Rites de passage – Splitter

Die Strahlen der Sonne liegen lange warm auf wimpernlosen Lidern, dringen in Glasaugen, bis sie tief im Innern Eis schmelzen, eine Kernschmelze. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn ich nur sein will, was andere von mir erwarten, ich optimiere mich auf Anweisung der Algorithmen. Sie bestimmen meinen Takt, meinen Tag, die Frequenz von Atem und Schlaf, gönnen mir unter dem Primat der Effizienz noch nicht einmal eine Pause zum Pinkeln.

Ich soll authentisch sein. Und lege mir eine Maske auf, eine, die sich anpasst, eng anschmiegt, so sehr mit dem Gesicht verwächst, dass sie nicht davon zu trennen ist. Das wirkliche Ich wage ich nicht zu zeigen.

Dabei war es Zeit für kleine Gesten, ein gemeinsames Lied vom Balkon, es war Zeit, hinter dem Trecker zu fahren, ganz gleich, ob jemand entgegenkommt oder nicht. Zeit, den Gesang der Vögel überhaupt wahrzunehmen.

Innen ist noch ein kleiner Kern.

Der Sonnenstrahl weckt ihn, lässt ihn wachsen – und plötzlich ist Optimierung nicht mehr so wichtig. Miteinander wertvoller als Qualität, selbst dort, wo mir der Nächste unbeholfen auf den Zeh tritt, weil er nicht mehr weiß, wie sich Tango tanzen lässt.

Ich weiß es doch auch nicht.

Es gibt einen Moment, in dem der Sonnenstrahl durch die brüchige Maske ins Auge trifft, aus grau bunt werden lässt.

Hoffen wir, dass dann noch Schmetterlinge tanzen.

Tagebuchbloggen am 5. August

War es der Kaffee, den ich gestern zu spät noch trank? Ich weiß es nicht. Die Nacht jedenfalls war kurz und für mich schon zu Ende, als die Dämmerung noch fern. Ist der Schlaf anderswo unterwegs, schaue ich zu, wie die Sterne über den Himmel ziehen und gelegentlich ein Auto mit seinem Scheinwerfer irrlichtert.

Als die Igel und Waschbären ihren nächtlichen Putz beendet hatten, stand ich schließlich auf, goß heißes Wasser über Kaffeepulver und begann mit dem Tagwerk, reihte Buchstaben, füllte Zeilen und Seiten.

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, kurz: WMDEDGT, das will die freundliche Blognachbarin wissen und wie jeden Monat sitze ich und denke: Nichts. Irgendwie mache ich nichts. Ich sitze auf dem Stuhl, tippe mit den Fingern auf der Tastatur, aber es entsteht dabei nichts, was ich anfassen kann.

Gelegentlich nehme ich einen Schluck aus der Wasserflasche, es ist heiß, ja, vielleicht habe ich deswegen nur wenig Appetit und lasse das mit dem Essen, größtenteils jedenfalls.

Ich verpasse die Nachrichten, lasse die Welt nicht zu mir kommen, will nichts von dem wissen, was außen ist. Doch mir fällt etwas ein, ich blättere im Kalender und ja, da steht demnächst ein Termin, es ist zwar noch etwas Zeit, aber ich weiß ja nicht, was alles so dazwischen kommt. Ich weiß ja noch nicht einmal, was in der nächsten Stunde ist, nichts ist sicher, alles fließt und ich kann ja nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen. Ob das für den See auch gilt? Hier schwimmen kleine Quallen und überholen mich fast. Oben ist das Wasser warm, unten kalt, es liegt in Schichten und ich rühre beim Schwimmen das Untere auf.

Die Sonnenstrahlen sind warm, doch ich habe vergessen, dass ein Bikini nass aus dem Wasser kommt. Und so fahre ich wieder, fahre dorthin, wo Tomaten und Mozzarella im Kühlschrank warten. Mehr mag ich heute nicht.

Alles für die Katz #104


Katzen unterwegs sind eine ganz eigene Spezies: Manche von ihnen suchen schnell das Weite, andere lassen sich überhaupt nicht beirren und ignorieren einfach alles um sie herum, fast scheinen sie in einer Parallelwelt zu leben, in der weder Menschen noch Autos oder überhaupt etwas außer anderen Katzen und Futter vorkommen. Kontakt nehmen jedenfalls nur wenige Katzen auf, ganz egal, ob ich sie mit „Miezmiez“, „Miauuu“ oder anderen Tönen locke. Ob sie in anderen Ländern auch in anderen Sprachen miauen?

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.