Jeder macht, was er will

Der Hausbesitzer hat in den nächsten Tagen Geburtstag. Das ist normalerweise nicht weiter schlimm, wir backen Kuchen, (fast) alle seine Söhne kommen mit Familie, wir gehen runter, gratulieren, essen etwas, gut ist. Schließlich ist es ja kein runder Geburtstag, an dem alle eingeladen werden müssten.

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Tusch: Ein Geburtstag soll gefeiert werden.

Wie man das eben so macht.

Erster Akt: Der Hausbesitzer teilt dem Mitbewohner mit, dass sich der staatliche Oberjäger mit vier oder fünf anderen Jägern selbst eingeladen hätte. Wir überlegten kurz, kein Problem. Dann disponieren wir mit dem Essen etwas um, rechnen mit den zusätzlichen Mitessern und kramen alles Geschirr aus dem Schrank. Das müsste reichen. Wenn wir alle ein bisschen zusammenrücken, reicht auch der Platz in der Küche. Der Tisch ist ja lang genug.

Zweiter Akt: Der Hausbesitzer geht zur Treibjagd. Dort sind wasweißichdenn fünfzig, sechzig Jäger, Treiber oder noch mehr Menschen. Da er selbst auf jedem Geburtstag auftaucht, der übers Jahr auf dem Weg liegt, lädt er kurzerhand alle ein. Mündlich: „Könnt kommen, hab Geburtstag“, oder so.

Dritter Akt: Jetzt kümmert sich der Hausbesitzer selbst um die Verpflegung der erwarteten halben Hundertschaft an Gästen. Das ist nicht weiter schlimm, schließlich ist unter den Jägern ein Metzger. Bei diesem wollte er ohnehin das Fleisch kaufen. Jetzt lässt er das Kasseler gleich dort zubereiten, ebenso wie das Sauerkraut. Dazu soll es geschnittenes Brot geben. Auf die Frage des Mitbewohners, wie viele Gäste denn nun kämen, kann er keine Antwort geben. Er weiß es nicht.

Vierter Akt: Der Mitbewohner informiert seine Brüder, die sollen am Wochenende kommen und helfen. Schließlich müssen die Polstermöbel aus dem Wohnzimmer auf die (zum Glück überdachte) Terrasse geräumt werden, damit die Sitzgarnituren für die Gäste aufgestellt werden können. Ein Bruder findet, dass doch die Gardinen im Wohnzimmer noch dringend vor der Feier gewaschen werden müssten. Da das Wohnzimmer allerdings seit Jahren weder beheizt, noch benutzt wird, fällt das aus. Es bleibt auch so noch genug zu tun.

Fünfter Akt: Der Bruder, der sich so gerne um alles kümmert und dafür auch über alles bestimmen möchte, hatte ursprünglich seinen Vater gebeten, die Feier zu verschieben, da er selbst – aus Gründen – verhindert ist. Jetzt möchte er, dass sein Vater sämtliche Gäste anruft und diesen mitteilt, dass die Feier an einem anderen Termin stattfinden soll. Wie soll der Hausbesitzer seinen Gästen absagen, wenn er überhaupt nicht weiß, wer kommen will? Soll er alle Jäger, die auf der Treibjagd waren, anrufen? Kennt er überhaupt alle mit Namen und weiß er ihre Telefonnummer? Fragen über Fragen…

Nehmen Sie Platz, machen Sie es sich gemütlich. Knabberkram und was zu Trinken stelle ich gerne hin. Es wird spannend…

Die Sehnsucht nach der Ferne

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Fernwehpark in Hof

Wer Fernweh hat, kann Reisen – sofern er über die dafür nötigen finanziellen Mittel verfügt. Aber die Sehnsucht nach der Ferne kann schon manchmal skurrile Blüten treiben, die wiederum andere Menschen anlocken. So wie hier, im Fernwehpark in Hof:

Der Fernwehpark in Hof. 

(Klick auf den Link führt zum Beitrag)

 

Tagebuchbloggen am 5. Januar

Jeden 5. im Monat ruft Frau Brüllen zum gemeinsamen Tagebuchbloggen auf. Sie will wissen, was wir eigentlich den ganzen lieben Tag lang machen, oder in kurz: WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag).

Mein Tag begann unspektakulär. Nach einer Tasse Kaffee galt es, aus den gestrigen Notizen im Block einen Text zu basteln und gemeinsam mit den Bildern in die Redaktion zu schicken: Bei einem Sportverein können Flüchtlinge Volleyball spielen, einfach so, nur zum Spaß und gelegentlich spielen auch ein paar andere Jugendliche und Erwachsene mit.

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Da der Mitbewohner noch zwei Tage Ferien hat, brauchte ich mich mittags zum Essen nur an den gedeckten Tisch zu setzen. Selbst das Besteck lag schon parat. Was für ein Luxus. Anschließend gab es noch eine Tasse Milchkaffee, die Arbeit war ja für mich noch nicht zu Ende.

Ich fuhr in eine kleine Stadt, auf der ich neulich noch die Störche in ihrem Nest auf dem alten Rathaus oben klappern sah. Dort traf ich mich mit einem Mann, der eine Gruppe für alkoholkranke Menschen und deren Angehörige gründen möchte. Wir haben uns eine Stunde lang unterhalten, der Text darüber wird am Freitag in der Zeitung zu lesen sein.

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Schilf am Weiher.

Als ich zurückfuhr, hat es gerade einmal nicht geregnet. Hurra. Auto an den Wegrand, aussteigen und ein Stück gehen. Der Nebel hat alles in der Ferne hübsch eingehüllt, so dass es wie bei einem Weichzeichner weit weg schien. Ich lief ein Weilchen erst nach links, dann geradeaus, wieder nach rechts und in etwa zurück. Dachte ich. Doch ich hab es verwechselt – und war dann deutlich länger unterwegs, als ich ursprünglich gedacht habe. Nunja. Es gibt schlimmeres. Irgendwann war ich wieder beim Auto, stieg ein und fuhr das kurze Stück bis nach Hause. Hier war es schön warm, hier gab es jetzt das gestern frisch gebackene Brot mit Frischkäse, ein paar kleine Tomaten und Tee.

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Weiherlandschaft mit Schnee und Nebel.

Schluss für heute. Ich muss noch das Feuer angucken und zwei Kissenbezüge nähen.

Die Herzeleid-Kapelle im Kloster Schwarzenberg

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Es war einmal…

Es war einmal ein ehemaliges Gartenhäuschen, in dem die Gartengeräte aufbewahrt wurden. Jetzt ist es eine kleine Kapelle. Diese steht im Steigerwald, im Kloster Schwarzenberg, in der Nähe von Scheinfeld. Wir waren vor ziemlich genau einem Jahr hier ein wenig wandern und haben uns umgeschaut.

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Selfie mit Kamera.

Eine Herzeleid-Kapelle. Hier kann jeder sein Herzeleid klagen und abladen, der zu viel davon hat und dieses nicht weiter tragen kann und möchte. Es gibt hier immer jemanden, der zuhört und dem auch nach der drölfzigtausendsten Wiederholung die Sache nicht langweilig wird. Das kann helfen.

(Das ist mein Beitrag zum Schwarz-Weiß-Projekt bei Marius. Der Klick auf das Logo führt zu den anderen Teilnehmern) BW2015L-550

 

Der erste Schnee im Jahr 2016

Heute war so ein Tag des eigentlich. Eigentlich war ich schon früh aus den Federn, einfach weil es draußen – dank des Schnees – schneller hell wurde. Und ich wollte eigentlich raus, wandern, durch ebendiesen Schnee.

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Vierzehnheiligen: Über der Kanzel

Also fuhren wir nach Vierzehnheiligen, schließlich lässt es sich von dort gut zum Staffelberg laufen, von dem eine großartige Aussicht…

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Vierzehnheiligen. Über der Kanzel

In der Kirche grinste mich das kleine Engelchen an, das über der Kanzel unter einer Decke steckte. Sonntags waren wir als Kinder ja auch immer schon munter, wenn die Eltern noch schliefen, nahmen Wolldecken und verhängten damit Tisch und Stühle zu einer kuscheligen Höhle. In dieser gab es Kekse und Limo und was zu lesen. Der große Engel hält ja auch ein Buch in der Hand und wenn alle Besucher gegangen sind, ziehen sie sich die Decke über die Ohren, knipsen die Taschenlampe an und kuscheln sich zusammen.

Nach der Kirche fiel wieder Schnee vom Himmel und der Mitbewohner hatte seinen Hut vergessen. Wir gingen – statt auf den Staffelberg – lieber in das Brauhaus, tranken ein Nothelferbier, futterten Weißwürstchen und Brezen.

Es schneite immer noch. Also auf nach Staffelstein, ins Thermalbad. Ist ja noch vor dem Mittag, da wird es dort ruhig sein. Dachten wir. Doch der Parkplatz war voll – und so haben wir gar nicht erst ausprobiert, wie es sich als Sardine im warmen Wasser so anfühlen mag. Wir trödelten ein wenig auf der Landstraße, bis mir einfiel, dass links vom Staffelberg eine kleine Kirche auf einem anderen Berg steht, zu der ich schon immer mal wollte. Der Weg wurde schmaler, ein Schild erlaubte zwar nur „landwirtschaftlichen Verkehr“, aber wir hatten ja ein Anliegen. Der Weg führte uns unter der Autobahn durch, Wanderer mussten ausweichen, der Gegenverkehr ebenso zur Hälfte auf den Seitenstreifen wie wir. Irgendwann waren wir oben, doch dort war zu.

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Kapelle auf dem Veitsberg.

Och nö. Wenn nicht offen ist, kriegt ihr auch nichts von mir. Hier oben war übrigens auch einst ein keltisches Irgendwas, so wie auf dem Staffelberg und auf dem Walberla – und jetzt steht eine Kapelle dort.

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Schild an der Tür.

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Blick zum Staffelberg.

Der Blick von hier oben ist ebenfalls fantastisch, ich denke, wenn das Wetter schöner ist – oder wenn wieder Frühjahr ist und alles grün wird, sollten wir hier oben dringend mal wandern gehen. Da es heute mit dem Wandern und dem Thermalbad also nix war, lungern wir vor dem Ofen auf den Sofas herum und machen – nix. Eben.

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Baum mit Herz. Ob in das Loch die Liebeswünsche und -schwüre versenkt werden?

#txt: ruhig

Ruhig bleiben, ruhig leben, ruhig laufen, ruhig fahren. Ruhe hatten erst diejenigen, die von einer feindlichen Kugel getroffen wurden, fielen und starben. Alle anderen mussten weiter, immer weiter nach Osten, dorthin, wo die Sonne jeden Tag ein kleines bisschen früher aufging.
Hans staunte über die Weite, die sie querten. Bis weit vor ihnen dehnte sich das Land endlos, während über ihnen ein ebenso endloser und blauer Himmel war. Die lichten Birkenwälder, in denen das Sonnenlicht in hellen Flecken auf dem Moos tanzte, kamen ihm jedoch wie die finsteren Tannenwälder der Räubererzählungen aus seiner Kindheit vor. Hinter jedem Busch, unter jedem Grasbüschel schien der Feind zu lauern, der in seinen erdbraunen Uniformen so schwer sichtbar war, da der Stoff denselben Farbton trug, wie das Land rundum. Die gelbliche Farbe auf den Feldern erinnerte Hans an den August, wenn sich das Gras verbrannt und gelb niederlegte, da der Regen über Wochen ausblieb und alles vor Hitze flirrte. Hier in Russland reifte das Getreide auf den Feldern, da sich aber niemand um die Ernte kümmerte, blieb es stehen und ließ die Körner auf den Boden fallen.
Am 22. Juni hatte Hans die Grenze zwischen Polen und der Sowjetunion überquert. Am Straßenrand lag der Schlagbaum, ein Schild sah er nicht. Erst zwei Wochen später hielt seine Einheit das erste Mal inne. Sie hausten drei Tage lang in fünf verlassenen Häusern, die Hans auf den ersten Blick für Viehställe hielt. Erst als er die Tische sah, die in den Stuben standen, den großen Ofen in der Ecke und die Teller auf den Wandborden ahnte er, dass das Leben im Osten anders war, als er es von zu Hause kannte. Der Spieß ließ nicht zu, dass in den drei Tagen Ruhe einkehrte. Er sorgte mit dem entsprechenden Gebrüll dafür, dass sämtliche Jacken wieder schwarz, sämtliche Uniformknöpfe glänzend, sämtliche Schuhe penibel geputzt und sämtliche Koppel wieder so aussahen, als kämen sie frisch aus der Kleiderkammer. In diesen zwei Wochen war die Kompanie um 18 vermisste und sieben gefallene Soldaten geschrumpft, 25 von gut 200, da blieb für jeden mehr zu essen und mehr zu rauchen übrig, konstatierte Fritz, der wie ein Feldhamster auf seine Vorräte achtete und selbst dann noch etwas zwischen den Backen kauen konnte, wenn alle anderen hungrig auf den Nachschub warteten.
Drei Tage später ging es weiter, sie fuhren Tag und Nacht, bis sie den Dnjepr überquert hatten, der Sprit alle und die Tankwagen noch weit hinter ihnen waren. Dafür kamen die Russen von vorne und die Artillerie feuerte von hinten, bis die Rohre glühten. In den Häusern, die dicht hinter den Feuerstellungen standen, lagen Matten. Die Soldaten fielen darauf, froh über die weiche Unterlage und schliefen wie besinnungslos, obwohl die Batterie pausenlos feuerte. Hans war durch den ständigen Mangel an Schlaf so erschöpft, dass er sofort einschlief. Ein lauter Schlag, mitten in der Nacht, weckte ihn. Es klirrte und die Scheiben aus dem Fenster über der Matte fielen auf seine Decke. Die Artillerie hatte ein solches Trommelfeuer begonnen, wie er sich an keines erinnern konnte. Er sah zu, wie der Putz aus den Fugen rieselte, und glaubte einen Moment lang, dass sich die Backsteine in der Wand bewegten. Dabei erlebte er bereits seinen dritten Krieg – und die Belagerung von Warschau war ja auch nicht ohne. Die Abschüsse schienen schneller aufeinander zu folgen, als ein MG schießen kann, und der Zinnober dauerte länger als eine Stunde. Erst danach konnten die Soldaten ihre Finger wieder aus den Ohren nehmen, schliefen, bis sie geweckt wurden und weiter ziehen mussten.

Ruhe. Wenn es endlich einmal ruhig wäre…

Das ist mein Beitrag zum siebzehnten Wort von: #txt. „ruhig“. Der Link führt zu den anderen Beiträgen.

Alles für die Katz #25

Ich wünsche allen Lesern und Katzenfreunden ein wunderbares Neues Jahr, das noch so still im Nebel vor uns liegt und so viele Möglichkeiten bietet. Nutzt sie, seid nett zueinander, zu euch und zu anderen. Es wird freundlich und hell. Achtet auf euch, doch nehmt euch nicht zu wichtig. Seid einfach einverstanden mit dem, was sich euch bietet.

Doch, auch in diesem Jahr mache ich mit „Alles für die Katz“ weiter. Wer also mag, kann weiterhin Katzenbilder knipsen und sich an der Aktion beteiligen. Schöne Katzenbilder kann man irgendwie nie genug haben. Das sagt sich selbst die Lieblinghausziege, die sich jedes Jahr aufs Neue auf ihren Katzen-Postkartenkalender freut, auf dem jede Woche eine Katz ist.

Dicht bei Münsterschwarzach liegt Sommerach. Dort gibt es eine Weinlage, die Katzenkopf genannt wird. Wir haben zwar eifrig die umliegenden Hügel beguckt, doch nichts gefunden, was einem Katzenkopf ähneln könnte. Aber vielleicht haben wir noch nicht gut genug geguckt. Der Hinweis war jedoch eindeutig:

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Camping Katzenkopf.

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Wer klaut hier die Trauben?

Im Sommer wollen wir dort mal mit den Fahrrädern unterwegs sein, mal sehen, ob das was wird.

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Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.