ABC der Technik: #R wie retrete

Spanien.

Retrete: Die Toilette.

 

Über die Toiletten in Spanien kann ich nicht meckern. Manchmal war zwar das „Verschlussriegelchen“ so angebracht, dass ich eine Weile gebraucht habe, bis ich es fand, manchmal war die Toilette so neu, dass dieses noch fehlte, aber sauber und in Ordnung waren sie alle.

Was fĂŒr eine Errungenschaft der Technik. Ob diese Wasserverschwendung sinnvoll ist, oder nicht, darĂŒber denke ich hier mal nicht nach. Aber ich kann mich auch noch an das Plumpsklo auf dem Hof erinnern, den Nachttopf unterm Bett, das Gemeinschaftsklo auf halber Treppe (Berlin!), bis hin zu separatem Bad und Klo auf jeder Etage des Einfamilienhauses – damit keiner eine Treppe laufen muss – und extra GĂ€ste-Klo.

Als Kind fand ich die Spinnen im Plumpsklo super eklig, oder die Toiletten in der Deutschen Reichsbahn, auch wenn ich es faszinierend fand, wie die Bahnschwellen unter dem Loch durchsausten, wenn ich mit dem Fuß auf den Hebel trat, damit sich die Klappe öffnete. Erinnert sich noch jemand daran?

Heute dagegen fĂŒhren Dixie-Klos meine Hitliste der „Unbenutzbaren“ an.

Überhaupt, heute: Ein letztes Mal. Ein letztes Mal in Granada aufstehen, Kaffee trinken, Koffer packen, die Koffer und Taschen nehmen, gucken, ob nichts zurĂŒckbleibt, den SchlĂŒssel in der ZimmertĂŒr stecken lassen und die HaustĂŒr von außen zuziehen, zum Bus gehen, ein letztes Mal auf den kleinen Bus warten, der Bus, der immer so eng um die Kurven fuhr, dass gerade noch eine Handbreit Platz war, einsteigen, vom Albaicin nach unten fahren, aussteigen, vom Busfahrer noch ein „hasta luego“ hinterhergerufen bekommen, auf die andere Straßenseite gehen, auf den nĂ€chsten Bus warten, ein PĂ€rchen will einsteigen, der Mann fragt etwas, wird vom Busfahrer unwirsch abgewiesen, beide steigen wieder aus, fahren, eine Haltestelle vorm nĂ€chsten Umsteigen flitzt der Busfahrer aus seinem KabĂ€uschen vorne raus, auf’s Klo, flachst mit seinem Kollegen, der vor dem Klo wartet, als er wieder rauskommt, eine alte Frau ist ausgestiegen, der alte Mann, der neben ihr saß, hat sich nach vorne gesetzt, auf einen der extra-breiten PlĂ€tze, auf dem er jetzt wie ein Kind wirkt, klein und schmal, der Bus fĂ€hrt weiter, biegt um die Ecke, hĂ€lt, wir steigen aus – und auf der gegenĂŒberliegenden Fahrbahnseite fĂ€hrt der Bus in die Haltestelle ein, den wir eigentlich brĂ€uchten, doch die Ampel ist rot, schnell rĂŒberflitzen geht nicht, da kommen Autos, selbst am Sonntag, und der andere Bus fĂ€hrt los, und ist weg und wir mĂŒssen warten bis der nĂ€chste kommt.

HĂ€tte der Hund nicht gesch…en, hĂ€tte er den Hasen gehabt.

Ich setze mich, eine Ă€ltere Frau kommt, stellt ihre fahrbare Einkaufstasche dorthin, wo der Bus halten wird, so dass sie gleich einsteigen kann, setzt sich neben mich, grĂŒĂŸt, sagt etwas, ich lĂ€chele, nach einer Weile fĂ€hrt der Bus, den wir brauchen, auf der anderen Straßenseite, die Frau sagt wieder etwas, der Mitreisende sagt, dass sie gesagt hat, dass der Bus nur noch ein kleines StĂŒck fĂ€hrt, dann wendet und zurĂŒckkommt.

Wir fahren zum Busbahnhof, frĂŒhstĂŒcken, setzen uns in den Bus und fahren in zweieinhalb Stunden von Granada nach Sevilla. ZurĂŒck auf Los, gewissermaßen. Da wir fĂŒr die letzten zwei NĂ€chte in Spanien das gleiche Quartier wie zu Beginn der Reise haben, fĂŒhlt sich das schon wie ein „Wieder-zu-Hause-sein“ an, wir wissen, wo der Supermercado ist, der auch Sonntags offen ist, wir wissen, wo die nĂ€chste Tapas-Bar ist.

Es ist heiß. Und ich dachte, ich hĂ€tte mich an die Hitze lĂ€ngst gewöhnt.

Der obere Teil ist mein Beitrag zu Juttas ABC der Technik, Klick auf den Link fĂŒhrt zu den anderen Teilnehmern.

6 Gedanken zu „ABC der Technik: #R wie retrete

  1. Du hast eine so herrliche Art zu beschreiben zu erzÀhlen
    und das ohne Fotos.
    Es hÀlt mich gefesselt von Anfang bis Ende..
    Ich sass mit im Buss und stieg mit ein und aus 🙂
    Danke…
    Liebe GrĂŒsse
    Elke

  2. Ja, liebe Jaelle, ich muss auch sagen, die Art wie Du schreibst, gefĂ€llt mir außerordentlich gut. Das liest man wirklich vom ersten bis zum letzten Wort durch.
    Ganz toll gemacht.
    Danke möchte ich Dir aber auch fĂŒr Dein noch blitzsaubere R. An die anderen Varianten kann ich mich aber auch noch gut erinnern. Man hat ja so alles mögliche in seinem Leben an Toiletten mitgenommen.

    Liebe GrĂŒĂŸe
    Jutta

    • Ja, so manche Toiletten sind nichts fĂŒr schwache Nerven 😉 Dabei fiel mir auf, dass ich als Kind und Jugendliche da weniger empfindlich war, als ich es heute manchmal bin.
      Liebe GrĂŒĂŸe
      Jaelle

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