In Mode: Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum N√ľrnberg

Endlich. Am 6. M√§rz schlie√üt die Ausstellung √ľber Kleider und Bilder aus Renaissance und Fr√ľhbarock, die noch im Germanischen Nationalmuseum N√ľrnberg ge√∂ffnet ist – und heute haben wir es geschafft und waren dort. Sogar die Lieblingshausziege kam mit, und das, obwohl sie heute morgen erst von einem Geburtstag zur√ľckkam, und noch ein wenig angem√ľdet war. Aber was muss, das muss.

Ungef√§hr 50 originale Kleidungsst√ľcke aus der Zeit zwischen 1530 und 1650 wurden gezeigt, dazu Gem√§lde, Flugbl√§tter, Werkzeuge aus der Schneiderwerkstatt und die √úberreste einer Bremer Schneiderwerkstatt. Die Ausstellung war fantastisch. Es f√§llt ein bisschen schwer, jetzt spezielle Sachen hervorzuheben, aber beeindruckend war ein Kinderkleid, in dem vor mehr als 400 Jahren ein sechsj√§hriges M√§dchen beerdigt wurde – und das noch gut erhalten blieb. Nur die Farbe ist nicht mehr original…

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Ein Kinderkleid

Dass in einem solch aufw√§ndigen Kleid kein einfaches M√§dchen, sondern die adlige Katharina Gr√§fin zur Lippe beerdigt wurde, versteht sich fast von selbst. Damals gab es keine L√§den, in dem Kleidung einfach gekauft werden konnte. Damals wurde alles gen√§ht, getragen, umge√§ndert, geflickt, weitergegeben… und so lange getragen, bis es irgendwann ganz auseinanderfiel. Das zeigen die Reste, die in Bremen ausgegraben wurden: Nur abgeschnittene Knopfleisten und solche Teile, aus denen sich nichts mehr machen lie√ü, wanderten in den Abfall.

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Ausstellung in N√ľrnberg

Kunstvoll bestickte Wamse, mit Spitzbauch, ohne Spitzbauch, mit vielen Knöpfen, aus Seide gestrickte Kamisole, Strickjäckchen, die unter der sichtbaren Kleidung getragen wurden, Halskrausen aus vielen Metern an Stoff Рwobei genau festgelegt war, wer wie viele Meter verwenden durfte. Zwei originale Halskrausen aus der Zeit um 1600 waren zu sehen Рund daneben Flugblätter, die vor der Eitelkeit warnten.

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Der Lieblingshausziege gefiel ein Cape, das f√ľr die Weltumseglerin Hope Goddard ma√ügeschneidert wurde – nach einem spanischen Mantel aus dem Jahr 1580. Beide Kleidungsst√ľcke wurden in der Ausstellung nebeneinander pr√§sentiert – und dazu das Bild aus einem Modemagazin, in dem das Cape und die Tr√§gerin in mond√§ner Geste abgebildet war. Leider mag sich das Bild nicht hochladen lassen.

Den Ausstellungskatalog haben wir dann doch nicht gekauft. Die Lieblingshausziege sah n√§mlich zwei andere B√ľcher √ľber Mode, die sie viel interessanter fand.

Es ist alles eine Frage der Perspektive

Wenn ich von der anderen Seite aus gucke, sehen auch Dinge, die sonst eher normal groß sind, plötzlich winzig klein aus. Wie beispielsweise das Paddelboot vor der Aida.

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Paddelboot vor Kreuzfahrtschiff

√úberhaupt: Kleinigkeiten. Fragte ich einst als Kind, was sie sich von mir zum Geburtstag w√ľnschen w√ľrde, kam als Antwort: Ein liebes Kind. Nun, das hatte ich nicht zur Verf√ľgung. Ich h√§tte ihr eine Karte oder irgendwas anderes basteln, einen Topflappen h√§keln oder ein Bild malen k√∂nnen. Habe ich wohl auch gelegentlich gemacht, f√ľr mich war allerdings die ganze Bastelei schon damals ein unn√ľtzer Zeitvertreib. Gelesen habe ich lieber.

Ein liebes Kind. Was f√ľr eine Forderung. Ruhig sein, angepasst sein, ordentlich sein, still sein, sauber sein. M√∂glichst weder h√∂r-, noch sp√ľrbar. Ein liebes Kind ist wahrscheinlich eines, das die W√ľnsche der Mutter err√§t, um sie zu erf√ľllen.

Doch daf√ľr ist kein Kind gemacht. Da ich meiner Mutter diesen Wunsch nicht erf√ľllt habe, nicht erf√ľllen konnte, daf√ľr setzt sie diesen Terror jetzt bei meinen Nichten fort, die sie immer wieder – der Vollzeit-Arbeit von Bruder und Schw√§gerin sei Dank – gemeinsam mit meinem Vater ausgiebig betreuen darf. Da ist ihr eine Nichte lieber als die andere, das teilt sie diesen auch so unverbl√ľmt mit, auf dass sich die andere an der einen ein Beispiel nehmen m√∂ge. Ich war eben eine Entt√§uschung: Zum einen als M√§dchen, zum anderen als Grund zur Heirat. Was h√§tte sie denn sonst machen sollen? Meine Oma war noch ziemlich jung, als sie von meiner Mutter zur Oma gemacht wurde. Warum sie (die Oma) dann bestimmt hat, dass ich in die Wochenkrippe zu geben sei, und meine Mutter sich gef√ľgt hat, das ist heute kaum mehr nachzuvollziehen. Die Verletzung meiner Mutter jedoch, die ist in den Erz√§hlungen immer deutlich zu sp√ľren: Ich habe n√§mlich als Kleinstkind nicht mit ihr gelacht oder gespielt, sondern mit meinem Vater. Meine Mutter habe ich – sagt sie – einfach ignoriert. Das muss man einem kleinen Kind doch √ľbel nehmen.

Jetzt versucht sie, sich die – von mir verweigerte – Liebe von meinen Nichten zu holen. Freut sich dar√ľber, wenn ihr diese erz√§hlen, wie sie ihre Mutter ver√§ppeln, freut sich dar√ľber, dass diese bei ihr alles essen, was sie ihnen vorsetzt, auch wenn sie bei den eigenen Eltern m√§kelig sind. Oma ist eben die Beste. Ach. Echt?

Das ist mein Рetwas verspäteter РBeitrag zum kleinen Monat bei Cubus Regio.

Verbunden mit: Daily prompt. 

Clausnitz ist im Osten √ľberall

Ob Clausnitz, Heidenau, Hoyerswerda oder aber Rostock und viele andere Orte: Eines ist immer gleich. Es sind Menschen, die sich zusammenschlie√üen und die auf diese Weise gegen Fremde – oder das, was sie daf√ľr halten – vorgehen. Das k√∂nnen auch mal anders gekleidete Menschen sein, Menschen mit einem anderen Haarschnitt, mit anderen Klamotten, so festgelegt sind die Menschen im Osten denn doch nicht. Dabei geht es den Menschen, die dort leben, eigentlich gut: Sie haben ein Dach √ľber dem Kopf, sie haben – vermute ich jetzt mal – einen Fernseher im Wohnzimmer, einen Herd in der K√ľche und ein Bett im Schlafzimmer. Sie haben jeden Tag gen√ľgend zu Essen auf dem Tisch, sie haben etwas zum Anziehen, Jacken, Stiefel, sie k√∂nnen ihre Kinder in Kinderg√§rten und Schulen schicken.

Warum ist gerade im Osten diese rechte Gesinnung so stark – und wird noch dazu von denen wortlos unterst√ľtzt, die sich mit ihrer eigenen Meinung zur√ľckhalten? Nun, ein Grund k√∂nnte sein, dass die Traditionen, die nach 1945 obsolet waren, hier nie wirklich abrissen, auch wenn es anders behauptet wurde: Auch in der DDR gab es immer wieder Gewalt. Gewalt gegen Andersdenkende, Gewalt gegen Andersaussehende, Ausb√ľrgerungen, Haftstrafen, B√ľcher und Zeitschriften wurden verboten. Erinnert sich noch jemand an die Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ und die Aufn√§her, die von Jugendlichen auf Jacken getragen wurden? Es gab nicht wenige Lehrer und Schuldirektoren, die daf√ľr sorgten, dass diese schnell wieder aus der √Ėffentlichkeit verschwanden. Pazifismus und Gewaltfreiheit war nicht erw√ľnscht…

Der Rechtsextremismus im Osten ist nicht neu. Kurz vor der Wende, also Ende 1988/ Anfang 1989, vor fast 30 Jahren also, kursierte unter uns Studenten in Weimar ein hektografierter Aufsatz von Konrad Weiß, der mich damals sehr beeindruckt hat. Er beschrieb, wie die Faschisten immer noch unter uns sind. Ich habe gesucht und gefunden: Die neue alte Gefahr: Junge Faschisten in der DDR. Der Essay ist immer noch sehr lesenswert, und auf keinen Fall veraltet.

Wie man die Menschen, die gegen Andersdenkende, gegen Andersaussehende, gegen Fremde und damit eigentlich gegen sich selbst sind, wenigstens zum Nachdenken bewegen kann, das weiß ich nicht. Leider. Vielleicht ist miteinander reden eine Option. Wenn sie mit sich reden lassen.

 

Stillen heißt: Jetzt ist Ruhe. Oder nicht?

Kaum lese ich krankheitsbedingt nur wenig im Netz, schon entgeht mir fast der neueste Aufreger. Aber dank der Großstädterin in der Oudewälder Provinz, die auf den Kiezneurotiker verwies, bin ich im Bilde. Danke.

Ein Cafebesitzer wagt es, die M√ľtter am √∂ffentlichen Stillen zu hindern. Nun. Recht hat er. Ein Cafe ist schlie√ülich zum Kaffeetrinken und Kuchenessen gedacht, vielleicht noch zum Zeitunglesen und sichunterhalten, nicht zum Tittenbegucken. Wie kommen Frauen darauf, so √∂ffentlich zu stillen, dass jemand anders wiederum darauf kommt, sich selbiges zu verbitten?

Dabei finde ich die Sicht- oder Unsichtbarkeit der stillenden Mutter weniger wichtig, aber ich staune dar√ľber, dass die Kinder das so mitmachen. Ich habe selbst drei Kinder bekommen und gro√ügezogen, und ja, auch gestillt. Daher wei√ü ich aus eigener Erfahrung; Am Besten geht¬†das F√ľttern¬†in aller Ruhe. Das gilt f√ľr alle am Stillen beteiligten Menschen, die Mutter ebenso, wie das Kind. So irgendwo mittendrin zu stillen, im Schaufenster gar, das w√§re √ľberhaupt nichts gewesen. Da waren meine Liesen viel zu neugierig – und vielleicht auch nie so hungrig, dass nicht jede Ablenkung willkommen gewesen w√§re. War irgendwo ein Laut zu h√∂ren, war Schluss mit schlucken. Statt dessen wurde der Kopf dorthin gedreht, wo etwas zu vernehmen und hoffentlich auch zu sehen war. Hatte das Baby die Brustwarze dabei nicht fest zwischen die Kiefern geklemmt, konnte ich mich gl√ľcklich sch√§tzen. Ansonsten habe ich schnell daf√ľr gesorgt, dass der Ort, an dem ich gestillt habe, so ruhig und ungest√∂rt wie m√∂glich war.

Nebenbei: Einen solchen ruhigen Ort habe ich immer gefunden. Meine M√§dels sind inzwischen alle gro√ü und mussten zwischendrin auch nie und nimmernich hungern. Daf√ľr br√§uchte ich heute wahrscheinlich auch keine Petition, sondern w√ľrde – ob in der Hauptstadt oder Provinz ein daf√ľr geeignetes ruhiges Eckchen finden. Und gleichzeitig daf√ľr sorgen, dass sich auch niemand anders gest√∂rt wird. Sogar zu Kaisers Zeiten – und das ist wirklich lange her – wurde schon an stillende Frauen gedacht. Im Bahnhof von Bebra gibt es immer noch das Stillzimmer, dass in dieser Zeit als Refugium eingerichtet wurde. Ein Windfang hielt Blicke und kalte Luft fern, innen war alles h√ľbsch holzget√§felt, wie es damals so √ľblich war. Leider ist es – wie das alte Kaiserzimmer auch – gut verschlossen, da die Bahn nur einen kleinen Teil ihres Bahnhofes in Bebra noch braucht.

K√∂nnte es sein, dass es eigentlich und √ľberhaupt gar nicht so sehr ums Stillen geht? Sondern darum, in der Welt ordentlich Rabatz zu machen? Ob die junge Frau nun emp√∂rt war, weil ihr bereits bei der Bestellung das Stillen untersagt wurde, oder ob sie auf ein ruhigeres Pl√§tzchen verwiesen wurde, spielt dabei kaum eine Rolle, glaube ich. Nat√ľrlich ist es frustrierend, wenn Frau ein Kind bekommt, und sich ab dann alles nur noch um den Fratz dreht, egal, wie es ihr dabei geht. Und: Die Welt ohne Kinder dreht sich ebenfalls weiter. Und sie interessiert sich in den allermeisten F√§llen weder f√ľr die Mutter, noch f√ľr das Kind. Das liegt in der Natur der Sache und ist auch nicht weiter schlimm. Erinnert sich jemand noch an „Dallas“? Da bekam in einer Folge eine der Darstellerinnen ein Kind, war himmelhochjauchzend und die fiese B√∂se kommentierte nur: „Dazu ist jede Katze in der Lage!“. Oder so √§hnlich. Ich hab die Stelle auch nur deswegen noch in Erinnerung, weil wir damals, knapp zwanzig Jahre alt, ordentlich diskutierten, ob nun das Geb√§ren von menschlichen Babys etwas Heroisches, etwas „Menschliches“ ist, oder ebenso kreat√ľrlich, wie bei allen anderen Tieren auch. H√§tte es damals schon Twitter gegeben, die Leitungen w√§ren zusammengebrochen. F√ľrchte ich.

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Ein Cafe.

Aber eines ist auch klar: So sehr wir Menschen uns m√∂glicherweise vom biologisch-kreat√ľrlichen Dasein entfernt haben, ein paar Reste davon sind uns geblieben. Eines davon ist das, was gemeinhin als „Stilldemenz“ bezeichnet wird: Hormone, Schlafentzug und das neue Leben mit dem Baby sorgen daf√ľr, dass sich der K√∂rper nur noch auf das Wesentliche konzentriert: Das ist die Versorgung des Kindes. Wunderbar. Doch ehe dann hysterisch auf jede noch so kleine m√∂gliche Ablehnung reagiert wird, w√§re es vielleicht besser, kurz durchzuschnaufen und dorthin zu gehen, wo Ruhe ist. Um dort zu stillen.

Nicht empfehlenswert: Die Krankheit und der Krimi

Ob meine fiese Erk√§ltung, die mich in der vergangenen Woche das Sofa h√ľten lie√ü, die Rache s√§mtlicher neidischer G√∂tter auf das in warmen kanarischen Gefilden verbrachte Winterwochenende war? Ich wei√ü es nicht.

Aber es war gen√ľgend Zeit und Gelegenheit, einem Krimi auf den Zahn zu f√ľhlen, der schon eine Weile hier herumliegt:

Christiane Dieckerhoff: „Spreewaldgrab“.

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Ich hatte mich – aufgrund des Klappentextes und der Leseprobe aus den ersten Seiten bei www.vorablesen.de f√ľr das Buch interessiert und bekam es vor einer Weile zugeschickt:

Eine Polizistin kommt vom Ruhrpott in den Spreewald und hat gleich drei Fälle auf dem Tisch: Ein toter Unternehmer, eine verschwundene Geliebte und das mumifizierte Skelett einer jungen Frau. Sagt der Klappentext.

Ich legte mich entspannt mit dem Buch aufs Sofa, las los und war neugierig. Allerdings war ich auf Seite 13 schon etwas irritiert: Wie friert ein abgezogenes Kaninchen? Das ist doch tot – und friert √ľberhaupt nicht mehr, auch wenn das Fell weg ist. Prompt verfolgte mich das Bild des toten Karnickels eine Weile. Ja, der Ratschlag im Schreibratgeber, der da lautet: Keine abgegriffenen Bilder zu nutzen, sondern lieber neue zu erfinden, ist schon sinnvoll. Aber nicht jedes Bild passt in jedem Fall und √ľberall. „Fingerbeere“ beispielsweise lie√ü mich ebenfalls nachbl√§ttern, ahja, die Autorin war mal Krankenschwester. Ich glaube, sonst h√§tte da auch einfach „Fingerspitze“ gestanden. Und: M√∂bel aus dem Ikea der 80er Jahre d√ľrfe es im Osten auch nur sehr wenige geben. Eigentlich logisch, oder? Schlie√ülich war der Fall der Mauer erst 89, anschlie√üend konnten die Menschen bei Ikea einkaufen. Genug an Kleinkram gemeckert, der nicht passt. Den gibt es in diesem Buch zwar leider immer wieder, ist aber nicht die Hauptursache f√ľr meine Unzufriedenheit.

Die Polizistin kommt aus dem Westen – und l√§sst sich in den tiefen Osten, in den Spreewald – versetzen. Zur aktuellen Erinnerung: Auch dieser liegt in Sachsen. Aber sie registriert nur, dass es hier mehr NSU-Plakate an den B√§umen gibt, als anderswo. Und dass es den Menschen hier reiche, wenn sie „Wessi“ sage. Das ist mir etwas wenig. Hier h√§tten mich mehr die vielschichtigen Zwischent√∂ne interessiert, die selbst f√ľr Urlauber im Osten zu sp√ľren sind. Ich wei√ü zwar, dass es relativ lange dauert, bis ein Buch geschrieben und schlie√ülich ver√∂ffentlicht ist, doch die latent¬†fremdenfeindliche Haltung der Menschen, die heute in dieser Gegend f√ľr Entsetzen sorgt, ist nicht erst in den vergangenen drei Monaten entstanden. Davon ist in der Erz√§hlung nichts zu sp√ľren. Ein Halbvietnamese ist Kollege – und keiner der √úbrigen¬†macht Witze dar√ľber? Sind die Menschen bei der Polizei dort wirklich so superkorrekt, wie in dem Buch beschrieben, oder nicht doch ein wenig anders, wie der Umgang mit Fremden, mit Rechtsradikalen und Linken in Natura seit mehr als zwanzig Jahren beweist?

Damit sich der Leser mit den Figuren identifizieren kann, m√ľssen diese f√ľr ihn fassbar werden, charakteristisch nachvollziehbar sein. Muss deswegen aber fast jede Nebenfigur mit ihrem komplizierten Innenleben geschildert werden? Ich fand die F√ľlle an Details etwas zu √ľppig, √§hnlich wie in einem Dschungel, durch dessen Wildwuchs sich jeder Wanderer mit der Machete k√§mpfen muss. Etwas weniger Einzelheiten – und daf√ľr etwas mehr an Tiefe, das h√§tte ich mir gew√ľnscht. So blieb vieles in der oberfl√§chlichen Form, wie ein Kaffeeklatsch. Ach, die Frau des halbvietnamesischen Kollegen ist krank und dick und wird von dessen Mutter versorgt und bekocht? Ach, und die Frau des Kollegen, bei dem die Polizistin zun√§chst zur Untermiete wohnt, ist schwanger und er will das dritte Kind nicht? Hier h√§tte mir ein Familiendrama durchaus gereicht, zus√§tzlich zum Drama um die Hauptfigur und die drei F√§lle, die mir dann – in einem Fall wenigstens – ein wenig zu spektakul√§r enden. In einem Labyrinth, unter einem Wasserbassin mit Skulptur ist ein Bunker, in dem ein Opfer auf seine Befreiung wartet? Wo sind wir denn? In einem Schlossgarten? Nein. Ein eingeschossiges Haus und im Garten ein Bunker. Aha. Als ob im Spreewald jedes Haus ebenmalso einen¬†Bunker im Garten h√§tte, √ľber dem ein Wasserbassin mit Skulptur steht und den Eingang verdeckt. Alles klar.

Christiane Dieckerhoff lebt im Kohlenpott, dort, wo ihre Polizistin herstammt. Viel ist nicht √ľber sie zu finden. Schade eigentlich. Ich h√§tte gerne gewusst, wieso sie ausgerechnet darauf kommt, einen Krimi im Spreewald anzusiedeln und gehofft, dass sie von dieser Gegend mehr wei√ü, als dass es in L√ľbbenau einen gro√üen Hafen und viele Flie√üe gibt. Mich interessieren n√§mlich die Menschen, die dort leben. Und die finde ich in dem Buch irgendwie gar nicht.

Wer jetzt neugierig geworden ist und nachlesen m√∂chte, ob ich mit meiner Meinung nun Recht habe, oder nicht, der mag mir im Kommentar dazu etwas schreiben. Unter allen, die kommentieren – und das auch w√ľnschen – , verlose ich das gelesene Exemplar.

Alles f√ľr die Katz #28

Katzen gibt es √ľberall, glaube ich. Vielleicht nicht am Nord- oder S√ľdpol, aber ansonsten d√ľrften sie fast √ľberall auf der Welt zu Hause sein, egal ob sie von den Menschen gef√ľttert werden, oder nicht. Als wir in Madeira loszogen, gleich fr√ľh am Morgen, lagen diese beiden in der Sonne und lie√üen sich diese auf den Pelz scheinen:

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Katze in der Sonne

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Katze in der Sonne

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Wer sich gerne am Projekt ‚ÄúAlles f√ľr die Katz‚ÄĚ beteiligen m√∂chte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans √ľber sch√∂ne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei ‚ÄúAlles f√ľr die Katz‚ÄĚ dabei ist.

Zur√ľck an Land und auf dem Boden

Auch wenn die Schiffe heutzutage nicht mehr mit Windkraft und Segeln √ľber die Meere schippern, steht „sailing time“ auf dem Schild neben dem Schiff, damit jeder wei√ü, wann es weiter geht. Tats√§chlich kamen wir einmal als vorletzte, aber gerade noch p√ľnktlich.

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Die Aida auf den Kanaren unterwegs.

Eine Woche lang fuhren wir zwischen den Kanarischen Inseln auf dem Atlantik, futterten leckere Dinge, flitzten √ľber die Inseln und lie√üen es uns gut gehen. Ich hatte erst ein wenig Bedenken: So viele Leute auf so wenig Raum, aber es war erstaunlich viel Platz √ľberall. Spannend war es allemal, f√ľr die Unterhaltung sorgten alleine schon die vielen unterschiedlichen Menschen. Fazit: Die anderen Passagiere waren deutlich j√ľnger, als ich erwartet hatte. Immerhin waren sogar 400 Kinder an Bord, sagte jemand. Zu viel hab ich von denen aber gar nicht mitbekommen.

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Strelitzie: Wahrzeichen der Kanaren.

Tagebuchbloggen am 5. Februar

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, abgek√ľrzt WMDEDGT, das will Frau Br√ľllen jeden f√ľnften Tag im Monat von uns wissen.

Heute kann ich das schon sehr fr√ľh beschreiben, da der Tagesablauf bereits feststeht – und nicht ge√§ndert wird.

Mitten in einen irren Traum, in dem ich gerade die Einzelteile meiner Kamera in der Hand hielt, platzte die Lieblingshausziege mit der Frage, was sie denn heute zum Karneval in der Schule anziehen k√∂nnte. Sie hat ein s√ľ√ües Kleidchen mit Totenk√∂pfen drauf, das aber leider schulterfrei ist. Und drau√üen liegt Schnee. Aber egal. Soll sie anziehen, was sie will, schlie√ülich f√§hrt sie heute noch in die Ferien. (Mit sechzehn h√§tte ich mich auch nicht mit noch so guten Worten von unvern√ľnftiger Kleidung abbringen lassen, also.) Ich hab nur darauf hingewiesen, dass sie vorsichtshalber einen Pullover zum Dr√ľberziehen in die Tasche stopfen sollte. An den Kuchen, den sie gestern gebacken hat, musste sie auch noch erinnert werden, sonst w√§re der im Backofen geblieben und das Kind ohne ihn zur Schule abgedampft. Himmel hilf. Sind die alle immer so vergesslich? Gibt sich das mit der Zeit? (Ja, es gibt sich. Es ist immer nur eine Phase…)

Da ich gestern meinen alten Reisepass wie bl√∂d gesucht, aber nicht gefunden habe, bin ich schlie√ülich ohne diesen zur Gemeindeverwaltung, habe eine gute Stunde gewartet und dann ganz anstandslos meinen neuen Reisepass bekommen. Die Sachbearbeiterin hat sich √ľberhaupt nicht nach meinem alten Pass erkundigt – da h√§tte ich mir die ganze Sucherei glatt sparen k√∂nnen. Daf√ľr muss ich heute alles wieder einr√§umen, was ich gestern aus Regal und Schrank ausger√§umt habe.

Ein Text √ľber eine Gemeinderatssitzung muss noch fertig geschrieben werden. Da ging es um die Eckdaten des Haushaltsjahres und den Haushaltsplanentwurf f√ľr das kommende Jahr: Viele trockene Seiten, die ich irgendwie leserlich in einem Absatz zusammenfassen muss.

Mittagessen kochen. Was es gibt, wei√ü ich noch nicht, ich werde in der Tiefk√ľhltruhe tauchen gehen und vorher √ľberall herumst√∂bern, was in einer Woche schlecht werden k√∂nnte. Das gibt es dann zu essen. Vielleicht ist auch der Mitbewohner schon da, bevor ich mit meinem Text fertig bin. Dann k√ľmmert er sich netterweise um das Essen, nehme ich mal an.

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Nein, auf so einem Boot bin ich nicht unterwegs, ich wollte nur eben ein Beispiel zeigen.

Dann wird gepackt: Daf√ľr habe ich mir gestern sogar eine Packliste erstellt, die ausgiebig von der Lieblingshausziege und vom Mitbewohner kommentiert wurde. Ich bin mal gespannt, was ich vergesse: Es geht f√ľr eine Woche auf ein Schiff, mit dem wir zwischen Inseln umherfahren. Da werde ich kaum online sein, aber hinterher eine Menge zu erz√§hlen haben.

Heute Abend fahre ich die Lieblingshausziege noch zum Bahnhof, damit sie vollgepackt mit Zeugs in den Zug steigen kann und dort hoffentlich keine Tasche liegen l√§sst. Hatten wir auch schon. Gl√ľcklicherweise war damals nichts Wichtiges drin, die Bahn wollte so viel Geld f√ľr das Zur√ľcksenden haben, dass wir dankend darauf verzichtet haben. So wichtig waren die Sachen denn doch nicht.

Zum Abschluss des Tages werde ich vermutlich noch ein Bier von der Brauerei Roppelt aus Stiebarlimbach trinken. Das muss sein, hier ist Franken. Noch sch√∂ner ist es, von einem Franken das Wort „Stiebarlimbach“ zu h√∂ren. Das hat mit dem geschriebenen Wort nichts mehr zu tun. Deswegen mag f√ľr Schulanf√§nger „Schreiben nach Geh√∂r“ noch recht einfach sein, wenn es dann sp√§ter in leserliches Hochdeutsch √ľbersetzt werden soll, wird es um so schwieriger. Manchmal erinnert sich der Mitbewohner an die Zeiten, in denen er selbst mit der Rechtschreibung k√§mpfte. F√ľr die √úbersetzung Fr√§nkisch-Deutsch braucht man hier fast ein Diplom. Das merke ich denn auch bei den Sitzungen in einem der hiesigen Gemeinder√§te, die nuscheln oft so, dass ich kaum etwas verstehe.

Hier sind die anderen Tagesabl√§ufe alle verlinkt: Frau Br√ľllen.

Bis später. Bis die Tage. Oder so.

Karneval – Zeit des Andersseins

Vor der Fastenzeit, der Bu√üe, dem grauen, √∂den Alltag noch einmal so richtig auftrumpfen, feiern, das Oberste zuunterst kehren, alle F√ľnfe gerade sein lassen: Das ist Karneval.

M√§nner tragen Frauenkleidung, Anzugtr√§ger rei√üen sich dieselben herunter, Frauen bohren dicke Bretter s√§gen dicke St√§mme. Seit einigen Jahren scheint mir, dass fr√ľher zu Karneval mehr Lametta war. Ob es daran liegt, dass ich inzwischen genug davon gesehen habe, oder daran, dass sowieso alles erlaubt ist, dass es daf√ľr die n√§rrischen Tage nicht mehr braucht, das wei√ü ich nicht.
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Das ist mein Beitrag zum black & white- Fotoprojekt bei Czoczo. Wer sich die anderen Bilder angucken möchte, klickt einfach auf das Logo:

Was bedeutet mir Wohnen?

Wenn ihr Lust habt, schreibt was – schrieb Stefanie auf KlunkerdesAlltags.

Und ich erinnere mich an einen Tag im November:

Die Arbeit war getan, das Wetter gut. Wir fuhren erst zum Stoffmarkt, dann weiter nach Plzen. Ein netter Mensch in der dortigen Tourist-Info rief bei verschiedenen Unterk√ľnften an, der sechste Anruf war erfolgreich, wir sollten in einem kleinen Hotel in der N√§he der Innenstadt √ľbernachten.

Erst ein Kaffee, dicht bei der Kirche, w√§hrend es drau√üen d√§mmerte. Im Cafe wurde geraucht, das pl√ľschige Cafe war recht belebt. Die Menschen unterhielten sich miteinander. Dann verabredeten wir, dass der Mitbewohner das Auto und Gep√§ck zum Hotel bringen w√ľrde, ich wollte mit der Lieblingshausziege noch ein bisschen bummeln, solange es nicht ganz dunkel war – und anschlie√üend zum Hotel gehen. Falls wir es nicht finden w√ľrden, w√§ren wir hier irgendwo rund um die Kirche. Diese war von allen Seiten gut zu sehen. Konnte ja nichts schiefgehen. Dachten wir.

Wir stiefelten los, √ľberquerten sieben Br√ľcken, schauten nach Schaufenstern, gingen zur√ľck zur Kirche. Dort l√§uteten die Glocken den Feierabend ein, an einer Seite stand eine kleine T√ľr offen, hinter dieser f√ľhrte eine Treppe nach oben. Wir gingen rund um die Kirche, √ľber den Platz, schlie√ülich fanden wir das als Ortsangabe f√ľr unseren Treffpunkt immer noch ausreichend. Auf der einen Seite wurden die Buden f√ľr den Weihnachtsmarkt aufgebaut, wir wollten erst zugucken, doch die Lieblingshausziege f√ľrchtete, der Mitbewohner w√ľrde uns hier zwischen den B√ľdchen nicht finden. Er hatte n√§mlich als einziger von uns sein Taschentelefon zu Hause gelassen, war also f√ľr uns nicht erreichbar.

Wir warteten.

Eine Stunde. Eine und eine viertel Stunde. Uns wurde kalt.

Die Lieblingshausziege setzte sich auf eine Bank: Ist aus Holz, ist auch nicht kälter, als der Rest drumherum, sagte sie.

Noch eine Runde um die Kirche: anderthalb Stunden. Eine und eine dreiviertel Stunde. L√§ngst waren alle Schaufenster beguckt und in gebotener Ausf√ľhrlichkeit bekakelt.

Kein Mitbewohner in Sicht. Hat er sich etwa im Hotel aufs Bett gelegt und ist eingeschlafen?

Wir gingen in das gleiche Cafe, in dem wir schon am Nachmittag gesessen hatten, bestellten heißen Tee und Schokolade, fast so dick wie Pudding.

Plan√§nderung. Wir hatten ja an zwei Hotels gefragt, das waren allerdings die falschen: Kein Mitbewohner hatte dort reserviert. Die Lieblingshausziege wollte noch einmal dorthin, aber vorsichtshalber alleine. Ich sollte warten, ob der Mitbewohner inzwischen auftauchen w√ľrde.

Wir warteten. Hätten wir uns doch ordentlich verabredet, der Mitbewohner sein Taschentelefon bei sich, ich mir den Namen des Hotels aufgeschrieben, wäre das alles nicht passiert.

Inzwischen liefen immer weniger Menschen √ľber den Platz, es war bitterkalt. Wir bekamen Hunger, doch die K√ľche des Cafes war leider schon zu. Ja, ich hatte mir das entschieden anders vorgestellt. Als das Cafe gegen neun seine Pforten schloss, beschlossen wir, in einem der anderen Hotels ein Zimmer zu nehmen. F√ľr eine Nacht auf der Parkbank war es entschieden zu kalt.

Ja, ein Zimmer sei frei, sagte die nette Concierge im Hotel, die vorher so lieb war, einige Hotels anzurufen, ob dort der Mitbewohner gemeldet sei. Prima. Wenigstens das. Sie brauchte den Ausweis. Ich kramte meinen aus der Tasche, und guckte zur Lieblingshausziege. Ihr Ausweis ist im Auto, erklärte sie. Die Concierge zögerte jetzt: Ohne Ausweis könne sie nur mir ein Zimmer geben, sagte sie.

Das ist nicht ihr Ernst. Doch. Das sei ihr Ernst. Das verlangte die Polizei so. Auf meine Frage, was wir dann jetzt machen sollten, wusste sie auch keine Antwort.

In dem Moment Рauch wenn das jetzt wie eine erfundene Geschichte scheint Рklingelte tatsächlich mein Taschentelefon und der Mitbewohner war dran. Er hatte sich daran erinnert, dass er eine meiner Visitenkarten im Portmonnaie stecken hat und konnte dann vom Hotel aus anrufen. Es hat nicht lange gedauert, bis wir uns an der Kirche trafen und schnell gemeinsam in das andere Hotel gingen. Es war nicht weit, tatsächlich nicht. Aber gesehen habe ich es trotzdem nicht.

Es waren zwar nur ein paar Stunden, die wir ohne ein Zuhause waren, aber es hat gereicht, um eine ungefähre Ahnung davon zu bekommen, was es heißt, bei Wind und Wetter, Regen und Schnee unterwegs zu sein und nicht zu wissen, wo das Zuhause ist.