Der Drache auf dem Dach

Du musst schon warten, sagte der Schmied, legte den zweiten Flügel des kleinen Drachens ins Feuer, pustete mit dem Blasebalg ins Feuer und wartete, bis das Metall hellrot glühte. Willst – peng – du – peng – dich – peng – in – peng – die – Luft – schwingen – peng, der Schmied unterbrach Rede und Hammerschlag, tauchte den rotglühenden Flügel ins Wasserfass, in dem dieser – fzschhhh – kalt abdunkelte.

Jetzt sieht er richtig aus, befand er und raunzte den zappelnden Drachen an: Halt still! Sonst wird das alles nichts!

Au, maulte der Drache. Das zwickt! Der Schmied griff nach dem Drachenohr und hielt ihn fest: Hiergeblieben! Ohne Nieten kommst du nicht weg und schon gar nicht hoch in die Luft. Der Drache schielte nach oben, dorthin, wo das Himmelsblau den Hinterhof weitete, dorthin, wo die Kraniche und Wildgänse im Vogelflug laut schreiend ihres Weges zogen. Mit jedem von ihnen zog auch ein Stück Sommersonne hinweg, Nebel und Dunkelheit breiteten sich aus.

Flieg, sagte der Schmied, als der kleine Drache fertig war. Die letzten Strahlen der Abendsonne spiegelten sich im glänzenden Metall, gerade als käme er direkt aus den glühenden Kohlen der Esse. Der ängstliche Blick wich einem unternehmungslustigen, einem Blick, der die Stadt, den Himmel und die ganze Welt erobern wollte. Er schlug mit den Flügeln, spürte die Luft unter den Schwingen, verlor den Boden unter den Füßen, flatterte, taumelte, schwebte und flatterte hoch, noch ein Stück, die Schmiede unter ihm schien zu schrumpfen, überhaupt wurde die ganze Welt immer kleiner, je höher er stieg.

Ich bin der Größte, jubelte er, so von hoch oben, während ihm alles klein unter den Schwingen lag. Der leise einsetzende Regen hüllte den kleinen Drachen in feuchtes Grau, jeder Tropfen ließ die Flügel ein kleines bisschen schwerer werden. Der kleine Drache ächzte, sank tief und tiefer, taumelte und klammerte sich schließlich auf dem Dach fest.

Verbunden mit: Christiane und den abc.etüden, die drei Worte waren: Vogelflug, ängstlich, schwingen. Heute wacht der Drache über den Höfen der Feinkost in Leipzig, einem 150 Jahre alten Kulturdenkmal, einst als Brauerei gebaut, in dem später Konserven abgefüllt wurden und nach der Wende eine Genossenschaft Handwerkern, Händlern und Künstlern eine Heimat bot.

Verbunden mit: der Rostparade von Cubus Regio, logisch, schließlich ist Monatsletzter und der Drache mit Rost überzogen.

Lieblingsblogger in Leipzig

Ich bin ein Lieblingsblogger. Sagt Susanne und fragt im Hotel nach, ob ich – da alles ausgebucht ist – das Bett neben ihr belegen kann. Also packe ich nicht nur meinen Koffer für ein Wochenende, sondern auch zwölf kleine Tüten mit Minzcrossies. Wer sie nachmachen will, bittegerne, am Sonntag wird das Rezept auf den fränkischen Tapas nachgeliefert.

In Leipzig waren wir recht schnell, das Navi hat uns zielsicher zum Hotel gelotst und zum ersten Programmpunkt ging es mit dem Leipziger Nahverkehr. Dass mit S-Bahn nicht die Straßenbahn gemeint war, haben wir erst nach einer Weile gemerkt, vielleicht lag es auch daran, dass alle miteinander geredet haben.

Warum Ossis immer sofort wüssten, wann ein Wessi vor ihnen steht, wunderte sich eine der Bloggerinnen, als wir schließlich auf dem richtigen Bahnsteig standen und auf die S-Bahn nach Möckern warteten. Nun, dafür gibt es deutliche Anzeichen, Wessis senden feine Signale aus, unbemerkt von ihnen selbst und dafür von Ossis deutlich wahrnehmbar. Es ist ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Kolonialisierung, Bevormundung, Besserwisserei, die in der Regel aus Unkenntnis entspringt und sich nicht wirklich für den anderen interessiert. Warum auch, haben wir doch als Ossis selbst gerne dazu beigetragen, haben uns bemüht, so sehr, dass wir fast bessere Wessis geworden wären. Fast.

Vielleicht lässt sich das mit dem Besuch der Schwiegermutter vergleichen, die, kaum ins Haus gelassen, sofort ihre Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit durchsetzen möchte, ungeachtet dessen, dass hier eine andere Familie das eigentliche Sagen hat.

In einem Interview mit der ZEIT hat Birgit Breuel, frühere Chefin der Treuhand, eingeräumt:  „In Westdeutschland wäre es nicht möglich gewesen, den Leuten eine Veränderung dieses Ausmaßes zuzumuten. Sie hätten das nicht durchgehalten.“

Im Atelier von Franziska Klee

Die Lieblingsblogger im Atelier von Franziska Klee

Den Freitagabend verbrachten wir im Atelier von Franziska Klee, sie erzählte viel von sich und ihren Taschen, Rucksäcken, Schlüsselbändern und dem Leder, das sie für ihre Produkte verwendet. Anschließend ging es nach nebenan, ins le caphe, das extra für uns geöffnet hatte. Es gab vietnamesisches Essen, alles war familiär und einfach wunderbar. Auch hier blieb genügend Gelegenheit für Austausch über all das, was uns interessierte, es war einfach Zeit.

Gleich gibt es Abendessen im Le Caphe

Das Frühstück am nächsten Morgen gab es im Cafe Cantona, es war gut und die Toilette im Keller. Ich nahm auf dem Weg dorthin eine Nase voll Luft, so wie immer, ich stelle ja das Atmen nicht ein, nur weil ich eine Treppe nach unten gehe – und landete in der Vergangenheit, alles nur, weil ein leichter Hauch an Kohlenstaub in der Luft lag, kaum wahrnehmbar und unverkennbar für mich. Später stand eine der anderen Bloggerinnen vor dem Cafe und sinnierte, ob abends in den Räumen geraucht würde. Für sie war der Geruch ein anderer, sie roch Zigarettenrauch, keinen Braunkohlenstaub.

Feinkost Leipzig

Nach den Stadtrundgang, unter anderem bei Feinkost Leipzig, der Mädler-Passage mit Auerbachs Keller und einem kurzen Imbiss ging ich noch kurz in die Nikolaikirche und durch die Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum, dann war Zeit für unser Barcamp und den Austausch der Goodie-Bags, jede hatte schließlich für jede eine Kleinigkeit mitgebracht. Wer eine Frage hatte, konnte sie stellen, es wurde nicht nur gefachsimpelt, sondern auch über den Tellerrand hinaus geschaut.

Immer wieder wurden Fotos gemacht

Den Sonntag beschlossen wir im Kunstkraftwerk Leipzig, inzwischen hatte sich Regen eingestellt und spielte uns gewissermaßen den feuchten Kehraus.

Vielen Dank für das wunderbare Wochenende.

Das obligatorische Bild aller Füße rund um einen Kanaldeckel.

Mit dabei waren:

Susanne von Ichlebejetzt! Inka von blickgewinkelt, Cora von Raumideen.plus, Annette von Blick7Yna von Ynasdesign, Sibylle von Billas Welt, Steffi von Stefilicious, und Anja von Lebenistansteckend.

Für diesen Beitrag wurde ich selbstverständlich nicht bezahlt. Ich setze die Links einfach für bessere Vernetzung, vielleicht mag ja jemand stöbern gehen.

Der beste Tag ist immer heute

Morgen. Morgen fange ich damit an – und schiebe doch wieder alles weiter, sämtliche Vorhaben und guten Vorsätze. Der nächste Tag ist dankbar und vor allem geduldig, er nimmt alles hin und mahnt nichts an. Dabei ist der Weg vom Wollen zum Machen überhaupt nicht mit Hindernissen gepflastert, ich allein bin es, die faul sitzen bleibt, wenn sie eigentlich laufen will, die lieber mit den Katzen schmust als zu bloggen.

Allerdings habe ich hier Hausrecht und kann – mein Blog sei Dank – so oft oder so wenig schreiben wie ich will. Seit jedoch nicht mehr die bei den Iron-Bloggern übliche Strafe von fünf Euro fürs wöchentliche Nicht-Bloggen droht, muss ich mich selbst antreiben, manchmal gelingt es, oft jedoch nicht.

Gerade habe ich mir eine Tasse Tee aufgegossen und erst in dem Moment bemerkt, dass der kalte Tee noch an dem Platz steht, auf den ich den heißen Tee stellen wollte.

Sonnige Lichtblicke gibt es immer und überall

Ein einziger fränkischer Ironblogger bloggt regelmäßig und tapfer und wird daher noch gelistet. Als ich mich übrigens dort angemeldet habe, war ich von der Aussicht auf Bier noch wenig begeistert, schließlich trank ich damals keins. Das hat allerdings den für den nordhessischen Regionalteil der Zeitung zuständigen Redakteur keineswegs daran gehindert, mich zu einer Bierverkostung zu schicken. Zu Hefeweizen, Pils und anderen Biersorten wurde Schokolade, Ahle Wurst, Käse oder Räucherfisch serviert. Ich hab alles brav probiert und – nach einem winzigen Schluck – das Bier an die neben mir Sitzenden weitergereicht. Die waren davon deutlich begeisterter.

Und heute? Die fränkischen Biere sind schon sehr lecker, genauso der fränkische Wein. So gesehen, habe ich mich – im Vergleich zu vorher – deutlich verbessert.

Neulich ein Gespräch belauscht, unfreiwillig selbstverständlich, andernfalls hätte ich mir die Finger in die Ohren stecken müssen: „Wenn ich auf etwas Appetit habe, muss ich es gleich machen, am nächsten Tag ist es zu spät“, sagt eine Frau zur anderen und erzählt, dass sie im Fernsehen gesehen hat, wie Tomaten für glatte Haut sorgen können: „Ich hab Tomaten gekauft, sie abgezogen, püriert, mit Honig als Maske verrührt und jetzt stehen sie schon 14 Tage rum, deswegen werfe ich sie weg“, worauf die andere entgegnet, dass sich ihre 99jährige Schwiegermutter ihr ganzes Leben lang nur mit Kernseife gewaschen hat. „Haut ist Veranlagung“, nickt sie wissend: „aber manche machen einfach alles mit dem Solarium kaputt“.

Ich will jetzt nichts versprechen, was ich dann nicht halten kann, aber ich habe mir echtundernsthaft vorgenommen, wieder mehr zu bloggen. Ideen und Gedanken dazu habe ich reichlich, ich muss sie nur hier festhalten.

12 Bilder vom 12. Oktober

Ich bin im Allgäu unterwegs. Zusammen mit Susanne Hausdorf und einigen anderen Bloggern und Journalisten.  Heute waren wir in Kempten  unterwegs und erfuhren beispielsweise, dass es die älteste Stadt in Deutschland ist.

Nachbildung römischer Backöfen in Kempten.

Blick von oben auf die Stadt.

Wir sind im Hofgarten unterwegs.

Ein Backkurs bei zwei Schwestern gehörte ebenfalls zum Programm.

Im Allgäu sind nicht nur die Wiesen, sondern auch die Streusel grün.

Kurz vor dem Abendessen warten die leeren Gläser auf ihre Befüllung…

Nachtisch. Jetzt bin ich echt satt – und gehe ins Bett. Auch wenn es noch keine zwölf, sondern erst acht Bilder sind. Gute Nacht.

Verbunden mit „draußen nur Kännchen“: Dort gibt es noch viel mehr Bilder zum Gucken.

Tagebuchbloggen am 5. Oktober

Draußen war es noch recht dunkel, doch die Katzen benahmen sich wie kleine Kinder und beschlossen, dass die Nacht jetzt vorbei sei. Also goss ich mir einen Kaffee auf, setzte mich an den Küchentisch und las Zeitung. Unarten muss ich ja nicht mit Futter belohnen, oder?

Der Mitbewohner blieb jedoch noch anderthalb Stunden liegen, bevor er seine Tasse mit Kaffee füllte und sich zu mir setzte. Das Wetter war wolkenverhangen, genau richtig, um in der Wohnung herumzukruschen. Da frische Burgerbrötchen im Backofen lungerten, habe ich rote Zwiebeln in dünne Ringe geschnitten und in der Pfanne glasiert. Für das Innenleben haben wir rote Linsen gekocht. Als diese abgekühlt waren, war auch kein Wasser mehr im Kochtopf. Also haben wir sie noch gewürzt, passend zur Größe der Burgerbrötchen zu kleinen Pattis geformt und in der Pfanne gebraten. Ja, es hat funktioniert, es war kein Matsch, da ich sie jedoch etwas trocken fand, gibt es da noch Verbesserungsbedarf. Wir werden weiter probieren.

Rote Zwiebeln in der Pfanne. Damit sie gut schmecken, kommt noch ein Löffel Honig dazu.

Schräg über die Wiese hinweg entsteht etwas, das nach einem Hochbunker aussieht: Ein sehr weißes, sehr kubistisches Gebäude mit dunklen und quer liegenden Fenstern, die mich doch sehr an Schießscharten erinnern. Dort haben am Vormittag die Fliesenleger Fliesen zersägt, am Nachmittag ist der Nachbar mit dem Rüttelfrosch stundenlang über seine künftige Einfahrt spaziert. Immer wenn ich dachte, oh, prima, jetzt ist Ruhe und jetzt könnte ich mich ganz entspannt an den Computer setzen, lärmte er weiter. So konnte ich mich nicht konzentrieren, jedenfalls nicht an meinem gewohnten Arbeitsplatz. Menno.

Weil der Mitbewohner morgen Besuch zum Essen erwartet, war er heute mit Küchendienst dran. Die Katzen schlichen ihm immer wieder nach, schauten, ob was abfällt und guckten ihn ausdauernd an, immer in der Hoffnung, dass er ihnen etwas gibt. Mit der Zeit schlich ein leckerer Duft durch die Wohnung und mir tropfte langsam der Zahn.

Seit vorgestern habe ich eine neue Maus, eine ergonomische und muss mich erst daran gewöhnen, wie damals bei der ergonomischen Tastatur. Aber ich bin mir sicher, es dauert nur zwei, drei Tage und ich kann sie mindestens so gut händeln wie die vorherige.

Ich saß dagegen immer wieder auf dem Sofa – weil draußen Lärm, ihr erinnert euch? – und habe meine Buchrezension zu „gottgewollt“ (link) mit Bleistift auf Papier vorbereitet. Das Buch fasziniert mich schon sehr.

Der geplante Workshop in Nürnberg lässt sich ebenfalls mit Papier und Bleistift vorbereiten, schließlich kann ich noch mit der Hand schreiben. Überhaupt schreibe ich gerne eine erste Fassung auf Papier, nicht in den Computer, jedenfalls dann, wenn es ein Text ist, über den ich länger sinniere und den ich nicht einfach so heruntertippe, wie beispielsweise eine Gemeinderatssitzung.

Außerdem warte ich auf die Post und darauf, dass sie mir mein Belegexemplar von Echt Oberfranken (link) bringt. Für ein Interview mit einem Jäger bin ich Anfang September nach Pressig/ Grössau gefahren, dorthin, wo der Frankenwald am tiefsten ist und sich Fuchs und Hase sprichwörtlich gute Nacht wünschen.

Irgendwie ging damit der Samstag recht unspektakulär vorbei, ich gucke nachher in der Küche, ob ich was essbares finde, ohne dem Mitbewohner das Futter für morgen zu stibitzen, ich werde mich aufs Sofa setzen, einen Pulloverärmel für die Lieblingshausziege stricken, schließlich wird es bald Winter und ich werde sehen, was der Fernseher so an Programm zu bieten hat. Außerdem habe ich für morgen Appetit auf einen saftigen Schokoladenkuchen, der will noch gebacken werden.

Damit endet das heutige Tagebuchbloggen, oder, wie es bei Frau Brüllen heißt: WMDEDGT. 

 

Tag der Einheit

Dritter Oktober, Tag der Einheit. Was offizielle Feiertage alles so verkünden, Einheit.

Frieden. Am ehemaligen Point Alpha.

Ehrlich? Wir sind 1990, weil wir renoviert haben, in unseren alten Sachen in den Westen gefahren, nach drüben, wir wollten irgendwas kaufen. Auch wenn ich nicht mehr weiß, was wir gebraucht haben, weiß ich noch, dass mein Bruder ganz stolz darauf war, dass er in seinen alten Klamotten nicht als Ossi erkannt wurde.

Später habe ich in Kassel studiert und gearbeitet, immerhin gab es zwar Bafög, doch das war recht wenig. Die vorgesetzte Kollegin, eine ganz liebe Frau, hatte einen deutlich erkennbaren östlichen Akzent. Woher sie kommt? Neinnein, auf keinen Fall aus dem Osten.

Ich musste raus aus der alten Wohnung, mir eine neue suchen. Eine Bekannte zog ebenfalls um, ihre Wohnung wurde frei. Die Vermieterin winkte ab. Nebenan bei der Nachbarin wohnte schon ein Ossi, der holte sein Heizöl immer an der Tankstelle, das wollte sie nicht.

Das Kind wechselte von der Grundschule auf das Gymnasium. Seit dieser Zeit nannte sie nicht mehr den Osten als Herkunft, sondern unseren damaligen Wohnort, allein, damit sie deswegen nicht mehr gehänselt wurde.

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich in Gesprächen wirklich auf die Frage geantwortet habe, woher ich kam. Manchmal ist das auch der Moment, an dem ich sicher weiß, mit wem ich mich danach nicht mehr unterhalten möchte.

 

Die alte Kegelbahn

Es ist noch gar nicht so lange her, erzählte der Begleiter, als wir auf dem Parkplatz vor dem Einstieg zur Hausbachklamm an einem Holzbau vorbeigingen. Der Gasthof auf der Straßenseite gegenüber hatte für immer geschlossen und neben dem Holzbau rann emsig Wasser in einen hohlen Baustamm, der zu einem hölzernen Trog geworden war.

Es ist noch gar nicht so lange her, und ältere Menschen aus umliegenden Dörfern erinnern sich wohl noch daran, dass die Kegel auf der Kegelbahn von Buben aufgestellt wurden, wenn sie von der Kugel getroffen gefallen waren. Jetzt tanzen nur noch Staubkörnchen im Licht, an den Seiten lehnen alte Fenster, weil es hier keine Sicht auf bessere Zeiten mehr gibt. Spinnen weben in den Ritzen ihre Netze, halten alles Vergangene fest, auch das Kollern der Kugeln, die, von der Hand gelassen, über die Bahn rumpeln, bis am Ende ein, zwei oder neun Kegel fallen.

Es riecht nach Staub, nach harzigem Holz in der Sonnenwärme, vielleicht auch nach einer letzten Zigarette. Warum ist die Sehnsucht nach Vergangenem so stark?

Es entspricht nicht mehr den modernen Bedürfnissen, heißt es, wenn ein Haus abgerissen wird, damit Platz für Neues kommt. Doch wer bestimmt, was genau die Bedürfnisse, unsere und damit auch meine Bedürfnisse sind? Ich würde gerne einen Besen nehmen, den Boden fegen, die Scheiben von den Spinnweben befreien und die Sonnenstrahlen einladen. Dann ist es warm genug für alle, für mich, die Mäuse, das trockene Laub und die Zeit. Hier ist sie zu Hause, scheint mir, hier wohnt alle Zeit, die in der Welt ist. Das Lachen perlt als Echo von den Wänden, Bierflaschen werden zischend geöffnet und stoßen mit den Böden aneinander, bevor die Menschen ihren ersten Schluck trinken.

Hier spielt es keine Rolle, wer jemand ist, was er macht, wie viel er hat, es gibt Brotzeit, Bier und Limo, das reicht völlig aus. Und alle sitzen gemeinsam auf Bänken, ist der Witz gelungen, schlagen sie zustimmend mit der Hand auf den Tisch, klopfen dem Nachbarn die Schulter und genießen einfach den Abend als echten Feierabend, nach getaner Arbeit, ob auf dem Feld oder im Wald. Sie können sehen, was sie geschafft haben, das ist mehr, als mancher von uns heutzutage sagen kann, vor allem dann, wenn Buchstaben virtuell bleiben und Zahlen über das Leben der Menschen verfügen.

Erinnern wir uns daran, was wirklich wichtig ist, die Nähe zu den anderen, eine Nähe, bei der ich die Wärme spüren kann, weil die Bank sonst nicht für alle reicht.

Verbunden mit Cubus Regio und „Das wars“.

Alles für die Katz #96


Katzen sind einfach überall zu Hause.Manche laufen weg, wenn sie mich sehen und warten nicht ab, bis ich sie fotografieren kann. Manche jedoch besetzen ihren Platz so selbstverständlich, als würden sie sagen: Mensch, bring mir doch endlich was zu essen.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.