Rites de passage – zu Hause

Wo ist dein Zuhause?

Ist es mein Zuhause, wenn ich Unterschlupf und WĂ€rme finde,
den SchlĂŒssel in der Hand halte?
Zuhause ist dort,
wo sich Geborgenheit
wie eine warme Decke um mich legt.
Ist der Ort,
an dem ich in mir zu Hause bin,
an dem das Herz ruhiger wird
und HĂ€nde durch Haare streifen.
Mein Zuhause ist dort,
wo die Liebe wohnt,
die WĂ€rme
und die Zuversicht.
Dort, wo ich dich umarmen kann,
selbst dann,
wenn du nicht da bist.

Was heute gut war:

  • Die Wanderung durch den Regen, fĂŒnf Stunden lang
  • Die Heimkehr und die trockenen Klamotten
  • Das Feuer im Ofen

Rites de passage – Plan

Ich habe keinen Plan. Ich habe manchmal ein paar Termine, ich versuche, an diese zu denken, habe aber keinen Plan, den ich erfĂŒllen muss. ErfĂŒllen muss, um jemand zu werden, jemand, den ich vorher grĂŒndlich antizipiert habe, weil es andernfalls nichts wird.

Werden Menschen nur so geplant etwas? Wo bleibt dann der Zufall, der Kairos, der beim MĂ€andern auf dem Weg an mir vorbeiflitzt?

Ach, du meinst, ich verpasse ihn ohnehin, einfach, weil ich nicht aufpasse, sondern lieber dem Schmetterling auf der Blume am Wegrand folge? Nein, ich bin nicht jeden Moment in Hab-acht-Stellung, versuche mich eher in frei schwebender Aufmerksamkeit, weniger fokussiert, dafĂŒr aber achtsam fĂŒr die Dinge, die sich fast außerhalb des Blickfeldes am Rand bewegen. Daher bleibe ich im Moment lieber etwas zurĂŒckgezogen von der Welt und sehe zu.

Was heute gut war:

    • Der Take-Over des Accounts der Metropolregion hat funktioniert. FĂŒr eine Woche werde ich jetzt Bilder von lohnenswerten Zielen dort posten und darf meinen eigenen Account und die Website verlinken. : Instagram Metropolregion 
    • Schnippeln, kochen, schwĂ€tzen und essen mit U.
    • Abendessen, gehen, schwĂ€tzen und schreiben mit N.

Klar, so eine Stadt hat einen Plan. Aber ich nicht.

Rites de passage – Wurzeln ziehen

Ich mache mir meine Wirklichkeit selbst. Das, was bei Pippi Langstrumpf noch nach Spielerei klingt, nach Beliebigkeit, ist realer, als es auf den ersten Blick scheint. Ich schaffe mir meine Wirklichkeit, schaffe sie mit meinen Gedanken, WĂŒnschen und TrĂ€umen. Dass gelegentlich etwas real ist, spĂŒre ich spĂ€testens dann, wenn ich meinen Zeh am Tischbein oder die HĂŒfte am Tisch. Der blaue Fleck unter der Haut zeugt unĂŒbersehbar davon, dass es neben meiner inneren Wirklichkeit noch eine reale Ă€ußere Welt gibt.

In dieser Ă€ußeren Welt habe ich jetzt etwas aus- und umgerĂ€umt, heute noch die VorhĂ€nge gebĂŒgelt und aufgehĂ€ngt. Jetzt ist es freundlich, heimelig, es ist ein Raum geworden, in dem ich gerne bin. Fehlt nur noch ein langes Kabel, dann ist alles perfekt.

Draußen im Garten habe ich wenigstens zwei Quadratmeter von Unkraut befreit. Der Spinat, nun, der wollte irgendwie nicht. Also ist er jetzt auch weg.

Was heute gut war:

  • Ich habe den Schreiner bei seiner Arbeit fotografiert. Da flogen die SpĂ€ne…
  • Der neue Beitrag fĂŒr meine Kochkolumne ist online: Schmeckt fei…
  • Ich habe einen guten Ort zum Schreiben gefunden.

Rites de passage – weitergehen

So. Da habe ich heute morgen alles ins Auto gepackt, die mir einst anvertrauten Katzen schnöde zurĂŒckgelassen und bin bis nach Sommerhausen an den Main gefahren. Dort wurden wir Instagramer vom zweiten BĂŒrgermeister und der Chefin der Touristinfo durch den Ort gefĂŒhrt, bekamen Dinge erzĂ€hlt und durften – haptschi – bis hoch auf den Kirchturm steigen und ihm bis unter die Dachhaube gucken.

Anschließend hat sich mein Katzmatz gefreut, dass ich wieder zu Hause war.

Und U. hatte zum Geburtstag eingeladen. Daher ist es heute leicht, drei schöne Dinge zu finden:

  • Ein wunderbarer Gang durch Sommerhausen, bis hoch zum Weinberg mit der Schnecke und dem Terroir F, abschließend gab es einen Imbiss.
  • Die Freude der Katze: Mannmannmann, war die schmusig.
  • Die Geburtstagsfeier bei U.

Rites de passage – fast auf dem Heimweg

Da habe ich noch eine andere Freundin besucht, dort ĂŒbernachtet und als ich morgens zurĂŒckkam, waren die Katzenbesitzer schon aus dem Urlaub zurĂŒckgekehrt. Junge Leute, ts, die fahren eben mal nachts durch und etwas mehr als tausend Kilometer sind doch nix, oder?

Ich habe jedenfalls meine Sachen schon gepackt, das meiste ist bereits im Auto. Morgen frĂŒh fahre ich ziemlich frĂŒh los, ich will schließlich pĂŒnktlich in Sommerhausen sein.

Der August

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mÀht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sĂ€t, muß mĂ€hen.
Und wer mĂ€ht, muß sĂ€en.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brĂŒchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, ĂŒppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssĂŒĂŸ vorĂŒberwehte?

In BĂŒchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit –
das UnverstÀndliche bleibt unverstÀndlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie TrÀnen ohne Trauer.
Dann wĂŒnsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

(Erich KĂ€stner)

Lasst uns miteinander reden, statt ĂŒbereinander zu urteilen.

Lasst uns miteinander ĂŒber alle Fehler lachen, sie sind nicht wichtig.

Die Zeit, die uns gegeben, ist viel zu schnell vorbei…

Was heute schön war:

  • dass die Urlauber gut und gesund zurĂŒckgekehrt sind
  • dass eine langjĂ€hrige Freundschaft immer noch besteht und hĂ€lt…
  • dass ich heute das nĂ€chste Essen fĂŒr die Kolumne gekocht und fotografiert habe.

kurz und knapp

Heute habe ich meine Arbeit fix erledigt und bin zu einer Freundin gefahren. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, und es war einfach großartig. Daher nur kurz und knapp:

Was heute schön war:

  • Die Fahrt ĂŒber lang vertraute Straßen. Ich habe bestimmt bis ĂŒber beide Ohren gegrinst und mich richtig wohl gefĂŒhlt.
  • Die Vertrautheit, die auch nach acht Jahren sofort wieder da war.
  • Das indische Essen beim Italiener. Den Inder kannte ich auch noch…

AugenBlicke – anknĂŒpfen


Die Zahl der Katzenfutterdosen wird geringer: Das ist ein mehr als deutliches Zeichen dafĂŒr, dass die Zeit hier bald zu Ende geht. Außerdem herbstelt es langsam, da kann sich der Sommer noch so sehr anstrengen. Seine Zeit ist so gut wie vorbei. Heute morgen war selbst die Heizung der Meinung, sie mĂŒsste was tun – und hat mir die Seite gewĂ€rmt.

Das Morgengrauen lĂ€sst Gedanken und Konturen gleichermaßen verschwinden, nimmt Schutz und Sicherheit, lĂ€sst nur die Decke zurĂŒck. Die langsam verschwindende Nacht hört mir zu, ist jedoch kein guter Ratgeber. Das Licht lĂ€sst sich so viel Zeit, als wĂ€ren wir in Ankh-Morpork.

Die Sterne sind mir ja eigentlich schnuppe. Aber wenn die Perseiden vom Himmel fallen und wie Leuchtraketen ihre Bahnen ziehen, schaue ich ihnen hinterher. Zeus kam als Goldregen zu Danae, daraus erwuchs Perseus. Als er groß wurde, bekam er von Pallas Athene einen spiegelnden Schild. Mit dessen Hilfe besiegte er die Medusa, die, bei deren Anblick alles zu Stein erstarrt.

Manchmal hĂ€tte ich auch gerne einen Spiegel, einen, der mir manch direkten Blick erspart. Stattdessen packe ich meine TrĂ€ume in weiche TĂŒcher, passe auf, dass meine Hand nicht an den Rand der Nacht rĂŒhrt.

Was noch? Ja, Texte, was sonst. Ich sitze unter dem Dach, von Katzen bewacht, genieße solange den Blick ins GrĂŒn, bis die Arbeit getan und ich selbst wieder raus kann. Ich bin erstaunt darĂŒber, wie sehr ich mich hier noch zu Hause fĂŒhle und wie schnell ich an lose FĂ€den anknĂŒpfen kann.

Was heute gut war:

  • Ich habe bis zum Mittag gut und konzentriert gearbeitet.
  • Ab dann schien draußen wieder die Sonne und ich habe auf der Terrasse gelesen.
  • Heute kam die Nachricht, dass ich Sonntag ins FrĂ€nkische Weinland eingeladen bin- und K will mit mir ĂŒber die Hohenzollern reden. Es wird spannend.

 

AugenBlicke – Richtungswechsel

Im Erteilen schlecht gemeinter RatschlĂ€ge sind manche Menschen Meister. Meinen sie es gut, und sind es sozusagen gute Vertraute, ist es fast noch schlimmer, dann kann man ihnen noch nicht einmal ganz herzhaft „Halt’s Maul“ sagen.

Immer dann, wenn andere besser wissen, was ich machen sollte, mĂŒsste, könnte, setzt bei mir automatisch ein: „jetzt erst recht“ ein. Das macht es nicht zwingend besser, vor allem dann nicht, wenn das GegenĂŒber doch mal Recht haben sollte. Was hilft, ist Abwarten. Tee trinken. Oder, wie die Schwiegermutter selig sagte: „das mendelt sich aus“.

Immerhin hat sich gegen Mittag der Regen verzogen, die Sonne scheint und selbstredend hĂ€tte ich meckern können, dass ich damit die Fenster auf der Westseite nicht putzen konnte. Mache ich aber nicht. Stattdessen habe ich mich auf die Terrasse gesetzt und das von A. empfohlene Buch „juristische Weltkunde“ gelesen, ein Buch, in dem Entwicklung und Struktur des juristischen Herrschaftswissens verstĂ€ndlich  dargelegt wird. Sehr nett.

Was heute gut war:

  • Katzmatz ist wieder gesund. Seit Samstag braucht sie keine Antibiotika mehr, heute war Kontrolluntersuchung und die TierĂ€rztin sehr zufrieden.
  • Die vermutlich letzten frischen Erdbeeren in diesem Jahr gegessen. Reif, saftig und sehr lecker.
  • Rezept ist online: Kuchen wie Karibik

Rites de passage – Irrwege

Vertreibung, Verirrung: Manchmal denke ich, die Welt ist aus den Fugen geraten. Ich irre zwischen schiefen WĂ€nden umher und muss aufpassen, dass ich mein Gleichgewicht nicht verliere.

Langsam entfaltet sich ein Muster.

Ein Wettbewerb ĂŒber die schlimmsten Ereignisse in der Kindheit fĂŒhrt nicht automatisch zu Vertrauen.

Es gibt keine Ă€ußere Wahrheit. Sie ist immer innen, hĂ€ngt von dem ab, was ich denke, fĂŒhle, wie ich die Welt sehe und bewerte. Die Suchmaschinen möchten jedoch die Wahrheit pachten, sammeln Daten und Informationen, wollen daraus eine allgemein gĂŒltige Wahrheit schaffen. Gegen Fakten lĂ€sst sich doch nichts einwenden, oder?

Ein Unbehagen bleibt. Ich bin weder vorhersehbar, noch berechenbar. Menschen sind keine Maschinen, eher black box.

Was heute gut war:

  • Ich habe per Mail Kontakt mit jemandem aufgenommen, den ich vor Jahren das letzte Mal gesehen und gesprochen habe – und eine gute Antwort bekommen.
  • Ich habe heute ein erfolgreiches Telefonat ĂŒber fast zwei Stunden per WhatsApp gefĂŒhrt. Danke, N.
  • Ich habe mit meiner Arbeit etwas bewirken können – jemand ist aufmerksam geworden und hat mich per Mail kontaktiert und heute sogar angerufen.

 

Rites de passage – ziehende Tage

Die Tage ziehen wie die Autos auf der Straße vorbei, blinken in der Ferne auf, kommen allmĂ€hlich nĂ€her, fahren vorbei – und entschwinden auf der anderen Seite. WĂ€hrend jedoch Autos ein Ziel haben, schließlich sitzt jemand in ihnen, lenkt, gibt Gas, bremst, fĂ€hrt von irgendwo nach anderswo, haben die Tage kein Ziel, sie vergehen einfach.

Es gilt, einen Sinn zu finden. Warum mache ich das alles ĂŒberhaupt? Ja, warum mĂŒssen wir Menschen als Menschen einen Sinn im Leben finden? Wir könnten doch einfach in den Tag hineinleben, so Ă€hnlich wie es die Tierchen machen, die sich was zum Essen fangen, sich gegenseitig lausen und kraulen, und ĂŒberhaupt die Tage einfach ziehen lassen. Ihnen ist – wenigstens fast – alles gleich-gĂŒltig.

 

Wer behauptet, Sinn des Lebens sei es, Dinge anzuhÀufen, vergisst, dass die Dinge als solche keine Bedeutung haben, sie bekommen nur dann eine, wenn wir ihnen eine geben, welche es auch immer ist.

Ich hatte fast vergessen, wie erholsam Provinz sein kann. Alles geht einen Tacken langsamer, es sind deutlich weniger Menschen unterwegs. Keiner staunt, keiner sieht sich um, keiner fotografiert irgendwas. Hier gibt es ja einfach nichts, es ist gut so, wie es ist, von einer ausgesuchten Belanglosigkeit. Und genau das macht den Reiz aus. Ich sitze herum, gucke zu, was andere machen, gelegentlich guckt auch jemand zu mir und ich habe das GefĂŒhl, gleich könnte jemand kommen, den ich noch von frĂŒher kennen könnte.

Auf dem RĂŒckweg habe ich erst noch einen kleinen Umweg gemacht, Geld ausgegeben (das Ergebnis auf Twitter geteilt ;-)) und bin Straßenbahn gefahren, erst gemĂŒtlich in die eine Richtung, dann zurĂŒck, in eine andere Richtung und erst beim dritten Mal war es genug, jetzt nahm ich die Bahn, die in die richtige Richtung fuhr

Es ist entspannend, so ohne Ziel unterwegs. Und plötzlich meldet sich die lang vermisste Konzentration zurĂŒck.