Die erste Eisenbahn #Rostparade

1835, also vor gut 184 Jahren, fuhr die erste Eisenbahn von NĂŒrnberg nach FĂŒrth. Sechs Kilometer weit ging die Reise auf gerade verlegten Schienen, da die kleine Bahn noch keine Kurven fahren konnte. Heute tobt der Verkehr am damals noch kleinen Bahnhof, der nicht etwa dort war, wo er heute liegt, sondern am PlĂ€rrer, einem großen Platz. Unten in der U-Bahn erinnern die Wandfliesen an die Geschichte der Eisenbahn. Das Denkmal auf der Strecke war mehrfach im Weg und wurde immer wieder an anderer Stelle errichtet, bis es heute direkt ĂŒber der U-Bahn-Linie seinen – vielleicht – endgĂŒltigen Platz fand.

Neulich blieb uns nach einem Besuch im Germanischen Nationalmuseum noch genĂŒgend Zeit fĂŒr ein: Ach, lass uns doch mal die Strecke zwischen NĂŒrnberg und FĂŒrth laufen, genau die Strecke, die damals die kleine Eisenbahn fuhr. Heute verlĂ€uft die Straße dort immer noch schnurgerade, auch wenn hier lĂ€ngst keine Schienen mehr liegen, sondern vierspuriger Verkehr auf Asphalt unterwegs ist.

An einer Stelle wird die Straße von einer neuen EisenbahnbrĂŒcke ĂŒberquert, auf der noch sĂ€mtliche Notizen der letzten Renovierung vermerkt sind.

Der Blick unter dieselbe zeigt: Irgendwie hat alles gut gehalten. Es ist kaum Rost zu sehen.

Verbunden mit: Der Rostparade bei cubusregio.

Mit dem VGN nachhaltig unterwegs

Heute ist der Tag, an dem wir die jÀhrlichen ErtrÀge der Erde bereits vernascht haben. Morgen ist auch noch ein Tag? Ja, und?

Wollten die Menschen in frĂŒheren Zeiten im FrĂŒhjahr Saatgut in die Erde bringen, mussten sie genĂŒgend davon aufheben: So entstand der Ursprung von Kultur. Es wurde nicht nur gesammelt, was gerade am Wegrand verfĂŒgbar war, sondern so viel gesĂ€t und geerntet, dass es ĂŒber den Winter hinweg bis zur nĂ€chsten Aussaat reichte. Fiel die Ernte mager aus, gab es nicht genĂŒgend zum Essen und manchmal auch nicht genĂŒgend Saatgetreide. Seit jedoch die ErtrĂ€ge der ganzen Welt auf unserem Teller landen, fĂ€llt es uns nicht mehr auf, dass die Erde ĂŒberhaupt nicht so viel produzieren kann, wie wir verbrauchen. Die Regale im Supermarkt sind ja voll. Allerdings lĂ€sst unser Überfluss anderswo Menschen hungern: Damit genĂŒgend Kartoffelchips in den Regalen stehen, kaufen die Produzenten die Ernte dort auf, wo es Kartoffeln gibt. Ohne RĂŒcksicht darauf, dass Kartoffeln dort dann teurer und womöglich fĂŒr die dort lebenden Menschen unbezahlbar werden.

Was hat das nun mit dem VGN zu tun, dem Verkehrsverbund im Großraum NĂŒrnberg?

Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick allerdings eine Menge. Ich kann nĂ€mlich den Zug oder Bus benutzen, damit mein Auto stehen lassen und trotzdem mit dem Rad oder zu Fuß die Region rund um NĂŒrnberg entdecken.

Ist der Bahnhof barrierefrei mit Aufzug ausgestattet, brauche ich das Rad nicht via Treppe auf den Bahnsteig zu bugsieren. Das ist praktisch, allerdings noch nicht ĂŒberall verfĂŒgbar. In Forchheim steige ich also in den Regionalzug nach NĂŒrnberg, weil ich mich dort mit anderen Radfahrern, Tour-Guide Nora Beyer und Uli BĂŒscher vom VGN treffen will. Da wir jedoch von FĂŒrth aus unsere Tour auf dem Hohenzollernradweg starten, geht es mit der S-Bahn drei Stationen zurĂŒck.

In FĂŒrth wartet Joanna Bacik vom Regionalmanagement des Landkreises FĂŒrth und stellt den Erlebnisradweg Hohenzollern vor. Dieser verbindet einzelne Stationen des FĂŒrstengeschlechtes und reicht von NĂŒrnberg bis nach Ansbach. Als die Hohenzollern im 12. Jahrhundert als Burggrafen und damit Burgverwalter auf die Kaiserburg kamen, nutzten sie eifrig die NĂ€he zu ihren jeweiligen Chefs, stĂ€rkten ihre Macht durch familiĂ€re Beziehungen und waren damit erfolgreich, jedenfalls so lange, bis Wilhelm II. am 28. November 1918 als deutscher Kaiser abdanken musste.

Mit der speziell fĂŒr den Erlebnisradweg entwickelten App lassen sich insgesamt elf Stationen virtuell zum Leben erwecken. Der Silber und Schwarz geviertelte Schild der Hohenzollern zeigt somit nicht nur Richtung und Weg, sondern auch die Stationen, an denen per App und Handy Geschichte lebendig werden kann.

Mit App, Tablet oder Smartphone wird am Erlebnisradweg Hohenzollern Geschichte virtuell lebendig.

Da am Dreiherrschaftsbrunnen in FĂŒrth fĂŒr den QR-Code der App kein Platz war, ist sie am zehn Meter entfernten BrezenhĂ€uschen angebracht.

Irgendwann ist jedoch genug erklĂ€rt, und wir fahren mit dem Rad nur ein kurzes StĂŒck noch durch die Stadt via Veitsbronn bis Langenzenn. Vor dem ehemaligen Kloster ist ebenfalls ein QR-Code zu finden.

vor dem Kloster in Langenzenn gibt es wieder einen QR-Code

Die Strecke ist relativ eben und lĂ€sst sich – bis auf den letzten Anstieg kurz vor der Cadolzburg – ganz leicht mit dem Rad fahren. Dass es an diesem Tag heiß ist – geschenkt. In Cadolzburg ist jedenfalls Endstation. Allerdings nicht ohne Burgbesichtigung mit FĂŒhrung durch den MuseumspĂ€dagogen Max Keck.

Virtuelle RealitÀt in der Cadolzburg

Da ich zur Neueröffnung der Cadolzburg schon einmal an einer wirklich sehr informativen FĂŒhrung teilgenommen habe, verlinke ich diese hier einfach. Bitte sehr, hier entlang: Herrschaftszeiten in Cadolzburg.

Die Burg brannte kurz vor Kriegsende aus. Ein Teil bleibt deswegen zur Erinnerung so stehen.

Die Tour zur Cadolzburg ist ĂŒbrigens eine der acht Touren, die der VGN-Bahnsommer in diesem Jahr bietet und die alle zu attraktiven und nicht ganz so bekannten Zielen in Franken und der Oberpfalz fĂŒhren.

Ich nahm an der Tour auf Einladung des VGN und Regionalmanagement des Landkreises FĂŒrth teil, fand jedoch dieses TeilstĂŒck des Radweges interessant genug, um mir demnĂ€chst die gesamten 95 Kilometer vorzunehmen.

„Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen

Heute morgen wollte ich den Blogbeitrag von Juna Grossmann: „Mit den Augen der TĂ€ter“ kommentieren, aber es ging nicht. Weil die Technik nicht wollte, weil das Internet etwas dagegen hatte, weil, ja, keine Ahnung, warum. Es hat eben nicht funktioniert, wie manches nicht funktioniert, das mit Computern zu tun hat und ich mich so an diesen Error Nummer-irgendwie gewöhnt habe, dass es mich eben nicht wundert, wenn nicht alles funktioniert.

Der Beitrag erinnerte mich nĂ€mlich an ein Buch, das seit einiger Zeit bei mir im Regal steht, bereits gelesen wurde und das ich schon immer hier vorstellen wollte. „Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen erschien 2014 bei Rowohlt und bekam im gleichen Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse. In einer Art Vorwort beschreibt Lethen seinen Weg in die Wirklichkeit der Medien und erzĂ€hlt, dass Bilder wesentlich lĂ€nger im GedĂ€chtnis bleiben als, beispielsweise, der Schmerz eines Foxterrierbisses. Den eigentlichen Auftakt bildet jedoch eine Szene, in der sich Marina Abramovic und Ulay nackt im Eingang der Galleria Communale d’Arte Moderna in Bologna gegenĂŒberstehen. Die Besucher mĂŒssen sich zwischen beiden hindurchzwĂ€ngeln. Innen zeigen zwei Bildschirme, wie die Passanten ein- und wieder auftauchen. Erst diese „rufen ins Bewusstsein, dass man etwas verpasst hat“.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“

ZunĂ€chst ist eine Photographie eine Lichtmalerei: Wird ein Körper auf dem Film abgebildet, befand er sich auch real vor der Kamera und wurde – wenigstens im Zeitalter der analogen Fotografie – chemisch gespeichert. Doch oft offenbart sich das Bild erst aus dem Kontext, der Beschreibung: Auf dem Umschlag ist eine Frau abgebildet, sie wendet dem Betrachter den RĂŒcken zu, geht durch Wasser zum Ufer, den Rock etwas geschĂŒrzt, vielleicht soll er nicht nass werden. Die RĂŒckseite des Fotos vermerkt „Die Minenprobe. Vom Donez zum Don 1942“. Mit dieser Beschreibung wandelt sich das scheinbare Idyll und wird damit zum Beweis einer gelebten Unmenschlichkeit, die lebendige Menschen als MinensuchgerĂ€t einsetzten und deren möglichen Tod billigend in Kauf nahmen.

Lethen sucht eine RealitĂ€t, die sich hinter den Bildern verbirgt und schildert in vielen Beispielen seine darin vermuteten ZusammenhĂ€nge. Er erkennt, dass ein Bild eben nicht tausend Worte ersetzen, sondern oft noch nicht einmal fĂŒr sich selbst sprechen kann. Sollen Bilder als historische Beweise dienen, braucht es das Wissen um die ZusammenhĂ€nge ihrer Entstehung. Damit spricht er den Fotografien das reale Abbild der Wirklichkeit ab. Sie sind – seiner Ansicht nach – der Absicht des Fotografen geschuldet, der seinen Fotoapparat nach den Regeln der Kunst und der Komposition bedient.

Ich fand es faszinierend, wie prÀzise Lethen Bilder analysiert und kritisiert. Er beschreibt, verweist und schult ganz nebenbei das Sehen selbst. Er untersucht die Bilder nicht systematisch, sondern eher biografisch, anhand seiner eigenen Erinnerungen und mÀandert dabei durch viele Jahre bundesrepublikanische Bildgeschichte. Und er lÀdt ein, ihn auf seinen Gedanken zu begleiten und selbst zu denken.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“, erschienen 2014 bei Rowohlt
als E-Book fĂŒr 9,99 Euro, als Hardcover fĂŒr 19,85 Euro.

Samstagsplausch

WĂ€hrend der Regen heute ein leises Lied auf die Fenster getröpfelt hat, habe ich gebĂŒgelt. Ja, gebĂŒgelt. Ich finde bĂŒgeln nicht nur meditativ, sondern es eignet sich ausgezeichnet zum nachdenken.

Und da gab es so einiges:

Ganz egal ob der Ausstoß von Kohlendioxid nun besteuert oder qua Emissionshandel anderweitig teurer werden soll und ganz egal, ob die Regierung nun versichert, dass niemand unnötig und ĂŒberhaupt dadurch belastet werden soll. Ganz gleich, wie hoch in den vergangenen Jahren der Benzinpreis gestiegen ist – fahren deswegen weniger mit unseren Autos? Werden statt dessen die (nicht mit Strom betriebenen) FahrrĂ€der oder gar die eigenen FĂŒĂŸe zur Fortbewegung genutzt? Statt dessen sollen jetzt E-Scooter kurze Entfernungen ĂŒberbrĂŒcken, auf dass ja niemand mehr laufen muss.

Einkaufen: Steht der Einkaufsmarkt weit vor dem Ort, brauche ich das Auto. Logisch. DafĂŒr gehe ich aber nicht mehr tĂ€glich hin, sondern wöchentlich. Ich kaufe mehr, schließlich soll es ja die Woche ĂŒber reichen, und ich brauche mehr Platz im KĂŒhlschrank, also wieder mehr Strom. Es ist wie eine Spirale, die sich stets höher dreht.

Kochen: Wer kochen lernt, braucht Zeit und Geduld. So ganz einfach ist es nicht, auch wenn sich manche Rezepte einfach lesen. Ich weiß noch genau, wie lange ich geĂŒbt habe, bis ich die Pfannekuchen unfallfrei und am StĂŒck aus der Pfanne holen konnte. Bis dahin war es eher eine Art „Rupfkuchen“, oder, wie die Ă€lteste Lieblingshausziege sagte, Mama, lass mal, ich esse die Eierkuchen lieber bei Oma. Wer schon einmal auf der Hausfrauenmesse zusehen konnte, wie virtuos dort KĂŒchen- und andere GerĂ€te gehandhabt werden, ahnt sicher, dass diese nicht immer das Leben leichter, sondern nur die SchrĂ€nke voller machen. Oft reicht es aus, Dinge lange genug zu ĂŒben: Ich weiß noch, wie ich meine Uroma bewundert habe, wenn sie mit einem einzigen Schnitt die dann geringelte Schale vom Apfel oder der Kartoffel geschĂ€lt hat. DAS wollte ich auch hinkriegen. Inzwischen ist es mir nicht mehr so wichtig, aber ich nehme bis heute lieber ein kleines Messer zum KartoffelschĂ€len als einen fĂŒr mich unbequemeren SparschĂ€ler. Auf einer guten Reibe sind Kartoffeln und Möhren bereits fertig gerieben, wenn ich anderenfalls erst die KĂŒchenmaschine aufgebaut hĂ€tte. Und damit wĂ€ren die Einzelteile der Maschine nach der Arbeit noch nicht einmal sauber.

AbgestĂŒrzt. Wenn alles so weiter geht, wird das wohl irgendwann passieren.

Jedenfalls haben wir einen alten Gefrierschrank im Keller ausgerĂ€umt und ausgeschaltet. Da der Mitbewohner neugierig war, hat er nachgemessen: Die Stromrechnung dĂŒrfte allein damit bereits fĂŒnf Euro monatlich geringer ausfallen.

Vielleicht sollte jeder ein bestimmtes Kontingent an Energie bekommen. Das kann er nach Herzenslust und -laune fĂŒr Strom, Benzin und auch fĂŒr FlĂŒge oder Kreuzfahrten nutzen. Wenns nicht reicht, nun, dann kann er ja gucken, ob er jemandem, der weniger braucht, etwas abkaufen kann. Andernfalls, nun, dann ist eben noch Monat ĂŒbrig.

Nein, die Energiewende ist nichts, was ich im eigenen Haushalt irgendwie hinkriegen könnte, auch dann nicht, wenn noch zehn andere Menschen mitmachen. Da brauchen wir deutlich mehr Menschen, die mitmachen. Bis es die Politiker endlich begreifen.

Statt dessen ist die rechte Spur auf den Autobahnen dicht von Lastkraftwagen besetzt. Es ist ja billiger, Milch aus Berchtesgaden nach Bayreuth in die Molkerei zu fahren, als gleich in Oberbayern in Flaschen zu fĂŒllen. Es ist auch billiger, Einzelteile fĂŒr jeden Arbeitsschritt in ein anderes Unternehmen zu fahren, statt alles an einem Ort zu fertigen. Das kostet ja nur Sprit, verursacht Stau und zerstört die Fahrbahnen. Daran kann ich nichts Ă€ndern, die Politiker jedoch wohl.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und ihrem Samstagsplausch. Auch wenn er heute wenig vergnĂŒglich ausfiel.

 

12 Bilder vom 12. Juli

Wie jeden 12. des Monats gibt es auf Wunsch von Caro zwölf Bilder vom Tag: Heute war ich nicht unterwegs, sondern in KĂŒche und Bad beschĂ€ftigt. Allerdings nur dann, wenn ich nicht gerade telefonieren, mailen, schreiben und nachdenken musste.

angenagtes Zyperngras.

Nach dem Kaffee war jedenfalls erst einmal der Herd fĂ€llig. Zwischen den Flaschen mit Öl und Essig steht Zyperngras, hĂŒbsch eingebaut, damit die Katzen nicht so viel daran knabbern. Leider hat es doch nicht so viel genutzt. Fast alle BlĂ€tter sind ab- oder wenigstens angefressen. Ich auch.

Ein Weckglas als Aquarium. FĂŒr Schnecken.

Den Schnecken im Aquarium gönne ich mal ein bisschen frisches Wasser und eine kleine Gurkenscheibe. Es ist zwar auf dem Foto nicht zu sehen, aber die Schnecken sind ganz schön schnell, wenn es was zu futtern gibt.

altes KĂŒchenhĂ€ngeschrĂ€nkchen.

Unten auf der Terrasse steht das kleine KĂŒchenhĂ€ngeschrĂ€nkchen, das von meiner Oma stammt und jetzt von der Lieblingshausziege aufpoliert wird. Echtes Flair aus den fĂŒnfziger Jahren: Es hat nicht nur SchiebetĂŒren, sondern ist unten etwas weniger tief als oben. So bleibt der Kopf auch in einer engen KĂŒche ohne Beule.

Echinacea mit Besuch.

Weil ich schon einmal unten bin, freue ich mich ĂŒber den Besuch in der Echinacea-Staude. Ich soll aufpassen, ruft der Mitbewohner von oben, wĂ€hrend er am Fenster steht und den Rahmen streicht, damit dieser noch weitere fĂŒnfzig Jahre halten kann.

Der Fensterrahmen wird gestrichen.

Neulich saßen Wespen in den Rosen, warnt er mich. TatsĂ€chlich. Da lasse ich die Rose lieber dort, wo sie jetzt ist.

Rose mit Bewohner.

Innen wartet ein PĂ€ckchen auf mich, mit lauter kleinen WasserbĂ€llen. Die brauche ich fĂŒr meine Pekip-Gruppen in NĂŒrnberg, weil das die einzigen WasserbĂ€lle sind, die ohne Phtalat zu kriegen sind.

Kleine WasserbÀlle

Hach. Der Mitbewohner kruschelt immer noch in der KĂŒche und bastelt, aber was er kocht, wird wohl erst spĂ€ter fertig. Ich habe jetzt Hunger und lasse mich spontan von Ichlebejetzt! zu einem Pfannkuchenfreitag inspirieren. Erdbeermarmelade ist auch noch da.

FĂŒr Pfannkuchen sind alle Zutaten immer im Haus.

Draußen fĂ€ngt es an zu regnen und wird immer dunkler. Da! Ein Blitz! Ein Gewitter! Aber wozu haben wir schließlich eine Gewitterkerze. Ich zĂŒnde sie an – und das Unwetter zieht vorbei.

Gewitterkerzen sind immer schwarz. Diese ist aus WalldĂŒrn.

Die Katze interessiert das nicht. Sie liegt auf dem SchrÀnkchen und schlÀft. War was?

Die Katze wacht nicht, sie schlÀft.

Noch ein bisschen Badputz. In die Seifenschale kommt eine frische Seife, die letzte, die wir vor zwei Jahren aus Russland mitgebracht haben.

echt russische Seife.

Den zerbrochenen Kamm lege ich zurĂŒck in die Schublade. Das eingeprĂ€gte „handgesĂ€gt“ auf ihm hat mich schon immer interessiert. Vielleicht mache ich mich mal auf die Suche danach, wie so ein Kamm „handgesĂ€gt“ wird.

zerbrochener Kamm

Jetzt ist Schluss mit Putzen: Aus der KĂŒche duftet es und der Mitbewohner ruft zum Essen. Was es gibt? Schaut einfach bei den FrĂ€nkischen Tapas nach.

Ideen wachsen wie Blumen

Raunen weise Frauen in TrÀumen, können nÀchtens seltsame Dinge geschehen:
Manchmal raunen sie, es sei nicht genug. Es ist nie genug. Ich hĂ€tte die PrĂŒfungen nicht bestanden.
Aber wann ist es Zeit, wann ist es genug?
Nachts funkeln die Sterne und glitzern auch dann kalt, wenn es unten so warm ist, dass ich nicht schlafen kann. Sie sind unerreichbar, egal wie hoch ich mich recke. Mir reicht das Laken, doch die Katze will kuscheln und schmiegt sich mit ihrem dichten Fell an meinen RĂŒcken.
Beginnt ein neues Jahr, halten die Menschen inne, zÀhlen nach, denken, entwerfen PlÀne und sortieren ihre Möglichkeiten. Ist alles da? Ob es reicht? Kaum drei Wochen spÀter ist alles vergessen, alles geht seinen gewohnten Gang.
Doch manchmal kommt spĂ€ter ein Stups, ein Anstoß, etwas, das aufhorchen lĂ€sst, mich aus dem gewohnten Allerlei reißt.
Der Blogpost von Ich lebe jetzt! war im Februar ein solcher Anstoß: TschĂŒĂŸ, denkst. 
Jetzt ist Sommer.
Wir haben den Boden bereitet, alles Unkraut gezupft und Ideen gesÀt. Inzwischen keimen die ersten Ideen wie kleine PflÀnzchen.
Seid neugierig. Bleibt neugierig. Ich verrate bald mehr davon. 

FĂŒr Martha

Du bist — ein MĂ€dchen.

Weil du ein MĂ€dchen bist, sollst du leise sein,
anschmiegsam und lieb, die weiße Strumpfhose nicht mit Grasflecken bekleckern und,
liebe MÀdchen hört man nicht.
Hör nicht darauf.
Sei zickig, fordernd und laut,
du hast die gleichen Rechte wie dein Bruder,
der seine Zwistigkeiten mit einem Schlag klÀren kann.
Verzichte nicht – aus Nettigkeit und
weil dir der Frieden, die Liebe und das: hoffentlich-mögen-mich-alle
wichtiger ist als
das zu bekommen, was dir zusteht.

Leider lernen viele MĂ€dchen, dass sie nur dann beachtet werden,
wenn sie den niedlichen Augenaufschlag meistern.
Sie werden belohnt, wenn sie aufgeben, klein bleiben und
die Großen machen lassen.

Vielleicht schaffst du es, kein MĂ€dchen zu werden, fĂŒr das gezupfte Brauen, lackierte FingernĂ€gel und geschminkte Augen eine grĂ¶ĂŸere Rolle als Infinitesimalrechnung oder Kosten-Nutzen-Relationen spielen: „Wer seinen Doktor im dritten Semester noch nicht hat, muss ihn selber machen“, hieß es an der Uni.

MĂ€dchen gelten selbst dann als zickig, wenn sie Tornado fliegen und mit dem G36 in Afghanistan schießen.

Google weiß Bescheid und ergĂ€nzt:
Du MĂ€dchen… bist einfach peinlich.
Warum sind MĂ€dchen so… zickig.

MÀdchen haben: WutanfÀlle, Frauen sprechen an, was sie stört.
MĂ€dchen wollen Prinzessin sein.
MĂ€dchen ist ihr Aussehen wichtig.
MĂ€dchen wissen, dass sie von MĂ€nnern finanziert werden. Erst vom Vater – spĂ€ter vom Mann.
MĂ€dchen sind Konkurrentinnen.
MÀdchen sind stolz darauf, nichts zu können.
MĂ€dchen wollen Aufmerksamkeit und Bewunderung.

Doch, alles MĂ€dchen. Auch wenns auf den ersten Blick anders aussieht.

Ja, MĂ€dchen sind anstrengend. Das sagen sogar andere MĂ€dchen.

Wann wird eigentlich ein MĂ€dchen zur Frau? Wann wird sie erwachsen und – ernst genommen?
Wenn sie ihren MĂ€dchennamen ablegt?
Weil es sich so gehört, wĂ€hlen die meisten Frauen immer noch: Den Nachnamen des Mannes. Sie sind mit allen Wahlmöglichkeiten aufgewachsen – doch sie wollen ihren nicht behalten. Dabei ist dieser ein Teil ihrer Geschichte.
Der MĂ€dchenname wird fĂŒrs Frausein abgelegt.

Frauen dagegen sind intelligent, menschlich und integer.
Sie wissen, was sie können und sind unabhÀngig.
Frauen sind solidarisch.
Frauen kĂŒmmern sich – um sich selbst und andere.
Frauen wollen Respekt.
Frauen entwickeln Visionen.

Doch wollen Frauen die HĂ€lfte vom Kuchen, heißt es immer noch:
Die nervt.
Ein Attribut, das Frauen vorbehalten ist. Genauso wie zickig, anstrengend, verbissen oder schwierig. Es scheint, wer als Frau normal, nett und fĂ€hig ist, kommt nirgendwo hin und schon gar nicht an Posten, die traditionell fĂŒr MĂ€nner vorgesehen sind.

Die nervt: Sie entspricht nicht dem Bild, trotz Bildung, Emanzipation und Karriere. Das Etikett warnt: Wer sich nicht lieb zu den MĂ€nnern verhĂ€lt, wird missachtet. Ehrgeiz, UnabhĂ€ngigkeit, DurchsetzungsfĂ€higkeit gehören nicht zur Norm der Weiblichkeit, die sich an das Begehren – der MĂ€nner – richtet. Diese meint:
– sei weich
– sei fĂŒrsorglich
– sei schutzbedĂŒrftig
– konkurriere mit den anderen Frauen
– pflege deinen Körper
– gefall den MĂ€nnern

Vielleicht fĂ€ngst du ganz einfach spĂ€ter damit an: Du weichst in der FußgĂ€ngerzone nicht aus und lĂ€chelst dein GegenĂŒber nicht an. Du konzentrierst dich auf eine Sache, auch wenn dich andere dann besessen nennen.
Du musst kein Spiegel sein, in dem sich der Mann doppelt so groß sehen kann – zeige ihm lieber seine eigenen UnzulĂ€nglichkeiten. MĂ€nnliche Nervigkeit ist nĂ€mlich nicht nervig, sie heißt zielstrebig und kĂ€mpferisch.

Ich wĂŒnsche mir mehr SolidaritĂ€t.
Ich will, dass Frauen im Mittelpunkt stehen.
Dort gehören sie hin.
Wir trösten uns, nehmen uns in den Arm und können super zusammenhalten.
Wie wÀre es damit?

Tagebuchbloggen am 5. Juli

Manche Tage fangen quer an – und enden schlussendlich als Traumtage. Da die liebe Blognachbarin immer am fĂŒnften jeden Monats fragt, was wir alle so machen, WMDEDGT, will ich das heute nachtragen. Gestern wurde es so spĂ€t, da hab ich es einfach nicht mehr geschafft.

Der Wecker rief mich schon halb sechs unter der Decke hervor, schließlich war praktischer PrĂŒfungstag fĂŒr die Lieblingshausziege. Nachdem wir am Morgen zuvor etwas verschliefen, hatte ich ihr versprochen, fĂŒrs Wecken und Kaffeekochen zu sorgen. Sie brauchte nicht lange, ich wĂŒnschte ihr GlĂŒck und sie fuhr los.

Anschließend las ich das Briefing fĂŒr einen Text, stellte fest, dass Bild und Auftrag nicht ĂŒbereinstimmten und gab alles zurĂŒck, mit der Bitte um Verbesserung.

Dann wollte noch der nicht ganz einfache Text ĂŒber eine Schulsanierung geschrieben werden, bei der im Abbruch viele Schadstoffe aufgetaucht waren. Ich hoffe, ich habs richtig aufgedröselt: Schulsanierung

Noch ein paar Klamotten packen, das gefrorene Schaf hatte der Mitbewohner lĂ€ngst im Auto verstaut, ebenso die von den Eltern gewĂŒnschten Kiste Bier und Wein. Dann ging es los, Richtung Norden, immer auf der A 73 entlang, ĂŒber O. und G. nach M. Dort warteten die Eltern schon mit Kaffee und Kuchen.

Heute Abend sei Konzert im Kloster, sagte der Vater. Kostet nix. Ich kann nicht, muss zum Sport, sagte die Mutter. Hab was zu tun, schickte uns der Vater alleine hin. Das Navi zeigte uns, wo es lang ging.

 

Im von der Sonne hell erleuchteten Kubus des Christus-Pavillons huschten die Schatten der Vögel ĂŒber die transparenten WĂ€nde, Gitarre und Akkordeon begleiteten die Eröffnung einer Ausstellung. Das hatte uns der Vater einfach vorenthalten, er hatte nur was von Konzert gemurmelt.

Über Nichtvergessen und Leichtigkeit: Eine Ausstellung von Gerd Kanz im Christus-Pavillon Kloster Volkenroda.

„Maler sind gewissermaßen GĂ€rtner im philosophischen Raum. Maler und GĂ€rtner graben den Boden um und erkunden dessen Beschaffenheit, ehe sie etwas ganz Bestimmtes hineinpflanzen, immer in der Hoffnung, es möge gerade dort gut gedeihen. Manchmal pflanze ich Fragen und manchmal wĂ€chst daraus eine Antwort. Ich male und pflanze und staune ĂŒber das Wachsen der Dinge“, wird Kanz im Begleitheftchen der Ausstellung zitiert.

Verletzungen, EnttĂ€uschungen, Angst, Verluste und Schmerzen gehören unauslöschlich zur menschlichen Existenz und es gehört zum Leben, diese zu bewĂ€ltigen. Die Bilder wurden mit Ölfarben auf Holz gemalt, die Strukturen ergeben eine Tiefe als dritte Dimension, die mit dem Meißel in das glatte Holz hineingegraben wurden, so dass Linien als Narben und Risse entstanden.

Auf dem Feuerlöschteich installierte der KĂŒnstler FlĂŒgelwesen.

Wir blieben noch eine Weile im Innenhof des Pavillons sitzen und folgten dann der Einladung von Petra Arndt, sie in ihrem Atelier zu besuchen, das sich zwei HĂ€user weiter im alten Konsum von Volkenroda befand.

Die Bilder von Gerd Kanz bleiben bis zum 1. September in Volkenroda, wer dort in der NĂ€he ist, es lohnt sich. Wirklich.

 

Alles fĂŒr die Katz #94

An diesem Monatsersten ist wieder alles fĂŒr die Katz. Ist es heiß, werden beide Stubentiger außerordentlich trĂ€ge. Sie suchen sich ein PlĂ€tzchen, das im Gegensatz zum Winter jetzt nicht vor dem Ofen, sondern lieber im dunklen Flur, dort, wo ein kleiner Windhauch eine Idee von KĂŒhle ahnen lĂ€sst und legen sich dort lĂ€ngelang. Wir dĂŒrfen ĂŒber die Damen steigen, stolpern, sie ignorieren es.

Selbst das Futter wird nicht mit der gleichen Geschwindigkeit gefuttert. Sie lassen sich Zeit, gelegentlich bleibt sogar etwas im Napf zurĂŒck. Und ja, sie haben genĂŒgend zu trinken.

Ach, Fressen gibt’s? Joa, dann komm ich mal…

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles fĂŒr die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen ĂŒber den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.