Wer nicht hören kann, muss fühlen? (Werbung, weil Namen genannt werden)

Nein, so schlimm ist es nicht. Ohrenschmerzen sind aber so eine Sache, die kenne ich und die will ich nicht, noch nicht mal für ein halbes Stündchen. Das Ohr an sich ist ja schon eine komplizierte Angelegenheit: Während es außen auf den Lauschlöffeln ausreichend Platz für Löcher, Piercings, Ohrringe und anderen Schmuck gibt, versteckt es sein kompliziertes Innenleben aus winzigkleinen Knöchelchen innen. Wie auch immer, der Biologieunterricht ist lange her und solange die Ohren quasi ungestört und damit unbemerkt ihrer Arbeit nachgehen, ist alles in Ordnung.

Sie fangen zuverlässig den Schall aus der Umgebung ein, ob ich das will oder nicht. Ohren lassen sich nicht einfach verschließen, sie hören das Rauschen des Meeres, die Rufe der Möwen, aber auch das Hupen des Transporters, der damit den Radfahrer vom Weg scheuchen will. Funktioniert alles passabel, merken wir das kaum, wichtige Geräusche werden markanter wahrgenommen als allgemeines Hintergrundrauschen.

Die Ohren lassen mich in Ruhe und ich sie ebenfalls, ich wasche sie und putze das, was sie an Ohrenschmalz von innen nach außen schieben, vorsichtig mit Ohrenstäbchen weg. Daher hatte ich keine Ahnung, dass es solche Dinge wie Ohrenkerzen gibt – und wäre ihnen auch nicht begegnet, wenn Katrin Wiesneth nicht gewesen wäre. Ich kenne sie schon länger, wusste auch, dass sie eine eigene Praxis in Frauenaurach bei Erlangen hat. Und weil ich neugierig bin und Angeboten nur schwer widerstehen kann, haben wir einen Termin vereinbart und ich habe sie ausprobiert.

Rechts die beiden Stäbe: Das sind Ohrenkerzen.

Ohrenkerzen sind aus Bienenwachs, erklärt die Heilpraktikerin. Sie sind innen hohl, leicht trichterförmig geformt und vielleicht etwas mehr als 20 Zentimeter lang.

Ob ich vorher Ohren putzen sollte? Katrin lacht über meine Frage. Saubere Ohren sind ihr nicht wichtig. Dafür will sie wissen, ob ich ein Loch im Trommelfell, Paukenröhrchen oder Implantate habe und inspiziert jedes Ohr mit dem Otoskop. Alles ist in Ordnung. Ich darf mich auf der Liege ausstrecken und zunächst auf eine Seite legen. Die Heilpraktikerin zündet die erste Ohrenkerze an und steckt sie in mein rechtes Ohr.

Es knistert leise, wie bei einem weit entfernten Lagerfeuer. Ich liege entspannt, Katrin hält die Kerze und passt auf, dass nichts heruntertropft. Als die erste Kerze abgebrannt ist, drehe ich mich um und bekomme die zweite Ohrenkerze in das andere Ohr. Hinterher sind beide Ohren von innen schön gewärmt, ebenso ein Teil des Gesichts.

Katrin Wiesneth mit den Ohrenkerzen.

Brennt die Ohrenkerze langsam ab, wird die Durchblutung verstärkt und ein leichter Unterdruck wirkt auf das Trommelfell. Dieser ist wirklich sanft und reicht längst nicht aus, um eventuell vorhandenes Ohrenschmalz aus dem Gehörgang zu ziehen. Bei chronischem Schnupfen, langwierigen Erkrankungen der Nebenhöhlen, aber auch bei Kopfschmerz und Migräne können Ohrenkerzen helfen und sorgen für eine bessere Belüftung zwischen Nase und Ohr. Sie können selbst bei Kindern angewendet werden, sagt die gelernte Krankenschwester, vorausgesetzt, sie bleiben zehn Minuten still auf einer Seite liegen.

Alles zusammen dauert etwa zehn Minuten pro Ohr, dazu kommt noch ein kurzer Moment zum Nachruhen. In den nächsten 24 Stunden soll ich weder tauchen noch mit offenem Fenster Auto fahren, ermahnt mich Katrin. Dann bin ich draußen und fahre vergnügt nach Hause.

12 Bilder vom 12. Januar

Noch bin ich in Hochfilzen, im Pillerseetal, in den Kitzbüheler Alpen auf einer Pressereise. Der Blick aus dem Fenster zeigt: Draußen trainieren schon wieder Menschen für den Langlauf.

Hier in Hochfilzen werden Weltmeisterschaften und Weltcups im Biathlon ausgetragen – daher erinnert vieles im Hotel daran.

Hier steht jedenfalls noch der Weihnachtsbaum, draußen, neben dem röhrenden Hirsch. In der Mitte ist die Kirchturmspitze von Hochfilzen zu sehen.

Achja. Bald ist Abfahrt. Wir warten am Bahnhof Hochfilzen. Das Wetter ist eigentlich viel zu schön…

Der ICE kommt.

Damit ich möglichst viel von der Reise habe, hält der ICE tatsächlich an jedem kleinen Bahnhof. Unterwegs eine dicke Rauchwolke bei klarem Sonnenschein. Was da wohl sonntags gearbeitet wird?

Haltestelle Kitzbühel-Hahnenkamm.

Hinten ist noch die Festung Kufstein zu sehen. Der Schnee allerdings hat sich fast verkrümelt.

Der smaragdgrüne Inn.

Noch ein letzter Blick auf die Berge, hier sind die Wiesen schon fast grün, naja, gelbgrün.

Ab dann wurde es immer diesiger und wolkiger. In München stieg ich in den ICE nach Nürnberg und dort in die S-Bahn nach Forchheim.

Zu Hause hatte ich Hunger – und der Mitbewohner war fleißig gewesen. Diese Leckerbissen gibt es aber erst später, zunächst mussten mir Brot und Käse reichen.

Wer noch mehr Bilder vom 12. Januar sehen möchte, bitte sehr, hier entlang: Bei der Frau mit den Kännchen gibt es viele von ihnen.

Und wer noch mehr Bilder von mir sehen mag, bitte sehr, der kann mir auf Instagram folgen. Dort bin ich ebenfalls unter Jaellekatz zu finden.

Tagebuchbloggen am 5. Januar

Warum es heute morgen bereits zehn Uhr war, als ich endlich munter wurde, weiß ich nicht. Vielleicht lag es an der gestrigen Feier, vielleicht am getrunkenen Schwarztee, vielleicht auch an dem Buch, das ich einen Tag zuvor aus der Grabbelkiste der Buchhandlung befreit und adoptiert habe: „Der Rummelplatz“ von Werner Bräunig.

Schon der erste Satz ist einer, der in die Geschichte hineinzieht und das nicht nur, weil er sich einen ganzen Absatz lang ausbreitet:

Nach Kaffee und Müsli waren auch die Katzen gefüttert und weil die Sonne noch vor dem Mittag lockte, fuhren wir in den Aischgrund, dorthin, wo bereits die Ortsnamen wie Biengarten und Moorhof davon künden, dass hier kein Bär steppt, sondern Weiher die Entfernung zum Himmel etwas schrumpfen lassen.

Winters ist es hier ruhig, nur gelegentlich waren ein oder zwei andere Spaziergänger unterwegs zu sehen. Die Schwäne zogen ruhig und weiter entfernt ihre Kreise, die Enten schnatterten viel leiser als sonst, vielleicht hatten sie sich jetzt auch nichts mehr zu sagen. Die ewig kreischenden Möwen waren verschwunden und die Frösche hielten irgendwo im Schlamm ihren Winterschlaf, nahmen ein kaltes Moorbad sozusagen.

Das war wieder einmal so ein Moment inniger Ruhe, es gab nichts zu beschwätzen, nichts zu sagen, was nicht heißt, dass wir uns nichts zu sagen hätten, sondern manchmal ist es genau so gut, so ein quasi wortloses Miteinander zu haben und zu wissen, dass es richtig ist. Weil jetzt Winter ist, konnten wir auch die Wege gehen, die ab dem Frühjahr wieder gesperrt sind. Dann wollen die Vögel im dichten Schilf brüten und keine neugierigen Nasen in den Nestern haben.

Das oben erwähnte Buch beschäftigt mich, auch wenn ich noch nicht viel davon gelesen habe, Bräunig erzählt von einer längst vergangenen Zeit, einer Zeit, in der im Erzgebirge Uran für die sowjetische Atomindustrie gefördert wurde. Der Roman durfte damals, 1965, nicht veröffentlicht werden und erschien erst 2007, mehr als 30 Jahre nach dem frühen Tod des Autors.


Nach dem Spaziergang wärmen wir einen Rest vom Linsencurry auf, ich fummel noch ein bisschen auf Twitter und Instagram herum. Dann fällt mir glücklicherweise sehr rechtzeitig ein, dass ich für morgen Kuchen backen und mitbringen wollte, ich fange an und die Katze will selbstverständlich assistieren. Weil aber Schokokuchen nichts für Katzenzungen ist, schiebe ich sie aus der Küche und rühre allein in der Schüssel herum.
Während der erste Kuchen in der Schublade abkühlt – rumstehen lassen geht nicht, sonst knabbert die Katze – backe ich den zweiten, der bestimmt auch gleich fertig ist. Dann kriegt der erste Kuchen noch eine Schokoglasur, der zweite eine Staubzuckerschicht und für heute ist Ende, aus, Schluss, vorbei.
Was alle anderen in Bloggerhausen so am 5. gemacht haben, lässt sich bei Frau Brüllen nachlesen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag, fragt sie jeden Monat aufs Neue.

Jiang Rong: Zorn der Wölfe

Klosterzeit war Lesezeit: In den Zimmern gab es weder Internet noch Fernseher und gleichzeitig war das Wetter so usselig, dass wir keine Lust auf längere Spaziergänge oder gar Wanderungen verspürten. Glücklicherweise hatte ich genügend Lesestoff dabei, dicke Bücher sind ohnehin für solche Tage ausgezeichnet. Ich kann regelrecht in ihnen versinken und muss nur gelegentlich zum Essen auftauchen.

Jiang Rong: „Zorn der Wölfe“

Chen Zhan ist das Alter Ego des chinesischen Autors. In den 60er Jahren reist er von Peking in die Innere Mongolei, ein Gebiet, in dem Nomaden ihre Tiere züchten. Er muss sich in einer ihm unbekannten Welt zurechtfinden und ist fasziniert. Glücklicherweise hat er einen alten Mongolen, Bilgee, als Lehrer an seiner Seite. Dieser erzählt ihm von den Traditionen und Mythen der Mongolen, die eng mit dem Schicksal der dort ebenfalls lebenden Wölfe verknüpft sind. Eine der faszinierendsten Szenen erzählt, wie Chen an Bilgees Seite in einer kalten Winternacht ein Wolfsrudel und dessen Angriff auf eine Gazellenherde beobachtet. Dabei entwickeln die Tiere eine geschickte Taktik und nutzen die komplexen Strukturen des Rudels.

Für die mongolischen Nomaden ist der Wolf nicht einfach ein Gegner, der ihre Herden dezimiert, er ist Ahne, Vorbild, Hüter und Totemtier des Graslandes zugleich. Als Chen Mitleid mit den Gazellen äußert, wird Bilgee wütend: Das Gras und das Grasland gehört für die Mongolen zum Großen Leben, während Wolf, Mensch und Gazelle zum Kleinen Leben gehört. Die Existenz des Grases ist fragil, seine Wurzeln sind kurz und es kann sich nicht vom Fleck rühren, erklärt der Alte. Der Wolf sorgt hingegen dafür, dass alles im Gleichgewicht bleibt.

Mongolische Jäger sind Schüler der Wölfe, weist der Alte auf die Taktik hin, mit denen einst das Hirtenvolk mit großer militärischer Schlagkraft durch Asien und Europa fegte und das größte Reich überhaupt errichten konnte.

Wolf im Tierpark

Wolf im Tierpark

Chen ist fasziniert, fängt einen Wolfswelpen und zieht ihn auf. Das ist für die Mongolen ein solcher Tabubruch, dass er damit fast seine Freundschaft zu Bilgee aufs Spiel setzt. Doch als immer mehr Chinesen in die innere Mongolei kommen, die Wölfe jagen, töten und vertreiben, wird die fragile Balance zwischen Tieren und Boden zerstört. Die Neuankömmlinge wollen das Grasland zu Ackerland umgestalten, doch es dauert nicht lange, und das Grasland wird Wüste.

Jiang Rong ist ein Pseudonym. Der richtige Name des Autors ist Lu Jiamin, er war mehrere Jahre als politischer Gefangener inhaftiert. In China hätte er unter seinem richtigen Namen niemals ein solches Buch veröffentlichen können, ist sich der Autor sicher. Die Geschichte, die auf autobiografischen Erlebnissen beruht, wurde in China zum Bestseller. Rong kritisiert die Umweltzerstörung des Landes ebenso, wie dessen Wahn zur Modernisierung. Er zeigt, wie selbst durch kleine Veränderungen ein über Jahrtausende wirkendes Gleichgewicht nachhaltig zerstört werden kann.

In China und der Mongolei werden gerade die anthropologischen Thesen diskutiert: Rong verglich die Han-Chinesen mit den Schafen und deren trägem Gehorsam, basierend auf den konfuzianischen Traditionen, die Mongolen hingegen mit den freiheitsliebenden und unabhängigen Wölfen, die gleichzeitig auf die Erhaltung ihres Graslandes achteten, als Grundlage ihres gesamten Lebens.

„In Zukunft werden wir unsere größten Kämpfe nicht zwischen Ländern oder Völkern austragen, sondern gegen die Umweltzerstörung führen. Naturkatastrophen werden die Länder zur Zusammenarbeit zwingen. Es versetzte mich in Schrecken zu erleben, wie ein Ökosystem, das seit Jahrtausenden bestand, in nur einem Jahrzehnt zu Staub zerfiel. Mein Buch ist eine Lektion für die Welt.“

Jiang Rong: Zorn der Wölfe (Übersetzer Karin Hasselblatt unter Mitarbeit von Marc Hermann und Zhang Rui)
ISBN: 978-3-442-47395-3
erschienen 2010 bei Random House, als Hardcover, Taschenbuch, e-Book und Hörbuch erhältlich

Alles für die Katz #98


Die Katz lässt sich einfach nie aus der Ruhe bringen und lümmelt mit Vorliebe dort, wo ich eigentlich etwas machen müsste. Wir haben den gestrigen Abend gut verbracht. Auf dem Rückweg war der Nebel an manchen Stellen so dicht, dass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Was wird das neue Jahr bringen? Auf jeden Fall viel Neues: Unsere Webseite für Denkst.net ist fast fertig und dann gilt es, sie mit Inhalt zu füllen.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.