Da war eine Schraube locker: FĂŒr die Rostparade

Alte Eisenbahnschwelle mit Schraube

Da ich fĂŒr ein paar Tage meine Eltern besucht habe, war es hier ein wenig ruhiger. Wir waren schließlich viel unterwegs und haben Dinge angeguckt, die ich zwar schon lange kenne, aber nichtsdestotrotz ganz gerne mag. Schließlich treffe ich mich ja auch mit Bekannten und Freunden, auch wenn ich diese bereits kenne. Oder vielmehr: Genau dann macht das Wiedersehen VergnĂŒgen und weckt manches Mal auch alte Erinnerungen.

So fuhren wir beispielsweise mit einer Draisine auf der lĂ€ngst stillgelegten Bahnstrecke. Auf dieser fuhren auch einmal ZĂŒge, so weit, so logisch. Mit diesen bin ich hier als Kind gefahren, habe an einem Haltepunkt gewartet, von dem heute nichts mehr ĂŒbrig ist, habe mein Ohr auf die Schiene gelegt, damit ich hören konnte, wann denn der Zug endlich aus dem Tunnel kommt. Oder einen Pfennig: Der Stahlkoloss fuhr einfach ĂŒber das kleine GeldstĂŒck und walzte es völlig platt.

An dem Bahnhof, an dem wir mit der Draisine umkehren und wieder zurĂŒckfahren mussten, saßen wir ein wenig herum, unterhielten uns und inspizierten die Umgebung. An einem ungenutzten Nebengleis guckte einer der dicken Schraubenköpfe ein wenig hervor, hier war quasi eine Schraube locker.

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

„Lass die Schraube in Ruhe“: MĂŒtter verlernen das Zurechtweisen des Nachwuchses wohl nicht, egal wie alt beide sind und werden. Was mich – wie schon als Kind – nie daran gehindert hat, trotzdem nachzugucken, was passiert, wenn… ich in diesem Fall an der Schraube ziehe. Und siehe da, sie ließ sich ganz widerstandslos aus ihrem Loch herausziehen. Ich brauchte gar nicht an ihr zu drehen.

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

Und jetzt? Ist die Schraube auf mir völlig unerklÀrliche Weise erst in meine Tasche und dann bis zu mir nach Bayern geraten.

Also: Ich sag’s ja. Ich hab eine Schraube locker. Und nicht mehr alle Tassen im Schrank, denn es steht immer mindestens eine auf dem KĂŒchentisch oder in der SpĂŒlmaschine.

Das ist mein Beitrag zur Rostparade von Frau Tonari: (hier klicken) Über die Draisinenfahrt erzĂ€hle ich spĂ€ter noch mehr, die war nĂ€mlich interessant.

FreitagsfĂŒller #322

1.   Meine FĂŒĂŸe  tragen mich durch meinen Tag. Das machen sie relativ klaglos, obwohl ich – ganz wie meine Urgroßmutter und Großmutter auch – einen Hallux valgus habe. Mit anderen Worten: der große Zeh steht schief. Da mich das aber beim Laufen nicht stört, lasse ich daran auch nichts verbessern, jedenfalls nicht chirurgisch.

2.   Nein, ich bin nicht immer gerne gelaufen. Und schon gar nicht, wenn ich als Kind mit den Eltern sonntags spazieren gehen sollte. Meiner Mutter ging es Ă€hnlich, sie erinnert sich an Sonntage mit weißen KniestrĂŒmpfen und roten Schuhen, beides durfte auf gar-keinen-Fall irgendwie dreckig werden. Das hieß: keine Steinchen treten, vorsichtig gehen, nicht hĂŒpfen, nicht rennen und auf gar keinen Fall hinfallen.

3.   Der linke Fuß ist mir genauso lieb, wie der rechte Fuß. Nein, ich habe keine Vorliebe fĂŒr einen meiner FĂŒĂŸe. Ich setze beim Gehen einen vor den anderen, wie ich das seit ziemlich vielen Jahren schon mache. Unter meinem Schreibtisch liegt seit einiger Zeit ein Igelball, mit dem massiere ich mir gelegentlich abwechselnd die Fußsohlen.

4.    Ich benutze ziemlich selten eine Fußcreme. Das mag daran liegen, dass ich morgens die Socken schnell anziehe, wie alles andere auch, damit ich in die KĂŒche zu meinem Kaffee kann. Ab und zu mache ich inzwischen ein Fußbad, einfach weil sich danach die NĂ€gel besser schneiden lassen.

5.   Die aktuellen Lieblingsschuhe sind rot und von Naot, abwechselnd dazu trage ich rote Schuhe von Think, die als Spange eine Sonne und einen Mond haben.

6.   Das Ă€lteste Paar Schuhe in meinem Schrank ist ein Paar schwarze italienische Stiefeletten zum SchnĂŒren, bestimmt schon zwanzig Jahre alt und immer noch gut tragbar. Sogar die Lieblingshausziege hat sie sich schon ausgeborgt.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf mein heimisches Sofa, immerhin war ich jetzt eine Woche lang bei meinen Eltern, morgen habe ich eine KrĂ€uterwanderung mit KrĂ€uterkochen geplant und Sonntag möchte ich, ja das weiß ich noch nicht genau. Ist ja schließlich noch ganze zwei Tage bis dahin!

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Noch mehr Freitags-FĂŒller gibt es bei Barbara: Link.

ABC der Technik #K

Vor ungefĂ€hr 700 Jahren wurde in Europa die erste Kanone abgefeuert. Plötzlich bot die stĂ€rkste Festungsmauer nicht mehr den Schutz – und der Kampf ĂŒberhaupt, der vorher Mann gegen Mann ausgetragen wurde, verĂ€nderte sich. Dank dieser Waffen Ă€nderte sich die Kriegstechnik und die HerrschaftsverhĂ€ltnisse. Die Kosten fĂŒr Kriege stiegen immens – Kanonen waren teuer, aber notwendig fĂŒr den Sieg. Eine Burg war nicht lĂ€nger ein sicherer Ort der Zuflucht, nur durch Aushungern zu bezwingen. Die RĂŒstungen der Ritter schĂŒtzten nicht mehr.

Dank der Feuerwaffen waren EuropĂ€er den Natur- und anderen Völkern ĂŒberlegen, konnten mit ihnen wesentliche Teile der Welt unterwerfen, die vorher von Seefahrern entdeckt wurden. Der Donner der Kanonen und das Knallen der Musketen war die Begleitmusik, als Europa einst fĂŒhrender Kontinent wurde. Und jetzt?

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Kanone und Kugeln

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Kanone

Das ist mein Beitrag zum ABC der Technik bei Jutta. Dort sind noch mehr Maschinen versammelt, die alle mit „K“ beginnen. (hier klicken)

 

FreitagsfĂŒller #2

Schon wieder Freitag. Das ist fĂŒr jemand wie mich, die von zu Hause aus arbeite und auch am Wochenende ab und an unterwegs bin, nicht so sehr bedeutsam. Im Gegensatz dazu freut sich die Lieblingshausziege ĂŒber zwei freie Tage. Zumal wenn es, wie gerade jetzt, dank der Pfingstferien sogar zwei freie Wochen sind. Ich dagegen muss aufpassen, dass ich rechtzeitig daran denke, wenn wieder ein Feiertag ist und sĂ€mtliche LĂ€den geschlossen haben. Sonst muss ich die Tastatur umdrehen, schĂŒtteln und die KrĂŒmel zusammenfegen, wenn es etwas zu essen geben soll.

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Ein Weiher.

Heute war ich wieder an einem der vielen Weiher: Da gab es GelbrandkÀfer, schwimmende Schnecken, Kaulquappen und ein Eisvogel flog fix vorbei.

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Schnecke im Wasser.

1.   Ich hĂ€tte: Das klingt, als mĂŒsse ich etwas bedauern. Aber im Moment gibt es das nicht. Gestern kam eine Landkarte mit der Post, darauf ist der europĂ€ische Teil von Russland. So kann ich nachgucken, von wo etwa mein Großvater seine Briefe schrieb. Die hĂ€tte ich eher bestellen sollen. Und was ich natĂŒrlich gerne hĂ€tte: Die TagebĂŒcher der Division.

2.  Heute hatte ich das letzte Mal Socken an. Ich hab sie selbstverstĂ€ndlich immer noch an: Es sind ein Paar selbstgestrickte Socken – und vielleicht komme ich in der nĂ€chsten Woche dazu, mal wieder welche zu stricken. Wolle fĂŒr Socken ist jedenfalls genĂŒgend da.

3.   Die Wahrheit ist: Gibt es ĂŒberhaupt eine Wahrheit? Oder sieht die nicht fĂŒr jeden ein klein wenig anders aus?

4.    Das habe ich tatsĂ€chlich noch nie gegessen: Erdnussbutter. Und das wird vermutlich auch so bleiben. Ich wĂŒsste jedenfalls keinen Grund, warum.

5.    Der ESC 2015 interessiert mich ebenso, wie der von 2014 und all die anderen Jahre davor: Überhaupt nicht. Da ich keinen Fernseher habe, besteht noch nicht einmal aus Versehen die Gefahr, dass ich das gucke.

6.     Frau MĂŒller muss weg: Diesen Film habe ich zuletzt im Kino gesehen. Ich gehe ganz gerne ins Kino – wenn etwas kommt, was mich interessiert.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ein Buch, das ich mir vorgestern gekauft habe. Gleich gehe ich ins Bett, dort wartet es auf mich. Vielleicht schreibe ich darĂŒber noch. Morgen habe ich geplant, dass ich den Schreibtisch mal wieder aufrĂ€ume und ansonsten? Mal sehen. Sonntag möchte ich mit meinem Liebsten grillen, wir holen morgen frische Makrelen, die kommen dann auf die heiße Glut. Es kommen ein paar liebe Menschen zu Besuch und zum Essen und ĂŒberhaupt wird dieser Sonntag damit ganz nett. Nehme ich mal an.

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Das sind Impulse, die es bei Barbara gibt – und wo noch viel mehr Menschen beschreiben, was ihnen alles dazu einfĂ€llt.

Gelesen: Altes Land von Dörte Hansen.

Es ist schon eine Weile her, dass ich ein Buch so atem- und pausenlos gelesen habe, wie „Altes Land“ von Dörte Hansen. Gestern nachmittag gekauft, heute fertig gelesen. Beim Kaffee trinken, zum Mittag essen – ich hab alleine gegessen, weil alle anderen unterwegs waren, da darf ich das – und immer wieder zwischendrin, quasi in jeder freien Minute wollte ich wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Eines vorneweg: Es ist weder ein Krimi noch ein Thriller. Es mutet erst einmal an wie ein kuscheliges Buch ĂŒber die Geschichte menschlicher Liebe mit all ihren IrrtĂŒmern. Die Liebe kommt auch nicht zu kurz, aber es ist immer eine Geschichte des gerade-noch-eben. Gerade noch eben schien die Welt in Ordnung, die Sonne hell, doch weit hinten am Horizont hĂ€ngen bereits die Gewitterwolken, das nĂ€chste Unheil lĂ€sst nicht lange auf sich warten.

Die Geschichte beginnt kurz nach dem Krieg, als Vera an der Hand ihrer Mutter im Alten Land ankommt. Sie sind nicht willkommen in diesem Haus, die FlĂŒchtlinge aus Ostpreußen, sie werden Polacken genannt und ihnen wird das Leben so schwer gemacht, wie es nur geht. Doch sie bleiben, beißen sich durch, nehmen sich das, was fĂŒr sie ĂŒbrig ist. Und wenn es der Sohn der Hausbesitzerin ist, der zwar aus dem Krieg heimkehrte, jedoch nur noch als Schatten seiner selbst – und von Veras Mutter geheiratet wird.

Veras Mutter entschwindet denn spĂ€ter auch mit einem anderen Mann, bekommt noch eine Tochter. Deren Tochter kommt spĂ€ter mit ihrem Kind zu Vera, auch als Gestrandete. WĂ€hrend jedoch in den weich gezeichneten Filmen, die von dieser schon so lange vergangenen Zeit erzĂ€hlen, weiße WĂ€sche an der frischen Luft trocknet, wachsen hier aus dem Reetdach des alten Hauses grĂŒne Moosbrocken und die FensterlĂ€den werden langsam bröselig.

Wie viele Kompromisse muss ein Mensch in seinem Leben eingehen und ertragen, ohne dass er hinterher sein Leben als gescheitert bezeichnet? Der Krieg ist zwar lange vorbei, doch seine Folgen bleiben in den Menschen haften, nicht nur bei Karl, der jede Nacht schreit und sich erst dann beruhigt, wenn er von Vera Groschenromane vorgelesen bekommt.

Das Buch zeigt, dass ein Leben auf dem Land mehr ist, als es die Hochglanzfotos in den Magazinen zeigen: Idyllisch sieht vieles nur aus, wenn man es aus der Ferne betrachtet. Als ich endlich die letzte Seite gelesen hatte, hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht, es gĂ€be eine Fortsetzung. Oder? Nein, eigentlich nicht. Die Figuren gehen ihren – und zwar wirklich ihren – Weg. Die anderen, die sich nach dem Mainstream und Zeitgeist richten, die sind nicht wirklich wichtig. Es ist ein wunderbares Buch fĂŒr alle diejenigen, die wissen wollen, warum Menschen manchmal so unverstĂ€ndlich handeln, wie sie es nun einmal tun.

Tierisches.

Haste Viehzeuch, kannste was erleben. So heute morgen: Rechts neben mir ist das Fenster zum Balkon, auf dessen GelĂ€nder immer noch das VogelhĂ€uschen steht. Ob es das gleiche MeisenpĂ€rchen war, das erst im Winter den Knödel verschmĂ€ht und mit diesem jetzt die Meisenkinder fĂŒttert? Jedenfalls sahen sie heute ziemlich zerzaust aus, wie nach einem Bad in der Regentonne, ohne Fön. SĂ€mtliche Brustfedern strubbelten kreuz und quer. Trotzdem pickte Herr oder Frau Blaumeise – ich kann die beiden nicht voneinander unterscheiden – wie immer den Schnabel voll, bevor er wieder entflog.

Kaum war Blaumeise weg, kamen zwei Spatzen, etwa gleich groß. WĂ€hrend der eine ein hĂŒbsch glattes Gefieder trug, war der andere noch voller Flaum und sah einem puschelige KnĂ€uel brauner Merinowolle recht Ă€hnlich. Das KnĂ€uel hockte sich auf den Boden des FutterhĂ€uschens, riss den Schnabel auf und schrie. Der andere pickte hektisch KrĂŒmel aus dem Meisenknödel und stopfte sie in diesen nimmersatten Schlund.

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Zwischen den Blumentöpfen. Da saß die Katz schon, als sie noch klein war.

Inzwischen hatte Katzmatz ihr FrĂŒhstĂŒck in der KĂŒche beendet, hupfte wie immer zu mir hoch, sah die Pieps auf dem Balkon und nahm sofort ihre Jagdposition ein. Jaklar, Katze. Denk dran, zwischen dir und der Beute ist eine Fensterscheibe. Der Ă€ltere Spatz mit dem glatten Gefieder verschwand denn auch prompt, wĂ€hrend das FlaumknĂ€uel noch eine Weile unschlĂŒssig auf dem BalkongelĂ€nder herumhupfte, dann aber doch startete.

 

Klagen ĂŒber die Katz kamen von der Nachbarin: Dort hatte der Strolch – die BalkontĂŒr stand schließlich offen – die KĂŒche inspiziert und eine Tasse mit der Pfote gezielt auf den Boden befördert. Das macht sie gelegentlich auch bei uns, seitdem werden sĂ€mtliche Tassen entweder in die SpĂŒle gestellt oder gleich in die SpĂŒlmaschine gerĂ€umt. Außerdem fand Katzmatz heraus, dass der Tetrapack mit Milch nicht immer ordentlich zugedreht ist: Seitdem kippt sie diesen immer um und schaut, ob der Inhalt auslĂ€uft und aufgeleckt werden kann.

Tanzt die Katze auf den Herdplatten herum, piept der Herd: Manchmal lĂ€sst sich so noch etwas retten. Manchmal auch nicht. Dann schafft sie es, die Reste aus dem BiomĂŒll zu fischen, die interessant riechen und fĂŒr Katzmatz lecker sind, KĂ€serinden beispielsweise. Oder Wurstpelle.

In den Regentonnen schwimmen die MĂŒckenlarven. Auf und ab. Mehr gibt es von diesen noch nicht zu vermelden.

Ich bestimme selbst. Über mich.

Lass Dir endlich Deine langen Zottelhaare schneiden, mit einem schönen Bubikopf siehst du doch viel schöner aus!

Nö.

Wollte jemand ĂŒber mich bestimmen und wusste angeblich, was gut fĂŒr mich sei, hatte derjenige mit Widerstand zu rechnen: Entweder empörte ich mich lautstark oder machte einfach leise genauso weiter, wie ich angefangen hatte. Wie bereits oben beschrieben:

Haare abschneiden lassen? Nö.

Zimmer aufrÀumen? Nö.

Mich hĂŒbsch und ordentlich anziehen? Nö.

Mit Rauchen aufhören? Nö.

Ich wollte ĂŒber mich selbst bestimmen und nicht von anderen bestimmt werden. Ich war diejenige, die mich besser kannte, als all die anderen, die es besser wissen wollten. Das hat mir zwar im Leben eine ganze Menge Umwege eingebracht, aber Umwege erhöhen schließlich die Ortskenntnis, heißt es ja so schön.

Viele Dinge habe ich nicht gegessen und noch nicht einmal probiert, weil irgendjemand sagte: Das ist gesund, das musst du essen. Wieso denken eigentlich heutzutage so viele Leute, dass sie genau wissen, was fĂŒr andere Menschen gut sei – und sie diese gewissermaßen damit zwangsbeglĂŒcken. Ob die anderen das nun wollen, oder nicht. Gefragt wird nicht.

Neulich fand ein Charity-Walk statt: Die Teilnehmer an diesem Lauf sollten Geld fĂŒr eine Gesundheitsinitiative fĂŒr Kinder spenden. Zwei bekannte Sportler liefen quasi als Zugpferde voran, so dass möglichst viele Menschen kamen, um zu laufen und zu spenden. Das Projekt selbst soll Kinder an Schulen zu mehr Bewegung animieren. Das ist im Prinzip gut gemeint, schließlich tragen viele Kinder bereits in jungen Jahren zu viel an Gewicht mit sich herum. Da muss doch was dagegen gemacht werden! Dringend!

Als Kind war ich rappeldĂŒrr. So dĂŒnn, dass ein Arzt meinen Eltern empfahl, sie sollten mir dreimal tĂ€glich einen Löffel voll Traubenzucker geben. Allerdings war ich kein Freund von viel Bewegung: Ich habe mich, seit ich lesen kann, lieber mit einem Buch in irgendeine ruhige Ecke verzogen und gelesen. Davon bin ich trotzdem nicht dick geworden. Wir hatten so den ĂŒblichen Sportunterricht und sind in den Pausen in GrĂŒppchen gemĂ€chlich ĂŒber den Schulhof geschlendert. HĂ€tte ich mich mehr bewegt, wenn eine Lehrerin mich dazu aufgefordert hĂ€tte? Vermutlich nicht. Ich nehme an, ich hĂ€tte mich nach dem im Sportunterricht sehr bewĂ€hrten Prinzip bewegt, also nur dann, wenn die Lehrerin guckt. (Mit dieser Haltung war ich ĂŒbrigens nicht allein, das haben alle so gemacht, also fast alle, nur die Streber haben auch dann etwas gemacht, wenn keiner geguckt hat.)

Sind heutige Kinder anders? Gut, viele sind nicht mehr so rappeldĂŒrr. Ob es nur an der fehlenden Bewegung liegt? Wir hatten damals zwar noch keine Computer, aber BĂŒcher, Fernseher, Puzzles und viele Spiele, bei denen wir uns auch nicht zu sehr bewegen mussten.

Mag ja sein, dass sich Kinder mehr bewegen sollten. Was mich an diesen Projekten immer ein wenig stört, ist, dass die Initiative von außen kommt: Irgendjemand kommt und sagt den Kindern: Ihr seid nicht in Ordnung. Ihr seid zu trĂ€ge, zu faul, zu fett: Ihr mĂŒsst einfach unglĂŒcklich sein. Ihr mĂŒsst euch nur ein wenig zusammenreißen, etwas mehr bewegen, dann werdet ihr richtig glĂŒcklich, entwickelt euch richtig und werden ordentlich leistungsfĂ€hig. Diese Aussicht hĂ€tte mich als Kind so richtig vom Hocker gerissen, nehme ich mal an. Ich hĂ€tte mir das nĂ€chste spannende Buch geschnappt und mich irgendwohin verzogen, wo ich meine Ruhe habe.

Allerdings gab es – in meiner Kindheit – viele Sachen noch nicht zu essen, die heute tĂ€glich verfĂŒgbar sind. Wenn ich einkaufen gehe und mir die Liste an Zutaten auf den Packungen angucke, wird mir ganz seltsam: Warum, zum Kuckuck, ist eigentlich in Brot, Schinken, Salami und FrischkĂ€se Zucker, Fructose, Maissirup und anderes drin, genau wie in ganz vielen anderen Lebensmitteln? Nun, irgendwo muss das Zeug ja verarbeitet werden, wie Wiki-How zeigt. (Link)

Ich fĂŒrchte, wenn ich solche Sachen als Kind gefuttert hĂ€tte, wĂ€re ich auch dicker gewesen – und der Arzt hĂ€tte den Eltern nicht Traubenzucker, sondern mehr Bewegung empfohlen. Warum verbietet eigentlich keiner den Herstellern, diesen Zuckerkram ĂŒberall zu verarbeiten? Ich kann mich noch daran erinnern, wie lange ich gesucht habe, bis ich fĂŒr die JĂŒngste einen Zwieback fand, der ohne Zucker war.

TigerKids, Klasse 2000, Fit und Vital, Besser essen – mehr bewegen, Gesund ins Leben, Minifit, Mick: MĂ€dchen kicken mit, Moby Dick, Schwer mobil, Fit kid, Gut drauf, Unterwegs nach tutmirgut, fit4future… Es gibt eine ziemlich lange Liste an unterschiedlichen Projekten, die alle eins wollen: Kinder sollen sich mehr bewegen und besser essen. Klar. Ob es wohl hilft?

Was hilft dabei, wenn jemand raucht und aufhören soll? Übrigens: Mit dem Rauchen habe ich tatsĂ€chlich irgendwann aufgehört. Einfach so. Weil mir keiner mehr gesagt hat: Du musst das jetzt dringend lassen, das ist nicht gesund, denk an deine Zukunft… (das wusste ich lĂ€ngst selber, Ă€nderte aber nichts)

J wie Jetzt: Magic Letters

Jetzt ist so ein Moment, ein flĂŒchtiger, der kaum wahrnehmbar verstreicht. Guckt man ihn an, bleibt er ein Weilchen, manchmal schlafe ich darĂŒber ein. So wie das Kind, dem ich zum Mittagsschlaf den Wecker in die Hand gab: Zeigt der große Zeiger ganz nach oben, darfst du wieder aufstehen. Wer dem Moment, dem Jetzt, dem Nu zuschaut, dem fallen schnell die Augen zu. Und dann ist er vorbei, einfach so, unwiederruflich, unwiederbringbar. In der Erinnerung bleibt er nur manchmal, als ein GefĂŒhl, das mich anspringt, unvermutet und unverhofft.

Ob wohl eher die glĂŒcklichen oder die unglĂŒcklichen Momente besser in der Erinnerung bleiben? Das weiß ich nicht: Aber Fotos helfen, das Jetzt einzufrieren, festzuhalten, machen es stets und stĂ€ndig abrufbar. Die Bilder entstanden an einem Stadtfest und das sichere Befestigen der Kinder dauerte lĂ€nger, als die eigentliche Fahrt mit dem Karussell, das so herrlich skurril war. Ob sie sich noch an den Moment erinnern können, an das kurze Jetzt, als sich alles drehte, jauchzte, freute?

urlaub im sommer 175 urlaub im sommer 180 urlaub im sommer 178Das ist mein Beitrag zu dem Buchstaben: J der Magic Letters von Paleica. 

und zu: Childhood.

FreitagsfĂŒller

1.   Mit dem Zug war ich schon lange nicht mehr unterwegs. Dabei habe ich sogar gestern den Zug mit der Dampflok gesehen, die Sonn- und Feiertags von Ebermannstadt bis BehringersmĂŒhle eine Dreiviertelstunde lang durch das Wiesenttal schnauft. Vielleicht sollte ich mal wieder…

2.   Dann könnte ich einfach aus dem Fenster schauen, wie die Landschaft an mir vorbeizieht. Wenn ich unterwegs bin, sitze ich aber auch gerne auf dem Beifahrersitz und klappe meine Augen einfach ein Weilchen zu.

3.   So ganz ohne Reiseproviant ist eine Zugfahrt nur halb so schön. Wenn frĂŒh am Morgen die Eier im Wasser leise mit ihren Schalen gegeneinander klopfen, fange ich mit meiner hektischen Suche im Schrank an: Wo ist bloß dieser ganz winzigkleine Salzstreuer geblieben, den es damals gab, als wir in der Salzmine unterwegs waren? Belegte Brote, Gurke, Apfel – und ein Messer. Irgendwie muss ich doch alles in mundliche StĂŒcke schneiden, damit es richtig ist. Und der Tee in der Thermoskanne schmeckt auch nur unterwegs. DafĂŒr dann aber richtig.

4.    Wenn es um die Schönheit geht, sind bequeme Schuhe nicht die erste Wahl, logisch. Was heißt eigentlich: Bequem? Als ich Kind war, gab es einen Nachbarn, der hatte zwei unterschiedliche Schuhe an. Ein Schuh sah ganz normal aus, der andere war wie fĂŒr einen Klumpfuß gebaut. War das bequem? Es sah nicht so aus.

5.   Auto, Zug, Bus oder Flugzeug, immer ist die Technik im Spiel, wenn Menschen heutzutage von einem Ort zum nĂ€chsten reisen wollen. Kaum noch jemand lĂ€uft zu Fuß. Ist ja schließlich viel zu mĂŒhsam – und außerdem kĂ€me Mensch pro Tag im Schnitt nur etwa zwanzig Kilometer weit. Da ist dann ĂŒberall Provinz. Aber ist es das nicht ohnehin, egal, wie weit ich reise?

6.   Die  nĂ€chste Reise ist immer schon geplant. Oder vielmehr: In den meisten FĂ€llen plane ich ja gar nicht, ich fahre einfach los. Das ist viel spannender. Auch wenn es schwer fĂ€llt, die nötige Contenance zu bewahren, wenn es langsam dunkel wird und noch immer keine Unterkunft in Sicht ist. Aber so ein bisschen Risiko gehört schließlich dazu, oder?

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf das Buch, was ich vor dem Einschlafen noch lesen will, morgen habe ich noch gar nichts weiter geplant und Sonntag möchte ich naja, am liebsten nichts tun. Aber das geht nicht ganz, ich habe einen Termin und da wird mir wohl nichts anderes ĂŒbrigbleiben, als mich den LĂ€ufern vom Charity-Walk in den Weg zu werfen, damit das Foto einfach umwerfend wird!

Das war jetzt der:

 

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den es bei Barbara gibt: Hier klicken

 

Alles fĂŒr die Katz #10

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Die kleine Miep

Das war eines der ersten Bilder damals, von unserer kleinen Miep. Hier saß sie ganz brav auf den Knien der JĂŒngsten, sie konnte aber auch anders. 🙂 Ich finde es ja erstaunlich, wo sich Katzen allein mit Hilfe ihrer Krallen ĂŒberall hochhangeln können.

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Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist.