Hinter Stacheldraht verstaut…

Der ehemalige BĂ€renzwinger vor dem Konzentrationslager Buchenwald

Im „Buchenwald-Report“ des Historikers David Hackett ist zu lesen, dass es einer BĂ€rin gelang, aus diesem Zwinger zu fliehen. Sie wurde erschossen, wie vieles in dieser Zeit zwischen 33 und 45, wer floh, ob von der Front oder aus einem Lager, den erwartete nur die Kugel.

Blick vom BÀrenzwinger zum EingangsgebÀude des Konzentrationslagers Buchenwald

FĂŒr die im Lager inhaftierten HĂ€ftlinge war die BĂ€renburg gut vom Appellplatz aus zu sehen. Eingesperrt waren sie alle. WĂ€hrend jedoch die HĂ€ftlinge knapp vor dem Verhungern waren, ging es den BĂ€ren dagegen gut. Ein ehemaliger politischer HĂ€ftling verfasste 1946 eine satirische Bildergeschichte und schreibt in einem Vers: „So mancher von uns wĂ€re froh gewesen, / wenn er ein Leben wie die kleinen BĂ€ren hĂ€tt‘. / Jedeinem war die Not vom Antlitz abzulesen / uns fehlt nicht nur der Zucker, auch das Fett!“

An den alten Pfeilern nagt inzwischen lĂ€ngst der Rost. Hoffen wir, dass es so bleibt und dass niemandem einfĂ€llt, dieses Rad der Zeit zurĂŒckzudrehen.

Verbunden mit: Der Rostparade von Cubus Regio.

 

Neue Tapete fĂŒr die Wand

Jetzt ist die Hitze vorbei. Lange haben sich die Temperaturen gegen den Sturz gewehrt, sich hartnĂ€ckig an die Dachrinne gekrallt, doch es hat ihnen nichts genutzt. Wir haben jetzt eine gute Gelegenheit, lang gewĂŒnschte Änderungen zu erledigen. Eine dieser Änderungen betrifft das Wohnzimmer. Vor sechs Jahren in schnödem Weiß gestrichen, schließlich sollte es damals recht schnell gehen und weiße Raufaser war halt der Kompromiss, zu dem sich irgendwie erst einmal alles stellen ließ, war es jetzt Zeit fĂŒr richtige Tapete. Eigentlich hatten wir schon den vergangenen Sommer angepeilt, zumal die Katzen an verschiedenen Stellen ein apartes Kratzmuster appliziert hatten, doch da kam Peri zu uns – und wir gaben der Raufaser vorsichtshalber noch ein Jahr.

Ausgesucht war die neue Tapete schnell: Kaum im Tapetenladen, grinste sie uns an und wollte mit. Der freundliche Mitarbeiter im Tapetenladen schnitt uns jeweils einen Meter Tapetenprobe ab, der Mitbewohner zwickte die StĂŒcke an die WĂ€nde und die Lieblingshausziege gab auch noch ihren Senf dazu. Passt.

Auf die schrĂ€ge Wand kommen BlĂŒmchen, auf die andere grĂŒne BlĂ€tter. FĂŒr die Ecke passt es – der Rest vom Zimmer wird anders.

Da wir die Zimmerdecke auch streichen wollen und die Farbe darauf bereits dick genug klebt, zieht der Mitbewohner mit einem Spachtel die alte Farbe ab. Streifen fĂŒr Streifen. Da inzwischen schon die HĂ€lfte der Decke von der Farbe befreit ist, reicht es fĂŒr heute – morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Ich setze mich aufs Sofa und stricke die bunt geringelten Socken fĂŒr die Lieblingshausziege fertig.

Weite #frapalywo

 

W – Wellen wogen weit, wenn Winde wehen.
E – Ein erstes Eintauchen endet endlich.
I – Im indigoblauen Indischozean ist irdenes Irresein irreversibel.
T – Tentakel trifft Teutone: tauche tief.
E – Endlose Ewigkeiten ersetzen eine extra Einfriedung.

(Der Impuls „Weite“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Tiefsee #Frapalywo

Zwischen schwankenden Binsen und Schilf
wie taghelle Gedanken die Fischlein
spielen im funkelnden Sonnenschein
verstecken und manchmal hilft

die Tiefe des Wassers zu entschwinden
sie tauchen ab in nachtschwarze See
besuchen die Nixen – und wenn sich jĂ€h
Ungeheuer der Tiefsee regen, sie finden

dann Schutz in zerklĂŒfteten Steinen
mit viel GlĂŒck. Allen – bis auf den einen
gelingt die Flucht.

Erobern Tiefseewesen obere RĂ€ume
tarnen sie sich als verworrene TrÀume
der Nacht, die keiner sucht.

(Der Impuls „Tiefsee“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

StrandlÀufer #Frapalywo

Auf dem schmalen Saum
zwischen Sand und Meer bleiben kaum
Spuren zurĂŒck. FĂŒr dich
gibt es keine ausgetretenen Pfade.
Du musst deinen Weg tÀglich
zwischen Treibholz und Schlick neu bahnen.


Zum WĂ€chter bestimmt bist du
unentwegt auf dem schmalen Grat unterwegs
der das Land vom Meer trennt.
Unbewaffnet trittst du zwischen zwei Giganten,
die seit Anbeginn der Welt
einander erbittert bekÀmpfen.

Lauf, kleiner Vogel. Lauf
und achte darauf,
dass im Streit zwischen Land und Meer
die KĂŒste bleibt.

(Der Impuls „StrandlĂ€ufer“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Auf dem Holzweg

Wer auf dem Holzweg unterwegs ist, hat die richtige Abzweigung verpasst. Auch wenn diese Wege auf den ersten Blick bequem, breit und richtig einladend wirken, enden sie irgendwo im Nichts. Sie wurden angelegt, damit auf ihnen das Holz aus dem Wald heraustransportiert werden kann, nicht dafĂŒr, dass Wanderer ihnen folgen und auf ihnen zu einem Ziel gelangen.

Dieser Holzweg wird im Winter heizen.

Mit seinem Sprung fĂŒgte N. der heilen Welt einer vollkommen erscheinenden Illusion einen Riss zu. Das Mene mene tekel u-parsin geriet zur Bedrohung, in der die morphogenetischen Felder Raum fanden. Zwischen dem, was Menschen fĂŒr richtig oder falsch erachten, liegen oft nur Nuancen. So wie bei einer TĂŒr. Sie verschließt den Raum – und wir können trotzdem nur eine Seite von ihr sehen.

„Ich war da, ich mußte geh’n.
Ich machte keine Spuren.
Aber der Wind hat mein Lied gehört.“
(indianische Weisheit)

Es mutet irgendwie seltsam an: N. wurde immer noch nicht begraben, obwohl seit seinem Tod inzwischen mehr als zwei Monate vergangen sind. Allein diese Tatsache gibt den Menschen hier im Ort zu denken und Mutmaßungen Raum.

„Was passiert eigentlich, wenn N. einfach ĂŒberhaupt nicht beerdigt wird?“

— „Das wĂŒrde gegen das hier geltende Recht verstoßen. DafĂŒr gibt es sogar Fristen, die einzuhalten sind.“

„Wieso beerdigen die ihn nicht einfach?“

— „Sie haben – wie es scheint – den Zeitpunkt verpasst.“

Bei den alten Griechen war Kairos der fĂŒr den richtigen Zeitpunkt zustĂ€ndige Gott: Mit geöltem Körper, FlĂŒgeln an den FĂŒĂŸen und einem – bis auf eine HaarstrĂ€hne – glatt geschorenen Kopf. Er flitzt vorbei und wer versĂ€umt, seinen Schopf zu packen, muss zusehen, wie er entschwindet. In den Texten der Bibel steht Kairos fĂŒr einen von Gott gegebenen Zeitpunkt, eine besondere Gelegenheit, den erteilten Auftrag zu erfĂŒllen.

Und jetzt? Jetzt geschieht etwas MerkwĂŒrdiges im Dorf: Ein Mythos bildet sich, eine Legende. Keiner weiß nichts Genaues, aber jeder hat genĂŒgend Fantasie, eben diese ungenannten Leerstellen zu fĂŒllen.

So wird diese Geschichte wohl noch ĂŒber Generationen erzĂ€hlt werden, irgendwie, vermutlich schrammt sie immer haarscharf an der Wahrheit vorbei. Aber das macht nichts, das machen Geschichten eigentlich immer. So wie die Geschichte vom Bummberdoner, einem Menschen aus dem Dorf. Obwohl sie aus dem Jahr 1905 stammt, gibt es immer noch Menschen, die sich daran erinnern. Nicht an den Bummberdoner, natĂŒrlich nicht, der ist tot, lĂ€ngst begraben und selbst das Grab existiert nicht mehr. Aber die Geschichte ĂŒber dessen Schmach und Schande, die bleibt.

Alles fĂŒr die Katz #84

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen ĂŒber den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.