Zum Waldbaden in den Steigerwald

Es war hei├č, es war, nein, nicht laut, aber irgendwie war heute ein Tag, an dem zwar einiges schief schien, sich jedoch schlussendlich gl├╝cklich f├╝gte. Der Treffpunkt war ein Parkplatz, gegen├╝ber vom Schwimmbad, so stand es in der Einladung und ich fuhr rechtzeitig los. Ich h├Ątte – w├Ąre alles gut gegangen – ├╝ber eine halbe Stunde Zeit bis zum Beginn gehabt, doch da nicht immer alles gut geht, war nicht nur Stop-and-Go auf der A3, sondern Stau. Vollsperrung, sagte der Verkehrsfunk.

Naprima. Die n├Ąchste Abfahrt war meine, das Navi wollte, dass ich wende, ich fuhr auf der Landstra├če, viele suchten und ich hoffe, sie fanden, was sie wollten. Die Kennzeichen waren schon reichlich exotisch. Doch der Stau alleine reichte nicht, in gef├╝hlt jedem zweiten Dorf war Party, Umleitung, langsames fahren angesagt. Langsam waren auch die hochmotorisierten Cabriofahrer unterwegs, mit mehr als 100 Pferden unter der Haube zockelten sie mit gerade einmal 70 Stundenkilometern vor mir und es gab keine Gelegenheit zum ├ťberholen.

Naprima. Selbstverst├Ąndlich war ich zu sp├Ąt, selbstverst├Ąndlich war niemand mehr da, selbstverst├Ąndlich ging niemand ans Handy und sagte mir, in welcher Richtung ich jemanden finden w├╝rde.

Die kleine Schlange zeigte mir den Weg.

Ja. Da sa├č ich jetzt, mitten im Steigerwald, nein, nicht mitten im Wald, sondern an der Stra├če, ganz ohne Schatten. Ging erst in die eine Richtung ein paar Schritte, probierte einen zweiten Weg, nein, beide sagten mir nicht zu, also setzte ich mich wieder ins Auto und fuhr in die Richtung, aus der ich nicht gekommen war. Nach kurzer Fahrtzeit ein Parkplatz, nagut, warum nicht. Ich fahre drauf, schnappe Tasche und Kamera und gehe los. Ein paar Schritte nur, dann lotst mich ein schmaler Weg in den Wald, gekennzeichnet mit kleiner Schlange.

Ich bin allein. Nein, bin ich nicht. ├ťber mir unterhalten sich V├Âgel, neben mir raschelt eine Maus durchs d├╝rre Laub und einige mir unbekannte Insekten wollen mich tats├Ąchlich begleiten, wie es scheint.

Ich gehe den Weg entlang, komme ins Tal, laufe im Grund entlang, quere einen Weiher, sehe eine Bank, denke noch, och, nett, k├Ânnte ich mich ja setzen und einfach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, da sehe ich Menschen. Mitten im Wald laufen Menschen. Achnee. Da habe ich sie gefunden, die Menschen, mit denen ich Waldbaden wollte. Eintauchen in das Gr├╝n der Buchen.

Waldbaden. Mitten im Wald.

Man muss sich f├╝rs Waldbaden ├╝brigens keine spezielle Badekleidung zulegen, schn├Âde Alltagskluft reicht v├Âllig aus. Alle atmen ein – und wieder aus. Ach. Das mache ich ja sonst auch, nagut, vielleicht etwas flacher und so nebenbei. Hier soll ich tiefe Atemz├╝ge nehmen, damit ich die von den B├Ąumen ausgeschickten Botenstoffe aufnehmen kann. Die senken den Stresslevel. Nachweislich. Das glaube ich gerne, mein Stresspegel ist schon wieder ziemlich normal, jedenfalls im Vergleich zur Stunde davor.

Waldbaden ist doch mehr als ein gew├Âhnlicher Waldspaziergang. Wir sollen mit allen Sinnen ├╝ber den Waldboden gehen, riechen, f├╝hlen, schauen. Dann sucht sich jeder einen Baum, kann sich anlehnen, ihn umarmen, mit ihm kommunizieren, zur Ruhe kommen. Wir k├Ânnen ihm unsere Sorgen, N├Âte und ├ängste anvertrauen, meint der Waldf├╝hrer. Wer den Baum fragt, bekommt manchmal eine Antwort.

Jeder hat seinen Baum gefunden.

Ich sitze auf dem Baumstamm, sehe den Schwebfliegen zu, h├Âre leises Rauschen und Vogelzwitschern. Ob das Hintergrundrauschen von der Autobahn kommt? Je l├Ąnger ich sitze, desto mehr kann ich h├Âren. Jeder kann einfach bei sich zu Hause einen Wald suchen, einen Baum suchen, m├Âglichst einen, der etwas abgelegen steht und mit ihm reden.

Auf dem R├╝ckweg fordert uns der Waldf├╝hrer noch zu einer Entdeckungsreise auf, einer Reise, die gerade einmal so gro├č wie zwei Handfl├Ąchen ist: Wir sollen uns setzen, mit unseren H├Ąnden eine Fl├Ąche bedecken und in diesem kleinen St├╝ck Welt spazieren. Wonach riecht es dort?

Mehr als einen kleinen Einblick k├Ânne er nicht geben, scheint sich der Waldf├╝hrer f├╝r die kurzweiligen zwei Stunden zu entschuldigen. Doch jeder kann sich dem Wald ganz allein n├Ąhern und in ihm baden, ob mit oder ohne Anleitung. Da w├Ąre es doch sch├Ân, wenn der Steigerwald k├╝nftig zum Weltnaturerbe erkl├Ąrt w├╝rde.

 

Auf dem DLD Campus in Bayreuth

Jeden Freitag streiken die Kinder und Jugendlichen, sie gehen auf die Stra├če und protestieren. Sie werden immer aktiver und haben f├╝r September die n├Ąchste gro├če Demonstration geplant. Sie machen Krach, weil sie sich um ihre Zukunft und die Zukunft der Welt sorgen. Viel ruhiger ging es dagegen auf der Innovationskonferenz DLD Campus zu, der von Hubert Burda Media veranstaltet wird: Im Audimax an der Bayreuther Universit├Ąt tauschten sich Studenten, Unternehmer und Politiker nicht nur ├╝ber die Zukunft der digitalen Welt aus, sondern auch dar├╝ber, wie k├╝nftig Probleme gel├Âst werden k├Ânnen.

Die Techniker bereiten sich vor: Gleich startet der DLD Campus 19 in Bayreuth

W├Ąhrend jedoch Steffi Czerny von DLD vom Quantum Computing schw├Ąrmte, w├╝rde sich Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende von B├╝ndnis 90/ Die Gr├╝nen im Bayerischen Landtag) schon freuen, wenn die digitale Infrastruktur bis in den l├Ąndlichen Raum reicht und jeder Ort in der Zeit zwischen f├╝nf Uhr morgens und Mitternacht an den ├Âffentlichen Personennahverkehr angeschlossen ist und das Netz ausreicht, sich via App nach der n├Ąchsten Abfahrt zu erkundigen.

Podiumsdiskussion mit Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende von B├╝ndnis 90/ die Gr├╝nen im Bayerischen Landtag, sie hat gerade das Mikro in der Hand

In der Podiumsdiskussion wurde denn auch die Versorgung des l├Ąndlichen Raumes mit schnellem Internet hierzulande mit der Situation in Schwellen- und Entwicklungsl├Ąndern verglichen. Dabei fallen mir viele M├Âglichkeiten ein, an die kaum jemand zu denken scheint: Wenn schon so viele Menschen ihre Waren online bestellen, warum kann davon nicht ein kleiner Dorfladen leben? Die Menschen bestellen, was sie gerne h├Ątten – und holen es dort ab, so frisch wie in jedem Supermarkt. Sie sparen sich die Fahrten zum Stadtrand und die M├╝hen des Einkaufs im gro├čen Markt.
Wolfgang Kerler, fr├╝her Journalist bei Wired, ist sich sicher, dass wir hierzulande mehr Optimismus brauchen: ÔÇ×gro├če Narrative haben Einfluss auf uns!ÔÇť – und wir nehmen Technologien als Naturgewalten und uns selbst nur noch als Opfer wahr.
Andreas Kunze von Konux war vor f├╝nf Jahren noch Student. Heute will er mit seinen gut 100 Mitarbeitern weltweit Z├╝ge p├╝nktlicher machen. Wir sollten aufh├Âren, Protokolle zu schreiben und lieber die Technik benutzen, forderte er.
Das habe ich schon vor Jahren ausprobiert und festgestellt: Ich kann mir Dinge besser merken und auch fokussierter notieren, wenn ich mit der Hand schreibe. Also bleibe ich lieber bei Block und Stift. Au├čerdem kann ich nicht mehr ben├Âtigte Bl├Ątter einfach zusammenkn├╝llen und in den Papierkorb werfen. Versuch das mal mit einer Datei! Das ist nicht halb so vergn├╝glich und bringt wesentlich weniger Genugtuung.
├ťber die vermeintliche Erfolgsstory der Kunststoffe sprach Christian Laforsch, Professor an der Bayreuther Universit├Ąt. Sicher, vieles w├Ąre ohne Kunststoffe nicht denkbar. Da allerdings gut 40 Prozent als Verpackung genutzt werden und nach ihrem Eintagsleben als M├╝ll enden, ist das nicht nur f├╝r Fl├╝sse und Meere, sondern bereits f├╝r alle Bereiche unseres Planeten tragisch: ÔÇ×Mikroplastik ist ├╝berallÔÇť, versicherte Laforsch. Nicht nur die Tiere verwechseln Kunststoffe mit Nahrung und verenden, sondern selbst wir Menschen nehmen ├╝ber unser Essen Mikroplastik auf. Das wirkt sich auf die Darmbakterien aus, kann Entz├╝ndungen und Tumore hervorrufen, ist sich Laforsch sicher. Da es hierzu noch mehr Fragen als Antworten gibt, m├╝sse mehr geforscht werden.

Drau├čen war es sonnig und hei├č, das Audimax gl├╝cklicherweise gut temperiert.

Auf der Veranstaltung wurde in den Pausen Essen angeboten. Allerdings war s├Ąmtliches Geschirr Einweggeschirr: Kaffeebecher ebenso wie Kuchenteller, Suppensch├╝ssel und Besteck. War das wirklich n├Âtig? Direkt neben dem Audimax ist die Mensa: Dort war sicherlich gen├╝gend Geschirr f├╝r alle vorhanden.
Als im Laufe des Nachmittags weiter ├╝ber die sch├Âne neue Welt der Computer geschw├Ąrmt wird, erinnerte ich mich daran, was uns bereits vor vielen Jahren versprochen wurde: Schon damals versicherten Forscher und Zukunftsgucker, wie einfach doch die Welt w├╝rde, wenn uns die Technik alles Schwere abnimmt. Sicher, ich brauche nicht mehr aufzustehen, wenn ich das Programm am Fernseher wechseln will. Ich kann auch das Autofenster auf Knopfdruck nach unten fahren lassen. Doch wir arbeiten l├Ąngst nicht weniger, sondern eher mehr, immer verdichteter. Es soll immer mehr in immer k├╝rzerer Zeit geschafft werden. Dabei nehmen uns doch Computer und Roboter so viel ab?
David Hanson von Hanson Robotics kam extra aus Hongkong nach Bayreuth – und ich muss an die Emissionen der Flugzeuge denken. W├Ąre das nicht via Technik einfacher gewesen, ihn direkt zuzuschalten? Nein, w├Ąre es nicht. Eine direkte Kommunikation, bei der sich s├Ąmtliche Beteiligten direkt im gleichen Raum befinden, ist einfach durch nichts zu ersetzen. Sein Traum ist es, richtig lebende Maschinen zu schaffen, doch irgendwie erinnerte ich mich dabei an das Buch Simulacron-3 von Galoye. In diesem erz├Ąhlt der Autor, wie in einem Computer Menschen simuliert werden, und zwar so echt, dass diese ├╝ber ein eigenes Bewusstsein verf├╝gen und nicht merken, dass sie lediglich Software sind.

Drau├čen war intensives Schw├Ątzen angesagt.

Wir haben die Kommunikation und Interaktion zwischen den Menschen noch nicht verstanden, werden von unseren Gef├╝hlen beherrscht, von chemischen und hormonellen Ereignissen geflutet – wie wollen wir das auf Computer ├╝bertragen? Woher wei├č ich denn, wann mich jemand anders liebt? Das wei├č ich einfach, sagte die Lieblingshausziege vor vielen Jahren. Viele Zust├Ąnde kann ich spielen – ohne es wirklich zu sein. Manchmal kann ich entscheiden, wer ich sein will – und manchmal auch nicht. Haben Maschinen auch diese M├Âglichkeiten?
Der Tag war lang und dicht mit Wissen und interessanten Gedanken gepackt, so dicht, dass ich sie hier ohnehin nicht alle aufz├Ąhlen kann. Der zentrale Satz Amerikas: ÔÇ×Alles ist m├ÂglichÔÇť wurde im Silicon Valley zu ÔÇ×Nichts ist unm├ÂglichÔÇť, referierte Hans-Ulrich Gumbrecht, der als Hochschullehrer in Stanford Literatur lehrt. Die Technologien machen Begierden m├Âglich, die es vorher so nicht gegeben hat, res├╝miert er und ist sich sicher, dass es l├Ąngst zu sp├Ąt ist, die Computer noch abzuschalten. Die Programmierer w├╝ssten l├Ąngst nicht mehr, was sich in deren Inneren abspielt und dank Deep Learning ist alles zu einem gewissen Grad l├Ąngst au├čer Kontrolle. Doch dieser Gedanke scheint ihn nicht zu st├Âren: ÔÇ×Ich lebe lieber in einer Risikokultur als in einer FehlervermeidungskulturÔÇť.

Froschk├Ânig, tr├╝b, helfen #abc.et├╝den

Juli raffte alle Sachen zusammen, die sie in Augusts Zimmer fand. Es roch nach ihm, seinem sauren Duft ungewaschener Shirts, k├Ąsiger Socken und lang nicht gewechselter Bettw├Ąsche, in der ein brauner Abdruck seines Kopfes davon zeugte, dass er am Ende Haarewaschen ├╝berfl├╝ssig fand. Der Knoblauch, den er mit trockenem Brot als ausreichende Ern├Ąhrung f├╝r hundertj├Ąhriges Leben behauptet hatte, schwebte mit seinem leichten Hauch nach Verwesung und tr├╝ben Eiern im Zimmer, hatte sich gewisserma├čen fest in Tapeten und Ritzen gekrallt.
Sie griff zwei der blauen S├Ącke, die sie voll gestopft hatte und zerrte sie ohne Hilfe ├╝ber die Treppen bis in den Keller. Auf dem Weg zur├╝ck fand sie einen kleinen gr├╝nen Frosch mit dem goldenen Kr├Ânchen. August war f├╝nf Jahre alt, als er ihn von einem Freund des Vaters geschenkt bekam, w├Ąhrend sie sich ├╝ber eine Stoffschlange freuen sollte. Sie hatte das Mitbringsel gleich nach dem Wochenende im M├╝lleimer entsorgt, doch August warf seinen Frosch mit nicht nachlassender Wut an die Wand: ÔÇ×Du bist gar kein echter Froschk├Ânig!ÔÇť, br├╝llte er das mit Reisk├Ârnern gef├╝llte Stofftier an, wenn es wieder einmal nicht wie ein Ball zur├╝ckgeprallt oder sich in einen Prinzen verwandelt hatte, sondern mit einem leisen Seufzer zu Boden gerutscht war.
Juli sah August so lebhaft vor sich, als h├Ątte sich die Zeit zwanzig Jahre zur├╝ckgedreht und sie st├╝nde vor der damals noch unverputzten Mauer, auf der die Handwerker in gro├čen Lettern ÔÇ×Mamas PalastÔÇť geschrieben hatten. Sie wollte August schon damals loswerden, am liebsten f├╝r immer. Als sie jedoch den schlaffen Frosch in der Hand hielt, wurde ihr schlagartig klar, dass er jetzt zwar f├╝r den Rest ihres Lebens verschwunden war, sie ihn daf├╝r aber fester als je zuvor an sich gekettet trug und das nicht nur, weil sein Fingerabdruck als Anh├Ąnger um ihren Hals hing.

Nicht jeder Frosch ist ein K├Ânig.

Verbunden mit: Irgendwas ist immer und den abc.et├╝den: 300 Worte, in denen drei vorgegebene Wortspenden untergebracht werden m├╝ssen.

Vorsichtshalber: Selbstverst├Ąndlich ist alles nur erfunden. Logisch. Ich kenne niemanden, der Juli oder August hei├čt.

In Bayreuth unterwegs

Es gibt Sommerorte und Winterorte. Nachdem ich ein einziges Mal in Bayreuth war, w├Ąhrend des Winters, zog mich dort einfach nichts hin. Ich fand die Stadt kalt, grau, steinern, abweisend.

Der Markgraf auf dem Markgrafenbrunnen in Bayreuth.

Gestern war ich noch einmal dort, hatte am sp├Ąten Nachmittag einen Termin und noch gut zwei Stunden Zeit. Tats├Ąchlich wirkte die Stadt auf mich ganz anders. Es gibt wohl Orte, die unter der Sonne richtig aufbl├╝hen. Sie r├Ąumen das Mobiliar auf die Stra├čen, lassen eine leise Brise vor├╝berziehen, Musik perlt durch offene Fenster, die V├Âgel singen ihre Melodie dazu, ein leichter Duft nach ger├Âstetem Kaffee liegt in der Luft und l├Ąsst mich am Tisch Platz nehmen. Ja, ein Milchkaffee bitte.

Leises Gemurmel an den Nachbartischen, von irgendwo schwebte ein Hauch nach Zigarre. Am Nebentisch zeichneten zwei junge Frauen die steinernen Fassaden auf Papier, erst ganz hingegeben, bis eine von ihnen den Stift auf den Block warf: Bin voll unzufrieden, das wird nichts, sie f├Ąhrt sich mit den Fingern durch die halblangen Haare und genie├čt den Widerspruch ihres Gegen├╝bers.

Vor den Gesch├Ąften werden die Sonderangebote gel├╝ftet, doch bei Sonnenschein mag niemand in halbdunkle L├Ąden tauchen.

Am anderen Nebentisch berichtet eine, wie ihre Mum ├╝belst ausgerastet ist. Dabei hat sie doch nur vergessen, sich um einen Termin zu k├╝mmern. Aber ich hasse es, wenn jemand so an die Decke geht, erkl├Ąrt sie ihrer Begleiterin. Man kann das doch auch normal sagen. Jetzt fahre ich die n├Ąchsten vier Wochen bestimmt nicht nach Hause, dort geht mir ohnehin alles auf den Keks. Komplett-Eskalation nannte sie es.

Das alles funktioniert aber nur, wenn es drau├čen warm genug f├╝r kurze ├ärmel ist. Pfeift dagegen ein eisiger Wind durch die Gassen, regnet es gar oder wird winterlich kalt, werden die Statuen eingehaust und in Bretter geh├╝llt. Die Menschen dagegen ziehen sich dicke Jacken an und bleiben doch lieber in ihren Stuben hocken. Dann werden auch die Fassaden wieder grau, sandsteingrau, betongrau und die Stra├čen asphaltgrau, granitgrau und basaltgrau.

Vielleicht komme ich ja jetzt ├Âfter her.

12 Bilder vom 12. Juni

Kaum war Weihnachten, ist schon wieder die H├Ąlfte des n├Ąchsten Jahres vorbei. Es ist kaum zu glauben. Doch wie an jedem 12. des Monats will die Blognachbarin mit „Drau├čen nur K├Ąnnchen“ in zw├Âlf Bildern unseren Tag sehen. Nun denn.

Heute morgen guckte ich nach drau├čen, weil ich wissen wollte, ob die Lieblingshausziege noch in der Nacht heimgekommen war. Da kein Auto im Hof stand, hatte sie wohl bei der Freundin ├╝bernachtet. Nun, dann m├╝ssen die gestern gebackenen Gem├╝set├Ârtchen halt etwas l├Ąnger warten, bis sie gegessen werden.

Eigentlich hat die Ampel doch auch unten einen solchen wei├čen Rand, oder?

Daf├╝r war ich nach Kaffee, Zeitungslekt├╝re und M├╝slifr├╝hst├╝ck Richtung F├╝rth unterwegs. Aber was war mit der Ampel? Der fehlte ja ein St├╝ck? Huch, gleich wird es gr├╝n… also schnell los.

Bei Susanne haben wir Pl├Ąne geschmiedet und uns f├╝r die kommende Woche eine Wanderung vorgenommen.

Knabberkram, Tee, Rosen: So l├Ąsst es sich gut planen…

Dann fuhr ich wieder nach Hause, schlie├člich wollte der Text ├╝ber die gestrige Gemeinderatssitzung noch geschrieben werden. Im Ofen lungerten die bereits erw├Ąhnten Gem├╝set├Ârtchen und grinsten mich an, als ich in der K├╝che nach etwas Essbarem gesucht habe. Was soll ich sagen? Sie haben auch kalt geschmeckt. Selbstverst├Ąndlich habe ich noch gen├╝gend von ihnen ├╝brig gelassen…

Gem├╝set├Ârtchen nach Ottolenghi.

Vor dem Pfingstwochenende waren wir auf Holunderbl├╝tenfang. Der Sirup wartete bereits darauf, dass er von Holunderbl├╝ten und Zitronen befreit in Flaschen gesperrt werden konnte.

Holunderbl├╝ten und Zitronenscheiben bleiben im Sieb.

Der Vorrat steht parat und will in den Keller.

Das ging gewisserma├čen fast nebenbei. Heute morgen war der Mitbewohner allerdings unterwegs und hat unsere in Israel gekauften Bilder fertig gerahmt abgeholt.
Das Bild „Soldiers at the Wall“ stammt von israelischen K├╝nstler Merioz Udi und ist der meistverkaufte handsignierte Druck.

Die Kombination der Uniformen mit dem Gebetsschal zeigt, dass die Soldaten nicht allein um des Kampfes Willen ihre Uniform tragen, sondern auch f├╝r ihren Glauben eintreten:
„Not by might nor by power, but by My Spirit, says the Lord Almighty“
„Nicht durch Macht oder Kraft, sondern den Geist“ (Sacharja 4.6)

Die Zutaten f├╝r Hummus.

Da die Bilder die Erinnerungen an die Reise nach Israel weckten, war es nur logisch, dass wir Appetit auf Hummus bekamen. Den hat der Mitbewohner denn auch gleich gebastelt.

Alles wird klein geschreddert.

Essen ist fertig.

Wer mag, findet das Rezept bei den „fr├Ąnkischen Tapas“.

Und weil im Juni die Rosen im Vorgarten gerade so sch├Ân bl├╝hen, gibt es noch Rosenbilder. Nutzt nix, da m├╝sst ihr jetzt durch.

Von der Rose hatte ich ja einen kleinen Zweig mit nach F├╝rth entf├╝hrt. Steht neben der Teetasse.


Die Rose hei├čt Alberich und bl├╝ht in winzig kleinen R├Âschen. Weil sie so winzig sind, bl├╝hen ganz viele von ihnen zusammen.

Das ist eine Duftrose, die wir vor gut einem Jahr im Rosarium in Sangerhausen als Erinnerung gekauft haben.

Tagebuchbloggen am 5. Juni

Jeden Monatsf├╝nften fragt die nette Blognachbarin, was ich den ganzen Tag lang so mache, oder kurz: WMDEDGT.

Heute war die Nacht seltsam: Gegen zwei war ich wach. Es war hei├č, es wurde heftig geschnarcht, eine Katze kuschelte sich an mich. Also siedelte ich aufs Sofa um und las solange im Internet, bis ich wieder m├╝de genug zum Einschlafen war.

Als ich das n├Ąchste Mal aufwachte, war es Zeit f├╝r Kaffee, M├╝sli und Zeitungslekt├╝re. Die Lieblingshausziege sa├č mir gegen├╝ber, las die ├ťberschrift und entschied, dass ich die Zeitung auch sp├Ąter lesen k├Ânne. Jetzt sei sie dran.

Ein kurzer WhatsApp-Austausch, dann war ich verabredet und fuhr nach F├╝rth. Dort gab es Tee, viel wurde beredet und einiges erledigt, bevor ich z├╝gig zur├╝ckfuhr. Gl├╝cklicherweise hatte mich Susanne daran erinnert, dass wir heute noch einen weiteren Termin vor uns hatten.

Zu Hause gab es etwas zu essen und alles duftete nach Holunderbl├╝ten. Der Mitbewohner war schlie├člich am Vormittag zu unserer Laufstrecke gefahren und hatte dort die voll erbl├╝hten Holunderdolden gesammelt.┬áZwischendrin chattete ich mit der Lieblingshausziege: Da ein Abendkleid leihweise ben├Âtigt wurde, fragte ich nach, ob sie eines f├╝r kurze Zeit entbehren k├Ânne. Sie stimmte zu und ich ging auf die Suche.

Einen Text sp├Ąter hatte ich eine Tasche voller Kleider, zog mich um, fuhr nach Zirndorf, traf mich mit Susanne und ging mit ihr zum Bahnhof. Dort stiegen wir in einen kurzen Zug, in dem bereits andere Menschen waren und zur Begr├╝├čung gab es ein Getr├Ąnk als Erfrischung. Schlie├člich war es hei├č. Der Zug fuhr nach Cadolzburg. Vom Bahnhof bis zur Burg ist es nur ein kurzes St├╝ck zu Fu├č:

Der VGN, der Verkehrsverbund im Gro├čraum N├╝rnberg, stellte auf der Cadolzburg sein Programm f├╝r den diesj├Ąhrigen Bahnsommer vor, es gab eine kurze F├╝hrung durch die Burg und anschlie├čend einen Imbiss nach mittelalterlichen Rezepten.

Wenn etwas an der Decke des Saales erkl├Ąrt wird, gucken selbstverst├Ąndlich alle nach oben.

Die Abendsonne l├Ąsst einen Giebel der Cadolzburg noch einmal aufleuchten.

Schlie├člich ging es vollgefuttert und den Kopf und Block mit vielen Informationen gef├╝llt mit dem Zug wieder zur├╝ck nach Zirndorf und f├╝r mich mit dem Auto bis nach Hause.