Klingelingeling…

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Fahrradklingel Teekanne

Im Keller ist es nicht sonderlich hell, aber draußen regnet es. Also bleibt mein Fahrrad drin. Wo ich irgendwann vor Jahren über das Teekesselchen gestolpert bin, weiß ich leider nicht mehr, aber es bleibt auch bei einem Radwechsel meins. Klingele ich unterwegs, klingt es glockenhell und klar, macht einfach ein lautes „Ping“.

Da das Bild die kleine Schönheit nicht ganz in ihrer Pracht zeigt, noch ein Link dorthin, wo es das Teekesselchen zu kaufen gibt: Link. Wenn ihr dadrauf drückt, krieg ich auch nichts, keine Bange.

So kann ich wenigstens einmal bei Frau Tonaris Freitagsklingeln mitklingeln.

12 Bilder vom 12. Mai

Ist der Duft des Flieders morgens intensiver als am Abend? Mir kommt es fast so vor, als ich am Küchentisch sitze und meinen Kaffee trinke.

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Flieder auf dem Kaffeetisch.

Ich schreibe den Artikel über das Nähen der Fränkischen Tracht fertig und suche die passenden Bilder aus. Das dauert eine Weile, weil ich meine Bilderordner mal wieder sortieren müsste.

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Die Lieblingshausziege freut sich über ihre selbstgenähte Tracht. Wer sagt denn, dass diese altmodisch sein muss?

Weil anschließend Zeit und nichts dringendes zu tun ist, überrede ich den Mitbewohner – der ja heute ohnehin einen Termin in Fürth hat – mit mir eben nach Fürth zu fahren. Das machen wir prompt und essen bei einem Vietnamesen: Er wählt eine traditionelle Rindfleischsuppe mit Nudeln, ich bevorzuge die Sommerrollen mit Spargel. Als ich später noch einmal dort vorbeikomme, sieht es ganz leer aus.

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Vietnamesisches Essen in Fürth

In den achtziger Jahren hatte Fürth mit 70 Prozent die höchste Ausländerquote in Deutschland, erzählt der Mitbewohner, während wir essen. Mancherorts wurden verrufene Ortsteile einfach „Klein-Fürth“ im Volksmund genannt. Selbst die Fürther redeten schlecht über ihre Stadt, sie fühlten sich hier nicht mehr wohl.

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Leerstand in Fürth.

Ich habe etwa anderthalb Stunden Zeit und strolche durch die Fürther Fußgängerzone. Einige Monumentalbauten stehen leer. Sowas sieht natürlich nicht schön aus, das sähe es auch nicht, wenn die Sonne vom Himmel lachen würde.

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Kaufhaus. Geschlossen.

Es gibt viele Telefonläden, 1-Euro-Shops, Back-Werk und andere Ketten, alles wirkt billig, ist billig. Hier macht es den Menschen nichts aus, wie sie auf der Straße herumlaufen, es guckt sowieso keiner. Eine Filiale von Western Union, Gold-Ankauf. Erstaunlich viele Menschen rauchen auf der Straße, im Gehen oder vor einem Laden. Viele Frauen tragen Kopftuch, telefonieren unterwegs.

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Das jüdische Museum in Franken.

Von den Schildern lasse ich mich zum jüdischen Museum Franken locken. Weil ein Bauzaun einen großen Teil des Gebäudes absperrt, habe ich es fast übersehen.

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Museumseingang.

Die Tür wirkt wie der Eingang zu einem Tresor, ich bin verwundert, dass sie sich tatsächlich einfach öffnen lässt.

Innendrin gibt es eine Menge über die lange jüdische Geschichte in Franken zu sehen, alle Einzelheiten wären jetzt zu viel.

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Ein Plan vom Haus: Unten geht eine Treppe bis zur Mikwe.

Da das Haus einem jüdischen Handwerker gehörte, führt eine Treppe nach unten zur Mikwe (die gerade nicht besichtigt werden konnte, des Anbaues wegen).

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Fünf Dachfelder ließen sich zwischen den Sparren öffnen.

Oben im Dach gab es eine Stelle, an der sich das Dach richtig öffnen ließ, so dass die jüdischen Bewohner des Hauses während des Laubhüttenfestes in der kleinen Kammer darunter wohnen konnten: Unter freiem Himmel und nur von Laubzweigen bedeckt.

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Die Kammer unter dem Dach, das sich öffnen ließ.

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Modell der Fürther Synagoge.

Ein Modell der ehemaligen Fürther Synagoge stand auch im Museum.

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Der Kohlenmarkt am Rathaus.

Ich gehe zurück zum Treffpunkt: Kurz vor dem Rathaus steht ein schiefer Turm, ein Denkmal. Laut Beschreibung soll es eine Quintessenz sein: Hier treffen sich fünf Straßen und „fünf“ heißt „quintus“ auf Lateinisch. Nunja. Das muss ich mir später vielleicht noch einmal genauer angucken. Erstmal fahren wir wieder nach Hause.

Das sind meine 12 Bilder vom 12. Mai, die anderen gibt es bei: Draußen nur Kännchen.

Licht bis nach unten

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ein Hutewald.

Unsere Welt, in der wir leben, wurde von Menschen einst so gemacht, auch wenn uns vieles heute so natürlich scheint, als sei es schon immer so gewesen. Die Eichen stehen relativ einzeln am Waldrand, doch innen sind noch mehr von ihnen: Da sie viel Licht durch ihr Laub lassen, wächst unten Gras für Schafe und Kühe, oben auf ihnen die Eicheln im Herbst für die Schweine. Dabei treibt kein Bauer mehr die Schweine in den Wald, während hin und wieder Kühe auf Weiden stehen. Doch auf diesen bieten keine Eichen mehr Schutz vor Sonne und Regen.

Unter diesem Eichen war es so schön, die warmen Sonnenstrahlen reichten aufs Gras, Insekten summten und Zweige flüsterten. Ich wäre so gerne noch eine Weile geblieben, doch der Mitbewohner war hungrig. So zogen wir weiter zur Wirtschaft.

Für ein Kriegsschiff wurden 700 Eichenstämme verbaut, die möglichst lang und gerade gewachsen sein sollten. Nicht nur für Fachwerkhäuser und Dachstühle, Möbel und Heizung wurde Holz gebraucht, sondern auch für Fundamente: Selbst das Deutsche Nationaltheater in Weimar steht auf mehr als 1800 hölzernen Stützpfeilern. Ebenso wurde Holz für die deckenspannende Weite der Kathedralen gebraucht, als Schalung, auf denen Stein für Stein gemauert wurde, bis mit dem Einsetzen des Schlusssteins alles hielt. Wer Kupferstiche oder Gemälde aus dieser Zeit genau betrachtet, wird sehen: Viel Wald gab es nicht mehr. Die meisten Kuppen und Hügel, die heute dicht bewaldet sind, waren damals ziemlich kahl. Es wurde viel mehr Holz verbrannt, als nachwachsen konnte.

Das ist mein Beitrag für Black&White von Czoczo. Und weils so schön ist, auch für den Schwarz-Weiß-Blick bei Frauke.

Damit der Vergleich möglich ist: Noch die Variation in Farbe. Die Eichen schieben erst ganz langsam ihr Laub aus den Knospen.

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Der Hutewald.

#Muttertag. Der Tag danach.

Mit dem Muttertag hab ich es ja nicht so. Wir hatten ja nichts. Dafür gab es bei uns den Internationalen Frauentag und den Kindertag. Mit Muttertagsgeschenken wurde ich allerdings selbst beglückt, als die Lieblingshausziege noch in den Kindergarten und die Grundschule ging: In den meisten Fällen gab es von den Erzieherinnen gebastelten Kram, den ich nach einer Anstandsfrist auch wieder entsorgt habe. Irgendwann habe ich mich mit einer der Erzieherinnen auch darüber unterhalten und sie gefragt, warum sie die Kinder nicht selbst etwas gestalten lassen. Die Mütter wollen was Schönes, antwortete diese. Die Mütter wollen nicht so sehr das Gekritzel der Kinder, das sie ja jeden Tag haben, oder einen von sandigen Kinderhänden gebackenen Matschkuchen. Nein, die Mütter erwarteten etwas, was sie wirklich dekorativ in ihre Wohnung stellen können. Gut, das waren nicht meine Erwartungen, insofern war das Entsorgen derartiger Gaben kein Problem.

Statt dessen gab es frischen Wind im Haus, unten die Haustür knallte zu und die darin befindliche Scheibe sprang entzwei. Die Scherben wurden entfernt, in die Mülltonne entsorgt und eine Pappe hindert jetzt den Wind zuverlässig am Durchpfeifen.

Der Mitbewohner wollte die Anhängerkupplung ans Auto basteln, das ging aber nicht so einfach wie gedacht. Ein Mittagessen (Ratatouille, superlecker) und ein Video später ging alles glatt und so waren denn bald die Räder hinten am Auto montiert.

Ab in den Aischgrund. Wir wollten dieses Mal einen Wanderweg mit Rädern fahren, 18 Kilometer schien uns etwas viel. Doch so einfach war es nicht: Wir mussten immer wieder gucken, wo der Weg weitergehen sollte, das hieß: Runter vom Rad, gucken, wieder aufs Rad. Als wir über den Waldweg hoppelten, stellte ich fest, dass ich mit meinem Damenrad zwar Rückengerade und ohne Schmerzen sitze, mich dafür aber auf den Wegen unsicher fühle, vor allen Dingen dann, wenn sie sandig und uneben sind.

Nach kurzer Auseinandersetzung Überlegung beschlossenen wir eine Änderung des Programms, fuhren einfach so kreuz und quer auf den dafür geeignet scheinenden Wegen, versuchten Straßen zu meiden und wollten nirgends mehr ankommen.

muttertag im aischgrund 007Wir sahen einen Storch, der sich putzte, fuhren einfach und landeten schlussendlich sogar dort, wo wir eigentlich hinwollten: In einem Weihergebiet, das Naturschutzgebiet ist. Wir stellten die Räder ab, warteten, bis die Frösche wieder auftauchten, saßen im Gras und ließen die Wolken ziehen. Mit ihrem Geschrei erinnerten mich die Möwen an die See, immer wieder lagen Fischskelette im Gras zwischen den Weihern. War den Reihern die Beute zu schwer geworden oder fraßen sie gleich dort, wo sie die Karpfen erbeutet hatten? Etliche Weiher waren trocken, andere relativ klar. Hier können keine Karpfen wohnen,  meinte der Mitbewohner.

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Räder im Gras.

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Frosch im Weiher.

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Storch fliegt ab.

Ob das der gleiche Storch wie im ersten Bild – oder einer der beiden war, weiß ich nicht. Wir fuhren noch ein Stück, landeten in einer Wirtschaft, an die sich der Mitbewohner erinnerte. Hier war er vor 35 Jahren das letzte Mal, sagt er. An einem Tisch nebenan saß ein Pärchen mit drei Kindern, alle in Fahrradklamotten und mit Rädern unterwegs. Während der Mann seelenruhig und völlig unbeeindruckt vom Geplärr der Gören in seinen Routenplaner starrte, versuchte die Frau zu schlichten und jedem Kind gerecht zu werden. Irgendeines jammerte immer. Was dem Mitbewohner auffiel: Der Mann fuhr ein superteures Bike, während Frau und Kinder auf Billigrädern unterwegs waren. Vielleicht ist er ja einer der Kampfradler, der auf der Bundesstraße tief gebeugt dem Nachmittagsverkehr trotzen muss, obwohl nebenan ein Fahrradweg bequemes und gefahrloses Radeln böte. Er stand bereits fertig da, hielt sein Rad und sich gut fünf Meter von den anderen entfernt, während sich die Frau darum kümmerte, dass jedes Kind seinen Helm ordentlich befestigte, jedes noch eine Waffel in die Hand bekam, diese aß und dann ging es weiter.

Ich fragte die Wirtin, ob die Weiher noch bewirtschaftet würden, so von wegen Naturschutz. Aber freilich, sagte sie, die Karpfenbauern hätten ja sonst nichts. Es gäbe eben nur mehr Auflagen dafür. Sie gab uns noch die Adresse eines Schmetterlingkenners, der war einst bei der Post, bevor er rausgemobbt wurde. Schließlich hatte er als Beamter noch eine richtige Banklehre abgeschlossen, erzählte sie, nicht so einen vierwöchigen Lehrgang, wie die heutigen Beschäftigten. Immer zählten nur die Zahlen und der Umsatz, die Menschen interessierten niemanden mehr.

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Keller.

Wir fuhren zum Auto zurück, kamen an einem Keller vorbei – unbewirtschaftet und mit unbequemen Bänken. Aber am Geländer hing tatsächlich ein Flaschenöffner.

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Im Keller.

Der Mitbewohner wagte einen Blick in den Keller, dort war aber nichts weiter. Auf dem Rückweg sahen wir die Familie aus der Wirtschaft noch einmal, sie hatten das Auto in einer Kurve geparkt. Jetzt stand die Frau daneben, während der Mann die Räder aufs Autodach und in den Kofferraum räumte. Die Kinder allerdings waren nirgends zu sehen.

In der ersten Reihe sieht man Meer #Rezension

Mit ihrem Roman „In der ersten Reihe sieht man Meer“ schrieb das Duo Klüpfel/ Kobr dieses Mal keinen Krimi, sondern sommersonnigweiche Urlaubslektüre.

Die Handlung: Das Buch erzählt aus der Sicht Alexanders, eines Mannes, der am Vorabend einer Reise an die Adria steht. Bei dieser Reise sollen alle mit: Frau, Kinder, die Schwester und sogar die Eltern. Fürchterlich genervt, setzt sich der Ich-Erzähler abends, als alles gepackt ist, noch einmal hin und schläft wohl ein.

9783426199404Morgens wird er von seiner Mutter geweckt und ist auf einmal wieder 15, mitten in der Pubertät. Auch wenn er weiß, dass er doch längst erwachsen ist, bleibt ihm nichts erspart: „Mit einem Schlag war mir klar: Ich war gefangen in der Achtzigerjahre-Hölle. Im entstellten Jahrzehnt, der schlimmen Zeit der Neonleggings und Tennissocken, der Vokuhilas, der Musik von Modern Talking – und der Adria-Urlaube.“ In diese Klischees fährt Familie Klein hinein: Mit zu viel Gepäck und in eine Anlage, in der sie gemeinsam mit anderen Deutschen wohnen. Der Familie mutet alles Fremde nicht nur ungewohnt, sondern sie will sich nicht einlassen. Selbst das deutsche Essen wurde mit dem Auto mit in die Fremde genommen.

Alexander ist zwar 15 – besitzt in diesem Roman aber seinen Erfahrungsschatz, den er mit inzwischen 40 Jahren hat. Immer wieder verplappert er sich, erklärt Euros zu neuen Bonbons und wird verwundert angeschaut, als er vom Navi redet. Ob auf der Suche nach dem besten Platz am Strand oder dem Einkauf im örtlichen Supermarkt: In kurzen Kapiteln beschreiben die Autoren das damalige Urlaubserlebnis der Deutschen in Italien, als sie mit der Fremde noch fremdelten. Doch das Buch ist nicht nur ein Kaleidoskop von bunten Eindrücken, sondern hat auch eine durchgehende Handlung. Alexander freundet sich mit den Mitgliedern einer italienischen Familie an, die am Strand einen Kiosk haben. Er himmelt die Tante an und versucht auf dem Weg über ihren Neffen ihr näher zu kommen. Er kümmert sich darum, dass mehr Kunden zum Kiosk kommen und setzt dafür das Wissen ein, auf das er – dank seiner eigentlich 40jährigen Erfahrung und seiner Kenntnisse als Leiter einer Marketingfirma – zurückgreifen kann.

Hier hat mich das Buch sowohl amüsiert, als auch genervt. Ist es wirklich der Traum jedes Pubertierenden, den Erwachsenen zu zeigen, wo es langgeht? Zu beweisen, dass er es besser kann? Mag sein. Sämtliche peinlichen Situationen werden durchdekliniert und hinterlassen bei mir doch deutlich das Gefühl einer Fremdscham.

Es soll ein nostalgisches Buch sein, das Klüpfel und Kobr hier geschrieben haben. Glücklicherweise habe ich in dieser Zeit andere Urlaube mit meinen Eltern verbracht: Da diese das ganze Jahr über in Afrika arbeiteten und ich während dieser Zeit im Internat oder bei Verwandten war, sahen wir uns nur in den Sommerferien. Wir sind wohl gelegentlich auch zu Bekannten gefahren, das ja. Aber Urlaub war für uns damals ein „miteinander“, wir waren einfach zu Hause, wo wir das ganze Jahr schließlich nicht waren. Insofern sind diese Art von Urlaubserinnerungen nicht die meinen. Trotzdem werde ich dieses Buch demnächst in der Forchheimer Buchhandlung „dacapo“ vorstellen, eine sommerleichte Urlaubslektüre ist es allemal.

Ein glücklicher Hund

Ich lese ja bei einer Menge Blogs mit, unter anderem bei Adelhaid, deswegen wusste ich, dass Alex vor kurzem einen Sitzsack als Schlafplatz für seinen Hund suchte, sein alter Sitzsack war zwar in Gelb, aber immerhin so ähnlich wie der in Grün, der bei uns auf dem Dachboden vor sich hin lümmelte. Einst im Zimmer der Lieblingshausziege untergebracht und gelegentlich besessen, hat er dort längst keinen Platz mehr und war auf ebenjenen Boden umgezogen, dorthin, wo alle Dinge landen, die zwar noch brauchbar sind, aber nicht mehr benutzt werden.

Nach einem Missverständnis am Dienstag, als ich auf eine Nachricht wartete, die aus unerfindlichen Gründen aber im Spam-Ordner gelandet war, war es gestern soweit: Alex wollte den Sack holen, irgendwann im Lauf des Feiertages. Nun, warum nicht. Wir wollten zwar wandern, aber die Lieblingshausziege war ja zu Hause. Unterwegs koordinierte ich alles mittels sms.

Die Lieblingshausziege wollte wissen, in welchem Winkel des Dachbodens der Sack zu finden war. (Überhaupt nicht, der lag längst unten am Fuß der Treppe, das hatte ich auch gesagt, sie hatte es wohl überhört).

Und Alex suchte die Hausnummer. Fand alles, schließlich lag genug Holz vor der Hütte, da war die Hausnummer überflüssig. Der Sack fand einen neuen Besitzer, wurde abtransportiert und der Hund war mit seiner neuen Schlafstätte glücklich. Hoffe ich. Zwischendrin hatte ich noch Bedenken, hatten wir doch Katzen, die sicherlich auch mal auf jenem Sitzsack lagen. Störte den Hund aber offensichtlich nicht, wie hier (Link) ersichtlich.

Heute morgen ging es dem Holz zwar nicht an den Kragen, aber an die Länge.

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Lagebesprechung auf dem Holzhaufen.

Das hübsche Gittermuster ergab sich per Handyfoto durch das Fliegengitter.

Kurze Zeit später wurde mit der Säge ein Stamm nach dem anderen in handliche Meterstücke gesägt. Ich fuhr derweil zur Friseurin, kochte eine Suppe, schrieb Texte, schickte die Lieblingshausziege zum Holzstapeln, schließlich wurden die Stämme nach dem Sägen gleich gespalten, buk einen Rhabarberkuchen, ein Kuchenbrot vom restlichen Teig und bereitete für den Abend drei Flammkuchen vor, die nun auch schon wieder verspiesen sind.

Bei der Friseurin ist immer die irre Gelegenheit, einen Blick in die Herzschmerz-Blätter zu werfen. In einer großen Story wurde auf einer Doppelseite von einem echten Aussteiger berichtet: Mit der ganzen Familie zog der Mann aus dem mittleren Westen Amerikas zu den Ureinwohnern Australiens. Dort lebt er nun in einer einfachen Holzhütte und bekommt Hilfe und anderes von der Dorfgemeinschaft. Achwieschön. Und was wäre, wenn eine Familie aus ebenjenem Ureinwohnerdorf mal eben beschließt, dass sie auch aus ihrem Leben aussteigen wollen und dafür, sagenwirmal, sich in Franken ansiedelt, einem kleinen Dorf irgendwo in der Fränkischen Schweiz, zweihundert Einwohner, oder in Sachsen, das wäre sicher auch möglich, in einem ähnlich großen Dorf mit einem fantastischen Zusammenhalt. Dort würden diese Aussteiger bestimmt ebenso herzlich willkommen geheißen, es würde ihnen das nötige Saatgut und was man so zum Start eben braucht, zur Verfügung gestellt, die Nachbarn würden selbstverständlich helfen, wenn es darum ginge, mit der unverständlichen Herdtechnik und dem Wasserklosett zurechtzukommen.

Nicht zu vergessen der Reporter aus Timbuktu oder Neu-Kaledonien, der dort über die Aussteiger berichtet, die jetzt hier im ach so kühlen Norden leben.

Ach. Kichert da wer?

Tagebuchbloggen am 5. Mai

Was ich eigentlich den ganzen Tag so mache, das möchte Frau Brüllen gerne wissen. Abgekürzt heißt das Wmdedgt und ich berichte gerne von dem, was ich den ganzen Tag über so mache, auch wenn das oft so gut wie nichts ist. Also Langeweile pur. Kennt man ja, macht man gerne.

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Bahnhof von Markt Bibart.

Am Bahnhof haben wir das Auto abgestellt. Wir hätten zwar auch mit einem Zug fahren können, doch die Züge fahren hier so schnell durch, dass das Aussteigen etwas schwieriger ist.

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Wegweiser.

Auf allen Wegweisern warnt ein gezeichnetes Rad den unbedarften Wanderer, diesen nicht ohne fahrbaren Untersatz zu wählen. Wir haben es trotzdem gewagt. Wir hatten ja keins dabei. Außerdem wollen wir zum Aussichtsturm. Der Weg war laut Schild auch ohne Rad benutzbar.

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Rauch in der Ferne.

In der Ferne qualmen zwei Schlote vor sich hin und die Firma hieß passenderweise „Rauch“ und stellt in Markt Bibart Spanplatten für Möbel her. Es duftet nach Harz und Holz.

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Blättergrün.

Aus einer Knospe kommt nicht nur ein Blatt, sondern gleich eine ganze Handvoll.

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Aussichtsturm.

Jetzt sind wir oben und gucken uns die Umgebung an. Wie viele solcher Aussichtstürme wohl überall in Europa stehen und mit EU-Geld gefördert wurden? Der Weg rechts unten ist dann unser. Später. Wenn wir wieder unten sind.

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Aussichtsturm

Gleich sind wir wieder unten, dann geht es weiter. Vor uns – das ist von hier nicht zu sehen, weil wir dazu erst den Berg ein wenig hinuntergehen müssen – sind Weinberge. Noch sehen die Weinstöcke wie Insekten aus, denen die Fühler an den Drahtseilen festgebunden wurden.

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Kleiner Ort

Im nächsten Ort strolchen wir kurz über den Friedhof, der ist nur klein und sehr überschaubar. Dass auch der Ort nicht groß sein kann, verraten die Gedenktafeln für die Gefallenen: Sechs blieben im Westen, im nächsten Krieg blieben dann drei im Osten.

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Blätter entfalten sich.

Nein, es ist noch nicht wieder Herbst. Aber der Ahorn entfaltet sich so schön bunt.

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Grüne Wiese.

Langweilige grüne Wiese.

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Gasthof Ehegrund.

Ich dachte immer, die Liebe sei ein Ehegrund. Oder das Geld. Hier ist es der Gasthof. Das Essen war gut, leider mussten wir ziemlich lange darauf warten.

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Ein verlassener Garten.

Im Garten wird auch nicht mehr gefeiert, so wie er aussieht. Schade.

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Gemähte Wiese.

So. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Auto. Dachte ich. Stimmte aber nicht ganz. Der Weg zog sich und wurde immer länger. Das war mein Tag heute, danach sind wir nur noch heimgefahren, jetzt gibt es noch eine Kleinigkeit zu essen und dann geht es übers Sofa fix ins Bett. Als Kind hätte ich ja gestreikt, völlig zu Recht. So eine langweilige Wanderung macht man nur, wenn man schon erwachsen ist.

Gold für 50 Jahre durchhalten

Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit: Fünfzig Frühling, Sommer, Herbst und Winter ziehen vorbei, die ersten Gräber werden wieder vom Friedhof geräumt, weil die Ruhefrist abgelaufen ist, Bäume wachsen und Kinder werden groß. Sind Häuser in Franken 50 Jahre alt, stammen sie aus den 60ern und werden abgerissen. Der Aufwand einer Renovierung lohnt sich nicht.

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Luchsfütterung im Wildpark: Das Futter muss erst ausgepackt werden.

Am Wochenende haben meine Eltern hier bei uns in Franken ihre Goldene Hochzeit gefeiert. Wir haben einen Gasthof ausgesucht, uns ein wenig Programm überlegt und darauf gehofft, dass das Wetter mitspielt. Den Gefallen hat es uns getan, alle kamen erwartungsfroh und halbwegs pünktlich zum Wildpark Hundshaupten. Bei Regen und Schnee hätten wir uns sonst einen anderen Programmpunkt überlegen müssen. Dort gab es auf den beiden Bänken direkt am Spielplatz eine kleinere Brotzeit, damit alle für die Kletterei stark genug sind. Schließlich wollten wir gegen 14 Uhr die Luchsfütterung angucken. Vorher war noch Bergsteigen angesagt, die Gehege von Luchs und Wolf liegen nämlich ganz oben im Wildpark.

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Barfuss geht es besser bergab als auf Absätzen.

Kaum waren die Luchse satt, gingen wir weiter zu den Wölfen. Dort lag aber nur einer faul herum. Von Gehege zu Gehege ging es wieder abwärts, das war der Lieblingshausziege mit ihren Absätzen irgendwann zu steil. Sie zog lieber Schuhe und Strümpfe aus und lief den Rest des Weges barfuß weiter.

Wir fuhren zu einem Hotel mit der vielleicht schönsten Aussicht von Franken: In Regensberg, einem Dorf mit etwa fünfzig Einwohnern, gibt es drei Wirtschaften – eben wegen jener Aussicht. Und nur eine Straße, die gleichermaßen hinein und hinaus führt. Vor Kaffee und Kuchen zogen wir uns um: Die Lieblingshausziege und ich wollten in unseren frisch genähten Trachten glänzen, der Mitbewohner in ordentlicher Hose und Hemd. Wir waren die ersten, die sich für die Feier ordentlich aufgehübscht hatten, tranken also Kaffee und Kuchen und promenierten ein wenig im Ort, der Absätze wegen hübsch langsam. Kommt man mit diesen zwar noch problemlos den Berg hinauf, wird es abwärts umso steiler.

Dann Abendessen: Jetzt kam auch das Jubelpaar hübsch gekleidet an den festlich gedeckten Tisch. Die drei kleinen Nichten liefen immer noch in Klamotten herum, mit denen ich vielleicht das Fahrrad geputzt hätte. Mannmannmann. Wo doch meine Mutter sich schon am Abend vorher – noch bei uns zu Hause – darüber echauffiert hatte, dass Kinder jetzt Kleidung in solch dunklen und toten Farben trugen, wie sie die Kleider ihrer Großmutter in Erinnerung hatte.

Soweit, sogut. Die Feier ging ganz unfallfrei vonstatten, zu etwas vorgerückter Stunde hing eine Leinwand am Haken und der Diaprojektor wurde eingeschaltet, so dass ein paar Erinnerungen gezeigt werden konnten. Dias von der Hochzeit vor fünfzig Jahren und noch ein paar andere Dias. Da die Mutter damals schwanger geworden war, musste geheiratet werden. So hatten es die Mütter bestimmt: Beide waren noch Studenten – und hatten dementsprechend nichts. So unspektakulär war denn auch die Hochzeit. Standesamt, Kaffeetrinken mit der Familie hinter dem Haus im Garten, das war alles.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass sich beide relativ regelmäßig wie die Kesselflicker zofften. Als Teenie schwankte ich zwischen Hoffnung und Befürchtung, vielleicht ließen sie sich ja scheiden, dann wäre es irgendwie friedlicher. Dachte ich. Taten sie aber nicht. Ob eine Trennung besser gewesen wäre, weiß ich nicht. Jetzt sind sie jedenfalls halbwegs zufrieden, wie es scheint. Jedenfalls dann, wenn sie sich um die drei jüngsten Enkelinnen kümmern können, die Töchter meines Bruders. Und wenn sie hinterher stolz erzählen können, dass diese eher auf sie hören würden, als auf ihre Mutter, also ihre Schwiegertochter.

Was bleibt? Sie haben sich einmal entschieden, oder eben in diesem Fall auch ihre Eltern entscheiden lassen und haben diese Sache nicht revidiert. Ob das die bessere Lösung war, könnte ich nicht sagen. Es gab ein Jahr, da war mein Vater beruflicherweise woanders und nur am Wochenende zu Hause, da habe ich meine Mutter deutlich entspannter und ruhiger erlebt. Aber irgendwie können sie wohl doch nicht ohneeinander, ohne die kleinen Sticheleien und Querelen, die es immer noch gibt.

Zu meinen beiden jüngeren Brüdern habe ich kaum Kontakt. Das hat auch etwas mit unseren Eltern zu tun, die es verstanden haben, diesen zu verhindern. Dass sich meine Mutter nach einem echt guten Verhältnis zu ihren eigenen Schwestern sehnt, offenbart sie manchmal, wenn sie hier ist und der Mitbewohner von seinen Brüdern erzählt.

Was bleibt? Wir wissen kaum etwas voneinander. Trotz aller Zeit, die wir mal miteinander verbracht haben. Das hat nicht nur etwas damit zu tun, dass wir uns eigentlich nicht füreinander interessieren, sondern auch damit, dass jeder sein eigenes Leben lebt. Ich habe alles lieber alleine gemacht, ohne Hilfe, die ich zudem nicht bekommen hätte. Immer waren ja noch zwei Jüngere da, die von ihnen versorgt werden mussten und die ihre Hilfe bis heute nötig haben.

Alles für die Katz #33

Den Schlüsselanhänger mit den Katzen bekam ich vor vielen Jahren einmal geschenkt. Seitdem weiß ich wenigstens immer, wo mein Autoschlüssel hängt. Wenn ich ihn dort anhänge – und nicht irgendwo ablege.

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Katzenschlüsselanhänger

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.