Unter der Laterne #Rostparade

Die Lomonossov-UniversitÀt in Moskau.

Oben auf den Sperlingsbergen hatten wir eine fantastische Sicht auf Moskau und auf die Lomonossov-UniversitĂ€t, ein riesiges GebĂ€ude, von dem es heißt, dass darin so viele RĂ€ume sind, dass ein Mensch sein ganzes Leben darin verbringen kann. 50.000 RĂ€ume sollen es sein, ob es stimmt, habe ich nicht nachgezĂ€hlt. Im GebĂ€ude selbst ist alles zu finden, was zum Leben nötig ist: Es gibt Studentenzimmer, Kantinen, Friseur, Post, Schuhreparatur und sogar ein Polizeirevier. Wer mag, braucht hier wochenlang nicht aus dem Haus zu gehen.

Laterne in Moskau

Die Laternen sehen aus, als stammten sie aus der gleichen Zeit wie das Uni-GebÀude. An ihnen hÀngen nicht nur unglaublich viele DrÀhte, sondern auch die Oberleitungen der Busse. Was so lange an der freien Luft herumsteht und dabei Wind und Wetter ausgesetzt ist, das muss doch irgendwo Rost angesetzt haben.

Der Laternensockel.

Der Sockel ist dick mit Farbe bestrichen. Da wurde wohl eine Schicht ĂŒber die andere gelegt.

Laternenmast.

Ich gucke etwas weiter oben: Hier wurde geklotzt und gekleckert: Die Farbe ist so dick aufgetragen, dass sie Nasen bildet.

Rost auf dem Laternenmast.

Doch dem aufmerksamen Auge entgeht nichts: Hier ist Rost zu sehen. Hurra. Ab mit ihm, in die Tonari’sche Rostparade.

Heidi Rehn: Das Haus der schönen Dinge

Das Haus der schönen Dinge – Heidi Rehn

Als der jĂŒdische Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der MĂŒnchner Gesellschaft anerkannt. Das von ihm begrĂŒndete Kaufhaus „Hirschvogl am Rindermarkt“ bedeutet fĂŒr ihn die Verwirklichung eines Lebenstraumes.

So beginnt der Klappentext.

Auch wenn Thea, Jacobs Frau, zunĂ€chst skeptisch ist, sorgt sie mit ihren innovativen Ideen dafĂŒr, dass das Kaufhaus ein voller Erfolg wird und die reichen – und weniger reichen – MĂŒnchner sich dort gerne tummeln. Lily ist Sandwichkind und gute Tochter zugleich. Sie wĂ€chst zwischen ihren BrĂŒdern auf und ist von den Eltern keinesfalls zur Nachfolge des Vaters vorgesehen, auch wenn sie schon frĂŒh Interesse und GespĂŒr fĂŒrs GeschĂ€ft zeigt. Da jedoch der große Bruder andere Ambitionen hat und selbst der jĂŒngere Bruder lieber seinen Interessen folgt als sich dem Willen des Vaters zu beugen, ĂŒbernimmt Lily in den goldenen 20ern das Kaufhaus von ihren Eltern und wĂ€hnt sich am Ziel ihrer WĂŒnsche. Doch erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Zwar fĂŒhlen sich Hirschvogls als königlich-bayerische Hoflieferanten etabliert und angekommen, doch die Zeiten, Stimmungen und Zuneigungen Ă€ndern sich abrupt, als sich die Nazis etablieren.

Der Klappentext erinnerte mich zunĂ€chst an den großen Roman „Paradies der Damen“ von Zola. Dieser beschreibt das Kaufhaus als eine neue Kathedrale, in dem alles um den Lichthof herum angeordnet ist. Hier dĂŒrfen Damen ganz ohne Begleitung weilen – und schwelgen, ganz egal, ob sie sich die ausgestellten Waren leisten können oder nicht.

Heidi Rehn entwirft das Haus der schönen Dinge ebenfalls als einen Palast, ganz wie auf dem Cover. Der Blick, den die Dame von ihrem zentralen Platz hinunter in das VestibĂŒl und die einzelnen Etagen werfen kann, erinnert an Zola, die riesige Glaskuppel mit ihren himmelwĂ€rts strebenden Pfeilern bildet das Dach dieser modernen Kathedrale, in dem jetzt nicht mehr der Gott, sondern der Kommerz angebetet werden kann. Hauptperson im Roman ist tatsĂ€chlich das Haus der schönen Dinge, das nach seinem Besitzer genannte Hirschvogl am MĂŒnchener Rindermarkt. Zwar erzĂ€hlt die Autorin die Geschichte der Personen, der Inhaber, doch es wirkt, als seien sie nur Beigabe.

Rehn schwelgt in Szenen, zeigt fast jede Einzelheit und sei sie noch so klein und unbedeutend. Trotzdem fĂ€llt es mitunter schwer, echte Sympathien fĂŒr die Figuren zu entwickeln. Die Handlung selbst beginnt mit der Eröffnung des Kaufhauses im Jahre 1897 und reicht bis 1952. Das ist viel Stoff fĂŒr 600 Seiten, besonders dann, wenn man ihn stellenweise so opulent ausbreitet wie Heidi Rehn.

Bei dieser FĂŒlle sind ZeitsprĂŒnge unabdingbar, RĂŒckblenden helfen gelegentlich, dass der Faden nicht ganz verloren geht. Doch immer dann, wenn es langsam spannend wird, bricht die Autorin ab und nimmt den Faden wieder neu auf. Das Kaufhaus brennt ab, die beste Freundin von Lily kommt dabei nur knapp mit dem Leben davon, doch ĂŒber den Wiederaufbau und die VerdĂ€chtigungen, die mit dem Brand einhergingen, verliert Rehn nur wenige Worte. Ich habe an dieser Stelle sogar zurĂŒckgeblĂ€ttert, nur um nachzugucken, ob mir tatsĂ€chlich nichts entgangen ist. So interessant und genau Heidi Rehn auch beschreibt, schließlich ist der Roman ĂŒbervoll an Dekorationen, so sehr leiden nicht nur die Figuren selbst, sondern auch die Stringenz der eigentlichen Handlung an dieser ĂŒberschwĂ€nglichen Opulenz.

Als opulent, dramatisch und emotional kĂŒndigt der Verlag den Roman an. Doch gerade die Emotionen fehlen, statt dessen herrschen ErklĂ€rungen vor, die sich wie ein Bericht lesen. Auch wenn die Dialoge als solche lebendig sind, richtig nahe kommt der Leser den Hauptfiguren nicht.

 

Auf der #denkst17 in NĂŒrnberg

Ich bin ein Gemeinschaftstierchen, sagt die Lieblingshausziege, wenn sie sich mit Nagelfeile und -lack bewaffnet mitten im Wohnzimmer niederlÀsst, nur eine Nasenweite von mir entfernt. SelbstverstÀndlich könnte sie ihre NÀgel auch im Bad lackieren, dort wÀre sie allerdings alleine, ganz ohne Gesellschaft.

Da ich normalerweise allein und einsam vor meinem Bildschirm sitze und schreibe, nehme ich ebenfalls gelegentlich und gerne ein Bad in der Menge. Da es grad passte, habe ich mich kurzentschlossen zur Bloggerkonferenz „denkst“ in NĂŒrnberg angemeldet und stieg zwei Tage spĂ€ter in den Regionalzug. FĂŒr die Unterhaltung zwischen Forchheim und NĂŒrnberg fĂŒhlten sich sechs junge MĂ€nner im roten Bayern-Trikot zustĂ€ndig. Takt und Melodie gab der tragbare CD-Spieler vor und die MĂ€nner versuchten mit ihrem Gesang, damit Schritt zu halten. Leider reicht LautstĂ€rke allein nicht aus, um fehlenden Rhythmus und mangelhafte Textkenntnisse auszugleichen. Das störte die sechs Jungs jedoch nicht, sie prosteten sich eifrig zu und ließen die leeren Bierflaschen gleich unter den Sitz kullern. Ob sie es bis MĂŒnchen geschafft haben, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Auf der Strecke zwischen dem NĂŒrnberger Hauptbahnhof und dem Museum fĂŒr Kommunikation rollkofferte eine Frau, ich ĂŒberlegte gerade, ob sie wohl das gleiche Ziel wie ich – doch nein, sie blieb am Hotel stehen und kramte. Ich ging also weiter, schaute am Opernhaus auf den Spielplan, da kam sie doch hinterher und ging ebenfalls die Treppen nach oben, die ins Museum fĂŒr Kommunikation fĂŒhrten und somit zur „denkst“, einer Konferenz fĂŒr Blogger. An der Anmeldung gab es Aufkleber mit Namen und zugehörigem Blog. So konnte jeder sehen, mit wem er es zu tun hatte. Zwischendrin wurde getwittert und gehashtagt, was das Zeug hielt. Was wie Unaufmerksamkeit anmuten mag, hat bei mir aber durchaus einen praktischen Hintergrund: Jetzt, so im Nachhinein, kann ich auch bei denen gucken, mit denen ich nicht sprechen konnte – es waren einfach viel zu viele tolle Frauen dort – was sie im Netz so machen, was sie antreibt, was ihnen gefĂ€llt und wie es ihnen geht. Prima.

Die „denkst“: Da denkst du, oder vielmehr ich, dass ich schon so viel weiß und kenne und werde glĂŒcklicherweise immer wieder angenehm ĂŒberrascht, dass die Welt noch viel bunter ist. An diesem Tag kam ich kaum zum Denken, auch wenn der Titel der Konferenz dazu aufforderte. Es gab so viel an Informationen, GesprĂ€chen und VortrĂ€gen, dass ich in den kommenden Tagen noch etwas sortieren werde, welche Infos fĂŒr mich nun wichtiger waren – und was ich erst einmal weniger berĂŒcksichtigen werde:

Sophie LĂŒttich (BerlinFreckles) erzĂ€hlte ĂŒber Fundraising und was Blogger davon lernen können.

Andrea Reif (dieAnderl) referierte darĂŒber, welche Rolle Blogger im Rahmen des Content Marketing bei Unternehmen spielen.

In der Diskussion auf dem Podium ging es darum, das sich mit Produktproben und Mehrwert keine Miete zahlen lÀsst.

Thorsten Ising (Thorsten-Ising) zeigte, woher Blogger wissen können, was Leser lesen wollen.

Julia Hubinger (MamaSchulze): Chaos ist Leben und Leben ist Chaos. Sie erzĂ€hlte nicht nur, sie las aus ihrem wirklich berĂŒhrenden Buch vor, das im September erscheinen wird.

Svenja Walter: (meineSvenja) Wenn der Blog zur Marke wird.

Ich habe viele unglaublich tolle Frauen getroffen, einige MĂ€nner waren auch dort, aber sie waren eindeutig in der Minderheit. Etliche Kinder liefen vergnĂŒgt umher und störten ĂŒberhaupt nichts und niemanden. Ich wĂŒrde sagen, die „denkst“ wird mir noch eine Weile zu denken geben. Und das ist gut so. Ein dickes Dankeschön also auch an die beiden Initiatoren, Susanne Hausdorf (ichlebejetzt) und Sven Trautwein (Zwillingswelten). 

Am Ende des Tages fuhr ich mit dem Zug wieder nach Hause, neben mir eine junge Frau mit Kopfhörern und hinter mir zwei giggelnde TeeniemĂ€dchen. Wir wechselten ein paar Worte miteinander, dann stieg erst die junge Frau aus, eine Station weiter die TeeniemĂ€dchen. Langsam wurde es ruhiger – und zu Hause konnte ich den Abend mit einem Steinbier auf dem Sofa ausklingen lassen. Ich mag Gemeinschaft sehr, umso mehr, wenn es so liebenswerte Gemeinschaft ist, wie ich sie auf der „denkst“ erlebt habe. Aber ich mag es auch, wenn ich frisch gefĂŒllt mit neuen EindrĂŒcken ganz allein auf dem Sofa liegen kann.

Alles fĂŒr die Katz #57

Moskauer Katze mit HĂ€ubchen

Der alte Arbat ist in Moskau eine recht gemĂŒtliche Straße, ganz ohne Verkehr. Deswegen stehen hier sogar Maler mit ihren Bildern, die Menschen flitzen nicht ganz so schnell und wir haben ein wenig Zeit, uns umzusehen. Leider nicht zu viel, auf einer solchen Reise soll uns ja nicht langweilig werden, sondern wir sollen viel besichtigen und noch mehr erleben.

Das Bild mit dem KĂ€tzchen gefiel mir ausnehmend gut, leider war das Format denkbar kofferuntauglich. So kauften wir lediglich ein kleinformatiges Aquarell und ließen die großen Bilder stehen.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen ĂŒber den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

12 Bilder vom 12. Mai

Boah. Draußen ist es echt ganz grĂŒn.

Gestern war es schon nach 22 Uhr, als wir endlich zu Hause ankamen. Der erste Blick aus dem Fenster heute morgen zeigt die sattgrĂŒne Wiese. Dazu die traumhaften gut zwanzig Grad, die draußen herrschen. Der Blick aus dem Flugzeug kurz nach dem Start in Moskau sah noch ganz anders aus:

Schnee. Im Mai.

Zwischen den WĂ€ldern lag weißer Schnee auf den Feldern.

Frisches Butterbrot.

Erst gab es Kaffee und Butterbrot, dann ging es ans Auspacken.

Die Butter.

Echt russisches Wasser: Akva Ideal steht drauf.

Die Wasserflasche war im Koffer verstaut, sonst hĂ€tte sie nicht mitfliegen dĂŒrfen.

Seife mit Butter und Honig.

Bei der Hotelseife konnte ich dieses Mal nicht wiederstehen: Seife mit Milch und Honig, mit siebzigjÀhriger Tradition.

Völlig leerer Akku

Gibt es unterwegs weder W-Lan noch Empfang, vergesse ich glatt, das Taschentelefon aufzuladen. Das muss erst mal an die Strippe, dann bin ich auch wieder erreichbar.

Kalender mit Gedichten.

Nach zehn Tagen war auch der Kalender nicht mehr aktuell. Jetzt schon.

Eine Reihe bunter Matrjoschkas.

Das Mitbringsel fĂŒr die Lieblingshausziege.

Blaues Tuch.

Ein blaues Tuch fĂŒr mich. (Irgendwie sind die Farben gerade seltsam, diesen Rotstich hat das Tuch in Wirklichkeit nicht)

Salat im FrĂŒhbeet.

Der Salat im FrĂŒhbeet ist sehr schön gewachsen, wĂ€hrend wir unterwegs waren.

Katze im KĂ€stchen.

Die Katz sitzt immer noch dort, wo sie hingehört. Hach, ist das schön, so nach einer Reise wieder zu Hause anzukommen.

Verbunden mit: Draußen nur KĂ€nnchen.

Moskau: Stadtrundfahrt und Kreml

Moskau ist schon beeindruckend. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Obwohl, als ich die Laternenmasten gesehen habe, an denen auch die Oberleitungen fĂŒr die Busse hĂ€ngen, war ich nicht so sicher: Dort war die Rostschutzfarbe so dick aufgetragen, dass die Farbkleckse eingetrocknet hĂ€ngen blieben.

Das auf dem GelĂ€nde des Kremls fast nur Kathedralen stehen, wusste ich nicht. Gut, es gibt dort auch den Kremlpalast, den Senatspalast und das Arsenal, aber vor allen Dingen ziemlich viele Kathedralen. In dieser, der-MariĂ€-Entschlafens-Kathedrale war kaum mehr Platz, so viele SĂ€rge standen innen herum. Von einem war wohl Napoleon ganz beeindruckt: Als er den mit Silber beschlagenen Sarg rĂ€ubern wollte, drohte ihm die Leiche mit dem Finger. Also ließ er die Finger davon.

Auf dem Roten Platz wird eifrig geputzt und hergerichtet, schließlich soll am 9. Mai hier standesgemĂ€ĂŸ paradiert werden.

Vor dem Reiterstandbild von Marschall Shukow teilte ein Mann schwarze und weiße Luftballons aus: „Vergesst Odessa nicht“: Vor drei Jahren gab es Auseinandersetzungen zwischen russischen und ukrainischen Demonstranten in Odessa, bei denen 48 russische Menschen ums Leben kamen und mehr als 200 verletzt wurden. In Odessa selbst war der Platz gesperrt, an dem das damals passierte.

Die Stadt ist groß, die Entfernungen sind riesig. Ich bin jedenfalls angemessen beeindruckt und jetzt ziemlich pflastermĂŒde. Morgen geht es weiter.