Kunst, müde, verschwenden #abc.etüden

»Wie bei Rumpelstilzchen«, erklärte Frieder: »Während die Prinzessin in drei Tagen den Namen erraten muss, hat Turandot nur eine einzige Nacht. Schafft sie es nicht, muss sie den Fremden heiraten – schließlich hat er alle drei Rätsel gelöst und die Bedingung ihres Vaters erfüllt«.
Er schaltete den CD-Spieler an: »Nessun dorma«, niemand sollte schlafen.
»Das ist ja das gleiche Lied, das der Dicke beim Fußball gesungen hat«, flüsterte Robin.
»Du hast gut aufgepasst«, lobte Frieder.
»Darf man die Musik auch doof finden?«, wollte Joni wissen.
»Sicher. Aber gib ihr eine Chance«, bat er und spielte die Arie ab.
Der Schwung der Musik trug ihn durch den Nachmittag, der Korrekturstapel wurde schnell niedriger.
Die Ankündigung »Nachher kommt Katja«, löste bei beiden Kindern einen Freudenschrei aus. Für sie war die 16-Jährige fast wie eine große Schwester.
»Wo wollt ihr hin?«, fragte Julian.
»In die Oper«, antwortete Frieder, während er sein helles Hemd zuknöpfte und Hermine erstaunt ansah: »Willst du dich nicht anziehen?«
Er ging ins Wohnzimmer: »Hermine, wo sind die Karten?«
»Welche Karten?«
»Die Karten für Turandot.«
»Die sind nicht da.«
»Wo denn?«
»Weg.«
»Die können nicht weg sein!«
»Doch.«
»Woher weißt du das?«
»Weil ich sie ins Feuer geworfen habe. Ich kriege Kopfschmerzen, wenn ich deine CDs mit dieser Musik anhören muss, da setze ich mich doch nicht in die Oper. Außerdem bin ich müde.« Hermine nahm ihr Buch mit aufs Sofa.
Frieder nahm sein Jackett, »Tschüss, Kinder!«.
Er fuhr, ohne zu wissen, wohin, schaute auf die Uhr: Jetzt beginnt Turandot. Welche Verschwendung der Kunst.
Tief in der Nacht hörte er, wie sein Sohn leise: »Somewhere over the Rainbow« hörte.
»Bist du nicht müde?«
»Ich will wissen, was hinter dem Regenbogen ist«, erklärte Julian. »Wenn du aber das nächste Mal in die Oper gehst, komme ich mit!«

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Wer mag, findet bei den abc.etüden noch viel mehr Texte, bei denen die drei vorgegebenen Worte in eine Geschichte von 300 Wörtern passen.

Nur für alle Fälle: Meine Geschichte ist erfunden, logisch. Ähnlichkeiten wären rein zufällig.

Andrea Bocelli: Nessun dorma 

Drei Tage im Frankenwald

Ich war hier Gast
gehe meiner Wege
lasse die Landschaft
in meine Seele hinein
damit ich sie später
in mir tragen kann

nichts zu erledigen
nichts zu müssen
nichts zu schaffen
nichts zu kochen
nichts zu putzen
nichts zu waschen
nichts zu arbeiten

nur zu sein
nur zu sehen
nur zu hören
nur zu schreiben
nur zu.

Tagebuchbloggen am 5. September

Heute will ich dem Aufruf der freundlichen Blognachbarin Frau Brüllen zum gemeinschaftlichen Tagebuchbloggen mal wieder folgen, auch wenn der heutige Tag eher unspektakulär verlief.

Ich bin aufgewacht, weil ich irgendwas geträumt, mich allerdings nicht mehr erinnert habe. Da ich schon einmal munter, es jedoch noch zu früh zum aufstehen war, griff ich mein Buch, las ein bisschen, wurde wieder müde und rollte mich zu einem kurzen Schläfchen zusammen.

Kurz vor sieben war die Nacht allerdings endgültig vorbei – immerhin war es draußen längst hell. Also hab ich Kaffee gekocht und den Mitbewohner aus dem Schlaf gepelzt. Nach dem Kaffee habe ich erst die Raubtiere gefüttert, mich an meine Texte gesetzt und zwischendrin im Kühlschrank gestöbert, um zu sehen, was dringend in die Pfanne gehört. Da ich nur eine Kleinigkeit machen wollte – immerhin will der Mitbewohner für uns heute noch Windbeutel basteln – stiefelte nur der Mangold gemeinsam mit einer Zwiebel und zwei Möhrchen in die Pfanne.

Nach dem Mittagessen blieb nur noch wenig Text zu schreiben, so konnte ich gelegentlich ins Wohnzimmer spitzen. Schließlich wollte ich endlich wissen, wie sich die ausgesuchte Gummibaumtapete mit dem floralen Muster auf der Schräge verträgt.

Prima.

Während sich der Mitbewohner schließlich an die Zubereitung der Windbeutel gemacht hat, habe ich ein wenig gekramt, geräumt, staubgesaugt, was man halt so macht, wenn man am liebsten mit in der Küche gucken und fummeln würde.

Endlich war der Mitbewohner mit den Windbeuteln fertig, hatte alles hübsch angerichtet, dekoriert und fotografiert. Während sich auf dem Boden die Katzen darum stritten, wer das Sahnetöpfchen ausschleckt, schlemmten wir Windbeutel mit Schlagsahne, Vanilleeis und Zwetschgen.

Uff.

Auch wenn ich jetzt nichts lieber täte als kugelrund auf dem Sofa liegen und das nächste Paar Socken für die Lieblingshausziege zu nadeln (nach kunterbunt ist jetzt weiß-mint mit Muster an der Reihe), muss ich gleich noch einmal los.

Termin. Tja. Nutzt nix.

Edit: Wer übrigens wissen will, wie jetzt die Tapete an den Wänden genau aussieht, dem kann geholfen werden. Bitte sehr, hier entlang, zu den fränkischen Tapas.

Ein echtes Vorher-Foto: Die Raufaser war von der Wand, diese musste allerdings ein bissi gespachtelt und mit einer weißen Grundierung versehen werden.

Detail: Die Decke haben wir absichtlich nicht knallweiß, sondern in einem hübschen anderen Farbton gestrichen. Passt super.

Noch ein Detail: Zwischen zwei Türen hängt jetzt die Blumentapete. Rechts und links sind schmale rote Streifen, die kleine Goldkante gehört dagegen zu den beiden Türrahmen.

 

Kleine Poesie aus dem Erlanger Schlossgarten

Ob sich ein vierblättriges Kleeblatt unter den scharfen Messern der Rasenmäher wegducken kann? Wer es findet, ist der Glückspilz und kann sich ganz ohne Drogen berauschen. Er braucht nur dem Wasserstrahl zu lauschen, wie er im Brunnen sein ewig gleiches Lied singt und singt und wenn er dann mit den spitzen Beinen des Gartenstuhls in den Boden sinkt, liegt er im Gras, dort, wo nur ein paar niedrige, weiße Blüten wohnen. Sie recken ihre Köpfe nicht zu hoch – Rasenmäher, you know – und werden doch täglich von Rasenlatschern und Trampeltieren plattgetreten.

Ganz anders die Blüten der Rabatten, unermüdlich entfaltet hier eine Apfelblüte nach der anderen ihre Blätter. Ob die Menge der Studentenblumen mit der Anzahl der Erlanger Studenten übereinstimmt? Was passiert mit dem menschlichen Pendant, wenn der Gärtner eine verwelkte Tagetes köpft?

In dieser Stadt bin ich nie und nimmer nicht alleine, auch nicht im Schlossgarten. Überall sind Menschen: Große, kleine, dicke, dünne, alte, junge, gefräßige, hungrige, satte, gelangweilte, glatzköpfige, keiner sieht wie der andere aus. Sie machen Geräusche, reden, lachen, atmen, ziehen einen Rollkoffer hinter sich her.

Sie kommen, setzen sich, bleiben eine Weile und gehen wieder. Nur die Bäume bleiben – und das Schloss mit dem Springbrunnen und der Zaun und die Bänke.

Ist es nachts dunkel, sind die Tore geschlossen. Die Eule öffnet ihre Augen, breitet die Schwingen aus und sieht, ob ihre Weisheit ausreicht, ein Mäuschen zu fangen.

Alles für die Katz #85

Im dunklen kühlen Eckchen lässt sich auch die größte Hitze verschlafen

Heiß war es. Viele Wochen lang. Während wir Menschen kurze und kürzeste Sachen anziehen und tragen können, müssen die Katzen ihr Fell auch in der größten Hitze anbehalten. Ausziehen geht nicht. Fell rasieren ist auch keine Option. Also haben sich die beiden Dachhasen die Stellen ausgesucht, an denen ein leises Lüftchen wehte und keine Sonnenstrahlen den Schlaf stören konnten. Peri lag gerne hier in der Ecke im Flur, glücklicherweise ist nie jemand über sie gestolpert. Aber das wusste sie sicher vorher, sonst hätte sie nicht so ruhig und entspannt geschlafen.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.