Versunkenheit #Leben mit Büchern

Tief in ein Buch versinken – und die Welt um sich herum vergessen.

 

Als Kind konnte ich tief in Bücher tauchen, zwischen Buchdeckeln wohnen, völlig egal, was um mich herum geschah. Meine Mutter fand das nicht immer lustig, vor allem dann nicht, wenn sie irgendwas hektisch packen wollte, wenn sie putzen wollte, na, eigentlich fast immer.

War ich bei den Großeltern zu Besuch, konnte ich ganze Tage und Nächte in der Dachkammer verbringen und ein Buch nach dem anderen lesen. In der Speisekammer gabs Brot und Speck, das hat mir gereicht.

Inzwischen tauche ich nicht mehr so leicht in Geschichten hinein, schließlich muss ich jetzt selbst sorgen und kochen. Auch die Katzen würden mir gewaltig was husten, wenn ich keine Näpfe fülle und das Klo nicht mehr richte. Als wir jedoch mit dem Schiff auf der Wolga unterwegs waren und die neverending Landschaft gemächlich vorbeiglitt, zog mich „Der Distelfink“ von Donna Tartt in seinen Bann. Dagegen konnte das ganze Spaßprogramm auf dem Schiff nicht mithalten, nein, da war nichts zu machen. Sobald das Schiff abgelegt hatte, lag ich in der Koje und las und las und las. Toll war das.


Frau Tonari wies heute darauf hin, dass es auf einem anderen Blog gelegentlich um Fotografien und Bücher geht, um das Leben mit Büchern: Kerki – Leben mit Büchern.

Da fiel mir die kleine Figur wieder ein, das Mädchen, das wir auf den Straßen von Sevilla fanden, die so tief in ihre Bücher versunken war, dass sie sich von nichts stören ließ.

Verbunden mit: Weekly Photo Challenge – Waiting. 

 

Tagebuchbloggen am 5. September

Es ist ruhig im Haus, ich könnte noch schlafen. Das dauert der kleinen Katze zu lang, sie hilft nach und fordert lautstark ihr Futter ein. Da es das erst gibt, wenn auch die aushäusige Mieze anwesend ist, muss Kleinkatz warten. Madame ist nämlich ein kleines Fressmaschinchen. Futter übrig lassen gilt nicht.

Kaffee ist schnell gemacht und damit ich mich nicht an der Zeitung festlesen kann, hat sich die Kleinkatz auf ihr ausgebreitet. Damit ich in Ruhe Kaffee trinken und mich der Zeitung widmen kann, ziehe ich die Jalousie der Balkontür hoch, lasse die zweite Katze ins Haus, fülle die Näpfe mit Futter und stelle sie vor die beiden Tiere, die sich so gierig darauf stürzen, als wären sie andernfalls verhungert.

Mein Vater ruft an, will so früh am Morgen wissen, ob sich denn Kleinkatz und Großkatz bereits aneinander gewöhnt hätten, freut sich, weil er hört, dass sie miteinander kuscheln und sich gegenseitig putzen. Alles ist gut.

Ich flitze ins Bad. Dort steht das Katzenklo. Zwei Katzen heißt auch: Es wird oft benutzt, gerade nach dem Fressen. Logisch: Oben rein – unten wieder raus. Damit die beiden recht zimperlichen Damen ihr Klo akzeptieren, muss ich es wie einen japanischen Zen-Garten pflegen, die Klumpen herausräumen und alles hübsch glatt harken. Andernfalls wird die Schüssel unter der Spüle als Katzenklo missbraucht, doch das ist mir noch lieber als ein Kissen oder die frisch gewaschene Wäsche im Korb.

Beide Katzen auf einem Stuhl.

Ja, das eine oder andere Wort schreibe ich.

Der Mitbewohner kümmert sich in der Zwischenzeit um das Mittagessen: Es gibt gebratene Stallhasenkeulen. Diese werden erst in der Pfanne angebraten, dann im Backofen geschmort. Die Pfanne bleibt auf dem Herd stehen und wird von der Katze entdeckt. Die Katz versucht mit ihrer Reibeisenzunge, etwas von der angebrannten Kruste abzuraspeln, gibt irgendwann auf, weil sich die Ausbeute nicht lohnt.

Heute sind beide Katzen außerordentlich kuschelbedürftig: Kaum setze ich mich, kommt erst eine, kurz danach die zweite an. Beide lassen sich auf mir nieder. Allerdings hat Kleinkatz noch nicht die Ruhe der großen Katz, trappelt, zappelt, fällt nach unten und rappelt sich wieder auf. Sie liebt es, Stifte aus dem Becher zu mopsen und diese mit Pfötchen und Schnäuzchen durch die Wohnung zu bugsieren. Selbst der Nähkorb ist nicht sicher vor den kleinen Pfötchen, die Garnrollen sind einfach zu attraktiv.

Wird es der großen Katz zu viel, tatzt sie nach der Kleinen und putzt ihr auf solch ruppige Weise die Öhrchen, dass jedem klar ist: Jetzt reichts. Nun benimm dich!

Nach dem Mittagessen ruht sich der Mitbewohner aus, ich schreibe noch ein bisschen unter erschwerten Bedingungen: Jetzt liegt die große Katze zwischen Monitor und Tastatur, wenn sie sich räkelt, tippt sie mit. Tja. Das führt zu seltsamen Buchstabenkombinationen im Text. Glücklicherweise kann ichs ja löschen.

Einen Tee, fünf Katzenstreicheleinheiten und drei aufgesammelte und wieder angebappte Kühlschrankmagnete später bin ich fertig. Selbstverständlich habe ich in der Zwischenzeit bestimmt sieben Mal den Katzenklo-Zengarten wieder glattgeharkt, selbstredend nicht ohne vorherige Ausgrabungen. Jetzt ist noch Zeit, den Mitbewohner im Keller zu besuchen, sämtliche geleistete Arbeiten in Augenschein zu nehmen. Wir besprechen, was noch erledigt werden muss, bevor, ja, nein, das wird noch nicht verraten.

Ich sammel noch alles vom Fußboden auf, was die kleine Katze dorthin verfrachtet hat, bügele noch eine Runde, dann muss ich zur Gemeinderatssitzung.

Wenn ich heute wiederkomme, gibt es Federweißer. Das hab ich mir dann auch verdient.

Ergänzt, weil vergessen: Hier, bei Frau Brüllen gibt es sämtliche anderen Tagebucheinträge.

Vom kleinen Glück

„Wenn die Sonnenblumen blühen, ist der Sommer vorbei.“ Otto sah sich noch einmal um. „Die Menschen hier wohnen schon in seltsamen kleinen Häusern“, meinte er.
„Aber die Gärten sind einfach eine Wucht!“ Kamen sie im Morgengrauen von einer Erkundungsfahrt zurück, wurde es gerade hell genug, dass sich die ersten Farben aus dem Schwarz-grau der Nacht lösten: Rote Zinnien wetteiferten mit tiefvioletten Bechermalven und über allen hielten die Sonnenblumen ihre ruhige Wacht.
„Bei uns ernten sie jetzt den Weizen“, murmelte Otto und strich mit einer Hand über die Ähren. „Allerdings steht er bei uns dichter.“
Er drehte sich zu Frieder um: „Was meinst du, ob ich hier später ein Stück Land kriegen kann? Dann, wenn alles vorbei ist? Er hat es versprochen.“


Frieder rauchte, an den Spähpanzer gelehnt. Die Spitze der glühenden Zigarette hielt er tief in der Hand verborgen. Da seine Eltern zu Hause kein Land, sondern nur einen Garten bewirtschafteten, aus dem die Mutter Kartoffeln, Weißkraut und Möhren mit nach Hause brachte, war ihm Ottos Schwärmerei fremd. Für ihn war es ein Abenteuer, an dem er unfreiwillig teilnehmen musste und hoffte, dass es nicht mehr lange dauern würde.
Seit einer Woche lagerten sie jetzt hier, so kurz vor der Desna. Jede Nacht waren sie mit ihren Spähpanzern unterwegs, aber Feinde fanden sie nicht. Hinten am Horizont flackerte es gelegentlich hell, doch es war nicht sicher, ob Kanonendonner dröhnte oder es nur ein schlichtes Wetterleuchten war.
Die Vögel sammelten sich in Schwärmen, flogen über die Felder, setzten sich in die säumenden Birken, bis deren Kronen vogelschwer sich zum Boden neigte und flogen wieder auf, immer auf der Suche. Woher wussten sie eigentlich, in welche Richtung der Schwarm fliegen würde? Und wer sagte ihnen, wann es Zeit war, Zeit aufzubrechen, südwärts zu fliegen und rechtzeitig vor dem Winter das Weite zu suchen? Frieder sah den Staren hinterher und wünschte sich, er könnte auch so frei durch das Land ziehen.
In ein paar Monaten würde hier Väterchen Frost herrschen, streng herrschen, doch davon wussten Otto und Frieder noch nichts, sie wussten davon ebenso wenig wie von den Menschen, die seit Jahrhunderten hier lebten, die hier den Boden beackerten, die Kühe molken und sie auf die Weide trieben, das Gras mähten und, wenn es reif war, das Getreide.
„Wenn ich hier einen Hof kriege, dann habe ich mehr als mein Bruder“, fing Otto noch einmal an. Er bückte sich und grub mit den Fingern eine Handvoll Erde aus: „Guck dir die Schwärze an!“
Frieder winkte ab: „Wir müssen zurück“.
Er warf die Zigarette weg, trat sie aus – und bückte sich. Ein vierblättriges Kleeblatt? Er ging in die Knie, pflückte das Blatt und barg es vorsichtig zwischen den Briefen, die er in der Brusttasche trug. Es knackte stumpf.
Als sei jemand auf einen sehr trockenen Ast getreten.
Frieder richtete sich auf. „Otto?“
Otto lag auf dem Rücken, sah mit offenen Augen in den Himmel. Aus einem kleinen Loch an der Schläfe rann Blut.
Frieder zerrte seinen Kameraden hoch, bugsierte ihn ins Fahrzeug und raste los. Fuhr über Feldwege, holperte über Wurzeln: „Wir sind gleich da“, rief er Otto zu: „Ich bring dich heim“.
Zurück im Gefechtsstand halfen ihm die anderen, legten Otto auf den Boden, griffen zum Spaten und gruben. Anderthalb Meter tief. „Das reicht“, befand der Spies und der Bataillonspfarrer hielt eine kurze Andacht.
An diesem Abend klebte Frieder das Kleeblatt auf den Brief, den er nach Hause schrieb: „Es sollte mir Glück bringen. Eigentlich.“

Verbunden mit: Projekt txt. Das achte Wort lautete: Glück.

Der alte Laden

Während früher ein Laden klein sein konnte, es dort Mehl und Zucker, Butter, Milch, Eier, Sauerkraut und Kartoffeln gab, sind moderne Läden so groß, dass in ihnen Fußballfelder Platz hätten. Dafür muss ich manchmal lange suchen, bis ich das finde, was ich brauche. Hefe, Streichhölzer und Leinsamen sind zwischen den vielen anderen Dingen gut versteckt. Wer braucht das ganze Zeug eigentlich? Wird das jemals gegessen?

Der kleine Konsum in Schwarz-Weiß.

Den alten Konsum sah ich in Görlitz: Hier ging es sicher zur einen Tür hinein – und zur anderen wieder hinaus. Einbahnstraßenkonsum. Heute sind die Fenster verbrettert, innen dürften Mäuse huschen und Spinnen ihre Netze weben. Die guten Tage sind vorbei und wer weiß, was diesem kleinen Laden noch so blühen mag?

Ein alter Konsum. Hier ging das Einkaufen fix.

 

Ein Supermarkt ist mir dagegen immer zu viel, es gibt dort einfach zu viel. Ich stehe vor den vollen Regalen und frage mich: Wer kommt auf die Idee, nicht einfach Müsli, sondern meterweise Müsli, nicht einfach Milch, sondern meterweise Milch immer weiter zu differenzieren und anzubieten, in so vielen Variationen, dass die einfache Milch in der Flasche, die ohne irgendeine Extra-Behandlung abgefüllt wurde, fast nicht mehr sichtbar ist.

Verbunden mit: Cubus Regio, der marode Schönheiten sucht, mit Kirsi, die vergangene Dinge schätzt.

Verbunden mit: Czoczo, der einmal im Monat ein schwarz-weißes Bild sehen möchte.

Und wer noch mehr von Görlitz sehen möchte, hier entlang bitte.

Alles für die Katz #64


Im August war ich nur relativ selten unterwegs. Das lag daran, dass es draußen einfach heiß war, das lag aber auch daran, dass ich relativ viel gearbeitet habe. Diese Katze begegnete uns, als ich mit der Lieblingshausziege rund um Ebermannstadt gewandert bin. Wir rasteten auf einer Bank am Baum, in dessen Schatten sich die Katze räkelte. Kurze Zeit später zogen wir weiter, die Katze kam, neugierig geworden, noch ein kleines Stückchen mit und kehrte um, als wir ihre für uns unsichtbare Demarkationslinie überschritten, welche ihre Heimat von der Fremde trennte.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.