12 Bilder vom 12. April

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Frühstück mit Osterbrot.

Es ist Sonntag. Da wird erst ausgiebig gefrühstückt – mit Osterbrot und selbstgemachter Marmelade aus Brom- und Johannisbeeren.

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Blumen auf Balkonien

Anschließend zeigt ein Blick auf den Balkon, dass die Blumen, die ich gestern gekauft und in größere Töpfe gesetzt habe, alles gut vertragen haben. Prima. Kriegen sie also noch einen Schluck Wasser, und wir können einen Ausflug machen.

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Hier darf kein Pferd äppeln. Oder?

Der Ausflug geht nach Weißenohe, ins Lillachtal – wir wollen an den Sinterterrassen entlang zur Lillachquelle laufen. Ich dachte immer, dass die Pferde äpfeln, wenn sie den Schwanz so hochheben, wie auf diesem Schild.

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Zwei Paar Schuhe.

Wie jeder hier unschwer erkennen kann, kam sogar die Lieblingshausziege mit auf den Ausflug. Das freut das Muttertier. 🙂

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Sinterterrassen bei Weißenohe.

Die Sinterterrassen bei Weißenohe: Das ist gerade noch so im Landkreis Forchheim, aber nahe genug an Nürnberg, dass viele Menschen von dort aus hierher einen Ausflug machen. Da die Stadtmenschen nur einmal in der Woche eine grüne Verkehrsinsel sehen, müssen sie sich ausrüsten und anziehen, als ginge es ins Hochgebirge, wenn sie hier in der Fränkischen Schweiz unterwegs sind: Rucksäcke, Wanderstöcke, wetterfeste Jacken, Bergstiefel, Isomatten, Trinkflaschen…

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Sinterstufen bei Weißenohe.

Mitten im Wasser blüht schon was und sieht aus, wie eine Sumpfdotterblume.

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Die Lillachquelle

Hier ist jetzt die Lillachquelle. Weil noch Osterzeit ist, ist sie ebenfalls hübsch geschmückt. Die Sinterstufen bildeten sich, weil das Wasser sehr kalkhaltig ist und sind inzwischen gut 10.000 Jahre alt. Wer mehr wissen will, kann das hier nachlesen.

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Klosterbrauerei Weißenohe.

Anschließend haben wir gegessen, aber nicht hier im Bierhimmel. Der ist in der Klosterbrauerei Weißenohe.

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Kirchenfenster in Schnaittach.

Es war noch Zeit, der Tag wollte schließlich gut genutzt werden. Also beschlossen wir – weil es nicht so weit ist – noch nach Hersbruck zu fahren. Auf dem Weg lag Schnaittach. Die Kirche fiel uns auf, weil sie einen alten Turm neben einem relativ neuen Kirchenschiff hatte. Dieses wurde 1933 gebaut, wie eine Tafel verriet. Über dem Eingang leuchtete das bunte Fenster.

 

 

 

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Bergfestung Rothenberg

Über Schnaittach thront die Bergfestung Rothenberg. Wir haben das Auto abgestellt, sind hochgelaufen, aber nicht in die Festung hineingegangen. Die Mauern der Festung sahen aus, als wären sie aus Beton gegossen.

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Hersbruck

In Hersbruck gab es Eis, bevor es wieder nach Hause ging.

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Lieblingsblumen auf dem Balkon.

Jetzt freue ich mich noch auf eine schöne Balkonzeit, mit Buch und Blick auf die Blumen.

Noch mehr Bilder vom jeweils 12. jeden Monats gibt es bei: Draußen nur Kännchen.

Kann das weg, oder ist das Kunst?

Ausstellungsbesuch in der Bamberger Villa Dessauer

Gestern habe ich mich mit zwei Frauen verabredet, wir waren in einer Ausstellung und haben uns Werke von lebenden Künstlern angeguckt. In der Bamberger Villa Dessauer waren unter dem Titel „DIN A4“ eine ganze Menge Werke – meistens Bilder – von Künstlern zu sehen, deren Gemeinsamkeit zunächst das Format war. Außerdem sind alle Künstler Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler/innen Oberfranken e.V.

Ja, ich weiß: Kunst muss nicht verständlich sein. Ich verstehe beispielsweise nicht jedes Musikstück, finde es aber schön, wenn es vor einem Konzert etwas erklärt wird: Immerhin habe ich nicht Musik studiert und kann mit dem Rest meines Schulwissens über den Sonatenhauptsatz nicht mehr viel anfangen. Dabei höre ich mir durchaus gerne Musik an, auch solche, die ich nicht kenne. Wird vor dem Konzert etwas auf eine Weise erklärt, die dagegen nur zeigt, dass der Erklärer viel weiß und darüber dünkelhaft schwätzt, den Zuhörern gewissermaßen sagt, wie doof sie sind, dann ist das wie bei manchen Rezensionen in manchen Feuilletons: Ich mag sie nicht.

In der modernen Kunst ist das für mich ähnlich: Zwar muss ich nicht alles verstehen – und auch nicht alles schön finden, aber ich finde es schön, wenn es irgendwie verständlich erklärt wird. Will mir dagegen jemand mit so richtig verschwurbelt-verquasten Sätzen ein Bild oder Kunstwerk erklären, frage ich mich: was der wohl geraucht haben muss, um solch annähernd sinnfreie Aussagen zu machen?

Liebe bildende und andere Künstler! Ihr habt eure Kunst studiert, ihr seid die Fachleute. Das finde ich schön, und ihr seid bestimmt auch wichtig und nützlich. Es irritiert mich, wenn ihr Sachen macht, von denen ich denke: Joa, das könnte ich, oder ein Grundschulkind auch machen. Wenn ihr solche Sachen macht, ohne euch irgendwie verständlich zu machen, dann schüttele ich eben den Kopf. Wie beispielsweise bei drei Materialien, die im DIN A4-Format nebeneinander lagen: Schafwolle im Eisenrahmen, Holz mit Leinwand und Marmor: „Drei verschieden natürliche Zuständen des technischen DIN A4 transformieren in meiner Arbeit zu einer sozialen Struktur“. Da kann ich nur sagen: Verstehe ich nicht. Ich verstehe weder den Satz, noch das, was der Künstler damit sagen will. Was ist eine soziale Struktur aus Wolle, Holz und Marmor? Ich habe nichts dagegen, wenn ihr mich mit euren Arbeiten zum Nachdenken bringt, wenn ihr zeigt, wo Brüche sind und Irritationen. Aber lasst mich nicht ganz so ratlos herumstehen. Bitte.

Aber es gab auch Witziges, wie beispielsweise einen Stapel Metallschubladen, in denen vom Papierstapel über Locherkonfetti, schmale Reißwolfstreifen, zerrissene, gefaltete, zerknüllte Papierbögen. Klar, das könnte ich auch selbst: Aber die Idee ist witzig, lässt sich nachvollziehen. Rote Stoffstreifen, aneinandergenäht und wie Biesen gefaltet, sehen einfach schön aus. So könnte ich jetzt jedes einzelne Kunstwerk in eine Schublade stecken: Gefällt mir, gefällt mir nicht, verstehe ich, verstehe ich nicht. Dabei will ich das gar nicht.

Ich weiß, wie schwer es ist, so zu malen, dass die Perspektive funktioniert und das Licht überzeugt. Wenn man es kann, kann man es auch wieder lassen – damit die Malerei wieder so naiv und unbeschwert wirken kann, wie die eines Kindes. Mag sein. Aber wenn ich ein Konzert höre, indem die Musiker ihre Instrumente nicht beherrschen, klingt das nach dem, was die Katzen hier abends vor dem Fenster veranstalten. Kunst kommt von Können. Wenigstens ein bisschen davon möchte ich in einer Ausstellung auch sehen.

Bücher in anderen Sprachen lese ich schließlich auch in einer Übersetzung, wenn ich das Original nicht verstehe. Es gab zwar einen kleines Heft, in dem alle Künstler und ihre Werke aufgeführt waren, doch das war oft keine Hilfe. Hier fehlte mir die entsprechende Übersetzung. Das heißt nicht, dass ich selbst-denken ablehne, ganz im Gegenteil. Wir haben ganz gut gekichert, als wir durch die Ausstellungsräume gegangen sind, wir hatten Assoziationen, haben manche Frechheiten gedacht und laut gesagt (außer uns war niemand weiter da) und uns amüsiert. Vielleicht könnte ein Dialog helfen, eine Übersetzung: Künstler – Anguckender beispielsweise, die nicht nur zeigen will, wie elaboriert der Erklärer schwadronieren kann. Sondern ein Dialog, der zwischen Menschen geführt wird, zwischen denen, die an Kunst interessiert sind und denen, die Kunst machen.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #5

Es gibt – wie überall im Leben – auch zwischen mir und Kerstin Missverständnisse. Sie dachte, wir hätten uns am Donnerstag verabredet, während ich auf Freitag gebucht war.Also wartete Kerstin am Donnerstag vergeblich auf mich und schickte mir am Abend eine Mail: Ob mir etwas passiert sei?

Nein, ich saß quietschvergnügt zu Hause und freute mich auf das Training am Freitag.

Damit nun mein Training für diese Woche aufgrund des Missverständnisses nicht ganz ins Wasser fiel, schlug Kerstin vor, ich solle mich doch am Freitag den beiden Frauen anschließen, die mit ihr im Kellerwald Forchheim trainierten. Nun, warum nicht. Ich mache schließlich auch ganz gerne mal ein Schwätzchen.

Also fuhr ich am Freitag zum Kellerwald, parkte mein Auto und wartete auf Kerstin und die anderen beiden Frauen. Als Überraschung kam auch Sabrina Friedrich mit, die eine der Frauen begleitet und darüber im Fränkischen Tag berichten will. Das ist lustig: Während wir uns zu viert warmlaufen, flitzt Sabrina nach vorne und wieder zurück, hin und her, damit sie ein passendes Fotos schießen kann. Immerhin sind wir ja in Bewegung und dehnen uns mit den inzwischen einigermaßen gut bekannten Übungen. Äh. Zwar kenne ich die Übungen, bin aber trotzdem durch das Fotografieren abgelenkt: Wer steif und ungelenk ist, macht auch auf Fotos keinen entspannten Eindruck. Also passe ich auf, dass ich nicht in die „Foto-Schusslinie“ von Sabrina gerate, merke aber auch, dass ich mich dann nicht mehr gut auf die Übung konzentrieren kann.

Da die beiden anderen Frauen lieber walken, habe ich die Wahl und gehe entweder selbst mit schnellen Schritten oder jogge zwischendrin ein wenig. Die Geschwindigkeit ist bei beiden Fortbewegungsarten im Prinzip gleich. Weil wir zwar schnell genug unterwegs sind, dass wir ordentlich ins Schwitzen, aber nicht außer Puste kommen, können wir ein bisschen schwätzen. Sabrina zieht gelegentlich ihren kleinen Block aus der Tasche und notiert sich irgendetwas. Das würde ich wahrscheinlich ähnlich machen, wenn ich den Auftrag hätte, für die Zeitung zu berichten. So ist das lustig: Sie beobachtet eine der Frauen, ich beobachte sie bei ihrer Arbeit.

Die Strecke im Kellerwald ist neu für mich. Es geht – im Gegensatz zur Sportinsel – nicht immer nur gerade und eben, sondern hin und wieder bergauf und bergab. Das macht das Joggen nicht einfacher, ich habe gerade bergauf ganz schön zu kämpfen. Da bin ich froh, wenn ich hinter den anderen hinterherzockeln kann. Für das Krafttraining unterwegs stehen wieder genügend natürliche Sportgeräte im Wald: Wir nutzen ein Geländer über einem Bächlein für Liegestütze, den Baumstamm für Drehungen und die Bank für eine Übung, bei der wir unsere Hände auf der Sitzfläche aufstützen, mit dem Rücken zur Bank und dann auf diese Weise mit dem Po fast auf die Erde dippen und uns wieder hochdrücken. Für die Kniebeugen und die Standwaage brauchen wir gar nichts weiter. Das geht einfach so.

Sport mit anderen gemeinsam zu machen, kann durchaus sehr vergnüglich sein, stelle ich erstaunt fest. Wir kichern, schwätzen – und ich merke, dass ich dabei die Übungen etwas vernachlässige: Ganz wie früher im Sportunterricht. Kerstin achtet allerdings auf uns, korrigiert, ermahnt, aber sie benimmt sich glücklicherweise nicht so, wie ich meine Sportlehrer aus der Schule noch in immer noch unguter Erinnerung habe. Diese verwechselten anscheinend den Sportplatz mit dem Kasernenhof, jedenfalls glaubten sie wohl, dass sie unsere Motivation als Schüler mit ihrer Brüllerei anfeuern würden.

Selbst die Forscher wissen längst, dass sich durch eine Motivation von außen wie einen brüllenden Sportlehrer oder demotivierende Sportlehrerin – nur Dinge gemacht werden, zu denen kein Schüler Lust hat. In der Schule macht Sport eben keinen Spaß: Dort gibt es Noten, dort geht es nicht um Spaß, sondern um den Vergleich mit anderen und mit den Vorgaben, aus denen sich die Noten ergeben. Wer da nicht spitzenmäßig drauf ist, kann da auch keinen Spaß entwickeln. Während sich kleine Kinder noch mit einer Lust an Bewegung auspowern, wird ihnen spätestens mit dem Beginn der Schulzeit diese Freude genommen. Deswegen komme ich mir eben auch blöd vor, wenn ich eine Standwaage mache, weil ich weiß: Das kann gar nicht elegant aussehen. Aber Kerstin macht mich eben nicht zur Schnecke, sondern weist nur kurz darauf hin, worauf ich achten soll. So fängt Sport überhaupt an, Spaß zu machen. Auch wenn ich immer noch hübsch darauf achte, dass mich keiner sieht, wenn ich meine Übungen alleine mache.

Webmasterfriday: Die Gretchenfrage

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ fragte einst die Grete den Heinrich, in Goethes „Faust“, der Webmasterfriday fragt es ebenfalls, anlässlich des Osterfestes.

Für dieses Jahr kann ich die Frage ganz einfach beantworten: Ich war am Ostersonntag in der Auferstehungsfeier in der Klosterkirche der Redemptoristen in Forchheim. Das hieß: Kurz nach vier aus den Federn krabbeln, einen Kaffee trinken, noch ein bisschen trödeln, die dicken Winterstiefel anziehen und losfahren. Vor der Kirche standen Menschen rund ums Feuer, wir gingen – der Kälte wegen – lieber hinein, setzten uns und warteten in der Dunkelheit. Kein Licht, keine Kerze, kein Nichts. Stimmt nicht ganz: Da die Sparkasse, die ihr Hauptgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat, auch in der Nacht genügend Licht brennen lässt, war langsam etwas in der Kirche zu sehen, ganz so, wie sich langsam die Augen an das Dunkel gewöhnte. Die Engel und Heiligen saßen immer noch über und neben den Altären, die goldenen Ränder der Gewänder glänzten ein wenig.

Es dauerte. Es war dunkel. Es war ruhig, nur gelegentlich scharrte jemand mit den Füßen, hustete, oder schniefte. Zeit zum Warten, Zeit zum Nichtstun, noch nicht einmal zum Nachdenken, nein, ich habe einfach nur gesessen und gewartet.

Bis irgendwann die Stimme des Paters von hinten rief: „Lumen Christi“ und alle Anwesenden antworteten mit: „Deo gratias“. Das Licht der Osterkerze, die vom Pater getragen wurde, kam zum Altar, an diesem Licht wurden alle Kerzen angezündet und die Feier begann.

Ich kam mir vor, wie in einer anderen Zeit, in einer Zeit, die fast schon vergangen ist. In der es weder um Effizienz: „Wie schaffen wir den Gottesdienst in kürzerer Zeit und mit noch mehr Segen abzuhalten?“, noch um Kostenminimierung ging: „Die dünne Osterkerze reicht übers Jahr doch wirklich aus, überleg mal, wie viel davon immer am nächsten Ostern übrig ist“.

Was mache ich hier eigentlich? Da ist vor 2000 Jahren jemand am Kreuz gestorben – und man sagt, er sei auferstanden. Gesehen hat es ja schließlich keiner. Das ist eines der Geheimnisse, die einfach zu glauben sind – oder auch nicht. Schön finde ich es, dass es eine Gemeinschaft gibt. Auch wenn ich viele von den Menschen nicht kenne, mit denen ich hier in der Kirche saß. Macht nichts. (Ist schließlich bei einer Demo ähnlich, oder? Das ist auch kein Familientreffen.)

Ich arbeite mal die Einwände ab, die mir gerade einfallen, so rein prophylaktisch:

1) Die in die Kirche gehen, sind doch alle nur scheinheilig: In der Woche sündigen sie, am Sonntag geht es in die Kirche, und schon sind sie die reinsten Engelchen. Was andere machen, weiß ich nicht. Für mich gilt: Ich denke auch in der Woche daran, dass ich meinen Mitmenschen weder zur Last falle, noch über sie tratsche oder irgendwelche Dinge über sie erfinde, die ich dann den anderen erzähle.

2) Das kann man doch als aufgeklärter Mensch nicht im Ernst glauben: Doch, kann man. Es gibt Menschen, die glauben – so aus meiner ganz privaten Sicht – an noch viel seltsamere Dinge, Wiedergeburt beispielsweise. Und benehmen sich, als wollten sie das nächste Mal als Stinktier auf die Welt kommen.

3) Was die bösen Pfarrer mit den armen Kindern machen: Äh. Ich habe selbst so etwas nie erlebt – und daher werde ich dazu nichts weiter beitragen können. Ja, ich finde das schlimm. Aber ich finde auch, dass so etwas nicht in die Öffentlichkeit gehört. Jedenfalls nicht in eine hysterische und voyeuristische Öffentlichkeit.

4) Was im Namen Christi alles für böse Missetaten begangen werden: Von der Ermordung der Indianer und Hexen über die Inquisition und was weiß ich. Sicherlich lässt sich jede Idee sowohl im Guten verwirklichen, als auch für Böses missbrauchen. So, wie viele Stoffe in der einen Dosierung Medizin und in einer anderen Dosierung Gift sind.

5) Das Gold! Die Kirchen! Was das alles gekostet hat! Sicherlich war das teuer. Zumal gerade die barocken Kirchen mit ihrer ganzen Pracht in einer Zeit gebaut wurden, als viele Menschen drumherum ziemlich arm waren. Der dreißigjährige Krieg war gerade vorbei, mit all seinen Schrecken. Aber ehrlich: Wenn damals kein Geld für diese Pracht ausgegeben worden wäre, könnten wir sie jetzt nicht bewundern. Ich glaube nicht, dass in vierhundert Jahren Sparkassengebäude besichtigt werden, als kulturelle Highlights oder so. Auch wenn die ebenfalls viel Geld gekostet haben.

Und trotz alledem gehe ich – relativ regelmäßig – in die Kirche. Das ist so, und das wird in Zukunft auch vermutlich so bleiben. Manchmal ist die Predigt inspirierend, manchmal nicht, manchmal schweifen währenddessen meine Gedanken ab, weil sie einen Anstubser bekamen, manchmal gucke ich mir auch nur die Heiligenfiguren an und überlege, warum der eine aussieht, als würde er grüne Gummihandschuhe tragen. Für mich ist es nicht nur ein Ritual, das absolviert werden möchte, sondern eine Haltung:

Ich bin weder der Nabel der Welt, noch besser als meine Mitmenschen. Sondern völlig normaler Durchschnitt. Und nein, es reicht mir nicht für mein Wohlbefinden, mir irgendwelche Dinge zu kaufen und zu konsumieren. Für heute soll das genügen. Ein andermal vielleicht mehr dazu.

Tagebuchbloggen: 5. April

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, abgekürzt: wmdedgt, das will Frau Brüllen heute wieder wissen. Gerade vom Ausflug zurück, bin ich dabei.

Vier Uhr in der Früh wurde ich geweckt: Ostersonntag. Wir hatten schließlich geplant, in die Auferstehungsfeier zu gehen. Nach einem Kaffee bin ich sogar einigermaßen wach, wir fahren in die Klosterkirche nach Forchheim. Singen, Licht, Kerzen, Weihrauch, Predigt, Zeit dabei, darüber nachzudenken, was eigentlich im Leben wichtig ist und dass ich mir gerade vorkomme, wie in einer fast vergangenen Zeit. Zurück nach Hause, Frühstück.

Ein bisschen herumtrödeln, Zeitung lesen, die Lieblingshausziege putzte sich, schließlich ist sie heute eingeladen. Das Essen – längst vorbereitet – muss nur noch fertig gemacht werden: Es gibt Schafbein, mit Schafkäse und Rosmarin gefüllt, dazu grüne Böhnchen mit Speck, Champignons, Sauce und vom Lieblingsmann selbstgemachte Nudeln in weiß und grün. Ein kleines Gläschen fränkischer Rotwein – dann geht es los. Der Lieblingsmann hat ein Ziel: Wir wollen zur Festung Kronach fahren.

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Geburtshaus von Lucas Cranach. Steht jedenfalls dran.

Kronach: Stadt, aus der Lucas Cranach stammt, der mir mit seinen Bildern lang vertraut, auch weil ich einst in Weimar studierte, unweit der Jacobskirche wohnte, auf dessen Friedhof er begraben liegt. Die Stadt wird überragt von ihrer Festung, die so groß ist, dass sie wie ein Trumm über dem kleinen Ort hockt. Gebaut von den Bamberger Erzbischöfen, die hier – wenn es in Bamberg unruhig wurde – ihren Schatz insgesamt 27 mal im Bergfried verstauten. Behauptete der Führer.

Aber erst gab es Kaffee und Kuchen, dann ging es hoch zu Europas größter Festung, ein katholisches Bollwerk gegen alle und jeden. Immerhin wurde die Festung in ihrer gut tausendjährigen Geschichte nie erobert. Nach dem dreißigjährigen Krieg ließen die Bamberger Bischöfe einen dritten Festungsring bauen, der letztendlich nie gebraucht wurde. Im ehemaligen Kommandantenbau haben wir die Ausstellung besucht – und dann eine Führung durch die Kasematten mitgemacht. Außer Stein war allerdings im Prinzip nichts zu sehen: Dank Napoleon fiel die Festung an das Königreich Bayern, diese verkauften alles 1888 an die Stadt Kronach, räumten aber alles aus, jeden Löffel, jeden Teller, und brachten das gesamte Inventar in mehr als 700 Pferdefuhren nach Ingolstadt.

Jetzt gibt es noch ein paar Impressionen:

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Klotzen, nicht kleckern: Die Festung Kronach.

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Der Eingang zur Festung Kronach.

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Der Bergfried.

 

Die ganze Festung hockt wie eine riesige Schildkröte über der Stadt.

Das Tor war einst richtig verriegelt, es gab eine Zugbrücke, und ein Gitter.

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Festung Kronach

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter dem Rasen, der hier zu sehen ist, sind noch die Kasematten des dritten Verteidigungsringes. Wie gesagt: Klotzen.

Nach der Festung gab es noch ein Weizenbier in Kronach – und dann ging es ab nach Hause. Da bin ich jetzt glücklich wieder und lese noch ein bisschen, bevor ich ins Bett gehe. Immerhin war der Tag heute lang.

G wie Geheimnisvoll: Magic Letters

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Eine geheimnisvolle Stimmung im Gras

Ein Geheimnis: Es macht neugierig.

Der Satz: „Das ist noch nichts für dich“ motiviert manche Kinder. Dann probieren sie in einem unbeobachteten Moment aus, was ihnen – manchmal auch aus gutem Grund – verwehrt bleiben sollte.

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Licht zaubert Geheimnisse ins Laub.

Früher war bereits die Herstellung von Pulver, Glas und Porzellan geheimnisvoll für alle diejenigen, die nicht eingeweiht waren: Wer wusste wie es geht, sollte den anderen nichts davon verraten.

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Licht lässt Geister zwischen Stämmen wohnen.

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Ist das wirklich eine helle Birke?

Wie geht es dem Geheimnis in einer Beziehung oder überhaupt zwischen Menschen? Wird diese nicht nur langweilig und öde, wenn alles vom anderen bekannt ist? Geht das überhaupt: Alles vom anderen wissen? Da ich nur von mir selbst auf andere schließen kann, verrät das, was ich über einen anderen Menschen mutmaße, doch mehr über mich selbst, als über den anderen.

Die Bilder für das Fotoprojekt Magic Letters von Paleica habe ich im Botanischen Garten in Kassel gemacht, als dieser einmal abends beleuchtet wurde.

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Botanischer Garten Kassel

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Botanischer Garten Kassel

 

 

I see faces: Das Häuschen am Abt-Degen-Steig

Alberich Degen ist schuld: Als 42. Abt des Ziesterzienserklosters in Ebrach – dort, wo heute die Justizvollzugsanstalt Ebrach ist – führte er vor ziemlich genau 350 Jahren die Silvanerrebe in Franken ein.

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Abt-Degen-Steig in Zeil am Main

Wenn wir auf der Bundesstraße von Forchheim aus an den Main fahren, grüßt dieses freundliche Gesicht aus dem Weinberg. Nur den Abt-Degen-Steig, nach eben jenem oben erwähnten Abt benannt, sind wir noch nicht gewandert, aber das kommt vielleicht auch noch. Der Wein aus dieser Gegend schmeckt jedenfalls wunderbar. 🙂

Das ist mein Beitrag zu „I see faces“ bei Rosenruthie. Dort gibt es noch viel mehr Gesichter zu sehen.

Alles für die Katz #7

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wir sind für drei Tage unterwegs. Da ist die Katz allein, bekommt ihr Futter hingestellt und muss sich selbst beschäftigen. Meistens geht das ganz gut, einmal hat sie sich beispielsweise das Papier der Küchenrolle vorgenommen. Das lag, als wir zurückkamen, abgerollt und krallenperforiert in der Küche herum. Tequila macht immer unmissverständlich klar, wer eigentlich das Sagen hat. So wie auf dem Foto:

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Tequila liegt überall besitzergreifend.

Wer sich gerne am Projekt „Alles für die Katz“ beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei „Alles für die Katz“ dabei ist.