikör geschleckt und die Becherchen geknabbert. Allerdings habe ich statt Primasprit (der bildete irgendwie damals fĂŒr viele Likörchen die alkoholisierte Grundlage) doch lieber Calvados genommen:

8 Eigelb, ein halbes Pfund Puderzucker, 375 ml Kondensmilch, Vanille und ein Viertelliter Calvados wurden fix vermixt. (Ich hab noch ein paar KrĂŒmel Zimt, Kardamom und Koriander untergemischt, das stand zwar nicht im Rezept, war aber trotzdem sehr lecker.)

Wer jetzt einwendet, dass in Primasprit nun einmal mehr Alkohol sei, als im Calvados und der Eierlikör dann haltbarer wÀre, dem kann ich sagen: Der wird nicht alt. Jedenfalls nicht hier bei mir.

Und ĂŒberhaupt: Aufgesetzte Likörchen mit schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren oder Schlehen mache ich gelegentlich auch noch, ganz so wie frĂŒher. Da kommen die Beeren einfach in die Flasche, werden ein bisschen gewĂŒrzt und bekommen Kandiszucker zur Gesellschaft, bevor sie in einem klaren Korn fĂŒr eine Weile stehen dĂŒrfen.

Aber Oma machte nicht nur den weltbesten Eierlikör aller Zeiten, sondern auch meinen Lieblings-Himbeer-Sirup, aus den vielen Himbeeren, die im Garten wuchsen und die wir – egal wie viele wir als Kinder davon futterten – irgendwie nie alle aufessen konnten. Die wuchsen einfach immer wieder nach. Als ich als SchĂŒlerin ins Internat zurĂŒckfuhr, nahm ich einmal Himbeersirup mit, so als Erinnerung und leckeres GetrĂ€nk. Da Oma auf ihre BĂŒgelflaschen aufpasste und diese nicht so gerne aus dem Haus gab, bekam ich den Sirup in einer Flasche, in der vorher Eckes Edelkirsch war. Das Etikett stand außen auf der Flasche, sie sah ganz passabel aus, ich stellte sie – ohne mir etwas dabei zu denken – ĂŒber mein Bett auf das BĂŒcherregal.

Bis die fĂŒr uns zustĂ€ndige Erzieherin ins Zimmer kam und die Likörflasche auf dem Regal sah. Anstatt zu zetern, so von wegen: Alkohol und so weiter, schien sie allerdings ganz angetan. Schnappte sich die Flasche, schraubte sie auf und roch daran: Sie duftete nach Eckes Edelkirsch. Bevor ich irgend etwas sagen konnte, hatte sie die Flasche angesetzt und einen Schluck… Ja, doch, so ein purer Himbeersirup ist schon ziemlich klebrig.

Das Weihnachtskind

Die Hebamme richtete sich vor dem Fernseher gemĂŒtlich ein und legte eine DVD mit prasselndem Kaminfeuer in den Player, der Grog dampfte. Die Katze ignorierte alles, schloss ihre Augen und legte sich neben das Kissen auf den Sitz. Endlich Weihnachten in ihrem neuen HĂ€uschen.

Bevor sich die Hebamme auf ihrer Katze niederließ, witschte diese weg, erklomm die Sessellehne und spielte Nackenkissen. Die Hebamme kraulte ihr das Kinn und sie begann zu schnurren.

Hatte es geklopft? Die Hebamme schaute prĂŒfend zum Feuer. Funken stoben ĂŒber den Bildschirm, als das Scheit in sich zusammenfiel. Die Hebamme schĂŒttelte den Kopf. Es klopfte noch einmal. Sie stand auf und öffnete die TĂŒr. Draußen stand ein Mann.

»Du bist die Hebamme?«

franken 10481»Ja, so steht es auf dem Schild, das hier hÀngt.«

»Maria kriegt ein Kind. Kannst Du kommen?«

»Ja«, seufzte die Hebamme, die so gerne sitzen geblieben wÀre. Sie griff nach ihrer Tasche.Der Mann ging vor.

»Wohin gehen wir?«

»Es ist nicht weit.«

Er bog links um die Ecke, noch ein paar Schritte, öffnete eine kleine TĂŒr zu einem Garten.

»Wohnt ihr in einer Laube?«, wunderte sich die Hebamme.

»Ja,«, antwortete der Mann. »Genau genommen ist es sogar ein Stall.«

MĂŒdes Licht funzelte von der Decke. Eine Frau lag auf einem Haufen Stroh. Sie stöhnte. Eine Kuh muhte.

»Bist du Maria?«, die Hebamme hockte sich zu ihr und legte die Hand auf den Bauch der Schwangeren.

»Ja.«

»Alles in Ordnung?«

»Ja«, antwortete Maria. »Die Geburt geht jedes Mal gut.«

»Wie viele Kinder hast du denn?«

»Jedes Jahr eins«, antwortete Maria.

»Willst du nicht mal was dagegen machen?«, wandte die Hebamme ein, doch Maria sagte nichts..»Ich meine«, fing die Hebamme von Neuem an, »das ist doch beschwerlich: Jedes Jahr neun Monate schwanger, stĂ€ndig auf die ErnĂ€hrung achten, nichts trinken, nicht rauchen…«

Maria lachte, bis die nĂ€chste Wehe kam. Als diese vorĂŒber war, rief sie: »Josef?«

Er nahm die Hebamme bei der Hand, ging mit ihr nach hinten, wo KĂŒhe, Ziegen und Schafe standen. Hinter diesen hing eine Decke an der Wand, die Josef zur Seite zog: »Hier wohnen wir, wenn der Trubel jedes Mal vorbei ist. Kaum ist das Kind da, kommen die Hirten und die Könige zu Besuch. Solange bleiben wir vorne bei den Tieren. Das Gold, das die Könige immer bringen, haben wir genutzt, um das Haus hinter dem Stall zu bauen.«

Josef brachte die Hebamme zu Maria zurĂŒck.

»Ich dachte gar nicht, dass es euch wirklich gibt«, staunte die Hebamme. »Wie lange… »

»Uns gibt es so lange, wie noch Menschen an uns glauben«, nickte Maria zu Josef. »Doch es werden weniger. Außer den Kindern, den Hirten und den Königen kommt inzwischen niemand mehr«, ergĂ€nzte dieser.

Als die Hebamme am nĂ€chsten Tag sich wieder im Sessel gemĂŒtlich einrichtete, schĂŒttelte sie den Kopf. Wahrscheinlich hatte sie gestern im Grog zu viel Rum.

Fast schon eine Bilanz fĂŒr das vergangene Jahr

Der Schreibtisch ist blank, die WĂ€sche gebĂŒgelt, morgen geht es los: Weihnachten verbringen wir nun zum zweiten Mal in einem Kloster. Das erspart den Weihnachtsbaum ebenso, wie das Festessen und sĂ€mtliche Treffen mit den Verwandten, die ich auch im restlichen Jahr aus GrĂŒnden nicht sehen mag. Und wen ich gerne sehen möchte, den kann ich auch das ganze Jahr hindurch besuchen, und in Ruhe mit ihm oder ihr schwĂ€tzen, so ganz ohne Festtagstrubel.

Die Lieblingshausziege ist aushĂ€usig unterwegs, die Katzmatz darf sich allein vergnĂŒgen und die Spinnen dĂŒrfen drei Tage lang ihre Netze in Ruhe an der Decke befestigen. Im vergangenen Jahr ging es nach in die Abtei Maria Frieden nach Kirchschletten, dieses Jahr in die Benediktinerabtei Plankstetten.

Die Bilanz in diesem Jahr: Eigentlich lief alles sehr gut. Klar, ich hĂ€tte fĂŒr dieses und jenes gerne mehr Zeit gehabt, aber schließlich kann ich nicht alles auf einmal haben. Und nĂ€chstes Jahr soll es ja auch noch einige Höhepunkte geben.

Da ich mich hier an der Tastatur zu wenig bewege, habe ich mich im November in einer Muckibude angemeldet. Lustig ist das schon. Da komme ich nĂ€mlich nicht nur vom Schreibtisch weg, sondern kann Leute beobachten. Außerdem hĂ€ngen dort Fernseher herum, hier habe ich ja keinen.

FĂŒr ĂŒbermorgen habe ich noch eine hĂŒbsche kleine Geschichte, so viel sei schon einmal verraten.

 

Ein Stöckchen im Advent

urlaub im sommer 467

Das Leben ist wie ein bunter Rahmen, den ich mit vielen Dingen fĂŒllen kann.

Du fĂŒhrst ein Tagebuch: Immer mal wieder, ja. Allerdings nicht als Klagebuch, sondern fĂŒlle es mit Notizen zum Tag, mit kurzen Texte, Gedanken und Dingen, die ich nicht vergessen möchte. Besonders auf Reisen notiere ich mir vieles, was mir dabei durch den Kopf geht.
Du kochst gerne: Durchaus. Zwar habe ich erst kochen gelernt, als ich bereits aus dem Elternhaus ausgezogen war, dafĂŒr macht es aber immer mehr Spaß. Deswegen kochen meine Lieblingshausziegen auch ganz gerne.
Du treibst regelmĂ€ĂŸig Sport: Naja. Mit den Fingern auf der Tastatur. Weil das aber nicht reicht, habe ich mich vor einem Monat in einem Fitnessstudio angemeldet und gehe zwei- bis dreimal in der Woche dorthin.
Du kritzelst beim Telefonieren vor dich hin: Dazu fehlt mir die Geduld. Beim Telefonieren laufe ich viel lieber durch die ganze Wohnung. Als das Telefon noch an der Schnur hing, war das gar nicht so leicht.
Du hast im letzen Monat ein Buch gelesen: Sogar mehr als eines. Und fast immer mehr als eines auf einmal. Momentan liegt dort: „Der Zeitdieb“ von Terry Pratchett, „Vineta“ von Ilse Helbich, „Lange Tage“ von Maike Wetzel, „Die Vipern von Montesecco“ von Bernhard Jaumann und „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Je nachdem, auf welches Buch ich abends Lust habe, dort lese ich weiter.
Du ersetzt das Toilettenpapier sofort: Eher nicht. (Zum Ärger meiner Mitbewohner ;-))
Du magst KreuzwortrÀtsel: Das ist lange her. Jetzt mag ich nur noch die RÀtsel, bei denen ich um die Ecke denken muss.
Du warst auf dem Eiffelturm: Noch nie. Und auch noch nicht in Paris.
Du hast ein Geheimnis, das du noch niemanden anvertraut hast: Ja klar. Aber das gibt es hier auch nicht zu lesen.
Du schnarchst: Das behaupten immer nur die anderen. Ich habe noch nichts davon gehört.
Du liest auf der Toilette: Manchmal. Kommt drauf an. Als ich Kind war, gab es bei meinen Großeltern auf dem Dorf noch das Klo auf dem Hof. Da mein Opa das Zeitungspapier zu Klopapier geschnitten hat, gab es immer was zu lesen.
Krank sein ist wie Urlaub: Nein. Nie. Wenn ich krank bin, dann bin ich krank. Das ist alles, aber kein Urlaub.
Du hast oft Besuch: Gelegentlich.
Du magst Amerika: Ich war noch nicht dort. Und habe mir bisher noch keine Gedanken darĂŒber gemacht, ob ich es mag oder nicht.
Du kannst dir Witze merken: Den Witz schon. Aber ich vergesse immer die Pointe.
Du spielst Karten: Nein. Definitiv nicht. Es gibt immer mal AnsĂ€tze der Lieblingshausziegen, die mich dazu verfĂŒhren wollen, aber nach ein oder zwei Runden finde ich das langweilig.
Du faltest deine UnterwĂ€sche: Bin ich irre? DafĂŒr gibt es KĂ€sten, da kommt der Kram rein. Ich kann mir meine Zeit durchaus besser vertreiben. 😉
Du sprichst im Schlaf: Ich glaube nicht. Aber ich trÀume manchmal wirre Sachen, an die ich mich im Wachwerden noch gut erinnern kann und dann aufschreibe.
Du ißt schnell: Ja klar. Sonst bin ich satt, bevor der Teller leer ist.
Du wanderst gerne: Ja, durchaus. Ich wĂ€re ĂŒberhaupt wieder gerne viel mehr unterwegs.
Du telefonierst gerne: Das kommt ganz darauf an, wer am anderen Ende der Leitung hÀngt.
Du stellst deine Uhr ein paar Minuten vor: Ja. Dann fange ich wenigstens rechtzeitig an, meinen SchlĂŒssel zu suchen.
Du kommst immer zu spĂ€t: Nein, nicht immer. Ich gebe mir MĂŒhe. Ehrlich.
Du hast oft Kopfschmerzen: Gelegentlich. Leider. Spaß macht das nicht.
Du rauchst: Seit etwas mehr als 15 Jahren nicht mehr. Die letzte Zigarette habe ich auf dem Weg in die Klinik geraucht, quasi am Geburtstag der Lieblingshausziege. Seitdem hatte ich keine Lust mehr darauf. Nie wieder.
Es gibt ein Nacktfoto von dir: Ja, als Baby. Sonst keines.
Du kannst pfeifen: Ja, aber es hört keiner, wenn ich auf zwei Fingern hinter ihm herpfeife. Da kann ich es auch lassen.
Du schreibst regelmĂ€ĂŸig Briefe: Sollte ich tatsĂ€chlich mal wieder machen.
Du glaubst an Vorbestimmung: Dann wĂŒrde ich mich zurĂŒcklehnen und nichts mehr tun. Nein, glaube ich nicht.
Du putzt dir dreimal tÀglich die ZÀhne: Höchstens zweimal.
Es gibt etwas, was du gerne Beichten möchtest: Ähm. Nein. Jedenfalls nicht hier. Oder wolltet Ihr jetzt einen Roman lesen?
Du kaust an den FingernÀgeln: Noch nie. Schmeckt einfach nicht.
Du bist Vegetarier: Nein.
Du hast alleine in einem Restaurant gegessen: Ja, durchaus. Aber zu zweit ist es einfach schöner. 🙂
Du bist allein ins Kino gegangen: Das habe ich eine Zeit lang ganz gerne gemacht.
Du bist allein in Urlaub gefahren: Ja. Da habe ich meine Ruhe und kann Dinge in dem Rhythmus machen, der mir gerade in den Kopf kommt.
Du entschuldigst dich, wenn du glaubst, im Unrecht zu sein: Durchaus. Sogar bei den Lieblingshausziegen. Jeder macht schließlich mal einen Fehler oder irrt sich.
Du hebst Briefe und Postkarten auf: Nicht sehr lange. Dabei haben schöne Postkarten noch grĂ¶ĂŸere Chancen, dass ich sie eine Weile aufhebe.
Du hast deinen Eltern schon mal Geld gestohlen: Kein Wort ohne meinen Anwalt. 😉
Du hast oft das letze Wort : Mir fÀllt eben immer noch etwas ein, das ich schnell loswerden muss.
Du gibst Obdachlosen Geld: Selten. Eher nein. Ich wĂŒrde lieber ein Brötchen kaufen oder eine Tasse Kaffee, aber das will keiner haben.
Du lĂ€ĂŸt dich gerne fotografieren: Nein. Ich bin diejenige die fotografiert, lasse mich aber nur sehr ungerne selbst fotografieren. Merke ich, dass mich jemand heimlich knipsen will, kann ich durchaus sehr garstig werden.
Das Leben meint es gut mit dir: Das finde ich auch. Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden.

Das Stöckchen fand ich in den endlosen Tiefen des weltweiten Netzes im Blog von Clara Himmelhoch. Vielen Dank dafĂŒr.

https://chh150845.wordpress.com/

Schlaf, KĂ€tzchen, schlaf…

Ein KĂ€tzchen sucht sich seinen Schlafplatz selbst. Der kann manchmal – in unseren Augen – recht seltsam sein.

frÀnkischer tag 260

Hier liegt die Katzmatz entspannt und dösend auf dem WĂ€schestĂ€nder. Den liebt sie – warum auch immer. HĂ€ngt WĂ€sche drauf, wird durchaus von Katzmatz kontrolliert, ob sie diese mit ihren ZĂ€hnen packen und nach unten werfen kann. Das geht bei Socken und anderem Kleinkram wunderbar…

frÀnkischer tag 262

Und das BĂŒgelbrett. Das steht oft im Weg, weil es stĂ€ndig beim NĂ€hen im Gebrauch ist. Sollte irgendein Dosenöffner auf die Idee kommen, etwas auf dem BĂŒgelbrett abzulegen, lĂ€sst sich das ebenfalls sorgfĂ€ltig mit der Pfote ĂŒber den Rand schubsen.

Das ist ein Beitrag zu: Alles fĂŒr die Katz von Kalle.

12 Bilder vom 12. Dezember

frÀnkischer tag 270

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute hat die Lieblingshausziege Geburtstag. Deswegen steht schon auf dem FrĂŒhstĂŒckstisch ein Lichterkuchen. Das war schon so, als ich noch Kind war, das wird so sein, wenn die Hausziegen Kinder haben. Nehme ich mal an.

frÀnkischer tag 308

Aus irgendwelchen unerfindlichen GrĂŒnden mögen alle Hausziegen SchwarzwĂ€lderkirschtorte. Am liebsten zwar ohne Kirschen, aber man kann ja nicht alles haben. Zum Geburtstag werden solche HerzenswĂŒnsche auch erfĂŒllt.

frÀnkischer tag 282

 

Die Katzmatz hat es heute wirklich schwer: Es duftet so lecker in der KĂŒche, und sie darf nicht naschen. Also fleht sie darum, dass ich sie endlich aus der TĂŒr lasse.

frÀnkischer tag 336

Zwischendrin kam noch der Postbote fĂŒr mich. Nur aufmachen darf ich das PĂ€ckchen noch nicht.

frÀnkischer tag 313

Als Nachtisch gab’s Grießflammeri mit Zimtzwetschgen. Das hat richtig gut geschmeckt. Deswegen sind die SchĂŒsseln auch leer…

frÀnkischer tag 314

Die SchwarzwÀlderkirschtorte ist fertig. Deko kann ich nicht. Aber das macht nichts.

frÀnkischer tag 317

Ich hab endlich mal Zeit. Und kann ganz ruhig in der alten „Tempo“ lesen, die mir gestern in die Finger fiel.

frÀnkischer tag 321

WĂ€hrend ich meine Zeitung auf dem Sofa lese, spielt die Lieblingshausziege mit dem Wachs in den Teelichtern und bastelt sich einen Fingerhut.

frÀnkischer tag 337

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich trocken! (Der Strauß, den die Lieblingshausziege zum Tanzstundenball bekam)

frÀnkischer tag 342

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist der Hut: Geburtstagsgeschenk der Lieblingshausziege. Den hat sie sich in Bamberg ausgesucht.

frÀnkischer tag 343

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Feder gab es auch. Ich fand sie auf dem Weihnachtsmarkt in Rothenburg o.d.T., die Lieblingshausziege fand sie toll.

frÀnkischer tag 322

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erinnert Ihr euch noch an November? Die Amaryllis hat sich bis jetzt wirklich bemĂŒht. Nur eine BlĂŒte ist noch nicht zu sehen.

Das ist mein Beitrag fĂŒr „12 von 12“, den es bei Draußen nur KĂ€nnchen gibt.

 

Webmasterfriday: Gute MĂ€dchen kommen in den Himmel?

Der Tanzstundenabschlussball der Lieblingshausziege ist glĂŒcklich vorbei. Sogar der Folgekurs ist bereits vereinbart. Weil wir auch ĂŒber Erlebtes schwĂ€tzen, wie das so bei ihr und damals bei mir war, kamen wir drauf: Zu meiner Zeit gab es gratis zur Tanzstunde auch noch Benimmregeln vom Tanzlehrer. Dieses VergnĂŒgen blieb der Lieblingshausziege erspart.

Daher kam auch meine Frage fĂŒr den Webmasterfriday: Woher wissen wir eigentlich, wie wir uns offline oder online benehmen sollen? Oder anders gefragt: Gutes Benehmen und Netiquette: Kann man das von alleine oder muss man das lernen?

ZunĂ€chst ist der Mensch als solcher ein NachahmungstĂ€ter, und zwar von Anfang an: Er sieht ein Verhalten – und kopiert es. Jeder, der ein eigenes Kind hat, kennt das: Kaum bringt der Fratz die ersten Wörter unfallfrei, spielt er Bushido auf der RĂŒcksitzbank – jedenfalls dann, wenn er vom Fahrersitz die entsprechenden Stichworte geliefert bekommt. Wer hier einen Schreck kriegt, sollte sich selbst einmal zuhören.

Immer geht es um Aufmerksamkeit, wie beispielsweise offline: Lernt HĂ€nschen, dass er von seiner Mutter erst dann beachtet wird, wenn er in den höchsten Tönen kreischt, nimmt er schnell die AbkĂŒrzung und spart sich sĂ€mtliche Zwischentöne. Auf SpielplĂ€tzen lĂ€sst sich das manchmal gut beobachten.

Wer online als Trollhans unterwegs ist, will auch gesehen werden. Da er gelernt hat, dass er mit sanften Tönen und verstĂ€ndigen Kommentaren weniger Gehör findet, als mit Provokationen und Beleidigungen, wird erst posten, bevor er denkt – wenn ĂŒberhaupt. Wobei das schon so eine nicht ganz einfache Sache ist: Gerade das Netz verleitet dazu, direkter auf sein Ziel draufloszuschreiben, als mancher im GesprĂ€ch sich jemals wagen wĂŒrde. Wer sich wundert, wenn die Antwort ausbleibt oder harscher ausfĂ€llt, als gedacht, sollte in einer ruhigen Minute mal darĂŒber nachdenken. Vielleicht stellt er sich ja auch im richtigen Leben auf den Marktplatz und brĂŒllt den nĂ€chsten Passanten an, dessen Outfit ihm nicht gefĂ€llt: „Ey, siehst Du sch… aus, Alder!“ Wenn nicht: Auch im Netz gilt ein einleitender Gruß und eine Verabschiedung als höflich. Trotzdem muss es – wie in einem GesprĂ€ch auch – nicht unbedingt bei jedem Post verwendet werden. Es kommt eben darauf an.

So, wie ich mich im richtigen Leben auf einem Tanzparkett anders bewege, als in einer Muckibude, bei einem BewerbungsgesprÀch anders rede, als mit den Kumpels in der Kneipe, so unterschiedlich kann der Ton im Internet durchaus sein. Hier hilft: Erst gucken und lesen, dann mitmachen. Lieber zunÀchst etwas freundlicher als die anderen, so ist der erste Eindruck jedenfalls nicht der Schlechteste.

Dabei bietet das Netz sogar einen unschlagbaren Vorteil: WĂ€hrend ich mich im richtigen Leben wĂ€hrend eines GesprĂ€ches nicht zurĂŒckziehen und erst mal ĂŒber eine Antwort nachdenken kann, bevor ich mit beiden Beinen mitten in den Fettnapf springe, kann ich das online sehr wohl. Hier brauche ich nicht sofort zu antworten. Hier kann ich mir sogar richtig Zeit lassen. Oder ich antworte ĂŒberhaupt nicht. Das ist besonders dann hilfreich, wenn mein Blutdruck auf 180 und der Adrenalinspiegel so hoch ist, dass ich lieber draußen Holz hacke, statt eine Antwort in die Tastatur zu hĂ€mmern, die beim GegenĂŒber Zornesadern schwellen lĂ€sst und ihn zum Gegenangriff aufruft. Zwar ist der Schlagabtausch online nur verbal, doch oft nicht weniger verletzend, als ein echter Schlag aufs, ja, wohin auch immer.

Doch im Netz ist die Kommunikation auf den schriftlichen Ausdruck beschrĂ€nkt, weder Mimik, noch Gestik oder Tonfall lassen darauf schließen, ob etwas scherzhaft oder beleidigend gemeint war. Auch im Internet kann eine Beleidigung als Straftat geahndet werden. Zumal: Sie ist gespeichert und wieder abrufbar.

Wozu gibt es Regeln? Sie helfen. Wer sie beherrscht, hat einen Rahmen, in dem er sich sicher bewegen kann. Wer erinnert sich noch an die Stelle aus Pretty Woman, in der sie lernte, wozu dieses ganze Besteck und die GlĂ€ser sind. Und die – war es eine Schnecke? – wegflutschte und vom Ober mit der Hand gefangen wurde? Klar, man kann auch mit den Fingern essen. Wer aber das Besteck nur deswegen polternd verschmĂ€ht, weil er nicht gelernt hat, es zu benutzen, will vielleicht nur seine eigene Unsicherheit kaschieren. Mag sein. Er benimmt sich trotzdem wie ein Yankee an König Artus Hof.

Da es aber keine Schule fĂŒr Benimmregeln im Netz gibt, muss jeder selbst probieren, wie er klar kommt: Trial and error, gewissermaßen. Manchmal geht das gut, ein anderes Mal nicht. So wie im richtigen Leben auch: Wer im BewerbungsgesprĂ€ch frech wird, kriegt die gewĂŒnschte Stelle selten.

Achja. Die anderen Webmasterfreitagsblogger haben sich auch ihre Gedanken darĂŒber gemacht:

Hans

Alex

Henning

Breakpoint

Saphira

Melanie und Thomas

Die Gefahr aus der Dusche

Es gibt Tage, an denen wundere ich mich tatsĂ€chlich darĂŒber, dass die Menschheit bis heute ĂŒberleben konnte. Als zum Beispiel der Ingenieur vor der Versammlung der Gemeindevertreter sprach und ĂŒber das in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtete Sportlerheim redete, schien es, als sei bereits das Betreten des GebĂ€udes mehr als lebensgefĂ€hrlich: Die Duschen ganz ohne VerbrĂŒhungsschutz, die Heizkörper hingen als stĂ€ndige Unfallquelle an den WĂ€nden, durch die Ritzen an den Fenstern könne man spĂ€hen.

Ja und? Das ist schließlich kein muckeliges Wohnzimmer, das ist ein Sportlerheim: Mit Umkleidekabinen, Duschen, RĂ€umen in denen BĂ€lle und Trikots aufbewahrt werden, einer Ecke fĂŒr die Vitrine, in der die Pokale stehen – und gut ist. Da der Sportplatz im Winter nicht bespielt wird, braucht auch im Sportlerheim nur so viel geheizt zu werden, dass die Wasserleitungen gerade nicht einfrieren.

frÀnkischer tag 269

Ja, in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Welt noch eine andere.

Doch der Ingenieur ist ein solcher, der Zertifikate fĂŒr GebĂ€ude ausstellt, in denen er diesen bescheinigt, dass sie sibirische KĂ€lte ohne Probleme ĂŒberstehen könnten, auch wenn in ihnen lediglich ein Kerzenlicht als WĂ€rmequelle dient. Das kann man Energieeinsparverordnung, kurz: EneV, nennen oder aber DĂ€mmwahnsinn. FĂŒr ein solches Zertifikat wird geprĂŒft, wie viel Energie sprichwörtlich zum Fenster hinaus geheizt wird, beziehungsweise wie viel Energie ein GebĂ€ude braucht, damit es innen warm bleibt. Da hat das arme Sportlerheim aber ganz schlechte Karten – die Zahlen auf der Skala lagen weit im tiefrot verschwenderischen Bereich. Schließlich wurde in der Bauzeit auf solches nur wenig geachtet, Öl war billig und ĂŒber Umweltverschmutzung hat sich noch niemand Gedanken gemacht.

Jetzt soll das Sportlerheim dick eingepackt werden, sich wie eine nackte Schönheit in einen Pelz hĂŒllen. Doch weil ein solcher Pelz nicht nur warm, sondern auch dicht ist, muss anschließend wieder ausreichend gelĂŒftet werden, so dass der BĂŒrgermeister staunte ob des vielen Geldes, das die Gemeinde investieren solle, nur um 5.000 Liter Heizöl im Jahr zu sparen. Toll.

Der Ingenieur wies aber noch auf weitere Gefahren hin, die unerkannt im Inneren des GebĂ€udes auf ahnungslose Nutzer lauerten: Legionellen! „Unter diese Duschen wĂŒrde ich mich nicht stellen!“ donnerte er ĂŒber die Köpfe der Gemeindevertreter hinweg, die reflexhaft zusammenzuckten und kollektiv anfingen, zu hyperventilieren: Hier mĂŒsse man dringend was unternehmen! Man könne doch die armen Schulkinder hier nicht mehr hineinlassen! Und ĂŒberhaupt – schließlich sei die Gemeinde moralisch und ĂŒberhaupt in der Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen.

Der arme Mensch, der als Gemeindeangestellter bis dahin still in seiner Ecke saß, wurde mit seiner Gegendarstellung kaum noch wahrgenommen. Dabei versicherte er hoch und heilig, dass jedes Jahr jede einzelne Sporteinrichtung der Gemeinde amtlicherseits ĂŒberprĂŒft und noch nienienie seien Legionellen nachgewiesen worden. Können ja auch kaum. Denn die in diesem GebĂ€ude installierte Heizung stammt ebenfalls aus der tiefmittelalterlichen Erbauungszeit und lĂ€sst zu, dass sowohl die Heizkörper als auch das Duschwasser im Prinzip kochendheiß bereitet werden können.

Alles in allem: Es verspricht, teuer zu werden. Doch die Gemeinde könne sparen, wies der Ingenieur auf die möglichen Eigenleistungen des Vereins hin. Im Nachbarort habe der dort ansÀssige Verein ebenfalls das Sportlerheim nach seinen PlÀnen saniert und eine ganze Menge Geld dank Eigenleistung eingespart. Trotzdem ist dieser Verein jetzt pleite. Woran das wohl liegen mag?