Wellen und Wind trotzen #Rostparade

Wir fuhren auf der KĂŒstenstraße am Mittelmeer entlang. Der zweitausend Jahre alte AquĂ€dukt nahe Caesarea hĂ€lt dicht neben dem Strand Wind und Wellen stand. Direkt am Meer stehen rostige Reste auf dicken Fundamenten, trotzen ebenso Wind und Wellen wie der AquĂ€dukt und werden sicherlich weit vor Ablauf der nĂ€chsten zweitausend Jahre zerbröselt, zerrieben und völlig verschwunden sein. Was es einmal war? Das weiß ich nicht.

Rostige Überreste am Strand.

Verbunden mit: Der Rostparade bei Cubus Regio.

Stolpernde Zeiten

Die Zeit scheint zu stolpern: Wache ich morgens auf, ist es in der Wohnung gewohnt kalt, so lange, bis das Feuer im Ofen glĂŒht und den Rest der RĂ€ume wĂ€rmt. So weit ist es wie immer, auch der morgendliche Kaffee, das Warten der Katze auf den Rest vom Joghurt, die LektĂŒre von Zeitung und News ist gleich. Alles scheint wie immer, doch die Zeit hat sich geĂ€ndert, fast unmerklich. Ich brauche nicht mehr zu fahren, kann (fast) alles von zu Hause aus erledigen. Dabei verschwindet die Zeit, stiehlt sich davon, ich muss nachsehen, welches Datum wir haben und der Wochentag ist allein deshalb wichtig, weil ich nicht am Sonntag vor verschlossenem Laden stehen will.

In dieser Zeit – und schon zuvor – rĂŒckte das Virus nĂ€her, langsam, vom: Was geht es mich an, ob in China ein Sack Reis fĂ€llt oder eine Fledermaus auf dem Teller landet, ĂŒber: ach, da kam jemand aus China zurĂŒck und ist krank, bis hin zu: ups, im Landkreis hat sich auch jemand angesteckt, ebenso der Onkel eines Bekannten. Obwohl etwas noch weit weg scheint, betrifft es mich trotzdem, schließlich werden in China auch Sachen gefertigt und hierher transportiert, die ich – vermeintlich – brauche.

Wir sind weder unverwundbar noch unsterblich. Welch eine KrÀnkung.

Manche Dinge sieht man jetzt wie unter einer Lupe

Wir begreifen langsam, dass es Dinge gibt, die sich kaum beeinflussen lassen, oder doch, wenn wir Abstand halten, keinen sozialen, sondern realen, in Zentimetern und Metern messbar, ein unĂŒberwindlicher Graben fĂŒr das Virus, auf dass es nicht zu uns kommen möge, oder wenn schon, dann nicht jetzt, sondern spĂ€ter. Vielleicht.

Seit ĂŒber einer Woche gilt eine KontaktbeschrĂ€nkung, wir dĂŒrfen noch nach draußen, spazieren, einige tausend Schritte am Abgrund entlang, doch bitte alleine oder höchstens zu zweit.

Ich habe GlĂŒck. Wir haben ausreichend Platz, leben seit dem vergangenen Sommer zu zweit auf genĂŒgend Raum. Ich bin schon immer Team Stubenhocker und Leseratte, solange ich zwischen zwei Buchdeckeln wohnen kann, vermisse ich nichts. Fast nichts. In meiner Fantasie reise ich durch Zeiten, LĂ€nder und Welten und es stört mich nicht, dass die tĂ€glichen Wege ziellos sind.

Es gibt keine Ziele mehr. Und damit keinen Grund, mit dem Auto irgendwohin zu fahren, der Bierkeller ist ebenso geschlossen wie Eisdiele und Freibad. Alles, was nicht notwendig ist, hat zu. Das Gras wĂ€chst ĂŒberall gleich, die Ameisen laufen emsig, der Specht hĂ€mmert ĂŒber mir und in der Ferne tuckert ein Traktor. Zitronenfalter flattern umher, die Vögel zwitschern und uns bleibt nichts weiter ĂŒbrig, als ebenso ziellos geschĂ€ftig zu sein, besorgt um Wohnung und Futter. Selten sah ich auf den Wegen so viele Menschen, die spazieren, gehen, schlendern. Jetzt heißt es: Wir gehen mal raus und alles Quengeln nach Zielen nutzt nix, weil die Ziele gesperrt sind, selbst wenn es der heimische Spielplatz ist.

Am Weiher

Jetzt ist das BÀnkchen das Ziel, das, zufÀllig entdeckt, mitten im Wald am Weiher steht, in der Sonne, ringsum der Duft nach Kiefern.

Die Natur atmet auf, nicht nur in Venedig, doch mir scheint, es wird keinen Bestand haben. Alles erinnert mich an den Tsunami, damals, 2004, als sich das Wasser zurĂŒckzog, den Meeresboden freigab, noch hatten die Menschen Boden unter den FĂŒĂŸen, solange, bis das Wasser mit Wucht zurĂŒckkam. Wird die Wirtschaft wieder losgelassen, entfesselt, wird sie vermutlich weiter toben wie bisher, ĂŒber Befindlichkeiten von Tieren, Pflanzen und Ökosystemen hinweg.

Es ist eine Stresssituation, fĂŒr alle, nicht nur fĂŒr die Erkrankten. Und so zeigt sich in dieser stolpernden Zeit, bei wem der Lack der Zivilisation und der Menschlichkeit nur oberflĂ€chlich haftet, sofort abplatzt, sobald Bewegung ins Spiel kommt. Ohne ausreichenden Haftgrund ist das eigene Hemd nĂ€her als die Not der Schwachen.

Nein, es war noch nie genug fĂŒr alle da: Das im Notfall offenbarte Defizit ist ein Strukturelles, es macht sichtbar, wovon es in der Gesellschaft schon immer zu wenig gab. VerstĂ€rkt hat sich das in den Jahren, in denen nicht Mitmenschlichkeit und Zuwendung, sondern Wirtschaftlichkeit und Zertifizierung stĂ€rker gewichtet wurden. Jeder Ablauf, jeder Prozess kann als solcher optimiert werden, fehlerfrei abgespult werden, völlig unabhĂ€ngig davon, ob das Ergebnis sinnvoll ist. Jetzt gibt es Beifall und Lob fĂŒr diejenigen, die ihre Arbeit fĂŒr wenig Geld erledigen, die plötzlich systemrelevant wichtig sind.

Was wird sein, wenn das alles vorbei ist? Gehen wir dann nahtlos zur – unterbrochenen – Tagesordnung ĂŒber, lassen wir das Primat der Wirtschaft weiter gelten?

Ich hoffe nicht, aber ich weiß auch, dass meine Hoffnung zu klein ist, dass ich alleine zu wenig bin, dass Menschen etwas zu sagen haben, denen meine Meinung selbst dann egal ist, wenn ich laut werde. Hat jemand auf die „Fridays for future“ gehört?

 

12 Bilder vom 12. MĂ€rz



Es ist jeden Morgen das Gleiche: Ich esse mein MĂŒsli mit Joghurt, die Katze wartet auf das typische GerĂ€usch des Löffels, wenn er die letzten MĂŒsliflocken vom Glas schabt. Kaum habe ich alles ausgelöffelt, springt sie auf den Tisch und putzt das SchĂ€lchen sauber. Richtig sauber. Der SpĂŒlmaschine bleibt nicht mehr viel.

 

 

 

Auf der Autobahn sind signifikant weniger Lastkraftwagen unterwegs, das fĂ€llt schon auf. Am Dienstag stand ich noch im Stau, heute habe ich ĂŒberall freie Fahrt, selbst in den Baustellen.

Huch, was macht ein Auto mit radioaktivem Transport vor mir? Ach, der saniert nur Brand- und WasserschĂ€den…

 

 

Ob das Muster auf meinen Beinen gemalt ist, wollte ein alter Mann wissen, der mir auf der Straße entgegenkam. Ich habe nicht gleich verstanden, was er meinte, er versuchte es noch einmal zu erklĂ€ren, schließlich haben wir beide gelacht. Was soll man auch sonst machen, wenn die Sonne scheint?

 

 

 

 

 

Angekommen. Jetzt habe ich eine Weile zu tun. Gegen Nachmittag bin ich fertig und fahre nach Erlangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier bin ich bei einem Projekt, es geht um Duft und Geschmack, Erinnerungen und Schreiben. Noch sind alle Dosen und GlĂ€ser der Duftbar fest verschlossen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warten. Der OberbĂŒrgermeister möchte zur Eröffnung auch noch reden und alle begrĂŒĂŸen, obwohl die Stadtverwaltung mit der Corona-Krise ordentlich beschĂ€ftigt ist, wie er sagt.

 

 

Erinnerungen werden wach – und ĂŒberall notiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschmacksbar wird erst geöffnet, als bereits alle ĂŒber den Duft und die damit verbundenen Erinnerungen geschrieben haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch, ja, ich habe auch was geschrieben. Kommt Ende des Jahres in die Ausstellung ;-), die ĂŒber das gesamte Projekt gemacht wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Draußen ist es schon ziemlich dunkel. Ich fahre jetzt nach Hause und hoffe, dass es dort was zu essen gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Futter im Bauch lÀsst es sich gut schlafen.

Noch mehr Bilder gibt es bei der Frau, die draußen nur KĂ€nnchen anbietet.

StÀubchen aufwirbeln

Irgendwie will ich – und doch wieder nicht. Ich fange lieber tausend Dinge an, statt mich hinzusetzen und zu schreiben. Ich rĂ€ume den Schreibtisch frei, finde Sachen, die ich nicht gesucht habe, wische den Staub weg, pussel die KrĂŒmel aus den ZwischenrĂ€umen der Tastatur und wĂŒrde am liebsten alles ausrĂ€umen, freirĂ€umen, neue Tapeten an die Wand, weil, ja, die alten hĂ€ngen schon so lange dort und wenn ich schon nichts richtig Neues machen kann, ist ein Tapetenwechsel nicht verkehrt.

Es riecht nach Staub, lange abgelagertem altem Staub, er kriecht in die Nase, reizt sie zum Niesen, flockt und erinnert mich, dass ich eigentlich etwas anderes machen wollte.

Bleiben manche Ecken im Haus lĂ€nger unberĂŒhrt, sammelt sich hier Staub, legt sich auf die blanken Stellen, lĂ€sst sie trĂŒb werden, ganz langsam und allmĂ€hlich, da hilft es gelegentlich, einen Ausputz zu machen, das Wollen vom MĂŒssen zu sortieren, schauen, warum ich Dinge mache: Wie wichtig ist mir der Blick von außen, der Blick von anderen. Wie wichtig ist es mir, wie sie mich wahrnehmen? Und wie gut geht es mir in dem, was ich meine RĂ€ume nenne, ob sie nun um mich herum oder in mir drinnen sind? Sieht mich niemand, fĂŒhle ich mich darin wohl. Ist es mir wichtig, dass sich darin auch andere wohlfĂŒhlen können?

ForsythienblĂŒte.

FĂŒr alles gibt es eine Zeit: Erst wollte ich Dinge haben, sie besitzen, meinte, sie zu brauchen, weil nur mit ihnen das Leben glĂŒcklich gelingt. SpĂ€ter erst sah ich, dass ich in den meisten FĂ€llen getĂ€uscht wurde, mich aber gerne habe tĂ€uschen lassen, ich gebe es zu. Es ist eine Illusion – und manche beherrschen das Spiel einfach besser.

Deswegen lasse ich beim Schreiben die Kerze brennen, genau wie das Feuer im Ofen. Die WÀrme zieht durchs Haus, vertreibt KÀlte und verteilt Licht in dunklen Ecken, sie macht, dass andere kommen, sich wÀrmen, gleich wie kalt der Rest drumherum ist.

Nein, nicht ganz. So etwas wie Ordnung und Sauberkeit hÀtte ich schon gerne.

Gelegentlich.

Tagebuchbloggen am 5. MĂ€rz

Tja. Heute ist schon ein Tag spÀter. Das liegt einfach daran:

Aufstehen, Kaffee trinken, ĂŒber Biotopkartierung schreiben, Sachen packen, losfahren, drei Kurse geben, in der kurzen Pause zwischendrin lĂŒften, Wasser trinken, durchatmen, im Regen schnell Obst und KĂ€se kaufen, die Lieblingshausziege von der Arbeit abholen, mit ihr gemeinsam essen, es gibt Nudeln mit GemĂŒse und Kaiserschmarren mit Espresso als Nachtisch, dann gehen wir noch kurz zu ihr hoch, trinken einen Tee bevor ich wieder fahre, zurĂŒck nach Hause, Laptop schnappen, in die GeschĂ€ftsstelle der GrĂŒnen zur Vorstandssitzung fahren, dort lange diskutieren und schwĂ€tzen, spĂ€t heimkommen, kurz aufs Sofa und dann ins Bett.

Heute beginnt der Tag ebenso frĂŒh, ich habe quasi gleich nach dem Kaffee einen Termin mit einem Allianzmanager, weil das Amt fĂŒr LĂ€ndliche Entwicklung Projekte fördern will und die AntrĂ€ge dafĂŒr bis Ende MĂ€rz eingereicht werden mĂŒssen. Das ist sportlich knapp.

Deswegen fasse ich mich hier auch kurz.

Was die anderen Blogger so am 5. MĂ€rz gemacht haben, bitte sehr, hier entlang: Bei Frau BrĂŒllen lĂ€sst sich das genau nachlesen.

Alles fĂŒr die Katz #100


Ich habs ja nicht so mit den StaubfĂ€ngern, Stehrumseln und sonstigen Nippsachen, jedenfalls nicht bei mir zu Hause. Woanders mag ich sie ganz gerne, da kann ich sie angucken und mich darĂŒber freuen, dass ich sie nicht putzen muss. Seit die Kinder groß sind, schmĂŒcke ich noch nicht einmal zu Weihnachten oder Ostern, von herumstehendem oder -hĂ€ngendem Tinnef wird schließlich meine Freude auf Feste nicht unbedingt grĂ¶ĂŸer.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles fĂŒr die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen ĂŒber den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.