Rost in der Unterwelt: F√ľr die #Rostparade.

Sonntagsspaziergang 171

N√ľrnberger Unterwelt

Sonntagsspaziergang 152

N√ľrnberger Unterwelt.

 

Kellerr√§ume sind oft feucht. Das haben die N√ľrnberger Keller, die mehrere Stockwerke tief in die Erde reichen, mit allen anderen Kellerr√§umen gemeinsam. Wer dort Dinge aus Eisen befestigt oder abstellt, muss damit rechnen, dass diese im Lauf der Jahre mit Rosten anfangen. Was es mit den N√ľrnberger Kellern √ľberhaupt auf sich hat, habe ich bereits vor einiger Zeit beschrieben. Wer mag, kann hier nachlesen.

Das ist mein Beitrag zu Frau Tonaris Rostparade, zu der sie an jedem Monatsletzten aufruft. Dieses Mal habe ich gemerkt: Ich m√ľsste mal meine Bilder aufr√§umen. Oft mache ich rostige Aufnahmen, wei√ü aber irgendwann entweder nicht mehr, wo sie sind – oder ob ich sie schon einmal in der Rostparade gezeigt habe.

 

Tsch√ľss, 2015

Ein morgendlicher Feedreader ist was Feines, immerhin habe ich durch ihn die Fragen zu 2015 bei Frau Br√ľllen gefunden. Von denen nehme ich jetzt einfach welche, jedenfalls die, die zu mir passen.

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Das war zwar das Feuerwerk in Malaga, macht aber nichts.

 

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?¬†Mal so, mal so. Nein, nicht ganz. Mal sehr gut und mal hervorragend, besonders der August in Spanien, der nun schon wieder so weit weg scheint… Also: 9.

Zugenommen oder abgenommen? Gleich geblieben. Wenigstens. Zwar hatte ich mit Sport begonnen: Runter vom Sofa, vielleicht erinnert sich noch jemand, aber mit Fu√ü war das irgendwann nicht mehr gut. Das Laufen fiel immer schwerer. Jetzt hab ich erst einmal Einlagen, auch wenn der Hausarzt was von „muss operiert werden“ gemurmelt hat. Weiter sehen.

Haare l√§nger oder k√ľrzer? Noch k√ľrzer. Sehr viel weniger geht fast nicht mehr, oder vielmehr: Dann brauche ich keinen Friseurbesuch mehr, sondern nehme einfach den Haarschneider vom Mitbewohner. Die Lieblingshausziege meint allerdings, etwas l√§nger d√ľrften die Haare ruhig sein.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?¬†Da ich mit Gleitsichtbrille und st√§ndig am Computer sitzen und schreiben eine Hornhautverkr√ľmmung bekam, und s√§mtliche Dinge pl√∂tzlich unten einen Rand hatten, bin ich konsequent auf Kontaktlinsen umgestiegen – damit das besser funktioniert, habe ich lieber die teureren gew√§hlt – und schreibe nur noch mit einer Lesebrille am Computer. Inzwischen hat sich das Sehen wieder gebessert. Also: Never ever Gleitsichtbrille bei Bildschirmarbeit.

Und was das Leben betrifft: Lieber in Kurzsicht :-).

Mehr Geld oder weniger? Es wird mehr. Langsam.

Der hirnrissigste Plan?¬†Als der Mitbewohner im Februar unseren August in Spanien geplant und gebucht hat, habe ich ja nicht geglaubt, dass das so gut werden wird. Ich hatte lediglich zur Bedingung gemacht, dass wir jeweils eine Woche in einer Stadt bleiben, damit gen√ľgend Zeit zum Tr√∂deln ist. Das hat sehr gut funktioniert. Wir haben ziemlich viele wei√üe Kaninchen gesehen ūüėČ

Die gefährlichste Unternehmung? Die Wanderung durch die Schlucht in der Sierra Nevada. Da dachte ich tatsächlich, ach, wenn eine Wanderung irgendwo empfohlen wird, dann ist das so ein ausgebauter Wanderpfad wie hier. War aber nix.

Das leckerste Essen? Da gab es mehrere: Rinderbäckchen und Cassoulet (beides hat der Mitbewohner selbst zubereitet) waren zwei davon, auch das Essen im arabischen Restaurant in Sevilla war superlecker.

Das beeindruckendste Buch?¬†Huch, ich habe eine ganze Menge gelesen. Beeindruckend waren auf alle F√§lle Arno Geiger „Es geht mir gut“ und D√∂rte Hansen „Altes Land“.

Der ergreifendste Film?¬†So wenig Kino wie in diesem Jahr war selten. Ich glaube, wir haben tats√§chlich nur „Frau M√ľller muss weg“ angeguckt. Naja. Irgendwie war nichts weiter dabei. Oder ich habs verpasst.

Die meiste Zeit verbracht mit…? Schreiben.

Die sch√∂nste Zeit verbracht mit‚Ķ? Der Lieblingshausziege und dem Mitbewohner. Wir waren gemeinsam wandern, l√ľmmeln manchmal hier im Wohnzimmer herum, kochen und futtern.

2015 zum ersten Mal getan? In Spanien gewesen. Einen ganzen Monat lang.

2015 nach langer Zeit wieder getan? Gemeinsam mit der¬†Lieblingshausziege in einem Bett geschlafen. Aus Gr√ľnden. Nicht aus Bettenmangel.

Das sch√∂nste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Die Karten f√ľr den Cirque du Soleil, die mir der Mitbewohner zum Geburtstag geschenkt hat.

Mehr bewegt oder weniger? Eher weniger. Wegen Fuß. Mit schmerzendem Huf läuft es sich nicht so gut.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr? Ich kann mich jetzt an keine wirkliche Erkrankung erinnern, an nichts, was √ľber Schnupfen und so gelegentliches Unwohlsein hinausging. Aber ich vergesse so etwas auch gerne schnell wieder.

Dein gr√∂sster Wunsch f√ľrs kommende Jahr? Dass meine Ideen Wirklichkeit werden…

2015 war mit 1 Wort…? Vollgepackt. 

Spaziergang nach Sommerach

Spaziergang rund um M√ľnsterschwarzach.

Oh. Kein Himmel da. Und was ist das blaue Zeug da √ľber mir, mit der wei√üen Zuckerwatte drauf? Da in der Abtei M√ľnsterschwarzach nicht nur gebetet und gesungen wird, sondern wir zum Mittag- und Abendessen ordentlich zu futtern kriegen, ist es gut, wenn ein paar Schritte daf√ľr sorgen, dass nicht alles als Speckringe auf den H√ľften h√§ngenbleibt.

Bildstock bei Gerlachshausen.

Überall stehen Zeugnisse des Glaubens herum. Manche sind verhältnismäßig neu, andere schon viel älter.

Schön anzusehen sind sie allemal.

Was wird einst von unserem eigenen Glauben der Nachwelt Zeugnis ablegen?

Es gibt moderne Kreuze am Wegesrand. In den meisten Fällen zeigen sie, dass hier jemand im Straßenverkehr ums Leben kam.

Alter Bildstock bei Gerlachshausen.

Unter diesem alten Bildstock lässt sich entziffern, dass er 1607 von einem Melchior aus Sommerach renoviert wurde. Die eigentlich römischen Soldaten aus der Leidensgeschichte tragen hier Landsknechtsmonturen und geschlitzte Pluderhosen.

Flosshaltestelle am Main bei M√ľnsterschwarzach

√Ąh. Jaklar. Hier, direkt an der Stra√üe von M√ľnsterschwarzach nach Sommerach bereitet sich der ganz normale Mensch schon mal auf die kommende √úberschwemmung vor. Der Meeresspiegel wird steigen, sicher. Aber hier? Die Aufl√∂sung gab es sp√§ter: Hinter den B√ľschen flie√üt der Main in einer √ľppigen Schleife entlang. Da gibt es tats√§chlich auch F√§hren und Fl√∂√üe.

Der Main bei M√ľnsterschwarzach.

Da isser. Der Main.

Ein Weinstock an der Hauswand.

Weinst√∂cke stehen hier √ľberall herum. Jetzt sind sie ganz unbelaubt und sehen ein bisschen wie aufrecht stehende Insekten aus, denen die F√ľhler festgebunden wurden. Auch an vielen H√§usern stehen Weinreben, die sp√§ter gr√ľne D√§cher √ľber Hofeinfahrten und T√ľren bilden.

eine alte Weinkelter. Darin wurden die Trauben gepresst.

Solche alten h√∂lzernen Weinkelter, mit denen fr√ľher die Trauben gepresst wurden, stehen hier auch √ľberall herum. Irgendwas m√ľssen die Touristen, die kommen, ja auch zum Angucken haben.

Abendd√§mmerung √ľber dem Main

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Abendd√§mmerung √ľber dem Main.

Immer noch M√ľnsterschwarzach. Im Kloster geht alles seinen geregelten Gang, auch an Weihnachten. Die Psalmen werden in der √ľblichen Ruhe gesungen, daf√ľr ruht s√§mtliche Arbeit, da hat Effizienz keinen Platz. Sicher, die lie√üen sich auch fixer abhandeln, ohne Modulierungen und sicherlich k√∂nnten die M√∂nche auch ein wenig schneller gehen. Doch wozu? Warum sollen sie sich beeilen und ihr Leben schneller leben? Wird es dann besser? Sicherlich nicht. Es bleibt dann weniger Zeit f√ľrs Miteinander, weniger Gelegenheit zum Reden und f√ľr Begegnungen. Heute morgen kam der Abt in den Fr√ľhst√ľcksraum, plauderte eine Weile, auch andere M√∂nche kamen, schw√§tzten, lachten und machten Scherze. Jetzt ist die Fastenzeit vorbei, jetzt darf w√§hrend des Fr√ľhst√ľcks wieder geredet werden.

Z wie zauberhaft: Magic Letters

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Kirchenfenster in der Abtei M√ľnsterschwarzach.

Zauberhaft. Dem Zauber verhaftet – wer spielt da die Polizei und nimmt blo√ü den Zauber in Haft? Jetzt ist es kurz vor Weihnachten und ich bin heute Mittag gemeinsam mit dem Mitbewohner in die Abtei M√ľnsterschwarzach gefahren. Das ist die Abtei, wo Anselm Gr√ľn wohnt und lebt und seine B√ľcher schreibt und ja, ich habe ihn heute bereits zur Komplet im Chorgest√ľhl gesehen. Er ist da.

Es sind eine ganze Menge Menschen da, die lieber Weihnachten im Kloster verbringen, als allein zu Hause. Ein Mann kommt, weil er nicht wei√ü, zu welchem seiner Kinder er nun fahren soll. Eine Frau kommt seit vielen Jahren, weil ihr Bruder keinen Platz mehr f√ľr sie hatte, nachdem ihr Mann gestorben war. Es wird spannend. Bruder Jakobus hat den Ablauf der n√§chsten Tage vorgestellt, zum Beispiel morgen: 5.25 Uhr Morgenhore, 7.00 Choralamt, 8.00 Fr√ľhst√ľck, 9.15 Singstunde mit Bruder Pascal (das ist der Prior), 10.30 Klosterf√ľhrung mit Bruder Boniface, 11.45 Mittagshore, 12.10 Mittagessen, 16 lat. Weihnachtsvesper, 18.00 Abendessen und Weihnachtsfeier, 22.45 deutsche Christmette, gegen 24 Uhr Eucharistiefeier. Langweilig wird es bestimmt nicht. Aber es besteht schlie√ülich keine Anwesenheitspflicht, wir sind ja schon gro√ü.

Und jetzt genieße ich den Zauber der Weihnacht. Der kommt, ganz bestimmt.

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Kirchenfenster in der Abtei M√ľnsterschwarzach.

Kleine Weihnachten

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Heilige Nacht in Franken.

Nicht alles l√§sst sich auf dem Bild gut erkennen: Zwar spielt sich die Szene wie √ľblich in einem Stall ab, doch die Figuren tragen die fr√§nkische Tracht, hinten in der ge√∂ffneten Stallt√ľr sieht man den Schnee und links, vom Sch√§fer verdeckt, steht ein Bierfass. Das muss einfach sein, hier in Franken, wo es immer noch viele kleine Brauereien gibt.

Diese dreidimensionalen Papierkrippen werden in F√ľrth hergestellt, mit unterschiedlichen Motiven und diese eine, die fr√§nkische Krippe, ist mein Beitrag zum kleinen Monat bei Cubus Regio.

Europa? Ach, da war noch was.

Ach Europa.

Schluss mit Schuften. Schlie√ülich bist Du jetzt 59 Jahre alt, da ist Zeit f√ľr Altersteilzeit. W√§rst Du ein Mensch, ein Arbeiter am Flie√üband oder B√ľroangestellter, ein Handwerker oder meinetwegen ein Bauarbeiter, dann k√∂nntest Du jetzt k√ľrzer treten, weniger arbeiten, Altersteilzeit nennt man das, wenn die Alten, die nicht mehr so leistungsf√§hig sind, die mit der Geschwindigkeit des Bandes nicht mehr mithalten k√∂nnen – die Bandscheibe, die Gelenke, was auch immer, ich wei√ü – den J√ľngeren und ganz Jungen Platz machen sollen. Doch Europa, Du hast¬†l√§ngst¬†Deine 45 Jahre an Pflichtbeitr√§gen entrichtet, ob am Band oder im B√ľro.

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Eine europäische Dämmerung. Aber morgen wird es wieder hell.

Erinnerst Du Dich noch an den Anfang? Es ging doch eigentlich immer nur ums Geld, auch damals schon. Um Geld und um Wirtschaft, um Kohle und Stahl, die im gerade vergangenen Krieg so entscheidend schienen. Alle Deine Mitglieder sollten gleicherma√üen Zugang zu diesen Rohstoffen haben und sich gegenseitig kontrollieren k√∂nnen, damit niemand heimlich Panzer und Kanonen bauen konnte. Sp√§ter waren Gas und √Ėl wichtiger als Stahl und Kohle. Nur um die Menschen die in Dir lebten, um die hast Du Dich nie gek√ľmmert. Ob in EWG oder EG, es ging um Zollfreiheit, freien Kapitalverkehr, freien Dienstleistungsverkehr und freien Personenverkehr, um eine gemeinsame Handelspolitik und um Geld.

Dann kam v√∂llig unerwartet die Wende, die deutsche Einheit, die Osterweiterung.¬†‚ÄěUnd wieso durfte Ostdeutschland einfach so der Europ√§ischen Union beitreten, ohne die ganzen Beitrittskriterien zu erf√ľllen?‚Äú fragte damals eine Frau aus Tallinn mit gro√üem Ernst. Auf diese Idee, diese Sicht w√§re ich selbst nie gekommen, doch nach kurzem Nachdenken scheint die Frage angesichts der vielen Bestimmungen, welche von den Mitgliedstaaten im Rahmen der Umsetzung des gemeinsamen Besitzstandes vor einiger Zeit erf√ľllt werden musste, v√∂llig berechtigt und aus Sicht der neuen Mitgliedstaaten vollkommen nachvollziehbar zu sein.

Es w√§re durchaus interessant zu erfahren, ob die f√ľnf √∂stlichen Bundesl√§nder diesen Beitritt aus eigener Kraft ohne die milliardenschweren¬†Subventionen √ľberhaupt geschafft h√§tten. Von dieser Frage angeregt und ohne jetzt das ganze Gezeter √ľber die innerdeutsche Vereinigung, die ja nun nicht gerade eine liebende war, zu bem√ľhen, m√∂chte ich, aus der Provinz gewisserma√üen und damit mit einigem Abstand, einige Gedanken, zu Europa loswerden und an der Blogparade „mein europ√§isches Versprechen“ teilnehmen.

T√§glich werden fast nur negative Meldungen von Dir berichtet. Es geht um die Sicherung Deiner Au√üengrenzen, um Terrorismus, immer noch um die Hilfen f√ľr irgendwelche Banken, die sich dumm und dusselig an Dir verdienen. Mit dem Gebilde der Europ√§ischen Union verbinde ich selbst kaum eine positive Assoziation, das mag auch an der Art der Berichterstattung √ľber dieselbe liegen. Gibt es √ľberhaupt eine z√ľndende, eine gewaltige Idee des Europ√§ischen, eine Idee, die √ľber die Wirtschaft und das Geld hinausreicht? Ich meine, das kann doch nicht alles sein, oder?

Also, was ist an Dir, Europa, warum zieht es so viele Menschen an, ist es f√ľr so viele Menschen attraktiv? K√∂nnen wir, die wir mitten in Dir sitzen, das nur deswegen nicht sehen, weil wir mittendrin sind? Oder ist der europ√§ische Gedanke einfach zu gro√ü und unfassbar f√ľr einen einzelnen Menschen und zeigt sich erst in der nachtr√§glichen, geschichtlichen Betrachtung der Epoche?

Ein Leben gelingt im Kleinen, in der Familie, mit Verwandten und Freunden, manchmal mit den Menschen, mit denen man gemeinsam in einem Haus wohnt, in der Stra√üe, dem Stadtteil, dem Dorf oder der Stadt. Diese sind uns vertraut, sie sind unsere Heimat und in ihnen f√ľhlen wir uns sicher und von dort k√∂nnen wir losziehen. Immerhin gew√§hrst Du uns seit vielen Jahren Reisefreiheit. Zwar gibt es kaum noch Stempel in Ausweis und Pass, auch Geld muss nur selten getauscht werden, selbst die Grenzen sind kaum noch sichtbar. Sind diese passiert, wird jeder Baum, jedes Haus und Schild zu einem Bedeutungsvollen, einem Anderen, erh√∂ht der Reiz des Fremden und die Neugier auf das Unbekannte, das Nicht-Allt√§gliche die Spannung.

Wie wichtig Grenzen in der Erziehung sind, ist eine andere Geschichte ‚Äď oder hat gar diese Grenzenlosigkeit etwas damit zu tun, wie heutige Kinder aufwachsen? Die Grenze kennzeichnet das Andere, unterscheidet au√üen von innen. Ich brauche eine Grenze und muss diese erfahren und anerkennen, sonst kann ich mich selbst nicht wahrnehmen. Diese Grenze kann auch die Verbindung durch eine Idee sein, aber es wird immer ein innen und ein au√üen geben m√ľssen, sonst findet man sich nicht wieder.

Erinnerst Du Dich eigentlich, als Polen pl√∂tzlich ein Teil von Dir wurde, neben Ungarn, Tschechien, Slowenien, der Slowakei, Estland, Lettland und Litauen? Als pl√∂tzlich Polen offen war, hast Du fix f√ľr sieben Jahre lang den Zugang f√ľr die Menschen beschr√§nkt. Reisen durften sie, das ja, aber nicht in den anderen L√§ndern arbeiten und leben oder gar Sozialleistungen beziehen, f√ľr die sie keine Beitr√§ge geleistet hatten. Jetzt kommen sie, sind viel weniger, als Du gedacht hast, machen die Arbeiten, die andere nicht mehr machen wollen, in Schlachth√∂fen, auf Baustellen, in der Industrie.

Warum hast Du jetzt so viel Angst vor den Menschen, die zu Dir kommen? Vielleicht sehen sie etwas in Dir, was wir selbst in Dir noch nie gesehen haben, nicht sehen konnten? Du – oder genauer gesagt, einige Menschen in Dir – wirken oft so neidisch darauf, dass die Menschen hier Hilfe und Unterst√ľtzung bekommen. Ein neidischer Mensch ist ein Opfer starker Minderwertigkeitskomplexe, die er durch fortw√§hrendes Vergleichen mit anderen zu kompensieren sucht. Er will immer mehr, er will alles haben, auch wenn er l√§ngst genug hat, er¬†ist stets unzufrieden und leidend. Das Gemeinschaftsgef√ľhl bleibt bei einer solchen Seelengestaltung unterentwickelt. Interessant ist, dass der Neider wenig aktive Anstrengung unternimmt, um seine Situation zu verbessern. Er¬†jammert und sitzt wie das Kaninchen vor der sprichw√∂rtlichen Schlange.¬†Wer sich dagegen selbst entwickelt und entfaltet, wird auch bei offensichtlicher Benachteiligung nicht dem Neid erliegen.

Was kannst Du also tun, damit Du nicht in den Vorruhestand geschickt wirst, sondern wieder attraktiv und begehrenswert erscheinst?¬†Es wird wohl eher ein Werk der Generationen sein. Es h√§ngt davon ab, dass Kinder aufwachsen, die sp√§ter nicht neidisch auf den Teller (oder die H√∂he der Subventionen) der Nachbarn schauen m√ľssen, sondern zufrieden und ein wenig bescheiden ihr Gl√ľck im Hier und Jetzt finden k√∂nnen. Doch dazu bedarf es ein Umdenken der Erwachsenen / Eltern, da deren Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit derjenigen der Kinder korrespondiert.

Wenn ein Kind mit Hilfe der Erwachsenen seine M√∂glichkeiten und Grenzen erfahren kann und sich somit richtig wahrnehmen kann, dann kann es auch in der Gemeinschaft aufgehen, ohne Angst haben zu m√ľssen, dass es sich und seine Individualit√§t verliert. Vielleicht sollte sehr viel mehr Aufmerksamkeit in allen Einrichtungen auf eine gute und europ√§ische Erziehung der Kinder gelenkt werden um den Gedanken einer europ√§ischen Nation zu entwickeln und in Zukunft ein f√∂rderliches Miteinander leben zu k√∂nnen.

Die wichtigste Erweiterung in der Geschichte der Europ√§ischen Union ist l√§ngst vollzogen ‚Äď die ‚ÄěSeelen‚Äú m√ľssen jetzt noch nachziehen ‚Äď die Europ√§ische Idee mit Begeisterung und gemeinsamen √úberzeugungen gef√ľllt werden. Darin liegt neben den sicher wichtigen wirtschaftlichen Anpassungsprozessen unsere ma√ügebliche Aufgabe f√ľr eine gemeinsame Zukunft in der Europ√§ischen Union.

Oder ist das jetzt zu hoch gegriffen?

Liebe Tageszeitung,

immer schneller, größer, weiter, hm? Was in Unternehmen recht ist, muss auch an Weihnachten billig sein? Oder wie soll ich das verstehen, wenn Du per Facebook bereits Mitte Dezember dazu aufrufst, den schönsten, den besten, den festlichsten Weihnachtsbaum zu zeigen?

Weihnachten beginnt am Abend des 24. Dezember, wenn ich mich recht erinnere. Dann klingt das Glöckchen, brennen die Kerzen und die Kinder kommen mit staunenden Augen ins Zimmer, in dem unter dem Weihnachtsbaum die Geschenke liegen.

Wird Weihnachten schöner, wenn der Baum schon vorher steht? Ach, ich vergaß: Er hält ja keineswegs mehr bis Lichtmess durch, die Feuerwehr klingelt bereits am Dreikönigstag und sammelt ihn ein.

Wie sch√∂n w√§re es gewesen, wenn ihr danach gefragt h√§ttet, wie es fr√ľher war, als noch ein langsam gebratener Apfel seinen Duft verstr√∂mte. Bei Kerzenschein und Weihnachtsliederklang ausgel√∂ffelt, war so ein Apfel mehr, als ein nur ein Obstst√ľck, das der Gesundheit zuliebe verspeist werden muss. Gibt es Brat√§pfel eigentlich inzwischen in der verschwei√üten Blisterpackung, die sich schnell aufrei√üen und in die Mikrowelle stopfen l√§sst, auf dass ja keine Zeit verloren geht?

Zeit. Ein Mangel an Zeit ist ein Mangel an Menschlichkeit, hat Heinz Kahlau mal gesagt.Nehmen wir uns lieber Zeit: F√ľr einen Bratapfel, eine vorgelesene Geschichte, ein gemeinsam gesungenes Lied. Der Weihnachtsbaum kann f√ľr Weihnachten bleiben.

 

Alles f√ľr die Katz #24

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Katzenleckereien.

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Katzenleckereien.

Katzen sind s√ľ√ü – in vielerlei Hinsicht. Es gibt Katzenzungen und – die Lieblingshausziege war neugierig: und brachte vegane Gummik√§tzchen ins Haus.

Wir haben genascht und probiert und festgestellt: Unser Geschmack ist es nicht. Ich m√∂chte das jetzt nicht so gerne weiter ausf√ľhren, aber allein die Konsistenz ist, nunja, sagen wir mal, gew√∂hnungsbed√ľrftig. Und, ehrlich: Daran m√∂chte ich mich nicht gew√∂hnen.

Heute bin ich etwas spät dran, ich weiß. Kommt gelegentlich vor.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt ‚ÄúAlles f√ľr die Katz‚ÄĚ beteiligen m√∂chte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans √ľber sch√∂ne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei ‚ÄúAlles f√ľr die Katz‚ÄĚ dabei ist.

(Und wer seinen Beitrag unter dem vom 1. Dezember verlinkt hat, dem antworte ich trotzdem ;-), schließlich war ich ja diejenige, die getrödelt hat.

 

 

Tag der (urbanen) provinziellen Schönheit

Herr Ackerbau wohnt in Pankow. Da hat er es ¬†– allein seiner privilegierten Lage wegen – viel leichter als ich, Eisenbahnen von oben zu fotografieren. Schlie√ülich fahren in Berlin Z√ľge, und nicht nur diese, sondern auch S-Bahnen, U-Bahnen, Stra√üenbahnen, was auch immer. Er rief zu einer Blogparade unter dem Motto „Menschen, die auf Schienen starren“ auf und m√∂chte gerne die urbane Sch√∂nheit der Schienenbilder von oben sehen.

Ich habe leider nur Provinz zu bieten, in meinem Fotoarchiv gekramt und einen Schatz herausgefischt, den es heute nur noch in dieser Form der digitalen Erinnerung gibt: Einst verkehrte hier die Kanonenbahn, zwischen Eschwege und Kassel, genauer: zwischen Walburg und Harmuthsachsen. Erst fuhren auf dieser Strecke Bahnbusse bis in die Ortschaften hinein, dann wurde der Zugverkehr eingestellt und es fuhren nur noch Busse. Die Schienen rosteten so vor sich hin.

Dann kam die Wende – und auf der nebenan verlaufenden Bundesstra√üe 7 stauten sich die Autos. Eine Autobahn sollte f√ľr Abhilfe sorgen, doch wie das bei manchen Dingen so ist, das dauert. Die Natursch√ľtzer fanden einen Kammmolch nach dem anderen, ihr wisst ja, wie so was geht. Der erste Abschnitt der neuen Autobahn wurde dann einfach gebaut, zwischen Hessisch Lichtenau und Walburg, noch ganz ohne endg√ľltige Genehmigung und auf die damals durchaus noch reale Gefahr hin, dass dieses St√ľck Autobahn so in der Natur herumsteht.

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Blick auf Schienen von oben.

Hinter der Autobahn, hinter dem daf√ľr aufgesch√ľtteten Kiesberg, auf dem die Abfahrt wieder zur Bundesstra√üe f√ľhrte, lagen die alten Gleise immer noch.

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Alte Eisenbahnbr√ľcke.

Ich lief die Strecke entlang, kämpfte mich durch Brombeerhecken und Weißdorn. Hier könnt Ihr sehen, wie nahe sich Bundesstraße und Bahnstrecke kommen, doch interessanterweise war von dem Lärm der Straße nicht viel zu hören. Die Vögel zwitscherten, Schnecken hatten die Schienen als Schnellstrecke entdeckt und Insekten summten.

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Alter Schaltkasten.

√úberall standen Relikte, wie dieser Schaltkasten oder verrostete Signale und Weichensteller.

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Altes Bahnhäuschen.

Ein ehemaliges Gebäude der Bahn. Das Menetekel ist klar und deutlich: Ein ICE wird wohl hier nicht fahren Рund der Sensenmann wartet bereits. Inzwischen hat der Sensenmann längst zugeschlagen, die ganze Strecke ist geräumt und wird großräumig zur Autobahn umgebaut.

Weil in diesem Jahr noch ein ganz besonderes Jubil√§um ist, habe ich f√ľr Herrn Ackerbau noch einen ganz besonderen Blick √ľber Schienen: Vor 180 Jahren fuhr n√§mlich am 7. Dezember 1835 die erste deutsche Dampflok auf der Strecke zwischen N√ľrnberg und F√ľrth. Damals wagte sich kein Deutscher auf ein solches Unget√ľm, also wurde nicht nur die Lok, sondern auch der Lokf√ľhrer aus England importiert: William Wilson fuhr den Zug, versah seinen Dienst selbst bei Regen und Sturm standesgem√§√ü in Frack und Zylinder. Die erste Strecke verlief schnurgerade vom N√ľrnberger Pl√§rrer bis F√ľrth, da der Motor der Lok noch keine Kurve schaffte. Wie in jedem Jahr ist in der Forchheimer Kaiserpfalz eine Eisenbahnausstellung – und in diesem Jahr ist dort der Adler unterwegs.

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Der Adler mit Lokf√ľhrer.

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Drehscheibe mit Lok.

Einmal in der Stunde f√§hrt eine historische Lok aus dem Schuppen auf die Drehscheibe, damit sie auf dem Schaugleis eine Runde vor den an der Scheibe plattgedr√ľckten Kindernasen drehen kann. Manche der Dampfloks dampfen sogar richtig.