Ankunft in Granada

Nein, an mir hätten die Spanier damals keine Freude gehabt, anno 1492, als sie Granada eroberten und die Mauren von hier vertrieben. Ich hätte sie in Ruhe hier wohnen lassen, in diesen steilen und engen Gassen, mit diesem buckeligen Katzenkopfpflaster. Mir hat es heute schon gereicht, hier den Koffer mit seinen kleinen Röllchen nach oben zu ziehen. Wenn ich mir vorstelle, hier mit Waffen und Gedöns hochzustürmen und zu erobern, och nö. Wegen mir hätten die Mauren hier einfach wohnen bleiben können. Zumal: Der Mitreisende erzählte, dass diese Altstadt deswegen so verwinkelt angelegt wurde, damit sich die Feinde darin verlaufen. Das glaube ich gerne. Schweißüberströmt machten der Mitreisende und ich eine kleine Pause an einem kleinen Platz, überhaupt ist hier alles klein, weil nicht viel Platz ist. Dafür stehen aber eine ganze Menge Häuser herum. Jedenfalls gab es ein Bier und dazu ein Tapa, in diesem Fall bunte Schleifennudeln mit Möhrenstreifen und Mais. Alles schmeckte ein wenig seltsam, vielleicht hatte die Küche das Öl vertauscht.

Hier mussten jedenfalls selbst die Autos halten und warten, bis wir mit den Koffern vorbeigerumpelt waren, noch ein Stück weiter und noch eine Biegung. Aber irgendwann ist auch der längste Weg geschafft und die Tür der Herberge erreicht. Die entpuppte sich allerdings als ein richtiges Kleinod, eines, das sich sogar zeigen lässt, schnuckelig und klein, wie es ist. Der Vorteil dieser Unterkunft: Sie liegt mitten in der historischen Innenstadt. Der Nachteil dieser Unterkunft: Sie liegt mitten in der historischen Innenstadt. Ob nun die Vor- oder die Nachteile überwiegen, das wird sich in den kommenden zehn Tagen zeigen.

Granada.

Innenhof der Unterkunft.

Granada.

Küche mit Tür zum Innenhof.

Granada.

Schlafecke: Das zweite Bett ist untendrunter, wir müssen uns nicht zwängeln 😉

Ansichten von Malaga

Malaga

Malaga.

Zum Strand morgens war es nicht weit, wir brauchten nur der schmalen Gasse zwischen den Hochhäusern zu folgen, die vierspurige Straße zu überqueren und hinter dem kleinen Mäuerchen lag der Strand, bedeckt mit Kieseln und schwarzem Sand. Die Menschen, die zum Strand wollten, machten sich wenig Mühe mit ihrer Kleidung und trugen so wenig, wie möglich, schließlich war alles nur Ballast auf dem Weg zur Sonne. Mama und Papa führten ihr Baby ins Wasser, alle drei mit fast weißer Haut unter der sengenden spanischen Sonne. Sonnenschutz? Nicht doch. Hier wollte jeder so braun werden, wie das Würstchen auf dem Grill.

Malaga.

Malaga.

In der Ferne war ein Schiff zu sehen, das langsam näher kam, immer näher, schließlich abdrehte, so dass von der Seite zu sehen war, dass vorne eine Kanone und hinten ein Hubschrauber auf den möglichen Einsatz wartet.

Wir gingen langsam die schmale Gasse zurück. Auch hier gab es Straßencafes, standen Tische auf dem Bürgersteig, doch hier saßen keine Frauen, die fröhlich miteinander schnatterten, sondern einsame alte Männer, jeder ein Bier vor sich.

Zurück in der Wohnung schnarchte das Dickerchen, das hier wohnt, immer noch. Es gab die ganze Nacht hindurch immer wieder einen Moment der völligen Stille, der von plötzlichen und kurzatmigen Schnarchern unterbrochen wurde. Ich lauschte in der ersten Nacht eine Weile, bevor ich mir – der besseren Nachtruhe wegen – die Stöpsel in die Ohren steckte. Die ganze Woche, die wir hier in Malaga verbringen, sitzt er vor dem Computer, läuft durch virtuelle Welten, skypt russisch, macht sich gelegentlich in der Küche etwas zu essen und öffnet, wenn ein Lieferdienst neue Kisten bringt. Oder er liegt auf dem Bett und schnarcht. Alles lässt sich gut beobachten, da die Tür seines Zimmers ständig offen steht. Nur manchmal, wenn das Schnarchen zu laut ist, schließt der Mitreisende leise die Tür.

Malaga.

Auf dem Weg in die Innenstadt von Malaga.

Tintenfischringe, drei Krabben und vier Sardinen: Das war genügend Futter für den Mittag. Nach dem Essen in die Innenstadt, die gerade Straße bis zum Bahnhof. Zwei dunkelhäutige Frauen vor uns, eine schiebt schwanger einen Kinderwagen, die andere, ältere, zerrt ihr die Tasche von der Schulter, zetert die ganze Zeit, ich verstehe kein Wort, aber es hört sich nicht nett an. Gegenüber vom Bahnhof hat sich ein Mann in den Schatten eines Gebäudes gelegt, Pappen unter sich, um den Bürgersteig ein wenig zu polstern. Seine Hose ist hinten fleckig, vielleicht hatte er Durchfall. Sein Haar ist wirr und am Ansatz grindig. Die Passanten gehen vorbei. Wir auch. Was denn sonst?

Malaga.

Fußgängerzone von Malaga.

In der Fußgängerzone der Innenstadt, die sich von allen anderen Innenstädten nicht weiter unterschied, blieb ich auf einer Bank sitzen und wartete darauf, dass der Mitreisende zurückkommt, fündig würde auf seiner Suche nach einer frischen Flasche Wasser.

Menschen liefen vorbei, die so gelangweilt schauten, als hätten sie bereits alles gesehen, was es auf dieser Welt an interessanten Dingen gibt. Sie waren gut gekleidet und gestylt, damit sie auf die anderen Menschen Eindruck machen konnten – und doch schien jeder nur an sich selbst interessiert – nicht an den anderen. Kinder liefen ihren Eltern hinterher, bekamen die Dinge in die Hand, die sie gerade wollten, denn Geld spielte keine Rolle.

Malaga.

Touristen in Malaga.

Am nächsten Tag begann die Feria de Malaga. Ab dann war vieles anders.

Davon wusste ich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nichts und fragte mich, wie um alles in der Welt ich diese Woche überstehen sollte.

 

 

Kleinigkeiten in Malaga

Auf dem Treppenabsatz lag eine tote Schabe herum, und erinnerte mich an neulich, als das Feuerwerk war: Da flitzte vor dem Strandmäuerchen auch eine große spanische Schabe herum, alles quiekte und hüpfte, ganz so wie bei uns, wenn ein Mäuschen über den Boden flitzt.

Malaga.

Malaga. Tote Schabe im Treppenhaus.

Heute war ein Tag, an dem wir dem weißen Kaninchen folgten. Da hatte ich gestern von dem spanischen Wein genascht, den es speziell und nur während der Feria gibt, doch es war wohl in der Hitze zu viel. Jedenfalls war heute morgen ein wenig Haarspitzenkatarrh angesagt, außerdem musste ich neue Kontaktlinsen ins Auge fummeln, danach ging es los. Der Mitreisende hatte sich einen Plan für heute gemacht, er wollte in der Stadt irgendwo Tapas essen, er wollte zur Kathedrale fahren und dort noch die restlichen Sehenswürdigkeiten angucken, zu denen wir bisher noch nicht gekommen waren.

Eigentlich mussten wir an der Marina aus dem Bus aussteigen, aber ich hatte keine Lust, und überredete den Mitreisenden – dazu gehörte glücklicherweise nicht viel – einfach noch zwei Stationen weiter zu fahren, bis zur Plaza del Toros, dann noch eine, und noch eine, schließlich war in der Straßenmitte eine Doppelreihe schattenspendender Bäume, und so fuhren wir parallel zum Strand immer weiter.

Wollten wir aussteigen? Na, eine Station noch. Dann fuhr der Bus einfach durch, weil niemand ein- und aussteigen wollte, und an der nächsten stiegen wir endlich aus.

Hier standen nur noch kleine Häuser, eines von ihnen wurde gerade nass gespritzt und es war vielleicht noch fünfzig Meter zu einem Strand, der richtig gemütlich und ruhig aussah. Es wurden Fischchen gegrillt, wir aßen ein wenig und fuhren zurück. Schließlich hatten wir keine Badesachen eingepackt. Das wird jetzt gerade nachgeholt, dann fahren wir wieder mit dem Bus dorthin, und bleiben, bis die Sonne sinkt. Hinten in der Ferne sind noch die Kräne des Hafens zu sehen. Und noch ein Stück weiter ist unsere Unterkunft.

Die kleinen Bilder sind mein Beitrag zur Blogparade „kleiner Monat“ bei Cubusregio.

Malaga.

Malaga. Strand.

Malaga.

Malaga: Sardinen am Holzfeuer.

Malaga.

Malaga: Sardinen auf dem Teller.

Malaga.

Malaga.

ABC der Technik: #Q wie quiosco

Da dachte ich, wenn mir schon auf Deutsch zu „Q“ nicht viel einfällt – und ich auch nicht so viele Dinge hier zur Verfügung habe, schaue ich einfach mal, was das kleine Wörterbuch des Mitreisenden zu diesem Buchstaben sagt und was ich hier finde. Zuerst kam der Schreck: Oh, die Wörterliste zum „Q“ ist ganz schön kurz. Aber mit quiosco aka Kiosk war trotzdem eines dabei, das sich nicht nur hervorragend einreiht, sondern sich hier auch gut fotografieren lässt. Denn Kioske gibt es hier, und zwar richtig schöne:

Malaga.

Kiosk für Eis und Süßkram in Malaga.

Malaga.

Kiosk für Hüte, Postkarten und allerlei Kram.

Malaga

Hinter dem Pferd mit Strohhut noch ein Kiosk: Free WiFi.

Da habe ich mich vor zwei Tagen doch richtig darüber gefreut, dass ich mein Stativ in diesem Urlaub nicht völlig umsonst eingepackt habe. Gestern waren wir unterwegs, stiegen gewissermaßen nach oben, und sahen von der alten Festung auf die Stadt und den Hafen hinunter. Auf dem Rückweg wunderte ich mich, dass eine Frau bei strahlendem Sonnenschein ihre Kamera auf ein Stativ bastelte.

Malaga

Malaga: Blick über den Hafen.

Gut, ich hatte gerade ein Schattenplätzchen auf einem Mäuerchen, also sah ich weiter zu. Bei diesem strahlenden Sonnenwetter brauche ich alles, aber kein Stativ. Echtjetzmal. Aber manchmal bin ich auch einfach nur naiv, wie das nächste Bild zeigt:

Malaga.

Malaga. Blick über den Hafen.

Für ein Selfie sozusagen schleppte diese Dame das Stativ mit sich herum. Ja, diese Verwendung wäre mir nie im Leben eingefallen. Immerhin halte ich ja deswegen die Kamera lieber selbst in der Hand, damit es von mir weniger Bilder gibt. Gelegentlich macht der Mitreisende eines, das reicht dann auch. Aber selbstredend ist ein Stativ deutlich günstiger, als so ein Mitreisender: Es quatscht nirgends dazwischen, braucht nicht ständig eine Pause, will nichts zu essen und zu trinken und schnarcht auch nicht in der Nacht. Aber leider kann ich mit einem Stativ weder kuscheln, noch mich unterhalten. Da fahre ich dann doch lieber mit dem Mitreisenden.

Feria de Malaga

Um Mitternacht sei ein Feuerwerk, erklärte der nette Kellner in der Tapas-Bar am Freitagabend. Damit beginne eine Woche Feria. Für mehr Erklärung reichte sein Englisch und mein Spanisch nicht. Aber immerhin verschlief ich das Feuerwerk nicht, sondern ging zum Strand, von dort könne ich es gut sehen, diese Erklärung hatte ich noch verstanden.

Malaga

Feuerwerk in Malaga: Beginn der Feria.

Kurz vor zwölf also war der Strand dicht bevölkert, ich fand glücklich noch einen Stehplatz auf dem kleinen Mäuerchen für mich und mein Stativ, so dass Fotos ohne Hinterköpfe möglich waren. Kaum war die halbe Stunde Feuerwerk um, verliefen sich die Menschen und ich ging auch lieber ins Bett.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus in die Stadt – wir wussten ja nichts. Viele Frauen hatten Blumen ins Haar gesteckt und trugen scheinbar die Kleider, die in den Touristenneppläden hingen und liefen in kleinen Trippelschritten. Wir folgten, schließlich war es bei den vielen Menschen deutlich leichter, mit dem Strom zu schwimmen, als sich gegen ihn anzustemmen. Überall standen Bands, machten Musik, die Menschen tanzten und sangen dazu. Eine Melodie kannte ich sogar, aber die Spanier sangen nicht den Fußballtext von Tim Toupet: „Eine Straße, viele Bäume“, sondern irgendetwas anderes.

Feria heißt übrigens „Messe“, die Spanier feiern damit die Rückeroberung der Stadt Malaga durch die katholischen Könige im August 1487. Seit 711 war Malaga eine maurische Stadt, erst 776 Jahre später wurde sie katholisch, dank Isabella und Ferdinand. Ob da Rückeroberung das geeignete Wort ist, oder nicht, kann ich nicht beurteilen, dafür müsste ich die spanische Geschichte besser kennen – und wissen, ob Spanien vor 711 überhaupt schon christlich war, oder nicht. Wer weiß das schließlich heute noch?

Aber es ist egal, die Leute feiern, und zwar richtig und ausgelassen. Es macht Vergnügen, einfach durch die Straßen zu ziehen:

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Malaga.

Feria in Malaga.

Alles für die Katz #16

Heute ist es ein wenig später geworden. Das lag einfach daran, dass es gestern Abend ein Feuerwerk zu bestaunen gab. Wer mag, kann wie immer antworten, ich werde allerdings frühestens am Abend Eure Beiträge angucken können und darauf antworten. Bis dahin viel Spaß!

Cordoba.

Cordoba.

Immer wieder erinnern in Cordoba römische Ruinen daran, dass in dieser Stadt einmal die Römer lebten, arbeiteten und – wie hier – Tempel für die Ewigkeit errichteten. Nun sind zwar keine Römer mehr da, aber die Überreste der Tempel stehen noch herum. Dabei sahen mir – ehrlich gesagt – die Säulen ein wenig sehr neu aus. Vielleicht hat jemand doch einen Nachbau gewagt, einfach weil’s hübscher ist.

Diese kleine Tempelanlage schützte ein Glaszaun vor dem Betreten: So konnte zwar Mensch nicht seine modernen Fußspuren zwischen die alten Steine setzen, doch den Samtpfoten blieb genug Platz, sich zwischen und unter den Glasplatten hindurchzuzwängeln. Sind sie doch bedeutend schlanker, als gut genährte Wohlstandskatzen. Trotzdem ging es den Kätzchen, die ich sah, nicht schlecht: Sie hatten ausreichend Futter.

Cordoba.

Cordoba. Straßenkater.

Ein schlanker Straßenkater kam des Wegs. Sie sind recht scheu und vorsichtig, die spanischen Katzen. Wie sie auf spanisch gerufen werden, weiß ich nicht. Ich habe nur festgestellt: auf miez-miez hören sie nicht. Da zuckte noch nicht einmal eine Ohrenspitze.

Cordoba.

Cordoba. Straßenkatzen.

Hinter der Scheibe lag genügend Trockenfutter für alle, sowohl für die beiden kleinen Kätzchen, als auch für das Katertier. Die kleine Graue hätte ich am liebsten eingepackt, so süß war das Tierchen. Da das nicht ging, habe ich wenigstens ein Foto gemacht.

alles_fuer_die_katz_logo_160x160Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.

 

Vom Himmel hoch auf den harten Boden der Realität

Tja. Repräsentative Möbel sind nicht immer solide Möbel. Manchmal sehen sie auch nur so aus, sind schöne Hüllen ohne viel Substanz. In diesem Fall war es das Bett des Mitreisenden, das sich ohne länger Vorankündigung einfach zu einer Änderung seines Daseins entschloss, und den Lattenrost samt Matratze und Mitreisenden schnöde auf den Boden des Zimmers fallen ließ.

Cordoba

Cordoba. Das Bett.

Zur Ehrenrettung des Bettes ist zu sagen: Es war wirklich tapfer. Aber vier zentimeterdünne Bretter, die den Rahmen bildeten, trugen sowohl Lattenrost, als auch Matratze auf vier kleinen Holzklötzchen, eines in jeder Ecke, die jeweils mit drei kleinen Nägelchen im Brett befestigt waren. Dass die Nägelchen irgendwann einfach aus dem Holz rutschten, das erforderte noch nicht einmal viel Gewicht, sondern war eher der immer wieder erneuten Belastung geschuldet, so im Laufe der Zeit.

Jetzt war die Beichte fällig. Der Mitreisende nahm das Klötzchen in die Hand und wagte tapfer den Gang in das Wohnzimmer, vor den Sessel der Vermieterin. Diese kam denn zur Inspektion, nun stand sie, die Arme über der Brust verschränkt, immer noch im gleichen gelben Kittel, in dem sie uns begrüßt hatte, sagte immer wieder den gleichen spanischen Satz, den weder ich noch der Mitreisende verstanden, schaute mit einem Gesichtsausdruck, den ich zwischen vorwurfsvoll und verzweifelt verorten würde. Aber schlussendlich weiß ich nichts über sie und ihre Situation, doch so ein kaputtes Bett ist nun mal eher unerfreulich. Zum Glück für den Mitreisenden stand noch ein weiteres Bett im Zimmer für die letzte Nacht in Cordoba.

Am nächsten Morgen fuhr dann der Bus und wir gingen, während die Wirtin noch fest schlief und schnarchte, frühstückten im Straßencafe, fanden den Busbahnhof trotz einer falsch eingeschlagenen Richtung, schließlich war ja genügend Zeit, vorsichtshalber. Auf den letzten Pfiff gehe ich nur dann los, wenn ich den Weg besser kenne, als meine linke Hosentasche.

Malaga.

Busfahrt von Cordoba nach Malaga.

Die drei Stunden Busfahrt von Cordoba nach Granada saß ich vorne auf meinem Lieblingsplatz, von dem ich nicht nur Blick nach rechts durchs Fenster, sondern auch noch Blick nach vorne hatte.

Malaga.

Busfahrt von Cordoba nach Malaga.

Der Bus fuhr immer wieder von der Autobahn ab, und irgendwelche Orte an, es stiegen weitere Mitfahrer zu und ich konnte einfach kilometerweite Olivenplantagen und die Berge begucken, auch wenn der Mitfahrer immer mal versucht hat, mit mir zu reden. Es ging über den Guadalmedina, dessen Flussbett unter der Straße mäanderte, immer wieder von Schildern angekündigt – aber da war kein Wasser, da waren nur trockene Steine zu sehen.

Malaga.

Busfahrt von Cordoba nach Malaga.

Die Unterkunft in Granada war nicht weit vom Bahnhof entfernt, wir kamen ein wenig zu früh. Das Zimmer: Ein Traum für, ja für wen? Wände in hellem Lila, Vorhänge in Schwarz und ein dunkler Marmorboden. Der Deckenventilator reicht fast bis an die Wände und ist in Natograu, der Spiegelschrank sorgt dafür, dass das Zimmer wenigstens optisch ein wenig größer ist. Der Mitreisende hat netterweise die Bettseite übernommen, für die er an der Wand und unter den Regalbrettern entlangschleichen muss. Mal sehen, auf wie viele Blessuren er in dieser Woche kommt. Das Schönste ist aber, das wir auch in dieser Wohnung nicht alleine sind. Das wollten wir ja auch so, reisen und Kontakt zu Einheimischen bekommen. Hier wohnt also ein sehr dicker junger Spanier in einem Zimmer, voll mit Pappschachteln und einem großen Computer, der entweder spielt oder auf Russisch skypt. In den zwei Stunden, die ich mich hier erholt habe, war er schon fünf Mal in der Küche. Das wird spannend. Ich werde weiter berichten…

 

12 Bilder vom 12. August

Der letzte Tag in Cordoba. Die Aussicht ist immer noch genauso blöd, wie am ersten Tag. Jeden Morgen fangen die Bauarbeiter pünktlich an, den Innenhof weiter zu verputzen, machen dabei Krach, logisch. Wecker ist unnötig. Aber ich bin ja nicht hier, um den ganzen Tag zu verschlafen.

Cordoba.

Cordoba. Aussicht.

Erst mal frühstücken. Das gibt es ganz bequem draußen, im Freien. Heute im Savoy. Das ist ein kleines Straßencafe, wie es hier so viele gibt. In denen sitzen keine Touristen, sondern Spanier. Kaum komme ich zum zweiten Mal an einem dieser Cafes vorbei, sehe ich, dass immer die gleichen Menschen miteinander sitzen, reden, frühstücken.

Cordoba.

Cordoba.

Ein paar Meter weiter ist schon das nächste kleine Cafe, an der nächsten Straßenecke. Autos fahren vorbei, ab und an kommt jemand, der eine Kiste mit Orangen oder Feigen hat und diese verkaufen möchte. Innen stehen Gläser mit einer Wasserkaraffe auf einem Tablett, wer mag, geht einfach rein, gießt sich Wasser ein und nimmt das mit nach draußen, zum Kaffee.

Cordoba.

Cordoba.

Es ist preiswert, hier zu frühstücken, und obwohl die Stühle und Tische direkt am Straßenrand sind, kann ich sagen: Es hat mich nicht gestört. Es ist unglaublich ruhig, alle sind gelassen und reden miteinander. Kaum jemand guckt auf sein Handy.

Cordoba.

Cordoba.

Das war mal eine römische Straße, ein winziger Teil der Via Augusta, Verbindung von Rom nach Cadiz. Oben hinter dem Geländer führt jetzt eine vierspurige und relativ dicht befahrene neue Straße entlang. Die Römer waren sicherlich davon überzeugt, dass ihr Reich ewig sei. Heute sind sie hier Geschichte. Was wird in 2000 Jahren von uns bleiben?

Cordoba.

Cordoba.

Ausverkauf in der Innenstadt. Schuhe: Plateausohlen und Absätze. Mit denen würde ich noch nicht einmal zehn Meter auf normalem Parkett unfallfrei überstehen. Angucken geht. Da passiert schließlich nichts.

Cordoba.

Cordoba.

Bei meiner Ankunft in Cordoba, am ersten Tag also, hatte ich mich noch gefragt, wie wohl die Blumen in den Töpfen gegossen werden. Heute, am letzten Tag, sehe ich des Rätsels Lösung: An einer langen Stange ist einfach ein Blechdöschen, vielleicht waren mal Ravioli drin oder Bohnen, damit bekommen die Blümchen ihre tägliche Ration Wasser.

Cordoba.

Cordoba.

Von diesen Innenhöfen bin ich ja immer noch ganz begeistert. Kaum steht irgendwo eine Tür offen, stecke ich meine Nase hinein. Ich hab ja grade auch nichts besseres zu tun.

Cordoba.

Cordoba.

Hier ist die gleiche Mauer, nur von einer anderen Seite. Selbst als ich in einen Innenhof guckte, in dem gerade renoviert wurde, wiesen mich die Bauarbeiter nur lächelnd darauf hin, dass der Eintritt hier nicht erwünscht sei. Der Ton macht die Musik…

Jetzt packe ich erstmal meinen Koffer, das wird ein Weilchen dauern. Wenn es dunkel ist, gehe ich noch einmal raus, dann gibt es die restlichen vier Bilder für heute.

Cordoba.

Cordoba: Sangria.

Vor der Sangria gab es noch: Schweinebäckchen, frittierte Auberginen, Hackklößchen und Taijine mit Hühnchen. Jetzt bin ich kugelrund.

Cordoba.

Cordoba.

Ein Blick auf die nächtlich erleuchtete Mezquita mit Kathedrale von der alten Brücke aus, die von den Römern erbaut wurde.

Cordoba.

Cordoba.

Tor der Mezquita.

Cordoba.

Cordoba. Turm der Mezquita.

Turm der Mezquita. Tschüß, Cordoba. Morgen geht es weiter. Ob wir uns noch einmal wiedersehen? Ich glaube nicht. Es gibt noch so viel anderes zu sehen…

 

 

Die Muße auf Reisen

Inzwischen habe ich mir eigentlich alles in Cordoba angeguckt, was es so zu sehen gibt. Gut, ich könnte mir noch das Archäologische Museum angucken, wo es bestimmt Reste aus längst vergangener Zeit zu bestaunen gibt. Aber es ist irgendwann auch einmal gut damit. Ich muss nicht mehr jeden Tag durchplanen, Dinge machen, wichtige Bauwerke angucken und davon Fotos machen. Alles ist schon getan. Jetzt bleibt: Faulenzen, mich im Nichtstun üben, einfach durch Straßen schlendern, die nicht im Reiseführer erwähnt sind, um Ecken biegen, in denen es nichts zu sehen gibt und trödeln. Erst übermorgen geht es weiter nach Malaga, die Zeit bis dahin lässt sich weder abkürzen, noch beschleunigen. Langsam brauche ich keinen Stadtplan mehr, und finde trotzdem zum Quartier zurück, auch wenn es immer noch auf Umwegen geht. Ich muss ja nirgendwo pünktlich erscheinen, ich habe es nicht eilig, ich kann mich einfach treiben lassen.

Was mir hier gefällt, ist die Ruhe, die hier herrscht: Autofahrer warten einfach ab, bis die Fußgänger die Straße überquert haben, Radfahrer fahren auf dem Bürgersteig und umkurven ganz gelassen sämtliche Passanten und Cafehausstühle, selbst der Presslufthammer der Bauarbeiter scheint hier einen ruhigeren Takt zu schlagen.

Was mir gefällt, ist das morgendliche Frühstück, das wir inzwischen nicht mehr in der Unterkunft verputzen, sondern in einem der kleinen Straßencafes. Dort gibt es Kaffee mit Milch, getoastete Baguettes, wahlweise Olivenöl, Margarine oder Butter, Marmelade, Tomaten, was weiß ich. Das hört sich alles so großartig an, ist aber ganz simpel, fast wie am heimischen Küchentisch: Da kommt die Margarinepackung einfach auf den Tisch, oder die Ölflasche, zwischen dem getoasteten Weißbrot liegt schnöde der Rest. Kein Salatblatt als Deko, ganz einfach und frugal. Und nebenan sitzen spanische Frauen, schnattern und unterhalten sich, dass es eine wahre Pracht und Freude ist, auch wenn ich kein Wort davon verstehe.

Cordoba.

Cordoba. Graffiti.

Was mir nicht so gefällt, sind die Bettler, auch wenn sie in den meisten Fällen still und unauffällig sind. Gestern legte einer auf jeden Tisch ein kleines Zettelchen und sammelte es hinterher einfach wieder ein, mal mit und mal ohne Spende. Heute mittag spielte ein Mann neben dem Lokal Lieder aus den 60er Jahren auf seiner Konzertgitarre, wirklich gekonnt und wunderschön, hinterher ging er mit einer Keksdose von Tisch zu Tisch und bedankte sich auch bei denen, die ihm nichts gaben. Müssen wirklich in unserem reichen Europa Menschen bettelnd durch die Straßen ziehen? Wir haben genug, jeder hat genug. Wer aufhört, ständig „meins“ zu sagen, kann anfangen, den Fremden als Nachbarn willkommen zu heißen.

Während wir in Sevilla ein Haus (fast) für uns alleine hatten, einfach weil im August weniger Touristen in Spanien sind, schlafen wir in Cordoba in einer Wohnung. Dabei schien das für eine kurze Zeit nicht sicher, die Vermieterin antwortete zunächst nicht auf Mails, legte bei einem Telefonat einfach auf und nahm hinterher nicht mehr ab. Irgendwie klappte die Verständigung dann doch, wir erfuhren Hausnummer, Etage und Wohnung.

Ein großer Wohnblock, gutbürgerlich würde ich ihn nennen. Sozialer Wohnungsbau sieht anders aus, hat weder einen in Marmor gefasstem großzügigen Eingangsbereich, noch einen Portier, würde ich sagen. Die Wohnungstür dunkel, gediegene Kassettentür, eine ältere Frau öffnet, lächelt und bittet herein, den langen Gang entlang, bis in ihr Wohnzimmer, an lauter kleinen Tischchen und Schränkchen vorbei, auf denen Fotografien stehen. Die Möbel gediegene Eleganz, nicht mehr ganz modern, aber sehr gepflegt und gut. Unauffällig vor dem Fenster ein Bett, das Bett, in dem sie schläft, wie sich später zeigte, das einzige Zimmer, das sie – von fünf Zimmern – augenscheinlich noch selbst bewohnt. Alle anderen sind als Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste wie uns hergerichtet und mit Betten ausgestattet.

„Setzen Sie sich“, sagt sie, auf Spanisch, ich verstehe es dank der universellen Handbewegung, die sie dazu macht. Auf dem Wohnzimmertisch der Laptop ermöglicht mit dem Translator ein wenig Verständigung. Sie tippt „Willkommen“ ein, langsam und mit zwei Fingern, spricht jeden Buchstaben mit. Wir fragen nach Küche, Kaffee, Kühlschrank, es dauert, weil der Computer lange braucht und nicht immer will. Sie zeigt uns unsere Übernachtungsstätte, das Bad, die Küche, die Schlüssel, erklärt etwas, das wir doch nicht ganz verstehen: Als wir unten aus dem Haus wollen, passt kein Schlüssel davon ins Schloss. Erst als jemand kommt – und ebenfalls hinausgeht, sehen wir, dass es dazu einen Schalter hoch oben an der Tür gibt, der den Riegel entsperrt. Diese Schalter kannte ich bisher nur aus dem Kindergarten. Der flache Plastikstecker öffnet die Tür dann tatsächlich auch wieder von außen, so dass wir beruhigt eine erste Runde durch die unbekannte Stadt drehen.

Warum sie sich so bescheiden muss, warum sie Zimmer an Reisende vermietet, die sie nicht verstehen kann, mit denen sie sich nicht unterhalten kann, ich weiß es nicht. Sicher ist: Die Wohnung ist groß, klimatisiert, die Möbel sind bürgerlich-feudal, es gibt große Gemälde und auf einem ist sie selbst zu sehen, als junge Frau, datiert mit 1974. Wir sehen sie kaum, sie sitzt meistens in ihrem Wohnzimmer, schaut fern, oder auf dem Balkon davor und raucht.