Alltag? Gerne!

Alltag. Keine Überraschungen.

Alltag
Das ist der Tag, den ich am Abend
schon wieder vergessen habe, einfach weil
er so belanglos – wie immer eben – während
ich beschäftigt war, an mir vorübereilt.
Das ist der Tag, an dem ich zähle,
was nicht passiert – es ist nicht viel
und wenn ich wählen
könnte, wäre ein Tag als Alltag mein Ziel:
Den Kaffee genau richtig temperiert,
das Müsli mit Jogurt drauf garniert,
die Katz schnurrt zufrieden und springt
auf den Tisch. Das Essen gelingt
und schmeckt allen, die Arbeit flutscht
von der Hand, niemand rutscht
vor der Haustür aus, obwohl
ich noch nicht gestreut, aber es
ist ja noch warm, im Pool
schwimmen die Kröten, die, wenn sie
auf dem Konto, wär ich flüssig.
Doch es reicht für mehr als Brot
und Kartoffeln, überflüssig
zu erwähnen, dass auch der Rest vom Tag
bedeutungslos vorüberzog. Ich mag
den Alltag, muss nichts reparieren,
kann stattdessen flanieren,
den Nachmittag vorüber ziehen
lassen, bevor des Abends ein Bier
oder Tee die Lektüre, geliehen
aus der Bibliothek, begleitet. Das Papier
raschelt gelegentlich.Später geht es ins Bett,
ohne Katz. Die will jagen, Mäuse fett
vom Kompost und dem, was wir nicht mehr
essen, weil ein Datum behauptet,
die Zeit sei vorbei, doch jemand errechnet,
wann es lohnt, Neues zu schaffen
und zu verkaufen. Ich will lieber schlafen,
diesen Alltag beenden. Nichts mehr schaffen.

Verbunden mit dem Cafe Weltenall, in dem Viele von ihrem Alltag erzählen.

2 Gedanken zu „Alltag? Gerne!

  1. Du beschreibst den Allatg, der so selten ist wie eine Sternschnuppe, denn wann bitteschön läuft schon einmal etwas rund?!
    Ich danke dir für diesen tollen Beitrag.
    Herzliche Grüße, Ulli

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