Haste mal ’nen Euro? FĂŒr die Rostparade.

Die Festung Rosenberg.

Der WĂ€chter vor der Festung Rosenberg.

Kronach ist eigentlich eine kleine Stadt. Lucas Cranach wurde hier geboren, Bauern und Handwerker arbeiteten und lebten hier. Da die Stadt verkehrsgĂŒnstig lag und zum Hochstift Bamberg gehörte, wurde eine alles beherrschende Festung gebaut und immer wieder ausgebaut. Die Festung Rosenberg wurde weder im dreißigjĂ€hrigen Krieg von den Schweden, noch 1759 von den Preußen erobert. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 sorgte dafĂŒr, dass das Hochstift Bamberg und somit auch die Festung Rosenberg an Bayern fiel. Noch heute wird bei der FĂŒhrung darauf hingewiesen, dass die Bayern alles, aber auch wirklich alles aus der Festung ausrĂ€umten und nach Schweinfurt und MĂŒnchen schafften, als die Stadt Kronach 1888 das Areal der Festung mit den GebĂ€uden fĂŒr 32.000 Mark kaufte. Da blieb weder Teller noch Tasse, weder Stuhl noch Tisch im GemĂ€uer.

Der rostige WĂ€chter vor den mĂ€chtigen Mauern hĂ€lt bittend die Hand auf, so scheint es. Leider fand ich weder beim Besuch der Festung noch beim Stöbern im Netz etwas ĂŒber diese Figur. Trotzdem ist sie mein heutiger Beitrag zu Frau Tonaris Rostparade. (Klick auf den Link fĂŒhrt zu den anderen rostigen Bildern)

 

Nachfeierblues

Das Wochenende mit Geburtstagsfeier ist ĂŒberstanden, die Makrelen auf dem Grill am Sonntag Mittag waren ausgezeichnet und die RĂŒckfahrt nach Franken ĂŒberaus erfolgreich, schließlich waren die Hagebutten am Hainich genau reif und in einer halben Stunde genĂŒgend von ihnen zusammengepflĂŒckt, dass es fĂŒr einen Ansatz im großen Weinballon reichen wird.

Auf der RĂŒckfahrt nach Franken ging es am WindmĂŒhlenwald vorbei.

Und mir passen die Fragen vom Wortmischer gerade so gut in den Plan, die ich heute bei Frau Novemberregen beantwortet fand, dass ich sie spontan selbst beantworte:

1. – MĂŒnchener Oktoberfest? (Unbedingt! / Keinesfalls! / Was ist das?)

Dort war ich noch nie und dort will ich auch nicht hin. Mir reichen die Volksfeste in Franken (Walberla, Bergkirchweih, Annafest) völlig aus, wenn ich Lust auf ein Bad in der Menschenmenge habe. Mehr brauche ich nicht.

2. – Haben Sie Ihren Volkswagen schon abgestoßen?

Einen Volkswagen habe ich tatsÀchlich nur einmal leihweise gefahren, der hatte ein Automatikgetriebe und gehörte meiner Schwiegermutter. Ich selbst fahre solche Autos, die jeder Autodieb freiwillig stehen lÀsst: Citroen.
3. – Erinnern Sie sich noch an das erste MusikstĂŒck, das Sie sich gekauft haben? (Vinyl, CD, Download?) Hören Sie sich das heute noch gerne an?

Das ist so lange her, da muss ich erst mal nachdenken. Auf alle FĂ€lle war es Vinyl, CD und Download gab es schließlich noch nicht. Eine der ersten Schallplatten, die ich mir selbst gekauft habe, war „Die Moldau“ von Bedrich Smetana. „The best of Manhattan Transfer“ war ebenfalls eine meiner ersten Platten. Die erschien 1984 von Supraphone, einer tschechoslovakischen Plattenfirma, ich habe mir die Platte einfach wegen des Titels gekauft. Schließlich kannte ich das Buch „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos, das stand bei meinem Großvater im BĂŒcherregal und ich fand es toll. Also musste Musik mit diesem Namen ebenfalls toll sein. Dachte ich. Sie war es ĂŒberraschenderweise wirklich und ich höre sie bis heute gerne – aber das Experiment mit dem Unbekannten hĂ€tte auch anders ausgehen können.

4. – Spielen Sie ein Musikinstrument? Trauen Sie sich damit vor Zuhörer?

Leider nein. Ich hab zwar als Kind mal was angefangen, aber da niemand darauf geachtet hat, ob ich ĂŒberhaupt ĂŒbe, habe ich es schnell wieder gelassen.

5. – Im Preisausschreiben gewinnen Sie eine Penthauswohnung in Berlin, London, Paris, Prag oder Wien. Welche suchen Sie sich aus?

Prag. In Prag wĂŒrde ich wirklich gerne wohnen und an einem lauen Sommerabend vom Kloster Strahov auf die Stadt schauen, wĂŒrde warten, bis die Moldau am Abend einen Dunstschleier ĂŒber die HĂ€user und Kirchen, PalĂ€ste und BrĂŒcken legt und das feine Gespinst von den goldenen Kreuzen, Kugeln und WetterhĂ€hnen auf den TĂŒrmen und DĂ€chern so lange zerrissen wird, bis die Nebelfrau auch die letzten Löcher gestopft hat. Ich möchte hören, wie der singende Brunnen im Regen klingt und im Kleinseitner Gasthaus „Zu den zwei Sonnen“ die „Kleinseitner Geschichten“ von Jan Neruda lesen. Also: Wo bleibt mein Gewinn?

 6. – Bevor Sie den Löffel abgeben: Welches Ding mĂŒssen Sie vorher unbedingt noch gedreht haben?

Eine Bucket-List habe ich nicht. Ich lebe, wie es mir gefĂ€llt – und versuche, andere damit nicht zu nerven. Das gelingt zwar nicht immer, aber ich arbeite daran.

7. – Halb acht Uhr abends. Sie kommen völlig gerĂ€dert (aus der Arbeit) nach Hause. Was passiert, sobald der Mantel an der Garderobe hĂ€ngt und die Schuhe in der Ecke stehen?

Das passiert nicht, weil ich zu Hause arbeite. Wenn es halb acht Uhr abends ist, kann ich im Sommer auf den Keller gehen oder im Winter zugucken, wie das Feuer im Ofen brennt.

8. – Kochen Sie selbst? Was kommt auf den Tisch, wenn die leeren Teller schon nach einer Stunde im GeschirrspĂŒler stehen mĂŒssen?

Ich koche selbst. Gerichte, die schnell fertig sind, gibt es eine ganze Menge, mal ganz abgesehen von den obligatorischen Nudeln mit Tomatensauce. Da ich Tomatensugo eingefroren und zusÀtzlich wie Marmelade in GlÀser gesperrt habe, geht das wirklich super-schnell.

9. – Golf, Ski, oder Tennis? (Oder doch lieber die TV-Fernbedienung?)

Nichts von allem. Ich gehe lieber wandern – manchmal nur die Runde um den nĂ€chsten Weiher, manchmal auch etwas weiter oder etwas weiter weg. Kommt ganz darauf an. Ist das Wetter wirklich mies, gehe ich in die Muckibude. Als SchreibtischtĂ€ter brauche ich vor allen Dingen Auslauf, und das möglichst tĂ€glich.

10. – Wir schreiben das Jahr 2025. Was ist fĂŒr Sie die auffĂ€lligste Neuerung im Vergleich zu heute?

Ich hoffe mal, das niemand rosa Gras erfindet und den Himmel passend grĂŒn fĂ€rbt. Also hoffe ich auch, dass auch 2025 die wesentlichen Dinge noch so wie heute sind: Gras grĂŒn, BĂ€ume wachsen nach oben, Fische schwimmen im Weiher, na, und so weiter. Obwohl: Neulich lag ein großer Karpfen neben dem Waldweg. Wie, zum Kuckuck, kam der dorthin?

11. – Sie packen Ihren eigenen FlĂŒchtlingskoffer. Was muss da rein? (FĂŒnf Dinge braucht der Mensch.)

  • meine Kamera
  • dickes Notizbuch und Stift (zĂ€hlt als ein Ding)
  • Taschenmesser
  • Feuerzeug
  • Tablet/ Laptop/ Taschentelefon: Ich kann mich nicht fĂŒr eines entscheiden. Jedenfalls wĂŒrde ich ein GerĂ€t mitnehmen, mit dem ich mich unterwegs orientieren und mit anderen in Verbindung bleiben kann.

Jetzt soll ich mir noch elf Fragen ausdenken. Also:

  1. Wo bist du jetzt und: Wolltest du dahin?
  2. Was ist GlĂŒck fĂŒr dich?
  3. Schreibst du Tagebuch?
  4. Wann kannst du so richtig aus der Haut fahren?
  5. Wie oft bist du schon die Treppe heruntergefallen?
  6. Wenn du es könntest: WĂŒrdest du eine Abzweigung heute anders nehmen?
  7. Hast du einen Sehnsuchtsort?
  8. Mit wem wĂŒrdest du dich gerne einmal treffen?
  9. Was hast du mit deinem Lieblingsteddy gemacht? Oder hattest du keinen?
  10. Was machst du, um dich selbst zu trösten?
  11. Wie sorgst du fĂŒr dich, wenn du deine Ruhe haben möchtest?

Ich nominiere einfach jeden, der Lust darauf hat, diese Fragen zu beantworten. Manchmal ist das ja ganz praktisch, vor allen Dingen dann, wenn einem sonst manchmal nix einfÀllt. Einfach beantworten und verlinken. Das war es schon.

edit: Tippfehler beseitigt.

Mompreneurs. Das erste Treffen.

Mompr- was?

Kommt gleich. Erst mal der Dialog. Dramatis personae: Die Lieblingshausziege (L) und das Muttertier (M).

NĂŒrnberg. Vor der Stadtmauer.

L: Wo warst du denn heute? (Leicht vorwurfsvoller Ton, schließlich stand das Mittagessen nicht pĂŒnktlich auf dem Tisch)

M: In NĂŒrnberg

L: Was hast du denn dort gemacht?

M: Ich habe mich mit Frauen getroffen, die SelbststĂ€ndige und Unternehmerinnen – aber gleichzeitig auch MĂŒtter sind.

L: Das klingt irgendwie nach Feminismus…

M: ???

L: Ja, so nach selbststĂ€ndig Frausein mit modernem Menschsein…

Vielleicht sollte ich mal eine Grundsatzdiskussion ĂŒber Feminismus, Gleichberechtigung und solchen Themen ĂŒberhaupt mit der Lieblingshausziege starten. Sie erlebt in der Schule durchaus die Unterschiede zwischen MĂ€nnlein und Weiblein, wenn beispielsweise Jungs sauer auf die MĂ€dchen sind, weil sie in einer Arbeit eine schlechtere Note abbekommen haben und findet das alles andere als witzig.

Jedenfalls war ich dort: Beim ersten Treffen der Mompreneurs in NĂŒrnberg. Über zwanzig Frauen waren auch da, wir haben uns alle die RĂ€ume der Design Offices angeguckt und anschließend in dieser Runde kurz vorgestellt. Das war wiederum ganz schön lang und bot so viele interessante Details, dass ich mir leider kaum etwas merken konnte. Zum hinterher-miteinander-schwĂ€tzen blieb nur wenig Zeit, aber das wird sicher beim nĂ€chsten Mal ein bisschen besser. Hoffe ich jetzt einfach mal.

Mompreneurs: Da (dem Link einfach folgen) kann man nachlesen, was das ist.

Ich jedenfalls finde es total gut. Und werde zum nÀchsten Treffen garantiert gehen.

So. Da mein Vater einen runden Geburtstag hat, waren wir die ganze Zeit am Werkeln, das heißt, in der Hauptsache hat die Lieblingshausziege ĂŒbernommen und fĂŒr die Auflagen der Hollywoodschaukel neue BezĂŒge aus alten Jeans genĂ€ht. Die Polster fĂŒr die anderen BĂ€nke haben wir jetzt nicht mehr geschafft, dafĂŒr sieht das Wohnzimmer immer noch aus, als wĂ€re ein Stofflager explodiert. Das muss ich noch aufrĂ€umen, schließlich fahren wir nachher los, ins Urgroßeltern- und Großelternhaus, das jetzt von den Eltern bewohnt wird.

 

 

Von MĂ€usen und Katzen

Es war einst richtig kalt im Februar, aus dem Rosenbusch wuchsen lange Eiszapfen, mit denen der Wind so lange klimperte, bis er daraus eine kleine Melodie wurde. Die MĂ€use zogen in dieser Zeit mit Sack und Pack ins warme Haus, schließlich fand sich zwischen Balken und Lehm immer ein freies PlĂ€tzchen, groß genug fĂŒr eine Mausewohnung. Ihre im Sommer gesammelten VorrĂ€te ließ die Mausefamilie in der tiefgekĂŒhlten Kammer unter dem GemĂŒsebeet liegen, die wĂŒrden sich bis zum FrĂŒhjahr halten.

Ein KĂ€sestĂŒck, das den Weg in den KĂŒhlschrank vergessen hatte, verschwand plötzlich krĂŒmellos. Eine Praline in der offenen Packung bekam kleine Riefen, MausezĂ€hnchenspuren. Die Nager im Haus verrieten damit ihre Anwesenheit. Wozu, zum Kuckuck, patroullierten zwei große Kater durch alle RĂ€ume? Aber keiner der beiden trug stolz eine Mausebeute zum Dosenöffner, statt dessen lagen sie tagsĂŒber dösig auf Sessel und Sofa und jagten sich abends gegenseitig aus lauter Übermut.

Draußen wurde es noch kĂ€lter, bitterkalt, so eisig, dass es den MĂ€usen in der Fachwerkwand noch zu kalt wurde. In der Nacht, als alles dunkel war und alles schlief, kroch das erste MĂ€uschen aus dem Mauseloch, suchte WĂ€rme und fand sie auch: Unter einer Bettdecke. Dort war es tatsĂ€chlich am wĂ€rmsten, dort lag ja schon jemand, an den sich die Maus kuscheln konnte. Ich wachte auf, weil sich die Maus unter der Bettdecke keineswegs still und ruhig schlafen legte, sondern weil sie unablĂ€ssig nach der besten, der wirklich besten Schlafposition suchte, dabei zappelte und strampelte.

Auf der Bettdecke lag einer der beiden Kater, so wie immer. Er riskierte zwar einen kurzen Augenblick, sah die Maus, schob sie mit der dicken Pfote ein wenig an, als sie, von mir erschreckt, sich lieber wieder in ihre eigenes Heim verkrĂŒmeln wollte. Dabei quiekte sie laut, doch der Kater ließ sie laufen. Schließlich machen wohlerzogene Kater ihr Spielzeug nicht kaputt. Wer weiß, wozu er es noch gebrauchen kann.

Am nĂ€chsten Morgen suchte ich – hausfraulich pflichtbewusst – alle Ecken des Zimmers nach dem Mauseloch ab, fand aber nichts. Der Blick unter das Bett offenbarte jedenfalls nichts aufregendes, hier waren nur die WollmĂ€use zu Hause, die ich anschließend mit dem Staubsauger fing.

Den HausmĂ€usen legte ich jedenfalls eine fristlose KĂŒndigung ihres Hausbesetzung in den Flur. Sollten sie nicht binnen dreier Tage ihr Sack und Pack zusammengerafft haben und wieder ausgezogen sein, wĂŒrde ich die ĂŒblichen Mausevernichter aus dem Speicher kramen, die BĂŒgelfallen. Schließlich war das zumutbar, die Elstern schwĂ€tzten bereits darĂŒber, dass es in drei Tagen wieder wĂ€rmer werde und suchten unter dem Schnee nach Laub und kleinen Ästen. Sie wollten schließlich pĂŒnktlich mit den ersten FrĂŒhlingssonnenstrahlen ihren jĂ€hrlichen Bau des Eigenheimes beginnen.

All das fiel mir ein, als ich im Landlebenblog ĂŒber die Mausefallen las, als Must-haves des Landlebens.

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Ein MausefÀnger?

Von Kindergeburtstagstaxifahrten zu „Ein untadeliger Mann“

Gestern war die Lieblingshausziege zu einem Geburtstag eingeladen, da ich sowieso einkaufen wollte, fuhr ich sie hin. So wusste ich wenigstens schon, wo ich sie spÀter wieder abholen durfte.

Meldeten sich Bekannte lĂ€ngere Zeit nicht, musste das bisher nie etwas heißen. Jeder war schließlich gut mit sich beschĂ€ftigt, das ging mir ja nicht anders: Arbeiten, Kinder großziehen, what ever. Inzwischen hat sich das irgendwie geĂ€ndert, scheint mir. Plötzlich ist das Leben nicht mehr ganz so zuverlĂ€ssig, wie es bisher war. Jemand ist in der Tagesklinik, ein anderer hat kaputtes Knie, und auch langjĂ€hrige Ehen werden plötzlich fragil.

Achja. VerlĂ€sslichkeit. Die brauchen Kinder ja auch. Da kam mir das Buch „Ein untadeliger Mann“ gerade richtig in die Finger. Edward sagt am Ende einfach: „Mein ganzes Leben lang, seit ich ein kleines Kind war, wurde ich verlassen oder im Stich gelassen oder durch den Tod von Menschen getrennt, die ich geliebt habe oder denen ich wichtig war.“ Das stimmt. Das hat mich das ganze Buch hindurch atemlos lesen lassen, weil ich wissen wollte, wie er durch dieses ganze Schlamassel kam: Als seine Mutter gleich nach der Geburt starb, wurde er von einer Amme und deren Tochter in Malaysia aufgezogen. Diese Zeit schien seine glĂŒcklichste gewesen zu sein. Oder? Mit vier Jahren kam Edward nach England, zu einer Pflegemutter, die die ihr anvertrauten Kinder quĂ€lte. Immer wieder erlebte er UmbrĂŒche, AbbrĂŒche, kam hierhin und dorthin, er musste sich neu orientieren und verlor alles wieder. Was wird aus einem solchen Kind, das quasi haltlos durch die Welt geschickt wird? Nichts Gutes, wĂŒrde man nach heutigem Wissen ĂŒber das, was Kinder zu einem glĂŒcklichen Leben brauchen, sagen. Trotz aller widrigen UmstĂ€nde wurde jedoch aus Edward keine gescheiterte Existenz, sondern ein erfolgreicher Anwalt, ein Kronanwalt, ein ganz besonders geehrter Mensch, reich und unabhĂ€ngig, mit Frau und ohne Kinder, sicher und von vielen bewundert.

Erst als seine Frau stirbt, scheint etwas aufzubrechen und Edward bricht auf, zieht los und erkundete die Relikte seines frĂŒheren Lebens, das, was von diesem noch ĂŒbrig geblieben war. Ganz unspektakulĂ€r und ruhig erzĂ€hlt Jane Gardam die Geschichte des untadeligen Mannes, so ruhig, wie sich das gehört in dieser Untadeligkeit, die keine großen Emotionen, keine AusbrĂŒche und keinen Eklat gelten lĂ€sst. Die Fassung gilt es zu bewahren, bei allem, was das Leben an Schrecknissen bereithĂ€lt. So, wie sich die Perlenkette von Betty kurz vor ihrem Tod auflöste und die einzelnen Perlen vom Faden glitten, so sammelt Edward auf seiner Reise die Perlen seines frĂŒheren Lebens zusammen, seines Lebens, bevor er Kronanwalt in Hongkong wurde, das in dieser Zeit noch ein Teil des britischen Imperiums war.

Ich las das Buch in der Zeit, die von Tucholsky als die fĂŒnfte Jahreszeit beschrieben wurde und die er als „optimistische Todesahnung, fröhliche Erkenntnis des Endes“ bezeichnete. Zur Stimmung dieser Tage passte die feine, ruhige Sprache mit ihrem ganz eigenen Witz, nicht der Witz, bei dem ich schallend herauslache, sondern fein schmunzelne. Sehr schön geschrieben, sehr schön ĂŒbersetzt, mein Dank geht dafĂŒr an die Übersetzerin Isabel Bogdan: Link zur Webseite.

Klick auf das Cover fĂŒhrt zum Hanser-Verlag. Ich hatte nur eine einzige, klitzekleine MĂ€kelei, aber glĂŒcklicherweise lag noch ein LesebĂ€ndchen herum, das ich selbst eingeklebt habe.

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Seid gut zu Vögeln

Vögel.

Kaum wird es bei uns nach dem langen und kalten Winter ein kleines bisschen wĂ€rmer, fĂ€ngt das Gras an zu wachsen und die ersten Blumen blĂŒhen. Dann kommen sie. Jedes FrĂŒhjahr, wenn es bei uns anfĂ€ngt zu grĂŒnen und zu blĂŒhen, fallen sie in großer Anzahl bei uns ein. Sie kommen aus dem warmen SĂŒden, wo sie ĂŒberwintert haben, schließlich ist es dort schöner und wĂ€rmer als bei uns. Still, leise und heimlich besetzen sie HauswĂ€nde, Hecken und BĂ€ume. Sie sammeln ihr Baumaterial einfach zusammen, fragen dabei weder um Erlaubnis, noch zahlen sie ein entsprechendes Entgelt. Aus Holz und Stroh, aus trockenem Gras und Lehm errichten sie ihre Bauten völlig ohne Bauplan oder Erlaubnis der Bauaufsicht. Sie nisten sich ein, vögeln, setzen ihre Brut in die Welt, fressen sich ĂŒberall durch, sammeln und raffen an Futter, was sie nur kriegen können, ohne jegliche Gegenleistung. Sie sĂ€en nicht, sie bauen nichts an, sie ernten einfach nur und nehmen sich gewissermaßen alles vom bereits gedeckten Tisch. Sie mĂŒssen schließlich ihre Kinder versorgen, die alles brauchen, was sie kriegen können.

Doch auch wenn diese groß sind und eigentlich selbst fĂŒr ihr Auskommen sorgen könnten, geben sie nichts zurĂŒck. Sie sĂ€en nicht, sie helfen nicht, sie rotten sich statt dessen in großer Anzahl zusammen und fressen, was das Zeug hĂ€lt. Irgendwann, wenn die Tage wieder kĂŒrzer werden, sitzen sie in luftigen Höhen und warten darauf, dass der Wind fĂŒr sie gĂŒnstig steht. Dann fliegen sie auf – und davon. Einfach so.

Das ist mein Beitrag zu den Magic Letters von Paleica: S wie schwarz-weiß. Der Klick auf den Link fĂŒhrt zu den anderen Teilnehmern.

Karpfen zum Schulbeginn

Die Lieblingshausziege hatte gestern ihren ersten Schultag in der 11. Klasse. Ab jetzt sind es nur noch zwei Jahre, bis sie ihr Abitur hoffentlich besteht – und dann irgendetwas anderes macht. Zur Feier des Tages aßen wir jedenfalls gestern aushĂ€usig und suchten extra ein Wirtshaus im Aischgrund auf. Schließlich ist inzwischen September, das ist ein Monat mit „R“, also gibt es wieder Karpfen.

Aischgrund Karpfen

Ein gebackener Karpfen auf dem Teller

Mit dem Schwanz hoch in der Luft lag der Karpfen in seiner Panade auf dem Teller, als wollte er mit einem letzten Flossenschlag noch schnell seinem Schicksal entfliehen. So sieht der gebackene Karpfen aber nur aus, wenn er wirklich frisch ist, verriet mir vor einiger Zeit ein Koch.

Hier in Franken, speziell im Aischgrund, ist der Karpfen – ob blau oder paniert – wahrscheinlich auf jeder Wirtshauskarte zu finden. Immerhin wurde er fast hier erfunden, im Land der ungezĂ€hlten Teiche. Der Geheimtipp der Einheimischen ist eine Wirtschaft mit dem Charme einer BahnhofsgaststĂ€tte: In dieser steht unter den Fenstern eine lange Bank an der Wand, mit fĂŒnf geradlinigen und soliden großen Tischen davor. Da Ruhetag war, blieben sie jedoch am Dienstag unbesetzt. Aber es gab genĂŒgend Auswahl- und Ausweichmöglichkeiten, so dass wir auch ohne Anmeldung in einer anderen Wirtschaft drei freie PlĂ€tzchen am Tisch fanden.

Vor dem Karpfen wurde der Salat serviert, der etwas angesĂ€uert war – so gehört sich das hier nĂ€mlich – und der Weißkohl mit ganzen KĂŒmmelkörnern bestreut. Das behagte der Lieblingshausziege nicht so, sie mag den KĂŒmmel auch dann nicht, wenn ich ihn pulverisiert ins Essen mische.

Wenn ich den Spiegelkarpfen mit einem Auto vergleichen wĂŒrde, wĂ€re er eher ein behĂ€biger 2CV als ein schnittiger Manta. Sein Aussehen stammt aus jener Zeit, in der die Bischöfe – und sĂ€mtliche anderen GlĂ€ubigen auch – in der Fastenzeit kein Fleisch essen durften. Fisch dagegen war erlaubt. Doch dieser durfte nicht grĂ¶ĂŸer sein als der Teller auf dem er lag. Zwar hĂ€tten die Bischöfe auch grĂ¶ĂŸere Teller nehmen können, aber sie ließen lieber den Karpfen passend zum Teller zĂŒchten. Seitdem ist der AischgrĂŒnder Spiegelkarpfen eher kurz und hat einen richtig runden RĂŒcken, der fast wie ein Buckel aussieht. So passt er gut auf den Teller, sogar mit Kopf und Schwanz.

Es war gut und es war reichlich, wir rollten quasi gut gefĂŒllt nach Hause und fielen ins Freßkoma. So lĂ€sst sich sĂ€mtlicher Irrsinn dieser Welt besser ertragen.

Alles fĂŒr die Katz #18

Tequila mit Überraschungspaket.

Vor einiger Zeit gewann ich ein Katzenfutter-Testpaket – und Tequila guckte ganz neugierig zu, als ich den Kram ausgepackt hab. Mannmannmann. FrĂŒher gab es fĂŒr Katzen einfach LeberwurstbrotstĂŒckchen ohne Rinde oder Kartoffeln mit Soße, MĂ€use mussten sie sich selber fangen. Heute dagegen gibt es unzĂ€hlige Katzenfuttersorten in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Warum allerdings in den meisten Sorten Zucker enthalten sein muss, das erschließt sich mir nicht. Deswegen hatten wir auch fĂŒr die Katz immer Futter welches ohne Zucker zubereitet war. Schließlich sind auch die MĂ€use in der Natur nicht extra gesĂŒĂŸt.

Heute ist erster Schultag fĂŒr die Lieblingshausziege, deswegen ist hier noch alles ein wenig ungeordnet und durcheinander. Aber das wird auch wieder, das groovt sich ein, so dass jeder wieder weiß, was wann jeden Morgen passiert und wie alles reibungslos ablĂ€uft. Außerdem kam eben ein Anruf, ein Termin mit BorkenkĂ€fer sozusagen außer der Reihe, zu dem ich fix fahren muss.

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Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist.

ABC der Technik: #S wie Stricknadel

Wer als erster anfing, aus einem Faden aus Wolle mit Hilfe zweier oder mehr Nadeln in ein Gestrick zu schlingen, das ist nicht mehr bekannt. Es wird vermutet, dass es von schlauen Fischern erfunden wurden, die mussten ja ihre Netze irgendwie herstellen. Strickzeug hat zwar nicht ganz so große Löcher, wie ein Fischernetz – obwohl es da manchmal schon Ähnlichkeiten gibt – aber das eigentliche Prinzip ist Ă€hnlich.

Dann gab es noch eine Technik, die nannte sich Nadelbinden. Wenn irgendwo ein Mittelaltermarkt oder so ist, sitzen manchmal Frauen da und fertigen Socken mit einer Nadel aus Knochen oder Holz. DafĂŒr brauchen sie nur eine Nadel mit Nadelöhr. Vorteil hierbei ist: Reißt ein Faden, bildet sich weder eine Laufmasche, noch drusselt sich das ganze StĂŒck auf.

Stricknadeln an Wolle.

In einer kleinen Hutschachtel sind meine ganzen Sockenwollstrickreste. Aus dieser Wolle, die im Original blau-grĂŒn ist, habe ich fĂŒr mich mal ein Paar Socken gestrickt. Aus dem Rest sollen Stulpen werden. Auf dem Hoffest gab es zwar Stulpen aus Filz zu kaufen, aber die waren alle so eng, dass ich sie liegen ließ.

Der Mitbewohner hatte heute vier Stunden lang Konferenz – morgen geht hier schließlich die Schule wieder los. Die Lieblingshausziege nutzte ihren letzten freien Tag und guckte sich „Fack ju Göhte“ Teil II im Kino. Wir dagegen wollten die Sonnenstrahlen nutzen und Holunder pflĂŒcken. Leider waren die Vögel schneller und hatten rund um die Weiher schon alles abgeerntet. Dann eben nicht. Dann fahren wir eben hoch auf den Kreuzberg, gehen auf den Keller und trinken ein Bier. Und, gucke da. Dort oben, an der alten Scheune, standen drei schöne HolunderstrĂ€ucher mit vielen schwarzen Holunderbeeren. Prima. Erst das Bier, dann der Holunder und als wir gerade fertig waren, bot der Himmel das Schauspiel eines anrĂŒckenden Gewitters. Schade war nur, dass ich die Kamera nicht dabei hatte. So ist das immer. Liegt das Teil zu Hause faul herum, könnte ich sie gut gebrauchen. Das nĂ€chste Mal kommt sie einfach wieder mit, sicher ist sicher.

Das ist mein Beitrag zum ABC der Technik, die anderen Teilnehmer gibt es bei Jutta zu sehen. Klick fĂŒhrt dorthin. 

Hoffest in Hemhofen

Heute war Hoffest auf dem Landgut Schloss Hemhofen. Von dort kommt unsere wöchentliche Abokiste, da lohnte es sich, vorbeizugucken, nicht nur, weil wir so das Kochen sparen konnten. Wir saßen also auf BierbĂ€nken, aßen und tranken, ich guckte auf die Uhr ĂŒber dem Schlossportal, verrostetes Ziffernblatt mit vergoldeten Zeigern. Oh. Die zeigte ja die gleiche Zeit an, wie sie in Wirklichkeit war. Nach einer Weile guckte ich noch einmal: Oh. Die geht ja wirklich. Das hĂ€tte ich nicht gedacht. Die Lieblingshausziege kicherte.

Schloss Hemhofen. Auf der anderen Seite ging es zum Fest hinein.

An einem Stand drohte ein Schild: Limonade wie bei Oma. Soll sicher heißen: natĂŒrlich, ohne Zusatzstoffe, irgend so etwas. Aber wenn ich so zurĂŒckdenke, dann war die Zeit, in der meine Oma Limonade gemacht hat, genau die Zeit, als die FlĂŒsse schĂ€umten, jedes Dorf eine MĂŒllhalde hatte, auf der es manchmal gewaltig qualmte und ĂŒberhaupt: Das Obst wurde ausgiebig gespritzt, damit keine Maden und WĂŒrmer und Schnecken… Damals war schließlich DDT noch erlaubt und akzeptiert. Ob ich sowas gerne als Limonade trinken wĂŒrde? Damals habe ich es gemacht – und mir auch keine Gedanken ĂŒber Schadstoffe und andere Leckereien gemacht. Schließlich hat das Zeug geschmeckt. Omas Limonade war ĂŒbrigens ganz einfach: Selbst gemachter Himbeersirup, Wasser drauf, ein Schuss Essig hinein und eine Löffelspitze Natron dazu, damit das Himbeersirupwasser ein bisschen sprudelte.

Hoffest auf dem Landgut Schloss Hemhofen

Die Lieblingshausziege bekam eine Cola spendiert, Bio selbstverstĂ€ndlich. Was anderes gab es hier nicht. Hundert Prozent Taste stand auf dem Etikett. Ja, was denn sonst, bemerkte sie. Aber die Cola war nicht so ganz nach ihrer Nase. Vielleicht lag es daran, dass ein Teil des Geschmacks als brauner Satz unten in der Flasche klebte und sich auch durch SchĂŒtteln nicht lösen lassen wollte.

Wieder zu Hause duftete es von draußen nach brennender Grillkohle und verkohltem Essen. Vielleicht hat der Nachbar auch was verwechselt. Wer weiß das schon. Die Pflaumen sind ĂŒbrigens tatsĂ€chlich fast alle verarbeitet. Die restlichen Exemplare liegen jetzt noch in einer SchĂŒssel und warten darauf, dass sie einfach so im Mund verschwinden.