Webmasterfriday: Das lese ich im Moment

Ilse Helbich: Vineta

Was bleibt, wenn jemand stirbt? Im letzten Kapitel beschreibt Ilse Helbich den gelinden Schrecken, der sie wohl befiel, als sie – nach dem Tod der eigenen, sehr betagten Mutter kam, den Nachlass zu ordnen. Da gab es nichts mehr: Weder Alben, noch Briefwechsel. Alles war von der Mutter sorgfĂ€ltig vernichtet worden. Ilse Helbich schreibt gegen das Vergessen an und erinnert sich in „Vineta“ im Alter von 90 Jahren an ihre lĂ€ngst versunkene Kindheit. Aufmerksam wurde ich durch den Post von Maximilian Buddenbohm, der hier zu lesen ist: Herzdamengeschichten.

Nora Bossong: Gesellschaft mit beschrÀnkter Haftung

Durch einen Zufall bekam ich den Tipp in meiner Facebook-Timeline: Nora Bossong liest in der Bamberger Uni aus ihrem neuen Buch. An dem Abend hatte ich Zeit und Muße genug, also fuhr ich hin. Das Buch wurde dort gepriesen als der „neue Buddenbrook“, als ein Familienroman, der den Niedergang ĂŒber mehrere Generationen zeichnet. Es geht um ein Familienunternehmen, das – wie Krupp – in Essen beheimatet, weiches Frottee produziert, statt harten Stahl. Der Niedergang wird von Bossong als ermĂŒdender Prozess des Firmenchefs gezeichnet, dem die Kraft fehlt, sich in der Welt durchzusetzen. Seine Tochter Luise beginnt mit 27 Jahren die Firma zu leiten, kĂ€mpft gegen den Konkurs, der schon lange in den BĂŒchern schlummert: Aus einer sensiblen jungen Frau wird schnell eine kĂŒhl kalkulierende Firmenchefin.

Monika Detering: Nebengleis

Noch einmal Kurzprosa: Knapp, manchmal lakonisch. Kleine Begebenheiten, so, wie sie sich am Rande immer ereignen und selten wahrgenommen werden. Eigentlich wollte ich das Buch verschenken, kann mich aber noch nicht davon trennen, weil ich immer mal wieder eine Geschichte darin lese. Und noch einmal.

Daniel Golemann: Konzentriert euch!

Nur noch kurz die Welt retten, die Mails checken und – alles nebenher, nichts mehr richtig tun. Zwar darf mein Computer keinen Ton von sich geben, trotzdem sind mehrere Fenster gleichzeitig offen: Ich könnte ja etwas verpassen. Doch verpasse ich wirklich etwas, wenn ich nicht mitbekomme, was gerade auf Facebook an mir vorbeiströmt? Verpasse ich nicht viel mehr etwas, wenn ich mich nicht mehr in eine Sache versenken, mich konzentrieren kann? Frederik Weitz hat mich in seinem Blogpost „WĂŒrde Heidegger heute noch leben…“ auf das Buch aufmerksam gemacht, ich habe es seit einer Weile und lese immer wieder quer darin herum. Manches wird klarer.

Zoë Beck: Schwarzblende

Islamistischer Terror in Europa: In London wird ein britischer Soldat mitten in einem Park ermordet, von zwei Islamisten, die mit Macheten bewaffnet durch die Stadt laufen. So surrealistisch, wie das Buch beginnt: Das kann doch gar nicht wahr sein, das sind doch Spielzeuge, wie sich der Kameramann Niall, der alles beobachtet, einredet. Bis es keine Ausrede mehr gibt, weil ein Mensch tot ist. Ich mag Krimis eigentlich deswegen, weil sie mit der Möglichkeit spielen, was Menschen alles machen könnten – glĂŒcklicherweise aber selten tun. Das, was in Schwarzblende beschrieben wird, ist fĂŒrchterlich real. Und ganz nah bei uns, nicht etwa bequem weit weg.

Helmut Lethen: Der Schatten des Fotografen

Zu jeder Fotografie gehört eine Geschichte. Es scheint, als bilde eine Fotografie die objektive Wirklichkeit ab – doch wer genau hinschaut, kann sehen, dass sie nur ein vom Fotograf gewĂ€hlter Ausschnitt ist, die dessen Sicht auf die Welt zeigt. Da hat Susan Sontag ebenfalls viel Kluges darĂŒber geschrieben, das sich lohnt, zu lesen.

Das sind die BĂŒcher, die sich im Moment rund um mein Bett aufhalten. Auf dem KĂŒchentisch liegen die Zeitungen wie ein Tischteppich, neben dem Klo steht ein Band ĂŒber die Rosen der Kaiserin Josephine, der Frau Napoleons, und andere BĂŒcher liegen ebenfalls irgendwo herum. Wenn die BĂŒcher nicht liegen, dann stehen sie in drei BĂŒcherregalen. Als ich von Nordhessen nach Franken zog, habe ich einen Teil meiner BĂŒcher verschenkt und einen anderen Teil via Bookcrossing auf Reisen geschickt.

Das ist mein Beitrag fĂŒr den Webmasterfriday, der wissen wollte, was ich gerade lese.

Ein Gitter ĂŒber der Maximiliansgrotte: FĂŒr die Rostparade

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Ein Gitter ĂŒber der Maximiliansgrotte

Das Windloch der Maximiliansgrotte. Damit niemand aus Versehen hineinfĂ€llt, liegt ein rostiges Gitter aus EisenstĂ€ben ĂŒber dem Loch.

UrsprĂŒnglich war dies der Zugang zur Höhle, der nicht immer freiwillig gewĂ€hlt wurde:1833 fiel – der Sage nach – eine verwirrte Frau in die Höhle. FĂŒnf Tage lang suchten ihre Verwandten nach ihr, bis sie gesund wieder herauskam. Danach hieß die Maximiliansgrotte „Wundergrotte“. Zwar erzĂ€hlten die Retter der Frau von gewaltigen Hallen, die sich unter dem Berg befinden sollten, doch erst 1852 wagten es drei MĂ€nner: Sie stiegen in das Windloch ein und brachen an der Stelle aus ihr heraus, an der heute der Eingang zur Höhle ist.

Die Höhle wurde sogar als Friedhof benutzt: Als im spanischen Erbfolgekrieg EnglĂ€nder, Bayern und Österreicher hier kĂ€mpften, wurden 28 tote Soldaten einfach durch das Windloch hinabgeworfen.

Das ist mein Beitrag zur Rostparade von Frau Tonari, bei der sich immer viele Teilnehmer viele rostige Dinge zeigen.

Mein erstes Mal: Im Bioladen

Einen Bioladen? In der DDR? Hatten wir nicht: Wir hatten die HO (Handelsorganisation) und den Konsum, dort gab es Milch im Plastikschlauch, KĂ€seecken mit Tomate, Seife, Mehl, Eier, Brot, Zucker, was man eben so zum tĂ€glichen Leben braucht. Im Laden fĂŒr Obst, GemĂŒse und Speisekartoffeln, mit OGS abgekĂŒrzt, lagen neben Rot- und Weißkohl auch Äpfel, Kuba-Orangen und, ja, auch Kartoffeln. In manchen Orten gab es noch ein kleines extra-LĂ€dchen, in dem es Milch, Sahne und manchmal Jogurt in Flaschen gab, der so stichfest war, dass er sich oft nur mit einem langen, schmalen Löffel aus dem Glas kratzen ließ.

An Bio hat da keiner gedacht. Und so viele Gedanken ĂŒber das Essen habe ich mir auch nicht gemacht. Die Eltern hatten einen Garten, dort wuchsen neben Erdbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren mit Bohnen und Rosenkohl auch die Sorten an GemĂŒse, die ich als Kind nicht sehr schĂ€tzte.

Der mĂŒtterliche Kommentar „Das ist gesund“, mit dem sie darauf hinwies, dass das Essen bitte gegessen werden sollte, wurde fĂŒr mich zum Synonym fĂŒr: „Das schmeckt nicht!“ Gegessen wurde mittags entweder in der Schulspeisung oder Mensa, jedenfalls an den Wochentagen. Sonderlich schmackhaft war das Essen nicht, aber es spielte eine deutlich kleinere Rolle, als heutzutage.

Dann kam die Wende.

Von nun an gab es: Bananen. Und Ketchup. Jogurt in kleinen Bechern. ScheiblettenkĂ€se und Babybel. Ansonsten hat sich das tĂ€gliche Essen zunĂ€chst nicht sehr verĂ€ndert: Gekauft wurde, was gebraucht wurde und bekannt war. Diskussionen darĂŒber, wo es Gulasch oder Schnitzel billig gab, fĂŒllten thematisch ganze KaffeekrĂ€nzchen und Geburtstagsnachmittage bei den Verwandten. Aber nirgendwo war ein Ökoladen in Sicht.

Bis ich – fĂŒr mein zweites Studium – auf die Westseite des neuen gemeinsamen Landes zog. Im Supermarkt, der damals noch nicht Tegut, sondern HaWeGe hieß, entdeckte ich Dinge, die ich noch nicht kannte, wie beispielsweise vegetarischen Brotaufstrich. Da dieser so rötlich war, wie einst die KĂ€seecken mit Tomate, habe ich ihn probiert. Nun ja. Dass nicht alles im Westen schmeckte, wusste ich bereits: Mein bis kurz nach der Wendezeit gerne gegessener LeberkĂ€se hatte sich inzwischen geschmacklich solcherart verĂ€ndert, dass ich gerne auf ihn – bis heute ĂŒbrigens – verzichte.

In Kassel kam ich das erste Mal in das Innere eines Reformhauses: Es war so dunkel, dass selbst die brennenden GlĂŒhbirnen den letzten Winkel nicht erhellen konnten. Vielleicht lag es auch an der Menge der angebotenen Dinge, verpackt in graubraunes Papier. Vor dem Reformhaus warb ein Schild fĂŒr „levitiertes Wasser“, im Fenster standen drei leere Weinballons. Diese waren auch der Grund dafĂŒr, dass ich den Laden ĂŒberhaupt betreten habe: Ich suchte einen Weinballon, um selber Apfelwein zu machen. Innen roch es so seltsam muffig und pudrig, dass ich froh war, als ich wieder an der frischen Luft war.

Ich habe studiert und nebenher gearbeitet, damit ich fĂŒr mich und mein Ă€ltestes Kind genĂŒgend Geld hatte. Immerhin musste ich die Miete fĂŒr unsere kleine Wohnung bezahlen, hin und wieder etwas zum Anziehen kaufen und etwas zum Essen. Da wir nicht viel Geld hatten, haben wir lieber weniger Wurst gekauft, diese dafĂŒr vom besseren Fleischer geholt, auch wenn sie etwas teurer war. DafĂŒr war sie bedeutend schmackhafter.

Langsam lernte ich, zu kochen. Richtig zu kochen. Nicht nur die Gerichte, die ich von zu Hause kannte, sondern entdeckte – dank der Kochkolumne von Wolfram Siebeck im „Zeitmagazin“ beispielsweise – dass Kochen Spaß machen kann und nicht nur eine notwendige Angelegenheit ist, wenn ich etwas zu essen haben will. Allerdings erzĂ€hle ich darĂŒber lieber ein anderes Mal, hier fĂŒhrt das zu weit vom Thema weg. Da Siebeck nicht nur einfach Rezepte schrieb, sondern auch ĂŒber die QualitĂ€t und die Herkunft der dafĂŒr nötigen Rohstoffe, fing ich an, diese zu suchen. ZunĂ€chst im Supermarkt, dann im Reformhaus, auf dem Markt und endlich im Bioladen, als in Kassel der erste direkt am Bahnhof Wilhelmshöhe eröffnet wurde.

Allerdings muss ich gestehen: Das war fĂŒr mich quasi am anderen Ende der Stadt. So wirklich oft war ich also nicht im Biomarkt. Außerdem sah dieser ganz normal aus, fast so wie jeder andere Supermarkt auch und die Sachen, die es dort gab, waren mir immer noch zu teuer. Schließlich war ich mit dem Studium noch nicht fertig.

Aber dann, als ich endlich damit fertig war – zog ich in die nordhessische Provinz. Und bekam mein jĂŒngstes Kind. Plötzlich rĂŒckte nicht nur gutes und schmackhaftes Essen in den Fokus meiner Aufmerksamkeit, sondern ich achtete auf Schadstoffe, Zusatzstoffe, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, alles, was so im Essen mit verarbeitet sein kann, ohne dass es wirklich zur ErnĂ€hrung beitrĂ€gt. Im Reformhaus gab es neben dem ZiegenkĂ€se vom Bauernhof frisches Molkebrot, MĂŒsli aus Amaranth und viele andere leckere Sachen.

Heute kann ich mir kaum noch vorstellen, Lebensmittel zu kaufen, die bereits vorgefertigt sind: Ich backe Pizza, mache meinen Jogurt selber und kriege jeden Donnerstag meine Abo-Kiste mit GemĂŒse an die HaustĂŒr geliefert. Im Bio-Markt kaufe ich ebenfalls: am liebsten KĂ€se.

Ach und: Danke fĂŒr die Erinnerung. Dank Johannes Korten und seinem Aufruf zur Blogparade habe ich mich an mein erstes Mal erinnert. Im Bioladen.
Hier ist der Link zum Aufruf: Blogparade

I wie Innen: Magic Letters

Innen. Dort, wo es ein Innen gibt, gibt es auch ein Außen. Beide sind durch – in der Regel wahrnehmbare – Grenzen voneinander getrennt. NĂ€hern sich Philosophen dem Innen, dann reden manche von tiefen GefĂŒhlen, mit denen man direkt in das Herz der Natur gelangen könne. Wann ist eigentlich ein GefĂŒhl ein tiefes GefĂŒhl? Können eigentlich alle GefĂŒhle tief sein, oder nur einige? Ich meine, das ist ja nicht wie bei einem Brunnen, in den ich oben hineingucken und staunen kann, wie tief unten sich das Wasser spiegelt.

Aber das sind alles Dinge, die ich nicht fotografieren und bebildern kann. Also suche ich innen – und werde dieses Mal im Archiv fĂŒndig.

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Eine kleine Wohnung in einem Koffer.

So eine Wohnung im Koffer wÀre schon praktisch: Alles ist dabei, soll es weitergehen, wird einfach zugeklappt.

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Drei kleine Meerschweinchen

Das Kind bekam einst vor vielen Jahren ein Meerschweinchen als Geschenk. Eins! Innendrin waren aber – wie bei einer dieser russischen Puppen, in der auch immer noch eine mehr versteckt ist – noch drei andere Meerschweinchen versteckt. Die kamen eines schönen Tages heraus und waren sogar schon fertig angezogen.

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Innen in einem hohlen Baum

Normalerweise sind BĂ€ume groß und hart und lassen sich liebevoll umarmen. Oder absĂ€gen – dann werden sie zu Mobiliar, Brennholz oder Papier verarbeitet. Dieser hier hat seine beste Zeit auch schon hinter sich, trotzdem darf er stehen bleiben. Im Urwald an der Sababurg ist er zu finden, jedenfalls so lange er noch steht. Aber das kann noch viele Jahre sein.

 

 

 

 

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Kurz vor dem Glockenguss.

Kurz bevor die glĂŒhende Masse in die vorbereiteten Glockengussformen lĂ€uft, wird innen alles mit einer langen Stange noch einmal umgerĂŒhrt: Diesem Inneren nĂ€hert sich keiner ungeschĂŒtzt.

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Der Glockenguss.

Das glĂŒhende Metall lĂ€uft in die GusskanĂ€le – und von dort in die vorbereiteten Glockenformen. Blau entweicht das Gas aus den HohlrĂ€umen.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas Projekt: Magic Letters.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #6

Es ist wieder Zeit fĂŒr einen Trainingstermin mit Kerstin. Sie kommt mit ihrem DamengrĂŒppchen am Treffpunkt an, verabredet noch die nĂ€chste Trainingszeit, verabschiedet sich – und wir ziehen zu zweit los, wieder durch den Kellerwald.

Das Joggen fĂ€llt mir hier deutlich schwerer, als beispielsweise auf der Sportinsel, wo die Strecke eben ist. Ich bin in meinen alten Turn- und Wanderschuhen unterwegs, die sich schon auf so vielen Strecken bewĂ€hrt haben. Diese sind zum einen wunderbar bequem und grĂŒndlich eingelaufen, zum anderen begleiten sie mich wirklich schon eine sehr lange Zeit: Ich lief mit ihnen die zweihundert Kilometer von Eisenach bis nach Marburg auf dem Elisabethpfad (hier beschrieben), ich war mit ihnen im Harz und in den Alpen ebenso unterwegs, wie auf einem still gelegten Eisenbahngleis, das inzwischen einer neuen Autobahn weichen musste.

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Meine alten Turnschuhe.

Doch diese Schuhe, mit denen ich so viele Tage und Kilometer unterwegs war, fangen an, sich langsam zu verabschieden. So ist beispielsweise die Sohle lÀngst nicht mehr so griffig, wie am ersten Tag. Ganz im Gegenteil: Bin ich auf steilen Wegen in der frÀnkischen Schweiz unterwegs, muss ich aufpassen, dass ich nicht wegrutsche.

Ich frage also Kerstin als Fachfrau fĂŒrs Laufen und Sport, worauf ich achten sollte, wenn ich mir neue Schuhe kaufen möchte. Sie erzĂ€hlt mir, dass es Laufschuhe gibt, mit denen der Fuß gestĂŒtzt wird. Andere Laufschuhe haben Sohlen, mit denen die StĂ¶ĂŸe vom Laufen gedĂ€mpft werden. Dazu gibt SportgeschĂ€fte, die eine Laufstilanalyse anbieten. Ich bin ein wenig verwirrt: Schließlich möchte ich weder den ganzen Tag in Sportschuhen laufen, noch den nĂ€chsten Marathon in Rekordzeit absolvieren. Nur ein bisschen laufen und wandern – das muss doch auch ohne High-Tech möglich sein. Schließlich war meine Großmutter einst mit einem simplen Damenrad unterwegs und hat damit ihre EinkĂ€ufe erledigt. Weder hĂ€tte sie bei einem Rennrad gewusst, wo sie ihre Kartoffeln unterbringen soll, noch hĂ€tte sie mit einem Mountainbike den Berg hoch zu ihrem Haus bewĂ€ltigt. Nehme ich mal an.

Mannmannmann. Die Menschheit lĂ€uft schon so lange auf ihren FĂŒĂŸen herum, dass ich nicht glaube, dass fĂŒr Schuhe eine solche Technik nötig ist. Wenn dieses Verfahren so miserabel wĂ€re, wie es mir die Werbung fĂŒr Laufschuhe weismachen möchte, hĂ€tte es sich sicherlich in der Evolution nicht so durchgesetzt. Wie dem auch sei: Kerstin empfiehlt mir, einfach Sportschuhe anzuprobieren, auch im SportgeschĂ€ft damit zu laufen und so zu spĂŒren, ob ich in diesen bequem unterwegs sein kann. Das klingt erst einmal vernĂŒnftig. Ich werde mal sehen, ob sich das umsetzen lĂ€sst.

Wieder daheim, klemme ich mich hinter den Computer. Ich will wissen, was in Sportkleidung alles an Chemie verarbeitet wird. Hier hilft mir die Zeitschrift Öko-Test weiter: So fanden Labore in Laufhosen beispielsweise Weichmacher, die wie Hormone wirken oder zinnorganische Verbindungen, die sich sowohl auf das Immun-, als auch auf das Hormonsystem des Menschen auswirken können. Manche Textilien werden mit halogenorganischen Verbindungen ausgerĂŒstet, obwohl lĂ€ngst bekannt ist, dass sie Allergien auslösen können und zum Teil unter dem Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Das finde ich weniger erfreulich und beschließe, dass fĂŒr meine sportlichen Zwecke mein Baumwoll-.T-Shirt reicht, auch wenn es nicht so fesch aussieht, wie manch andere Shirts. Da ich nach dem Sport ohnehin nach Hause fahre, stört es mich nicht, wenn die Klamotten verschwitzt sind. Nach dem Duschen kommen sie in die WĂ€sche – und gut ist. Insgesamt fĂŒhle ich mich von der FĂŒlle der Materialien und Angebote ein wenig erschlagen. Fast sehne ich mich nach der Zeit zurĂŒck, in der es nur Sporttrikots aus Baumwolle gab, die sich lediglich durch ihre Farbe voneinander unterschieden. Mal sehen.

Gehört: Die geschenkte Freiheit

Vera Lengsfeld war in der DDR eine einflussreiche BĂŒrgerrechtlerin. In ihrem Buch „1989 – Tagebuch der Friedlichen Revolution“ erinnert sie an das Ende der DDR.

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Vera Lengsfeld erzĂ€hlt von ihrem Buch: „1989 – Tagebuch einer Friedlichen Revolution“

Als das Jahr 1989 begann, ahnte niemand, dass am Ende des gleichen Jahres eine weitgehend friedliche und unblutige Revolution dafĂŒr sorgen wĂŒrde, dass der Osten Europas frei und demokratisch wird. Vera Lengsfeld, die Menschenrechtlerin, Dissidentin und Politikerin aus der ehemaligen DDR hat ein Buch ĂŒber jede Zeit geschrieben, in der der Weg der Deutschen und der EuropĂ€er zur Einheit und Freiheit geebnet wurde.

Mit den Worten: „Demokratie lebt von Rede und Gegenrede, Demokratie heißt nicht: Denkverbot“, erinnerte Lengsfeld daran, dass auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung die Demokratie nicht ein fĂŒr allemal gegeben ist, sondern die Mitwirkung aller Menschen erfordert.

Vom Beginn der Montagsdemonstrationen ĂŒber die ersten freien Wahlen in Polen bis zum 40. Jahrestag der GrĂŒndung der DDR – Lengsfeld skizzierte in ihrem Buch nicht nur das entscheidende Jahr des Umbruchs, sondern auch den langen Weg der ostdeutschen Friedensbewegung bis dahin: „Wer weiß denn noch, dass sich Mitte der achtziger Jahre die BlockmĂ€chte bis an die ZĂ€hne bewaffnet gegenĂŒberstanden und im Fall eines Atomkrieges Deutschland der Boden war, auf dem dieser ausgetragen werden sollte“.

Der Friedensbewegung in der ehemaligen DDR blieb laut Lengsfeld nur ein einziger Freiraum: Die RĂ€ume der evangelischen Kirche – wenn denn die entsprechende Kirchengemeinde damit einverstanden war.

„Haben Sie geahnt, dass es so kommen wird?“, fragte einer der Zuhörer, die mit mir gemeinsam dem Vortrag lauschten und Lengsfeld entgegnete, dass mit dieser ganzen Entwicklung niemand gerechnet hatte.

Alexander Schalck-Golodkowski hatte in einem Interview einmal zugegeben, dass die DDR seit 1983 eigentlich pleite war. So wurden fĂŒr Oppositionelle höhere Strafen verhĂ€ngt – damit die Freikaufsummen, die der Westen zahlte, ebenfalls höher waren.

Ob das System der DDR ohne diese Zahlungen nicht eher zusammengebrochen wĂ€re, fragte ein anderer Zuhörer. Dann hĂ€tte das Regime vermutlich nicht so friedlich abgedankt, mutmaßte Lengsfeld. Immerhin war selbst die Sowjetunion zu dieser Zeit pleite, Ende 1989 bis Mitte 1990 herrschten dort Hungersnöte, von denen kaum jemals etwas bekannt wurde.

Der Vortrag war spannend, die Zuhörer beeindruckt. Leider fiel mir meine Frage zu spĂ€t ein, um sie Vera Lengsfeld noch zu stellen: Wie viel sie von dem, was sie schildert, ĂŒberhaupt selbst erlebt hat. Und: Muss man das selbst erleben, um darĂŒber zu schreiben?

Sie wurde doch 1988 verhaftet, als sie mit einem selbst gemalten Plakat an einer staatlich organisierten Demonstration in Berlin teilnahm. Auf dem Plakat waren die Worte von Artikel 27 der Verfassung der DDR zu lesen: „Jeder BĂŒrger hat das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu Ă€ußern“. Lengsfeld wurde ausgebĂŒrgert, war seit 1988 in England, in Cambridge, also auch 1989. Erst am 9. November, an dem Tag, als die Mauer fiel, kam sie aus privaten GrĂŒnden in die DDR zurĂŒck.

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Vera Lengsfeld beim Signieren.

Vielleicht klingt deswegen das Buch fĂŒr mich doch ein bisschen distanziert: Lengsfeld war schließlich nicht direkt dabei, auch wenn sie die Notizen aus ihrem Tagebuch mit den öffentlichen Pressemeldungen verquickt. DafĂŒr schildert sie die Ereignisse dieses Jahres, wie sie sich zunĂ€chst ganz banal ereigneten, bevor es zur eigentlichen Wende kam. Historische Exkurse schaffen dabei einen Rahmen, stellen alles in den entsprechenden Kontext. Schließlich waren die Lebenswelten der Menschen, die in der ehemaligen DDR lebten, oft völlig unterschiedlich, je nachdem, ob es einfache BĂŒrger oder Apparatschiks waren.

 

(Erschienen im FrÀnkischen Tag)

H wie Hochkant: Magic Letters

Kinoleinwand, Fernseher, Monitor: Alles nutzt das Querformat. Schließlich hat Mensch ja zwei Augen, die nebeneinander angeordnet sind. Seit Oskar Barnack fĂŒr Leitz das Kleinbildformat erfunden hat, ist dieses das am meisten verwendete Format. Im Gegensatz zum Fernseher/ Monitor/ Kinoleinwand ist die Fotokamera allerdings drehbar – und so können Aufnahmen auch hochkant im Hochformat entstehen.

Die Bilder erinnern mich an eine Zeit, an die ich nur wenig Erinnerung habe: Als ich noch klein war – und ĂŒberall hochgucken musste. Inzwischen bin ich groß, doch es gibt noch vieles, was grĂ¶ĂŸer ist, als ich.

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Der Dom von Breslau

 

Fast 100 Meter sind die TĂŒrme hoch, so nah an Gott und dem Himmel gebaut, wie es damals in der Gotik nur irgend ging.

Die großen Fenster mit ihren Spitzbögen ließen so viel Licht, wie möglich in das Kirchenschiff. Strebepfeiler stĂŒtzten die WĂ€nde, so dass diese nicht mehr so wuchtig wirken.

 

 

 

 

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Die Nadel vor der Jahrhunderthalle in Breslau.

Vor der Breslauer Jahrhunderthalle piekt seit 1948 die Nadel „Iglica“ in den Himmel.

UrsprĂŒnglich 106 Meter hoch, ist sie inzwischen 10 Meter kĂŒrzer.

Aber immer noch imposant.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lagerzaun in Auschwitz

Nicht weit entfernt von Breslau – und doch wie in einer anderen Welt: Auschwitz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist mein Beitrag zu: Magic Letters von Paleica. 

Alles fĂŒr die Katz #8

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist.

Katzen sind keine Vegetarier. Das zeigt Tequila ganz deutlich, wenn sie ein StĂŒck Fleisch bekommt – es wird ebenso gejagt, wie ein MĂ€uschen. Neulich saß sie auf dem Balkon, als eine dicke Hummel vorbeischwirrte – die sie gerne gefangen hĂ€tte.

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Die Katze frisst Fleisch.

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Die Katze spielt mit dem Fleischbröckchen

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Sie Katze jagt und spielt.

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Endlich gefangen.

 

 

 

Platz fĂŒr Neues schaffen

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Pferdefuhrwerk

Eine Reihe alter BĂ€ume liegt in der Wiese: so alt, dass sie sich in ihrer Jugend bestimmt staunend umgedreht haben, wenn mal ein Auto vorbeifuhr. Schließlich wurde damals noch mit Pferden geackert, wer keine hatte, spannte die KĂŒhe vor den Pflug.

Jetzt sind die BĂ€ume alt, morsch, tragen keine FrĂŒchte mehr oder das tote Holz ist wertvoller, als alles, was auf und an ihnen wuchs. So wurden sie gleich mit ihren Wurzeln aus der Wiese gezogen. Das Pferdefuhrwerk erinnert an die Zeit, in der die BĂ€ume jung waren, frisch gepflanzt, noch voller Freude auf kĂŒnftige und reiche Ernten.

Die FrĂŒchte gibt es doch jetzt frisch im Supermarkt, schon gepflĂŒckt, gewaschen und eingetĂŒtet. Da braucht niemand mehr Hand anzulegen beim PflĂŒcken. Wer will schon fĂŒr so wenig Geld arbeiten, wie die FrĂŒchte dann einbringen?

Das ist ein Beitrag zu: (einfach auf die Grafik klicken)BW2015L-550