Die erste Eisenbahn #Rostparade

1835, also vor gut 184 Jahren, fuhr die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Sechs Kilometer weit ging die Reise auf gerade verlegten Schienen, da die kleine Bahn noch keine Kurven fahren konnte. Heute tobt der Verkehr am damals noch kleinen Bahnhof, der nicht etwa dort war, wo er heute liegt, sondern am Plärrer, einem großen Platz. Unten in der U-Bahn erinnern die Wandfliesen an die Geschichte der Eisenbahn. Das Denkmal auf der Strecke war mehrfach im Weg und wurde immer wieder an anderer Stelle errichtet, bis es heute direkt über der U-Bahn-Linie seinen – vielleicht – endgültigen Platz fand.

Neulich blieb uns nach einem Besuch im Germanischen Nationalmuseum noch genügend Zeit für ein: Ach, lass uns doch mal die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth laufen, genau die Strecke, die damals die kleine Eisenbahn fuhr. Heute verläuft die Straße dort immer noch schnurgerade, auch wenn hier längst keine Schienen mehr liegen, sondern vierspuriger Verkehr auf Asphalt unterwegs ist.

An einer Stelle wird die Straße von einer neuen Eisenbahnbrücke überquert, auf der noch sämtliche Notizen der letzten Renovierung vermerkt sind.

Der Blick unter dieselbe zeigt: Irgendwie hat alles gut gehalten. Es ist kaum Rost zu sehen.

Verbunden mit: Der Rostparade bei cubusregio.

Mit dem VGN nachhaltig unterwegs

Heute ist der Tag, an dem wir die jährlichen Erträge der Erde bereits vernascht haben. Morgen ist auch noch ein Tag? Ja, und?

Wollten die Menschen in früheren Zeiten im Frühjahr Saatgut in die Erde bringen, mussten sie genügend davon aufheben: So entstand der Ursprung von Kultur. Es wurde nicht nur gesammelt, was gerade am Wegrand verfügbar war, sondern so viel gesät und geerntet, dass es über den Winter hinweg bis zur nächsten Aussaat reichte. Fiel die Ernte mager aus, gab es nicht genügend zum Essen und manchmal auch nicht genügend Saatgetreide. Seit jedoch die Erträge der ganzen Welt auf unserem Teller landen, fällt es uns nicht mehr auf, dass die Erde überhaupt nicht so viel produzieren kann, wie wir verbrauchen. Die Regale im Supermarkt sind ja voll. Allerdings lässt unser Überfluss anderswo Menschen hungern: Damit genügend Kartoffelchips in den Regalen stehen, kaufen die Produzenten die Ernte dort auf, wo es Kartoffeln gibt. Ohne Rücksicht darauf, dass Kartoffeln dort dann teurer und womöglich für die dort lebenden Menschen unbezahlbar werden.

Was hat das nun mit dem VGN zu tun, dem Verkehrsverbund im Großraum Nürnberg?

Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick allerdings eine Menge. Ich kann nämlich den Zug oder Bus benutzen, damit mein Auto stehen lassen und trotzdem mit dem Rad oder zu Fuß die Region rund um Nürnberg entdecken.

Ist der Bahnhof barrierefrei mit Aufzug ausgestattet, brauche ich das Rad nicht via Treppe auf den Bahnsteig zu bugsieren. Das ist praktisch, allerdings noch nicht überall verfügbar. In Forchheim steige ich also in den Regionalzug nach Nürnberg, weil ich mich dort mit anderen Radfahrern, Tour-Guide Nora Beyer und Uli Büscher vom VGN treffen will. Da wir jedoch von Fürth aus unsere Tour auf dem Hohenzollernradweg starten, geht es mit der S-Bahn drei Stationen zurück.

In Fürth wartet Joanna Bacik vom Regionalmanagement des Landkreises Fürth und stellt den Erlebnisradweg Hohenzollern vor. Dieser verbindet einzelne Stationen des Fürstengeschlechtes und reicht von Nürnberg bis nach Ansbach. Als die Hohenzollern im 12. Jahrhundert als Burggrafen und damit Burgverwalter auf die Kaiserburg kamen, nutzten sie eifrig die Nähe zu ihren jeweiligen Chefs, stärkten ihre Macht durch familiäre Beziehungen und waren damit erfolgreich, jedenfalls so lange, bis Wilhelm II. am 28. November 1918 als deutscher Kaiser abdanken musste.

Mit der speziell für den Erlebnisradweg entwickelten App lassen sich insgesamt elf Stationen virtuell zum Leben erwecken. Der Silber und Schwarz geviertelte Schild der Hohenzollern zeigt somit nicht nur Richtung und Weg, sondern auch die Stationen, an denen per App und Handy Geschichte lebendig werden kann.

Mit App, Tablet oder Smartphone wird am Erlebnisradweg Hohenzollern Geschichte virtuell lebendig.

Da am Dreiherrschaftsbrunnen in Fürth für den QR-Code der App kein Platz war, ist sie am zehn Meter entfernten Brezenhäuschen angebracht.

Irgendwann ist jedoch genug erklärt, und wir fahren mit dem Rad nur ein kurzes Stück noch durch die Stadt via Veitsbronn bis Langenzenn. Vor dem ehemaligen Kloster ist ebenfalls ein QR-Code zu finden.

vor dem Kloster in Langenzenn gibt es wieder einen QR-Code

Die Strecke ist relativ eben und lässt sich – bis auf den letzten Anstieg kurz vor der Cadolzburg – ganz leicht mit dem Rad fahren. Dass es an diesem Tag heiß ist – geschenkt. In Cadolzburg ist jedenfalls Endstation. Allerdings nicht ohne Burgbesichtigung mit Führung durch den Museumspädagogen Max Keck.

Virtuelle Realität in der Cadolzburg

Da ich zur Neueröffnung der Cadolzburg schon einmal an einer wirklich sehr informativen Führung teilgenommen habe, verlinke ich diese hier einfach. Bitte sehr, hier entlang: Herrschaftszeiten in Cadolzburg.

Die Burg brannte kurz vor Kriegsende aus. Ein Teil bleibt deswegen zur Erinnerung so stehen.

Die Tour zur Cadolzburg ist übrigens eine der acht Touren, die der VGN-Bahnsommer in diesem Jahr bietet und die alle zu attraktiven und nicht ganz so bekannten Zielen in Franken und der Oberpfalz führen.

Ich nahm an der Tour auf Einladung des VGN und Regionalmanagement des Landkreises Fürth teil, fand jedoch dieses Teilstück des Radweges interessant genug, um mir demnächst die gesamten 95 Kilometer vorzunehmen.

„Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen

Heute morgen wollte ich den Blogbeitrag von Juna Grossmann: „Mit den Augen der Täter“ kommentieren, aber es ging nicht. Weil die Technik nicht wollte, weil das Internet etwas dagegen hatte, weil, ja, keine Ahnung, warum. Es hat eben nicht funktioniert, wie manches nicht funktioniert, das mit Computern zu tun hat und ich mich so an diesen Error Nummer-irgendwie gewöhnt habe, dass es mich eben nicht wundert, wenn nicht alles funktioniert.

Der Beitrag erinnerte mich nämlich an ein Buch, das seit einiger Zeit bei mir im Regal steht, bereits gelesen wurde und das ich schon immer hier vorstellen wollte. „Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen erschien 2014 bei Rowohlt und bekam im gleichen Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse. In einer Art Vorwort beschreibt Lethen seinen Weg in die Wirklichkeit der Medien und erzählt, dass Bilder wesentlich länger im Gedächtnis bleiben als, beispielsweise, der Schmerz eines Foxterrierbisses. Den eigentlichen Auftakt bildet jedoch eine Szene, in der sich Marina Abramovic und Ulay nackt im Eingang der Galleria Communale d’Arte Moderna in Bologna gegenüberstehen. Die Besucher müssen sich zwischen beiden hindurchzwängeln. Innen zeigen zwei Bildschirme, wie die Passanten ein- und wieder auftauchen. Erst diese „rufen ins Bewusstsein, dass man etwas verpasst hat“.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“

Zunächst ist eine Photographie eine Lichtmalerei: Wird ein Körper auf dem Film abgebildet, befand er sich auch real vor der Kamera und wurde – wenigstens im Zeitalter der analogen Fotografie – chemisch gespeichert. Doch oft offenbart sich das Bild erst aus dem Kontext, der Beschreibung: Auf dem Umschlag ist eine Frau abgebildet, sie wendet dem Betrachter den Rücken zu, geht durch Wasser zum Ufer, den Rock etwas geschürzt, vielleicht soll er nicht nass werden. Die Rückseite des Fotos vermerkt „Die Minenprobe. Vom Donez zum Don 1942“. Mit dieser Beschreibung wandelt sich das scheinbare Idyll und wird damit zum Beweis einer gelebten Unmenschlichkeit, die lebendige Menschen als Minensuchgerät einsetzten und deren möglichen Tod billigend in Kauf nahmen.

Lethen sucht eine Realität, die sich hinter den Bildern verbirgt und schildert in vielen Beispielen seine darin vermuteten Zusammenhänge. Er erkennt, dass ein Bild eben nicht tausend Worte ersetzen, sondern oft noch nicht einmal für sich selbst sprechen kann. Sollen Bilder als historische Beweise dienen, braucht es das Wissen um die Zusammenhänge ihrer Entstehung. Damit spricht er den Fotografien das reale Abbild der Wirklichkeit ab. Sie sind – seiner Ansicht nach – der Absicht des Fotografen geschuldet, der seinen Fotoapparat nach den Regeln der Kunst und der Komposition bedient.

Ich fand es faszinierend, wie präzise Lethen Bilder analysiert und kritisiert. Er beschreibt, verweist und schult ganz nebenbei das Sehen selbst. Er untersucht die Bilder nicht systematisch, sondern eher biografisch, anhand seiner eigenen Erinnerungen und mäandert dabei durch viele Jahre bundesrepublikanische Bildgeschichte. Und er lädt ein, ihn auf seinen Gedanken zu begleiten und selbst zu denken.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“, erschienen 2014 bei Rowohlt
als E-Book für 9,99 Euro, als Hardcover für 19,85 Euro.

Samstagsplausch

Während der Regen heute ein leises Lied auf die Fenster getröpfelt hat, habe ich gebügelt. Ja, gebügelt. Ich finde bügeln nicht nur meditativ, sondern es eignet sich ausgezeichnet zum nachdenken.

Und da gab es so einiges:

Ganz egal ob der Ausstoß von Kohlendioxid nun besteuert oder qua Emissionshandel anderweitig teurer werden soll und ganz egal, ob die Regierung nun versichert, dass niemand unnötig und überhaupt dadurch belastet werden soll. Ganz gleich, wie hoch in den vergangenen Jahren der Benzinpreis gestiegen ist – fahren deswegen weniger mit unseren Autos? Werden statt dessen die (nicht mit Strom betriebenen) Fahrräder oder gar die eigenen Füße zur Fortbewegung genutzt? Statt dessen sollen jetzt E-Scooter kurze Entfernungen überbrücken, auf dass ja niemand mehr laufen muss.

Einkaufen: Steht der Einkaufsmarkt weit vor dem Ort, brauche ich das Auto. Logisch. Dafür gehe ich aber nicht mehr täglich hin, sondern wöchentlich. Ich kaufe mehr, schließlich soll es ja die Woche über reichen, und ich brauche mehr Platz im Kühlschrank, also wieder mehr Strom. Es ist wie eine Spirale, die sich stets höher dreht.

Kochen: Wer kochen lernt, braucht Zeit und Geduld. So ganz einfach ist es nicht, auch wenn sich manche Rezepte einfach lesen. Ich weiß noch genau, wie lange ich geübt habe, bis ich die Pfannekuchen unfallfrei und am Stück aus der Pfanne holen konnte. Bis dahin war es eher eine Art „Rupfkuchen“, oder, wie die älteste Lieblingshausziege sagte, Mama, lass mal, ich esse die Eierkuchen lieber bei Oma. Wer schon einmal auf der Hausfrauenmesse zusehen konnte, wie virtuos dort Küchen- und andere Geräte gehandhabt werden, ahnt sicher, dass diese nicht immer das Leben leichter, sondern nur die Schränke voller machen. Oft reicht es aus, Dinge lange genug zu üben: Ich weiß noch, wie ich meine Uroma bewundert habe, wenn sie mit einem einzigen Schnitt die dann geringelte Schale vom Apfel oder der Kartoffel geschält hat. DAS wollte ich auch hinkriegen. Inzwischen ist es mir nicht mehr so wichtig, aber ich nehme bis heute lieber ein kleines Messer zum Kartoffelschälen als einen für mich unbequemeren Sparschäler. Auf einer guten Reibe sind Kartoffeln und Möhren bereits fertig gerieben, wenn ich anderenfalls erst die Küchenmaschine aufgebaut hätte. Und damit wären die Einzelteile der Maschine nach der Arbeit noch nicht einmal sauber.

Abgestürzt. Wenn alles so weiter geht, wird das wohl irgendwann passieren.

Jedenfalls haben wir einen alten Gefrierschrank im Keller ausgeräumt und ausgeschaltet. Da der Mitbewohner neugierig war, hat er nachgemessen: Die Stromrechnung dürfte allein damit bereits fünf Euro monatlich geringer ausfallen.

Vielleicht sollte jeder ein bestimmtes Kontingent an Energie bekommen. Das kann er nach Herzenslust und -laune für Strom, Benzin und auch für Flüge oder Kreuzfahrten nutzen. Wenns nicht reicht, nun, dann kann er ja gucken, ob er jemandem, der weniger braucht, etwas abkaufen kann. Andernfalls, nun, dann ist eben noch Monat übrig.

Nein, die Energiewende ist nichts, was ich im eigenen Haushalt irgendwie hinkriegen könnte, auch dann nicht, wenn noch zehn andere Menschen mitmachen. Da brauchen wir deutlich mehr Menschen, die mitmachen. Bis es die Politiker endlich begreifen.

Statt dessen ist die rechte Spur auf den Autobahnen dicht von Lastkraftwagen besetzt. Es ist ja billiger, Milch aus Berchtesgaden nach Bayreuth in die Molkerei zu fahren, als gleich in Oberbayern in Flaschen zu füllen. Es ist auch billiger, Einzelteile für jeden Arbeitsschritt in ein anderes Unternehmen zu fahren, statt alles an einem Ort zu fertigen. Das kostet ja nur Sprit, verursacht Stau und zerstört die Fahrbahnen. Daran kann ich nichts ändern, die Politiker jedoch wohl.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und ihrem Samstagsplausch. Auch wenn er heute wenig vergnüglich ausfiel.

 

12 Bilder vom 12. Juli

Wie jeden 12. des Monats gibt es auf Wunsch von Caro zwölf Bilder vom Tag: Heute war ich nicht unterwegs, sondern in Küche und Bad beschäftigt. Allerdings nur dann, wenn ich nicht gerade telefonieren, mailen, schreiben und nachdenken musste.

angenagtes Zyperngras.

Nach dem Kaffee war jedenfalls erst einmal der Herd fällig. Zwischen den Flaschen mit Öl und Essig steht Zyperngras, hübsch eingebaut, damit die Katzen nicht so viel daran knabbern. Leider hat es doch nicht so viel genutzt. Fast alle Blätter sind ab- oder wenigstens angefressen. Ich auch.

Ein Weckglas als Aquarium. Für Schnecken.

Den Schnecken im Aquarium gönne ich mal ein bisschen frisches Wasser und eine kleine Gurkenscheibe. Es ist zwar auf dem Foto nicht zu sehen, aber die Schnecken sind ganz schön schnell, wenn es was zu futtern gibt.

altes Küchenhängeschränkchen.

Unten auf der Terrasse steht das kleine Küchenhängeschränkchen, das von meiner Oma stammt und jetzt von der Lieblingshausziege aufpoliert wird. Echtes Flair aus den fünfziger Jahren: Es hat nicht nur Schiebetüren, sondern ist unten etwas weniger tief als oben. So bleibt der Kopf auch in einer engen Küche ohne Beule.

Echinacea mit Besuch.

Weil ich schon einmal unten bin, freue ich mich über den Besuch in der Echinacea-Staude. Ich soll aufpassen, ruft der Mitbewohner von oben, während er am Fenster steht und den Rahmen streicht, damit dieser noch weitere fünfzig Jahre halten kann.

Der Fensterrahmen wird gestrichen.

Neulich saßen Wespen in den Rosen, warnt er mich. Tatsächlich. Da lasse ich die Rose lieber dort, wo sie jetzt ist.

Rose mit Bewohner.

Innen wartet ein Päckchen auf mich, mit lauter kleinen Wasserbällen. Die brauche ich für meine Pekip-Gruppen in Nürnberg, weil das die einzigen Wasserbälle sind, die ohne Phtalat zu kriegen sind.

Kleine Wasserbälle

Hach. Der Mitbewohner kruschelt immer noch in der Küche und bastelt, aber was er kocht, wird wohl erst später fertig. Ich habe jetzt Hunger und lasse mich spontan von Ichlebejetzt! zu einem Pfannkuchenfreitag inspirieren. Erdbeermarmelade ist auch noch da.

Für Pfannkuchen sind alle Zutaten immer im Haus.

Draußen fängt es an zu regnen und wird immer dunkler. Da! Ein Blitz! Ein Gewitter! Aber wozu haben wir schließlich eine Gewitterkerze. Ich zünde sie an – und das Unwetter zieht vorbei.

Gewitterkerzen sind immer schwarz. Diese ist aus Walldürn.

Die Katze interessiert das nicht. Sie liegt auf dem Schränkchen und schläft. War was?

Die Katze wacht nicht, sie schläft.

Noch ein bisschen Badputz. In die Seifenschale kommt eine frische Seife, die letzte, die wir vor zwei Jahren aus Russland mitgebracht haben.

echt russische Seife.

Den zerbrochenen Kamm lege ich zurück in die Schublade. Das eingeprägte „handgesägt“ auf ihm hat mich schon immer interessiert. Vielleicht mache ich mich mal auf die Suche danach, wie so ein Kamm „handgesägt“ wird.

zerbrochener Kamm

Jetzt ist Schluss mit Putzen: Aus der Küche duftet es und der Mitbewohner ruft zum Essen. Was es gibt? Schaut einfach bei den Fränkischen Tapas nach.

Ideen wachsen wie Blumen

Raunen weise Frauen in Träumen, können nächtens seltsame Dinge geschehen:
Manchmal raunen sie, es sei nicht genug. Es ist nie genug. Ich hätte die Prüfungen nicht bestanden.
Aber wann ist es Zeit, wann ist es genug?
Nachts funkeln die Sterne und glitzern auch dann kalt, wenn es unten so warm ist, dass ich nicht schlafen kann. Sie sind unerreichbar, egal wie hoch ich mich recke. Mir reicht das Laken, doch die Katze will kuscheln und schmiegt sich mit ihrem dichten Fell an meinen Rücken.
Beginnt ein neues Jahr, halten die Menschen inne, zählen nach, denken, entwerfen Pläne und sortieren ihre Möglichkeiten. Ist alles da? Ob es reicht? Kaum drei Wochen später ist alles vergessen, alles geht seinen gewohnten Gang.
Doch manchmal kommt später ein Stups, ein Anstoß, etwas, das aufhorchen lässt, mich aus dem gewohnten Allerlei reißt.
Der Blogpost von Ich lebe jetzt! war im Februar ein solcher Anstoß: Tschüß, denkst. 
Jetzt ist Sommer.
Wir haben den Boden bereitet, alles Unkraut gezupft und Ideen gesät. Inzwischen keimen die ersten Ideen wie kleine Pflänzchen.
Seid neugierig. Bleibt neugierig. Ich verrate bald mehr davon. 

Für Martha

Du bist — ein Mädchen.

Weil du ein Mädchen bist, sollst du leise sein,
anschmiegsam und lieb, die weiße Strumpfhose nicht mit Grasflecken bekleckern und,
liebe Mädchen hört man nicht.
Hör nicht darauf.
Sei zickig, fordernd und laut,
du hast die gleichen Rechte wie dein Bruder,
der seine Zwistigkeiten mit einem Schlag klären kann.
Verzichte nicht – aus Nettigkeit und
weil dir der Frieden, die Liebe und das: hoffentlich-mögen-mich-alle
wichtiger ist als
das zu bekommen, was dir zusteht.

Leider lernen viele Mädchen, dass sie nur dann beachtet werden,
wenn sie den niedlichen Augenaufschlag meistern.
Sie werden belohnt, wenn sie aufgeben, klein bleiben und
die Großen machen lassen.

Vielleicht schaffst du es, kein Mädchen zu werden, für das gezupfte Brauen, lackierte Fingernägel und geschminkte Augen eine größere Rolle als Infinitesimalrechnung oder Kosten-Nutzen-Relationen spielen: „Wer seinen Doktor im dritten Semester noch nicht hat, muss ihn selber machen“, hieß es an der Uni.

Mädchen gelten selbst dann als zickig, wenn sie Tornado fliegen und mit dem G36 in Afghanistan schießen.

Google weiß Bescheid und ergänzt:
Du Mädchen… bist einfach peinlich.
Warum sind Mädchen so… zickig.

Mädchen haben: Wutanfälle, Frauen sprechen an, was sie stört.
Mädchen wollen Prinzessin sein.
Mädchen ist ihr Aussehen wichtig.
Mädchen wissen, dass sie von Männern finanziert werden. Erst vom Vater – später vom Mann.
Mädchen sind Konkurrentinnen.
Mädchen sind stolz darauf, nichts zu können.
Mädchen wollen Aufmerksamkeit und Bewunderung.

Doch, alles Mädchen. Auch wenns auf den ersten Blick anders aussieht.

Ja, Mädchen sind anstrengend. Das sagen sogar andere Mädchen.

Wann wird eigentlich ein Mädchen zur Frau? Wann wird sie erwachsen und – ernst genommen?
Wenn sie ihren Mädchennamen ablegt?
Weil es sich so gehört, wählen die meisten Frauen immer noch: Den Nachnamen des Mannes. Sie sind mit allen Wahlmöglichkeiten aufgewachsen – doch sie wollen ihren nicht behalten. Dabei ist dieser ein Teil ihrer Geschichte.
Der Mädchenname wird fürs Frausein abgelegt.

Frauen dagegen sind intelligent, menschlich und integer.
Sie wissen, was sie können und sind unabhängig.
Frauen sind solidarisch.
Frauen kümmern sich – um sich selbst und andere.
Frauen wollen Respekt.
Frauen entwickeln Visionen.

Doch wollen Frauen die Hälfte vom Kuchen, heißt es immer noch:
Die nervt.
Ein Attribut, das Frauen vorbehalten ist. Genauso wie zickig, anstrengend, verbissen oder schwierig. Es scheint, wer als Frau normal, nett und fähig ist, kommt nirgendwo hin und schon gar nicht an Posten, die traditionell für Männer vorgesehen sind.

Die nervt: Sie entspricht nicht dem Bild, trotz Bildung, Emanzipation und Karriere. Das Etikett warnt: Wer sich nicht lieb zu den Männern verhält, wird missachtet. Ehrgeiz, Unabhängigkeit, Durchsetzungsfähigkeit gehören nicht zur Norm der Weiblichkeit, die sich an das Begehren – der Männer – richtet. Diese meint:
– sei weich
– sei fürsorglich
– sei schutzbedürftig
– konkurriere mit den anderen Frauen
– pflege deinen Körper
– gefall den Männern

Vielleicht fängst du ganz einfach später damit an: Du weichst in der Fußgängerzone nicht aus und lächelst dein Gegenüber nicht an. Du konzentrierst dich auf eine Sache, auch wenn dich andere dann besessen nennen.
Du musst kein Spiegel sein, in dem sich der Mann doppelt so groß sehen kann – zeige ihm lieber seine eigenen Unzulänglichkeiten. Männliche Nervigkeit ist nämlich nicht nervig, sie heißt zielstrebig und kämpferisch.

Ich wünsche mir mehr Solidarität.
Ich will, dass Frauen im Mittelpunkt stehen.
Dort gehören sie hin.
Wir trösten uns, nehmen uns in den Arm und können super zusammenhalten.
Wie wäre es damit?

Tagebuchbloggen am 5. Juli

Manche Tage fangen quer an – und enden schlussendlich als Traumtage. Da die liebe Blognachbarin immer am fünften jeden Monats fragt, was wir alle so machen, WMDEDGT, will ich das heute nachtragen. Gestern wurde es so spät, da hab ich es einfach nicht mehr geschafft.

Der Wecker rief mich schon halb sechs unter der Decke hervor, schließlich war praktischer Prüfungstag für die Lieblingshausziege. Nachdem wir am Morgen zuvor etwas verschliefen, hatte ich ihr versprochen, fürs Wecken und Kaffeekochen zu sorgen. Sie brauchte nicht lange, ich wünschte ihr Glück und sie fuhr los.

Anschließend las ich das Briefing für einen Text, stellte fest, dass Bild und Auftrag nicht übereinstimmten und gab alles zurück, mit der Bitte um Verbesserung.

Dann wollte noch der nicht ganz einfache Text über eine Schulsanierung geschrieben werden, bei der im Abbruch viele Schadstoffe aufgetaucht waren. Ich hoffe, ich habs richtig aufgedröselt: Schulsanierung

Noch ein paar Klamotten packen, das gefrorene Schaf hatte der Mitbewohner längst im Auto verstaut, ebenso die von den Eltern gewünschten Kiste Bier und Wein. Dann ging es los, Richtung Norden, immer auf der A 73 entlang, über O. und G. nach M. Dort warteten die Eltern schon mit Kaffee und Kuchen.

Heute Abend sei Konzert im Kloster, sagte der Vater. Kostet nix. Ich kann nicht, muss zum Sport, sagte die Mutter. Hab was zu tun, schickte uns der Vater alleine hin. Das Navi zeigte uns, wo es lang ging.

 

Im von der Sonne hell erleuchteten Kubus des Christus-Pavillons huschten die Schatten der Vögel über die transparenten Wände, Gitarre und Akkordeon begleiteten die Eröffnung einer Ausstellung. Das hatte uns der Vater einfach vorenthalten, er hatte nur was von Konzert gemurmelt.

Über Nichtvergessen und Leichtigkeit: Eine Ausstellung von Gerd Kanz im Christus-Pavillon Kloster Volkenroda.

„Maler sind gewissermaßen Gärtner im philosophischen Raum. Maler und Gärtner graben den Boden um und erkunden dessen Beschaffenheit, ehe sie etwas ganz Bestimmtes hineinpflanzen, immer in der Hoffnung, es möge gerade dort gut gedeihen. Manchmal pflanze ich Fragen und manchmal wächst daraus eine Antwort. Ich male und pflanze und staune über das Wachsen der Dinge“, wird Kanz im Begleitheftchen der Ausstellung zitiert.

Verletzungen, Enttäuschungen, Angst, Verluste und Schmerzen gehören unauslöschlich zur menschlichen Existenz und es gehört zum Leben, diese zu bewältigen. Die Bilder wurden mit Ölfarben auf Holz gemalt, die Strukturen ergeben eine Tiefe als dritte Dimension, die mit dem Meißel in das glatte Holz hineingegraben wurden, so dass Linien als Narben und Risse entstanden.

Auf dem Feuerlöschteich installierte der Künstler Flügelwesen.

Wir blieben noch eine Weile im Innenhof des Pavillons sitzen und folgten dann der Einladung von Petra Arndt, sie in ihrem Atelier zu besuchen, das sich zwei Häuser weiter im alten Konsum von Volkenroda befand.

Die Bilder von Gerd Kanz bleiben bis zum 1. September in Volkenroda, wer dort in der Nähe ist, es lohnt sich. Wirklich.

 

Alles für die Katz #94

An diesem Monatsersten ist wieder alles für die Katz. Ist es heiß, werden beide Stubentiger außerordentlich träge. Sie suchen sich ein Plätzchen, das im Gegensatz zum Winter jetzt nicht vor dem Ofen, sondern lieber im dunklen Flur, dort, wo ein kleiner Windhauch eine Idee von Kühle ahnen lässt und legen sich dort längelang. Wir dürfen über die Damen steigen, stolpern, sie ignorieren es.

Selbst das Futter wird nicht mit der gleichen Geschwindigkeit gefuttert. Sie lassen sich Zeit, gelegentlich bleibt sogar etwas im Napf zurück. Und ja, sie haben genügend zu trinken.

Ach, Fressen gibt’s? Joa, dann komm ich mal…

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.