Alltag in der Küche

Früher war alles besser?

Nein, nicht ganz. Der Umzug vor sechs Jahren nach Franken hat gezeigt: Ich habe noch zu viel Zeug.

Die Küche ist immer noch sehr schön und die Schubladen darin auch. Suche ich etwas, brauche ich nicht mehr vor den Schränken zu knien, auch dann nicht, wenn sich das Gesuchte weit nach hinten verzogen hat. Trotzdem ist relativ wenig Platz, daher ist dort nichts verstaut, was ich nicht wirklich brauche. Das macht mein Leben bedeutend einfacher. In den Kisten und im Keller ist das geblieben, was ich noch nicht verschenkt oder anderswie weiter gegeben habe, an Menschen, die es brauchen können oder haben wollen. Ich will nicht mehr.

Ich erinnere mich daran, dass meine Oma einen Küchenschrank hatte. So einen von früher: Das Brotfach war in der Mitte, dort stand der Brotkasten drin. Oben drüber gab es zwei Schranktüren, in denen standen Tassen und Teller.  Rechts und links vom Brotkasten waren Glasschuber, für Mehl, Zucker und Salz. Unter der schmalen Arbeitsfläche waren Schubladen für Besteck, Brettchen, Siebe und Kleinkram weiter unten noch weitere Schranktüren, hinter denen Töpfe und Teller zu finden waren. Mehr Schrank war nicht, jedenfalls nicht in der Küche und darin war irgendwie alles untergebracht: Tassen, Gläser, Teller, Töpfe und Besteck. Die Vorräte waren in Speisekammer und Keller untergebracht.

So alte Küchen gibt es in vielen Freilichtmuseen zu sehen, aber ganz so war dann die Küche von Oma doch nicht.

Oma hat auf dem Herd gekocht und dafür Holzscheite in das kleine Feuerloch gestopft, bis Topf, Pfanne oder Waffeleisen heiß wurden. Im geöffneten Backofen ließen sich vom Schlittenfahren völlig durchgefrorene Füße wunderbar auftauen. Kuchen stand in der Speisekammer, dort hing auch die Wurst an Stangen von der Decke. Im Keller warteten die Einweckgläser, gefüllt mit matschigen Erdbeeren, süß-sauren Einlegegurken oder Knochen vom Schwein und warteten darauf, dass jemand sie brauchte. Die Einweckringe, die dafür sorgten, dass das Glas verschlossen blieb, hatten eine Gummilasche. Zogen wir an dieser, zischte es leise. Dann war das Glas auf und die Leckereien frei zugänglich.

Ein Loblied auf die Einfachheit. Ganz so einfach, wie ich es von der Oma in Erinnerung habe, kann ich das noch nicht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie sich diese Einfachheit frei gewählt hat. Vielleicht wäre mit einem mehr an Möglichkeiten, sprich: Platz im Schrank und Geld für Dinge im Laden, auch in ihrer Küche mehr Zeug gewesen. Kann schon sein. Ich habe mich jedenfalls gegen eine Kaffeemaschine entschieden. Wir haben sie verschenkt, weil sie sich auf der Küchenarbeitsplatte einfach zu breit machen wollte. Kommen Gäste, nutzen wir eine Kaffeekanne, in der sich das Pulver nach dem Aufgießen einfach nach unten drücken lässt. Sind wir alleine, sozusagen unter uns, löffele ich das Kaffeepulver einfach in eine große Tasse, gieße das kochende Wasser drauf, warte kurz, rühre alles um. Die Kaffeekrümel sinken auf den Tassenboden, fertig. Das geht. Den letzte Schluck lasse ich dabei allerdings in der Tasse, durchbeißen will ich mich nicht.

Neulich war sie da, die Lust auf Quarkbällchen. Die hab ich früher einfach in einer Friteuse gebacken. Einfach ist gut, einfach ist dann doch anders, nämlich ohne Friteuse: Oma hat ja auch Kräppel gebacken, im Fett, im Topf. Also: Öl in den Topf, Topf auf den Herd und Quarkbällchen rein. Klappte wunderbar. Die Lieblingshausziege war begeistert, weil die kleinen Teilchen auch noch besser schmeckten, als jemals zuvor. Könnte das daran liegen, dass ich jetzt Sonnenblumenöl genommen, statt diesen üblichen Block mit Friteusenfett? Hinterher ließ sich das kalte Öl einfach durch ein feines Sieb in ein Schraubglas gießen. Für die nächsten Quarkbällchen.

Was in den Profiküchen zur Standardausrüstung gehört, muss auch in die Privatküche? Nein. Jedenfalls nicht in meine. Ich brauche nicht zweihundert Gäste mittags schnell zu verpflegen, oder so. Im Allgemeinen sind wir zu zweit, zu dritt oder viert, das war es schon. Kommen Gäste, koche ich auch mehr. Doch dafür brauche ich keinen Herd, den ich erst programmieren muss und der dann noch mit mir redet. Es nervt schon genug, wenn alles piept und quiekt, nur weil die Spülmaschine fertig ist, oder ein Topf falsch auf dem Sensorfeld des Ceranfeldes steht, und so weiter. Zu meinem Glück brauche ich diesen zeitgemäßen Maschinenpark nicht. Hauptsache, das Messer ist scharf, mit dem ich die Zwiebeln schneiden will.

Zu meinem Glücks- Rezept gehört beispielsweise ein großer Topf mit Cassoulet, einem französischen Bohneneintopf. Aber das Wesentliche sind dabei die Gäste: Ohne Gäste kann es kein Festessen geben. Für ein solches Festessen ist es nicht so wichtig, wie die Salatblätter auf dem Teller liegen, da ist es wichtig, dass wir lachen und schwätzen und uns gut verstehen. Das ist heute so, und das war früher nicht anders. Denke ich mal. Ganz einfach.

Verbunden mit: Cafe Weltenall und dem Alltag.

8 Gedanken zu „Alltag in der Küche

  1. Ich finde den neuzeitlichen Trend zum Minimalismus sehr gut, möchte am liebsten auch so sein. Aber noch hänge ich an vielem Plunder. Vielleicht braucht man es ja mal. Aber ich habe es mir für dieses Jahr vorgenommen (hat nix mit guten Vorsätzen zu Neujahr zu tun). Jeden Tag eine Tüte zum Verschenken oder Wegwerfen – das ist das Ziel.
    Liebe Grüße
    Weena

  2. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Darauf läuft’s ja oft hinaus, wenn die Küche mit Kram zugemüllt ist, der den Alltag „einfacher“ machen soll. 😉 Es ist seltsam, dass man oft Dinge zu brauchen glaubt, die man dann doch selten oder nie benutzt. Der entscheidende Punkt ist wohl, dass man die eigenen Bedürfnisse kennt und sich den Alltag entsprechend einrichtet. Was der einen unentbehrlich ist, steht beim andern nur staubfängerisch rum.

  3. Hallo Jaelle, so ein schöner Alltagsbeitrag! Ich fange mal mit dem Küchenschrank der Großmutter an, ich hatte ihn sofort vor Augen, klar, weil meine Oma auch einen solchen hatte und ich dann später auch einmal, irgendwann hatte ich nur noch das obere Teil, das untere war zu sperrig geworden. Ich bin viel in meinem Leben umgezogen, da hat sich das eine und andere sowieso entsorgt, da ich aber auch als Köchin arbeite habe ich z.B. auch eine Jupitergetreidemühle, die ich zu einer Gemüseraffel ummodeln kann, klein, aber sehr fein. Bis auf einen Handmixer und einen Mixer für größere Sachen (wie z.B. fürs Bärlauchpesto) ist das dann auch schon alles an Maschinen. Wie du, habe ich es gerne praktisch, aber nicht voll und was du zu den Gästen und den Festessen schreibst unterschreibe ich allemale.
    Hab herzlichen Dank,
    liebe Grüße
    Ulli

    • Vielleicht machen viele eine Art Wandlung durch ;-); erst zieht man in die eigene Wohnung, schafft sich dieses und jenes an, bekommt das eine und andere geschenkt, hat vorher noch keine wirkliche Ahnung, was tatsächlich gebraucht wird – und schon steht alles voll.

  4. Ich habe heute das wunderbare Rezept von Christiane (Apfelbrot) nachgebacken und bin in meiner Küche auch wieder über etliches gestolpert, was kein Mensch braucht. Will sagen, ich erleichtere mich auch bald wieder, denn auch ich habe den Minimalismus im Kleiderschrank eingeführt und nun kann er in die Küche kommen.
    In meiner ersten Studentenbude (Ende der 70er Jahre) hatte ich so ein Kochgerät und ich habe es geliebt, auch wenn ich die Kohlen in den 3. Stock schleppen musste …

    Lieben Gruß
    Anna-Lena

Schreibe einen Kommentar zu Weena Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.