Mit wunderbaren Riegeln fest verschlossen. #Rostparade

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St. Martin in Ailersbach.

Ailersbach ist einer der kleinen Ortsteile von Höchstadt an der Aisch mit nicht allzu vielen Einwohnern. Mitten im Ort steht die kleine Martinskirche, erstaunlich gut erhalten, aber leider verschlossen. Nur noch einmal in zwei Wochen, jeweils am Donnerstag, wird hier eine Messe gefeiert. Trotzdem hat Maria Elisabeth Schaeffler, ja, die Frau, der die Schaeffler-Werke gehören und die, als die Übernahme von Conti schiefging, im Pelzmantel vor ihren BeschĂ€ftigten stand und Angst hatte, am Hungertuch zu nagen, das Kirchlein sanieren lassen.

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St. Martin in Ailersbach: Mauer mit TĂŒrchen von innen.

Das Kirchlein ist von einer Mauer umgeben. Das sind viele Kirchen hier in Franken, in dem einst das Bistum Bamberg und die Evangelischen in NĂŒrnberg und Erlangen wilde Glaubenskriege ausfochten. Manchmal mag man es kaum glauben, aber so lange ist das tatsĂ€chlich noch gar nicht her.

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St. Martin in Ailersbach: TĂŒrriegel.

Ob allerdings der Riegel und das TĂŒrschloss wirklich Angreifern Paroli geboten hĂ€tte, oder ob es eher eine Schmuckmauer und ein SchmucktĂŒrchen war, ganz nach dem Motto: Das machen die anderen alle so, das wollen wir auch, das weiß ich nicht. Da sowohl TĂŒrschloss als auch Riegel rostig sind, schicke ich sie zu Frau Tonaris Rostparade, die an jedem Monatsletzten stattfindet. Wer mag, klickt auf den Link: Dort sind viele rostige und sehr charmante Dinge zu bewundern.

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St. Martin, Ailersbach: TĂŒrriegel.

Kurz vor dem LĂ€rm…

Noch ist fast himmlische Ruhe am NĂŒrnberger Dutzendteich, auf dem Zeppelinfeld, an der Kongreßhalle, die im NĂŒrnberger Volksmund „Kolosseum“ genannt wird.

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Die Kongresshalle hinter dem Dutzendteich. Ein Dach hat sie nie bekommen…

Aber spĂ€testens ab Freitag 13 Uhr klingt es, als wĂŒrden DĂŒsenflieger starten. Oder so. Dann beginnt zum 31. Mal „Rock im Park“ – und zum ersten Mal wird die Lieblingshausziege dabei sein.

Sie hat sich mit Freundinnen und Freunden verabredet, wird hoffentlich die Stöpsel fĂŒr die Öhrchen auch wirklich in die Ohren stecken, und hört drei Tage lang Musik von Bands, von denen ich (wenigstens zum grĂ¶ĂŸten Teil) noch nie etwas gehört habe. Aber das macht ja nichts, die Hauptsache ist, ihr macht es Spaß. Auf drei BĂŒhnen spielen mehr als 80 Bands, es wurden wer-weiß-wie-viele Tickets verkauft. Mit der Ruhe wird es dann fĂŒr drei Tage vorbei sein. Sobald allerdings alles wieder abgebaut ist, sieht es dann aus, wie auf den Bildern.

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die Große Straße, einst fĂŒr Paraden geplant.

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Hier werden manche Reifen abgeschmirgelt.

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Gummi auf dem Asphalt.

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Die ehemaligen TribĂŒnen sind lĂ€ngst von Brennnesseln ĂŒberwuchert.

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Blick auf das Zeppelinfeld. Hier fanden einst die AufmÀrsche statt.

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Noch einmal ein Blick von weitem auf die Kongresshalle.

 

Die Bilder, die so in Schwarz-Weiß ein wenig so aussehen, als stammen sie noch aus der Zeit, in der hier ein ganz anderer Geist wehte, schicke ich zur Frauke und ihrem Schwarz-Weiß-Blick. 

Hölzernes Klappern

DIMG_20160527_181443er verregnete Morgen ließ mich die Arbeit schnell erledigen, doch ich brauchte trotzdem bis zum Nachmittag, bis alles fertig war. Da der Mitbewohner heute mit Zwillingsbruder und Kumpel in einer ganz speziellen frĂ€nkischen Unterkunft nĂ€chtigt, habe ich mir das Fahrrad geschnappt und bin bei Sonnenschein nach Forchheim gefahren und habe den Buchdealer -hĂ€ndler besucht.

NĂ€chsten Freitag stellen wir in der Buchhandlung BĂŒcher vor, ich backe BĂ€rlauchbrot und es gibt selbstgemachte Holunderlimonade. Wer kommen mag, muss sich beeilen, viel Platz ist in dem kleinen Buchladen leider nicht. Aber das macht nichts, so wird es hĂŒbsch kuschelig.

Das Wochenende lĂ€ute ich jetzt endlich ein, kurz bevor ich zu den Wortwerkern nach Erlangen fahre. Ich nehme dazu die Klanghölzer, inzwischen bestimmt zwölf Jahre alt, mindestens. Die Lieblingshausziege nahm sie eine Zeit ganz gerne und klopfte damit den Takt und aus irgendwelchen GrĂŒnden haben sie sich hier erhalten und wurden nicht weggegeben.

Das war ĂŒberhaupt etwas, das ich neu lernen musste: Dinge wegzugeben. FrĂŒher gab es nicht viel, da war jeder froh, wenn er HandtĂŒcher, BettwĂ€sche oder, ganz besonders begehrt, Fliesen ergattern konnte. Ein großes blaues Handtuch hat mir meine Großmutter mal vor ĂŒber 30 Jahren geschenkt, ich habe es immer noch, auch wenn es inzwischen gestopft ist und die RĂ€nder neu versĂ€ubert wurden. Dinge wurden weitergegeben, an die jĂŒngeren Geschwister, die Cousine und spĂ€ter die eigenen Kinder. Dass es so viele Dinge im Überfluss gibt, dass es einfach zu viel ist, das hĂ€tte ich mir frĂŒher nicht ausdenken können. Ich fand es nicht schlimm, dass es nicht viel gab, die Dinge besaßen damit ihren ganz eigenen Wert. Ich finde es jetzt schlimmer, dass es so viel gibt – und nichts mehr einen Wert hat.

Jetzt kommen die Klanghölzer zu Frau Tonari, die gerade auf der anderen Seite der Welt unterwegs ist.

Jubel in Malaga

Triumph: Das hat mich an Malaga erinnert, diese Stadt, die auf den ersten Blick so traurig wirkte. Als jedoch die Feria begann, schienen die Menschen wie verwandelt: Sie trugen bunte Kleider, sangen laut und unbekĂŒmmert und tanzten in den Straßen.

Feria in Malaga

Feria in Malaga

Feria in Malaga

Feria in Malaga

Feria in Malaga

Ich bin, was ausgelassenes Feiern betrifft, eher zurĂŒckhaltend. Lieber nicht. Ich vermute mal, es geht vielen Menschen so, weiß es allerdings nicht so genau. Kommt Alkohol ins Spiel, viel Alkohol möglicherweise, wird es eher unangenehm als lustig. Als ich einmal zu einem Brauereifest musste, um fĂŒr die örtliche Zeitung zu fotografieren, war ich relativ frĂŒh dort und bin schnell wieder gegangen. Zwar wurden die Menschen mit jedem Glas Bier zutraulicher und wollten aufs Bild, mir war das eher unangenehm: So wollen die sich doch bestimmt weder in der Zeitung, noch in der Online-Galerie sehen, erst recht nicht, wenn sie am nĂ€chsten Tag wieder nĂŒchtern sind.

Verbunden mit: Daily Prompt „Triumph“

KrÀuter und Weiher im Aischgrund

Da mir die Lieblingshausziege meine Laufschuhe abgeschwatzt – und dafĂŒr ein paar fĂŒrchterlich kaputte Treter weggeworfen hat – waren wir gestern kurz in Herzogenaurach, neue kaufen: Schließlich haben dort sowohl Adidas als auch Puma ihre heiligen Hallen, vieles gibt es gĂŒnstig, aber oft fahren wir nicht dorthin, weil: Viel zu viele Autos und Menschen. Aber es hat funktioniert, ich fand fix ein Paar Schuhe, passt, mitgenommen.

12 409Also mussten wir heute ausprobieren, ob die Schuhe auch taugen. Der gesamte KrĂ€uterwanderweg war mir mit 24 Kilometern ein wenig zu lang fĂŒr: Ähm, mal sehen, wie sich die Schuhe mit den Fußen vertragen. Also kĂŒrzten wir ab und liefen mit acht Kilometern etwa ein Drittel. In Vestenbergsgreuth das Auto geparkt, von Lonnerstadt aus konnten wir sogar den KrĂ€uterweg ĂŒber Fetzelhofen, Frimmersdorf bis Hermersdorf mit dem Auto befahren. Das war nicht nur möglich, sondern auch erlaubt. Falls ich den gesamten Weg noch einmal erleben möchte, werde ich lieber das Fahrrad nehmen: Auf Asphalt laufe ich nicht so gerne. Vestenbergsgreuth also. Eine Gemeinde mit 14 Ortsteilen, in der 1500 Menschen wohnen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie eng hier tiefste Provinz und Metropolregion beieinander liegen. Hier kostet der Quadratmeter Bauland weniger als 30 Euro, im Erlanger Umland 600 Euro. Etwa eine Stunde Fahrzeit liegt dazwischen…

In einem Hohlweg finden wir Keller (geschlossen, ist ja auch ein ganz privater), eine Bank und einen Tisch, passend fĂŒr die Brotzeit. Über uns blĂŒht etwas, das keiner von uns kennt, aber es duftet schön und summt.

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Waldweg.

Erst geht es durch Wald, rechts und links sind HeidelbeerbĂŒsche. Irgendwann riecht es ziemlich sĂŒĂŸ, ich gucke, finde aber nichts. Um uns herum stehen Eichen und NadelbĂ€ume, die riechen nicht so. Ein paar Meter weiter ist das Rapsfeld in Sicht und das RĂ€tsel gelĂŒftet. HĂŒfthoch steht der Raps, ein klappriger Hochsitz daneben. Doch der Riegel ist neu, also ermutigt mich der Mitbewohner hochzusteigen. TatsĂ€chlich, die Aussicht ist besser als unten.

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Rapsfeld am Wald.

Ein StĂŒckchen weiter ist die nĂ€chste Bank mit Aussicht aufs Dorf. Doch, es ist unglaublich idyllisch hier. Schade, dass der Mann manchmal drĂ€ngelt und weiter gehen will.

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Aussicht aufs Dorf.

 

Aber es wird noch schöner, als wir an eine Weiherkette kommen. Ü-ber-all Frösche!

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Frosch im Weiher.

Ich könnte hier ewig sitzen und den Fröschen zugucken und -hören. Ich glaube, morgen kommt eine Kanne Kaffee und etwas mehr Futter mit, ich packe noch das Teleobjektiv ein und dann wird nicht gelaufen, sondern gesessen und geguckt.

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Suchbild: Wo ist der Buntspecht?

12 471Auf dem RĂŒckweg noch ein lustiges Schild am Waldweg. Immerhin dĂŒrfen hier tatsĂ€chlich Autos fahren, obwohl nicht geteert, sondern nur geschottert ist. Provinz eben. Die sind noch nicht soweit.

Noch kurz ergĂ€nzt: Der Mitbewohner wies darauf hin, dass Vestenbergsgreuth (14 Ortsteile, 1500 Einwohner!) eine Fußballmannschaft hatte, die in der Landesliga spielte und selbst Bayern MĂŒnchen mal besiegte. Inzwischen mit FĂŒrth fusioniert, heißt die Mannschaft jetzt Greuther FĂŒrth…

Hier wird nicht geklingelt, hier wird Krach gemacht!

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Eine Ratsche. 

Ja, eine WaschkĂŒche ist kein Schönheitssalon und das Taschentelefon keine Spiegelreflexkamera. Aber mit diesen Ratschen wird einmal im Jahr richtig Krach gemacht, dann, wenn von GrĂŒndonnerstag bis zum Gloria in der Osternacht die Kirchturmglocken schweigen. Dann ziehen die Jugendlichen in kleineren und manchmal auch grĂ¶ĂŸeren Gruppen herum, machen Krach und sagen einen Vers auf, den ich – hier in Franken – noch kein einziges Mal verstanden habe.

Echtes FrĂ€nkisch ist fĂŒr auslĂ€ndische Ohren manchmal durchaus eine Zumutung ;-), das stellte vor vielen Jahren der urfrĂ€nkische Mitbewohner fest, als ihn seine Firma zur Montage in den fernen Norden schickte. Die Arbeitskollegen vermuteten wegen seiner fĂŒr sie unverstĂ€ndlichen Sprache damals, er sei Italiener. Inzwischen kann er fast hochdeutsch sprechen, doch wenn ich in den Gemeindeparlamenten sitze, merke ich, dass ich nicht immer alles verstehe. Meistens macht das auch nichts, schließlich ist nicht alles wichtig.

Die Ratsche schicke ich zu Frau Tonaris Freitagsklingeln, die sagt jetzt: Feierabend. Wochenende. Was wollt ihr eigentlich noch hier? Raus, raus… (hier stellt sich jeder bitte die gewĂŒnschte hinausweisende Handbewegung vor)

Nichts mehr da. #Habseligkeiten

Endlose Weite.

Dass es besser ist, wenn er sein Herz nicht an Dinge hĂ€ngt, lernte Georg schnell. Er zog bereits einige Tage lang mit seiner Kompanie durch die Sowjetunion, und hatte immer noch keine Vorstellung davon, wie weit, groß und unĂŒberschaubar dieses Land in allen Dingen sein wĂŒrde. Die WĂ€lder und Felder waren riesig, die Wege endlos, die Dörfer kaum vorhanden und die StĂ€dte grau und öde. Zwar schien auch der dritte Krieg zunĂ€chst ein wildes, mĂ€nnliches Abenteuer zu sein, in dem sich gemeinsam mit den Kameraden die Unkereien der Propagandaleute belachen ließen: Frauen! Im Krieg! Die hatten doch dort nichts zu suchen… Doch das Lachen verging ihnen schnell. Hinter jedem Baum schien ein Feind zu lauern, in jedem Feld und jedem Haus.

Georg zog als AufklĂ€rer vorneweg, saß mit vier Kameraden im leichten SpĂ€hpanzer. Die Landschaft war sommerhell, der Weg von Birken gesĂ€umt. Hinten am Horizont zog sich der Wald scheinbar endlos dahin, er war froh, dass sie nicht dessen Tiefe erkunden mussten. Am nĂ€chsten Tag sollte es weiter gehen, sicherheitshalber schickte der KompaniefĂŒhrer den Trupp noch einmal los, gerade als der Morgen graute. Wie am Tag zuvor war alles ruhig, idyllisch, kurz vor dem Wald graste ein Rudel Rehe, zwei Hasen hoppelten ĂŒber den Weg und Fritz bedauerte, dass sein Gewehr nicht schießbereit war: „Die hĂ€tte ich gehabt, alle beide!“. Kaum waren die Worte verklungen, knallte es laut und ohrenbetĂ€ubend. Der SpĂ€hwagen ruckte so heftig, dass alles nach vorne flog: „Raus!“, wies der Leutnant an, doch das hĂ€tte er nicht sagen brauchen. Alle fĂŒnf drĂ€ngten nach draußen, halfen sich aus dem Fahrzeug, hechteten in den kleinen Graben der neben dem Weg lag: „Hast du irgendwas gesehen?“ fragte Fritz. Georg schĂŒttelte den Kopf: Außer den Hasen hatte auch er nichts gesehen. Als sie am Tag zuvor noch etwas weiter nach vorne gefahren waren, war hier ebenfalls alles ruhig und so ĂŒbersichtlich und ruhig wie die Landschaft wirkte, hatten sie nicht mit einem Hinterhalt gerechnet.

GebĂŒckt liefen sie durch den Graben zurĂŒck, wĂ€hrend der SpĂ€hpanzer auf dem Weg dicke Qualmwolken in den Himmel schickte. Die ersten beiden liefen weiter vorne, Fritz und Georg sicherten den Leutnant von hinten, konnten jedoch nicht verhindern, dass ein heller Schuss peitschte und diesem quer ĂŒber die Uniformjacke fuhr, diese wie mit einem Messer aufschlitzte und den Mann darin glĂŒcklicherweise unverletzt ließ. Sofort lagen alle platt auf dem Boden, bewegten sich vorsichtig schlĂ€ngelnd durch das dĂŒrre Gras. Von einem Wermutstrauch gedeckt, wagte Georg einen Blick nach hinten, zum immer noch brennenden Panzer. Drumherum liefen unförmige wirkende Gestalten, die durch den dichten Qualm kaum zu sehen waren. Das waren doch keine Soldaten? Oder?

Sie wollten es nicht wissen, jetzt jedenfalls nicht. Ein zweiter Schuss hatte einen der anderen Kameraden in den Oberschenkel getroffen, sie zogen ihn gemeinsam immer weiter, durch den Graben, das trockene Gras, hinterließen eine deutlich sichtbare Blutspur und brauchten nur zwei Kilometer hinter sich zu bringen, als ihnen der zweite SpĂ€htrupp begegnete, der ihnen gefolgt war und ihnen jetzt half, vollzĂ€hlig zurĂŒckzukommen. Nicht immer hatten die Soldaten so viel GlĂŒck.

Sein Anzug war alles, was ihm von seinen Habseligkeiten noch geblieben war: Handtuch und Seife, Decke, Kaffeebecher, Essbesteck, Rasierpinsel und Apparat, sĂ€mtliche Briefe Friedes – alles war im Panzer verbrannt. Gleich nach der RĂŒckkehr der SpĂ€htrupps zog ein Kampftrupp los, mit dem Auftrag, die Lumpen zu erwischen. Ja, Lumpen. Es waren keine Soldaten, die geschossen hatten, es waren Frauen oder MĂ€nner in Frauenkleidern, vermuteten die Soldaten, nach allem, was sie im Qualm gesehen hatten.

GlĂŒck muss man haben, resĂŒmierte Fritz spĂ€ter, als er am Abend mit Georg zusammensaß und noch einmal die verpassten Hasen bedauerte. Schließlich war nicht ĂŒberall ein passender Graben am Weg.

Zwei Tage spĂ€ter ging es weiter, immer weiter nach SĂŒden und so lange, bis der fehlende Treibstoff die Reise fĂŒr kurze Zeit unterbrach.

Das ist mein Beitrag zu Dominiks Projekt, *.txt, mit dem fĂŒnften Wort: Habseligkeiten.

Von Arachniden, Mutschekiepchen und anderen Dingen

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MutschelkÀppchen

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Geburtstagskuchen mit HolunderblĂŒten

Da CubusRegio seinen Geburtstag verriet, kriegt er hiermit einen ganz persönlichen GlĂŒckwunsch: Eine Mutschekiepchen. Ich kannte den Ausdruck ursprĂŒnglich nicht, aber die Patentante meiner Ă€ltesten Tochter nannte die MarienkĂ€ferlein so. Die Patentante gibt es leider nicht mehr, aber an dieses Wort von ihr erinnere ich mich immer wieder gerne. Der Geburtstagskuchen ist extra mit HolunderblĂŒtensirup innendrin gebacken und außen mit HolunderblĂŒten bestreut.

Die angenehmen Dinge sind erledigt, jetzt komme ich zu meiner fröhlichen Phobie gegen Arachniden:

ft 548 ft 550Die Spinne versperrte den hĂŒbsch geschmiedeten Eingang der Kapelle, die auf dem Friedhof stand. Ein Blick durch das Gitter zeigte allerdings, dass drinnen nichts weiter zu sehen war. Madame hing reglos in ihrem Netz und prĂ€sentierte mir leider nur die Unterseite. Vielleicht kennt ja jemand die Spinnenart – aber so wichtig ist das auch nicht. Meine Spinnenphobie habe ich schon lange: Ich kann mich erinnern, wie ich – da war ich im Grundschulalter – den schwarzen Stöpsel der Badewanne griff, unter dem – von mir unbemerkt – ein besonders gruslig-großes schwarzes Exemplar saß. Eine dicke Spinne mit haarigen Beinen, wie sie mir noch heute unheimlich ist. (Rasieren sich Frauen etwa an den Beinen, damit diese nicht so spinnenhaarig aussehen?). Die dicke Spinne kroch ziemlich flink auf meine Hand, ich warf den Stöpsel weg, schĂŒttelte die Hand und mich und brĂŒllte, was das Zeug hielt. Meine Mutter fand das weniger lustig, verpasste mir – wie das damals eben so ĂŒblich war – einen Satz heißer Ohren (weil ich so gebrĂŒllt und sie damit erschreckt hatte) und sorgte dafĂŒr, dass ich jeder Spinne bis heute weitestgehend aus dem Weg gehe. Falls Unfrieden im Hause herrschen sollte, reicht es, mir eine Spinne in den Weg zu setzen: Ich bin sofort mit allen versöhnt, die diese entfernen. Die Lieblingshausziege weiß das, und amĂŒsiert sich köstlich darĂŒber, dass ich selbst die harmlosen Spinnen mit den dĂŒnnen Beinchen eifrig aus der Wohnung jage.

Alles zusammen wandert zu den kleinen Dingen, die Cubus Regio gerne einmal im Monat sammelt.

Am Pfingstsonntag war Grillen angesagt, mit der Familie des Mitbewohners und etlichen Freunden. Einer der BrĂŒder war gleich angetan und nutzte die Feier, seinen runden Geburtstag vom FrĂŒhjahr nachzufeiern. Er kam sogar zwei Stunden eher, setzte sich allerdings erst einmal vor den Fernseher. Das Leben sei ja sonst so anstrengend und ĂŒberhaupt mĂŒsse er ja an seiner Geburtstagsfeier nichts tun. Es gab eine Menge nette GesprĂ€che, etliche gegrillte Forellen, WĂŒrstchen und so, als Nachtisch Vogelfuttercreme.

Jetzt in Tracht…

Die gesteckten Borten werden aufgenÀht.

Bis alles so sitzt, wie es soll und perfekt zu den persönlichen Formen der TrĂ€gerin passt, waren gut fĂŒnfzig Stunden konzentrierter Arbeit in der Kulturwerkstatt Morschreuth nötig. Jede Tracht ist ein Unikat, einzeln zugeschnitten und maßgeschneidert. Immer wieder ĂŒberprĂŒfte Schneidermeisterin Marianne Bogner den Sitz des Mieders, stellte fest: „Das ist immer noch zu weit!“ und steckte die Nadeln noch etwas enger. Damit der Rock spĂ€ter nicht zipfelt, wurde die RocklĂ€nge mit Kreide angezeichnet. So fĂ€llt alles gleichmĂ€ĂŸiger. Ist bei einem fertig konfektionierten Rock die gesamte LĂ€nge einheitlich, trifft das bei einem maßgeschneiderten Rock nur selten zu. Schließlich trĂ€gt jede Frau ihre ganz persönlichen Rundungen, an die sich die Rockbahnen schmiegen, so dass der Rocksaum hier ein wenig höher und dort ein wenig tiefer hĂ€ngen kann.

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SorgfĂ€ltig wird in jeden Punkt des Stiftelbandes eingestochen, damit der Rockbund hinterher gleichmĂ€ĂŸig gefaltet ist.

An den ersten beiden Wochenenden des TrachtennĂ€hkurses herrschte emsige Stille: Besonders das Stifteln des Rockes nahm einige Stunden in Anspruch. Das Stiftelband war auf der drei Meter weiten Rockbahn schnell aufgenĂ€ht. Anschließend musste der Stiftelfaden sorgfĂ€ltig mit der Hand eingezogen werden: Immer hĂŒbsch sorgfĂ€ltig in den Punkten mit der Nadel einstechen – damit sich der Stoff zum Schluss in gleichmĂ€ĂŸig enge Falten legt. Am dritten Wochenende wurde es deutlich hektischer: Die Schneidermeisterin eilte von einer NĂ€herin zur nĂ€chsten, achtete darauf, dass diejenigen, die nicht so schnell arbeiteten, den Anschluss nicht verpassten. Die Tracht sollte schließlich fertig werden.

12 202Nach dem Kurs verabredeten wir uns alle im Gasthaus in Morschreuth: Gelegenheit, nun endlich die fertige Tracht zu tragen und den anderen vorzufĂŒhren. (Und vor allen Dingen auch ein Grund, sie tatsĂ€chlich fertigzustellen, so ein-zwei Dinge musste fast jede noch zu Hause nĂ€hen. Bei mir waren es die Haken und Ösen, mit denen das Mieder geschlossen wird – und die SchĂŒrze). Im Gegensatz zur oberbayerischen Tracht sind die Blusen hier in Franken ordentlich geschlossen, dafĂŒr ist bei den richtig alten Trachten der Ausschnitt des Mieders eigentlich noch tiefer.

Zur Goldenen Hochzeit der Eltern trugen die Lieblinghausziege und ich unsere Trachten, die anderen GĂ€ste im Gasthaus guckten uns auch hĂŒbsch hinterher.

Heute war noch so eine Gelegenheit, die Tracht zu tragen: Die „Kulturwerkstatt FrĂ€nkische Schweiz“ hatte Tag der offenen TĂŒr, es gab Kaffee und Kuchen und Bratwurst. Zwar wollten wir hinterher noch ein wenig wandern, die Regentropfen scheuchten uns jedoch zurĂŒck zum Auto.

Vielleicht besticke ich mein Mieder spĂ€ter noch. Mal sehen. Ich hab so viele schöne Beispiele gesehen – allein, es fehlt oft die Zeit fĂŒr solche Dinge.

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Ein mit Borten und Stickereien geschmĂŒcktes Mieder.

Übrigens erzĂ€hlte heute eine der Frauen, dass die Hochzeitstracht ursprĂŒnglich schwarz war: Mit dem Tag der Hochzeit hörte schließlich jeder Spaß auf.

Und jetzt ist der Beitrag beim Me Made Mittwoch 🙂

Verbunden mit: Daily prompt „create“

Alles fĂŒr die Katz #34

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LuchsfĂŒtterung

Dieses Mal habe ich die netten Katzen mit Pinselöhrchen und StummelschwĂ€nzchen, die Luchse fotografiert: Im Wildpark Hundshaupten haben wir eine Weile gewartet, bis der WĂ€rter kam, der den beiden Luchsweibchen, die hier wohnen, das Futter brachte. Die MĂ€dels tigerten auch schon durch ihr Gehege. Sie bekamen zwei TĂŒten, in denen das Futter verpackt war. Der WĂ€rter erzĂ€hlte, dass die Tiere auf diese Weise beschĂ€ftigt werden. Manchmal wird das Futter auch an Stricken an den BĂ€umen befestigt, wo sie es „erjagen“ mĂŒssen.

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LuchsfĂŒtterung.

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LuchsfĂŒtterung.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist.