Winterbaum, nasskalt, nachtrauern #abc.etĂŒden

Erst musste ein Fremder kommen, ein Fremder, der seinen Mantel ĂŒber sie breitete, schwarz, wie RabenflĂŒgel, der ihre Hand nahm und zu ihr sprach:
Geh.
Du bist frei.
Hinter dem HĂŒgel liegt der Wald, hinter dem Wald kommt eine Ebene, in dieser Ebene ist ein nasskalter See, an dessen Ufer steht ein Winterbaum und drei Erlen. Sie bilden einen Hain.
Dort kannst du wohnen.
Frei und allein.
Brauchst du etwas zu essen, fĂ€ngst du Fische, pflĂŒckst Beeren, sammelst GrĂ€ser.
Aber.
Dort gibt es niemanden, der dich schlĂ€gt. Niemand, dessen Willen du erfĂŒllen musst. Dieser deiner verlorenen Welt musst du nicht nachtrauern.
Allerdings ist dort auch niemand, der fĂŒr dich sorgt, niemand der dich in den Arm nimmt, niemand, der dich streichelt und dir kleine Koseworte ins Ohr flĂŒstert. Du kannst schreien, toben und weinen, niemand wird dich hören. Wird dir langweilig, kannst du mit den MĂŒcken ĂŒber dem See tanzen oder mit den Fröschen um die Wette hĂŒpfen.
Dein Preis fĂŒr deine ganz private Wahrheit ist Einsamkeit:Du allein wirst wissen, dass auch diese Wahrheit eine LĂŒge ist, so wie die meisten Wahrheiten, die nur gelten, wenn man fest genug an sie glaubt.
Sie ließ die Hand des Fremden los und ging ein paar Schritte, nicht viele, so einfach lĂ€uft es sich nicht in ein neues Leben. Sie wollte ihm den Mantel zurĂŒckgeben, der sie immer noch so warm umhĂŒllte, doch als sie nach hinten sah, war niemand zu sehen. Niemand außer einem schwarzen Raben, der zwischen den Furchen im Feld hopste und im Auffliegen missmutig krĂ€chzte. Es klang wie: Du schaffst das. Oder nicht? Sie war sich nicht sicher. Sie war sich nie sicher, in dem, was sie wollte, sie hatte immer nur darauf geachtet, dass niemand etwas von ihren LĂŒgen, ihrer Zerrissenheit, ihrem ich-weiß-nicht-was-in-mir-vorgeht mitbekam. Bis heute.

Drei Begriffe gilt es in 300 Worte zu verpacken, in diesem Fall waren es: Winterbaum, nasskalt und nachtrauern. Die anderen Geschichten der abc.etĂŒden gibt es wie immer bei Christine.

Alltag? Gerne!

Alltag. Keine Überraschungen.

Alltag
Das ist der Tag, den ich am Abend
schon wieder vergessen habe, einfach weil
er so belanglos – wie immer eben – wĂ€hrend
ich beschĂ€ftigt war, an mir vorĂŒbereilt.
Das ist der Tag, an dem ich zÀhle,
was nicht passiert – es ist nicht viel
und wenn ich wÀhlen
könnte, wÀre ein Tag als Alltag mein Ziel:
Den Kaffee genau richtig temperiert,
das MĂŒsli mit Jogurt drauf garniert,
die Katz schnurrt zufrieden und springt
auf den Tisch. Das Essen gelingt
und schmeckt allen, die Arbeit flutscht
von der Hand, niemand rutscht
vor der HaustĂŒr aus, obwohl
ich noch nicht gestreut, aber es
ist ja noch warm, im Pool
schwimmen die Kröten, die, wenn sie
auf dem Konto, wĂ€r ich flĂŒssig.
Doch es reicht fĂŒr mehr als Brot
und Kartoffeln, ĂŒberflĂŒssig
zu erwÀhnen, dass auch der Rest vom Tag
bedeutungslos vorĂŒberzog. Ich mag
den Alltag, muss nichts reparieren,
kann stattdessen flanieren,
den Nachmittag vorĂŒber ziehen
lassen, bevor des Abends ein Bier
oder Tee die LektĂŒre, geliehen
aus der Bibliothek, begleitet. Das Papier
raschelt gelegentlich.SpÀter geht es ins Bett,
ohne Katz. Die will jagen, MĂ€use fett
vom Kompost und dem, was wir nicht mehr
essen, weil ein Datum behauptet,
die Zeit sei vorbei, doch jemand errechnet,
wann es lohnt, Neues zu schaffen
und zu verkaufen. Ich will lieber schlafen,
diesen Alltag beenden. Nichts mehr schaffen.

Verbunden mit dem Cafe Weltenall, in dem Viele von ihrem Alltag erzÀhlen.

Alles fĂŒr die Katz #88

Hachz. Da hab ich heute wegen etwas ganz anderem herumgestöbert – und dabei das Bild vom Miezchen gefunden, unserem schwarzen Miezchen, als sie noch ganz klein war und mit ihrem weißen PuschelmĂ€uschen gespielt hat. Inzwischen tollt sie woanders herum, ist schon lĂ€ngst nicht mehr bei uns, kam einfach eines Abends nicht mehr nach Hause.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles fĂŒr die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen ĂŒber den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.