In Bayreuth unterwegs

Es gibt Sommerorte und Winterorte. Nachdem ich ein einziges Mal in Bayreuth war, während des Winters, zog mich dort einfach nichts hin. Ich fand die Stadt kalt, grau, steinern, abweisend.

Der Markgraf auf dem Markgrafenbrunnen in Bayreuth.

Gestern war ich noch einmal dort, hatte am späten Nachmittag einen Termin und noch gut zwei Stunden Zeit. Tatsächlich wirkte die Stadt auf mich ganz anders. Es gibt wohl Orte, die unter der Sonne richtig aufblühen. Sie räumen das Mobiliar auf die Straßen, lassen eine leise Brise vorüberziehen, Musik perlt durch offene Fenster, die Vögel singen ihre Melodie dazu, ein leichter Duft nach geröstetem Kaffee liegt in der Luft und lässt mich am Tisch Platz nehmen. Ja, ein Milchkaffee bitte.

Leises Gemurmel an den Nachbartischen, von irgendwo schwebte ein Hauch nach Zigarre. Am Nebentisch zeichneten zwei junge Frauen die steinernen Fassaden auf Papier, erst ganz hingegeben, bis eine von ihnen den Stift auf den Block warf: Bin voll unzufrieden, das wird nichts, sie fährt sich mit den Fingern durch die halblangen Haare und genießt den Widerspruch ihres Gegenübers.

Vor den Geschäften werden die Sonderangebote gelüftet, doch bei Sonnenschein mag niemand in halbdunkle Läden tauchen.

Am anderen Nebentisch berichtet eine, wie ihre Mum übelst ausgerastet ist. Dabei hat sie doch nur vergessen, sich um einen Termin zu kümmern. Aber ich hasse es, wenn jemand so an die Decke geht, erklärt sie ihrer Begleiterin. Man kann das doch auch normal sagen. Jetzt fahre ich die nächsten vier Wochen bestimmt nicht nach Hause, dort geht mir ohnehin alles auf den Keks. Komplett-Eskalation nannte sie es.

Das alles funktioniert aber nur, wenn es draußen warm genug für kurze Ärmel ist. Pfeift dagegen ein eisiger Wind durch die Gassen, regnet es gar oder wird winterlich kalt, werden die Statuen eingehaust und in Bretter gehüllt. Die Menschen dagegen ziehen sich dicke Jacken an und bleiben doch lieber in ihren Stuben hocken. Dann werden auch die Fassaden wieder grau, sandsteingrau, betongrau und die Straßen asphaltgrau, granitgrau und basaltgrau.

Vielleicht komme ich ja jetzt öfter her.

12 Bilder vom 12. Juni

Kaum war Weihnachten, ist schon wieder die Hälfte des nächsten Jahres vorbei. Es ist kaum zu glauben. Doch wie an jedem 12. des Monats will die Blognachbarin mit „Draußen nur Kännchen“ in zwölf Bildern unseren Tag sehen. Nun denn.

Heute morgen guckte ich nach draußen, weil ich wissen wollte, ob die Lieblingshausziege noch in der Nacht heimgekommen war. Da kein Auto im Hof stand, hatte sie wohl bei der Freundin übernachtet. Nun, dann müssen die gestern gebackenen Gemüsetörtchen halt etwas länger warten, bis sie gegessen werden.

Eigentlich hat die Ampel doch auch unten einen solchen weißen Rand, oder?

Dafür war ich nach Kaffee, Zeitungslektüre und Müslifrühstück Richtung Fürth unterwegs. Aber was war mit der Ampel? Der fehlte ja ein Stück? Huch, gleich wird es grün… also schnell los.

Bei Susanne haben wir Pläne geschmiedet und uns für die kommende Woche eine Wanderung vorgenommen.

Knabberkram, Tee, Rosen: So lässt es sich gut planen…

Dann fuhr ich wieder nach Hause, schließlich wollte der Text über die gestrige Gemeinderatssitzung noch geschrieben werden. Im Ofen lungerten die bereits erwähnten Gemüsetörtchen und grinsten mich an, als ich in der Küche nach etwas Essbarem gesucht habe. Was soll ich sagen? Sie haben auch kalt geschmeckt. Selbstverständlich habe ich noch genügend von ihnen übrig gelassen…

Gemüsetörtchen nach Ottolenghi.

Vor dem Pfingstwochenende waren wir auf Holunderblütenfang. Der Sirup wartete bereits darauf, dass er von Holunderblüten und Zitronen befreit in Flaschen gesperrt werden konnte.

Holunderblüten und Zitronenscheiben bleiben im Sieb.

Der Vorrat steht parat und will in den Keller.

Das ging gewissermaßen fast nebenbei. Heute morgen war der Mitbewohner allerdings unterwegs und hat unsere in Israel gekauften Bilder fertig gerahmt abgeholt.
Das Bild „Soldiers at the Wall“ stammt von israelischen Künstler Merioz Udi und ist der meistverkaufte handsignierte Druck.

Die Kombination der Uniformen mit dem Gebetsschal zeigt, dass die Soldaten nicht allein um des Kampfes Willen ihre Uniform tragen, sondern auch für ihren Glauben eintreten:
„Not by might nor by power, but by My Spirit, says the Lord Almighty“
„Nicht durch Macht oder Kraft, sondern den Geist“ (Sacharja 4.6)

Die Zutaten für Hummus.

Da die Bilder die Erinnerungen an die Reise nach Israel weckten, war es nur logisch, dass wir Appetit auf Hummus bekamen. Den hat der Mitbewohner denn auch gleich gebastelt.

Alles wird klein geschreddert.

Essen ist fertig.

Wer mag, findet das Rezept bei den „fränkischen Tapas“.

Und weil im Juni die Rosen im Vorgarten gerade so schön blühen, gibt es noch Rosenbilder. Nutzt nix, da müsst ihr jetzt durch.

Von der Rose hatte ich ja einen kleinen Zweig mit nach Fürth entführt. Steht neben der Teetasse.


Die Rose heißt Alberich und blüht in winzig kleinen Röschen. Weil sie so winzig sind, blühen ganz viele von ihnen zusammen.

Das ist eine Duftrose, die wir vor gut einem Jahr im Rosarium in Sangerhausen als Erinnerung gekauft haben.

Tagebuchbloggen am 5. Juni

Jeden Monatsfünften fragt die nette Blognachbarin, was ich den ganzen Tag lang so mache, oder kurz: WMDEDGT.

Heute war die Nacht seltsam: Gegen zwei war ich wach. Es war heiß, es wurde heftig geschnarcht, eine Katze kuschelte sich an mich. Also siedelte ich aufs Sofa um und las solange im Internet, bis ich wieder müde genug zum Einschlafen war.

Als ich das nächste Mal aufwachte, war es Zeit für Kaffee, Müsli und Zeitungslektüre. Die Lieblingshausziege saß mir gegenüber, las die Überschrift und entschied, dass ich die Zeitung auch später lesen könne. Jetzt sei sie dran.

Ein kurzer WhatsApp-Austausch, dann war ich verabredet und fuhr nach Fürth. Dort gab es Tee, viel wurde beredet und einiges erledigt, bevor ich zügig zurückfuhr. Glücklicherweise hatte mich Susanne daran erinnert, dass wir heute noch einen weiteren Termin vor uns hatten.

Zu Hause gab es etwas zu essen und alles duftete nach Holunderblüten. Der Mitbewohner war schließlich am Vormittag zu unserer Laufstrecke gefahren und hatte dort die voll erblühten Holunderdolden gesammelt. Zwischendrin chattete ich mit der Lieblingshausziege: Da ein Abendkleid leihweise benötigt wurde, fragte ich nach, ob sie eines für kurze Zeit entbehren könne. Sie stimmte zu und ich ging auf die Suche.

Einen Text später hatte ich eine Tasche voller Kleider, zog mich um, fuhr nach Zirndorf, traf mich mit Susanne und ging mit ihr zum Bahnhof. Dort stiegen wir in einen kurzen Zug, in dem bereits andere Menschen waren und zur Begrüßung gab es ein Getränk als Erfrischung. Schließlich war es heiß. Der Zug fuhr nach Cadolzburg. Vom Bahnhof bis zur Burg ist es nur ein kurzes Stück zu Fuß:

Der VGN, der Verkehrsverbund im Großraum Nürnberg, stellte auf der Cadolzburg sein Programm für den diesjährigen Bahnsommer vor, es gab eine kurze Führung durch die Burg und anschließend einen Imbiss nach mittelalterlichen Rezepten.

Wenn etwas an der Decke des Saales erklärt wird, gucken selbstverständlich alle nach oben.

Die Abendsonne lässt einen Giebel der Cadolzburg noch einmal aufleuchten.

Schließlich ging es vollgefuttert und den Kopf und Block mit vielen Informationen gefüllt mit dem Zug wieder zurück nach Zirndorf und für mich mit dem Auto bis nach Hause.