Am Stadtrand unterwegs

Für eine Weile hüte ich fünf Katzen, ganz allein am Stadtrand. Ich habe Zeit für mich, für meine Texte, es ist niemand da, der etwas von mir will – außer eben den fünf Katzen, wenn sie Hunger oder ein Kuscheldefizit haben.

Gehe ich aus dem Haus und überquere die Allee, auf der gelegentlich die Feuerwehr mit lauter Sirene zu ihrem Einsatz ausrückt, bin ich schon in der Dönche, einem geschützten Gebiet. Die Vorboten des Herbstes sind unübersehbar, auch wenn es noch August und damit Hochsommer ist. Doch die sonnig gelb gefärbten Buchenblätter künden eher von Trockenheit, ebenso wie die Hüllblätter der Bucheckern, in denen in diesem Jahr keine Eckern wachsen. Vier stramm bewadete Frauen kommen mir entgegen, spießen ihre Stöcke im Takt der Schritte in den Boden, nicken mir zu. Viele Wege sind hier nur Pfade, verlaufen mäandernd, kreuzen sich wie zufällig, nur die Wege hinter den Häusern sind ebenso schnurgerade wie die beschilderten Hauptwege und mit Splitt bestreut.

Es scheint menschenleer, und ich bin mir für einen Moment nicht so sicher, ob meine Tasche klappert. Doch hinter einem winzigen Hügelchen sitzen drei junge Frauen auf Baumstämmen und reden miteinander. Trotz der Stadtnähe sind hier nur wenige Menschen unterwegs, vielleicht, weil es gerade gewittert und ziemlich heftig geregnet hat. Dabei ist vom Regen fast nichts mehr übrig, nur im hohen Gras werden die Schuhe nass.

Tief unten im Tal ein Rinnsal, ein Bächlein, es führt eine Brücke darüber und vor mir schnürt auf der Wiese ein Fuchs vorbei. Immer wieder sehe ich einsame Frauen mit großen Hunden und ich frage mich, sind die Tiere Ersatz für Partner, ich meine, schließlich widerspricht ein solcher Hund nicht, auch dann nicht, wenn Frauchen sich selbst nicht sicher ist, was sie will und das ist in der Regel mehr, als sich bei einem Partner erwarten ließe.

An der Infotafel bleibt ein Pärchen stehen, schmiegt sich eng aneinander und scheint nicht so recht zu wissen, wohin es heute gehen soll. Vielleicht suchen sie sich und ihren Umgang noch miteinander, bis sie in die wortlose Vertrautheit älterer Paare gelangen, bei der nichts mehr zu klären ist. Sie probieren noch, kosten ihre Zweisamkeit, bis sie Alltag wird, vielleicht einmal später. Nach einer Weile gehen sie weiter, in Richtung Westen, die Sonne umhüllt beide mit ihrem Glanz.

Auf der Wiese liegen Findlinge, große Buntsandsteine, richtig bequem zum Sitzen und Rasten, hier finde ich etwas, das ich nicht gesucht habe: Zwei Roste, Reste einer Grillparty, noch mit einem Bodensatz an Kohle. Warum können diejenigen, die diese Dinge ja einst mitgebracht, sie nicht wieder zurücknehmen und zu Hause entsorgen, wenn es denn schon so ein nur einmal benutzbarer Kram sein muss.

Eine Elster beschwert sich, gelegentlich keucht ein Jogger vorbei, das Hallo so munter betont, als müsse er beweisen, dass noch genügend Luft nach oben ist. Immer wieder sehe ich Kuhlen und Trichter in den Wiesen, vernarbte Wunden aus einer Zeit, in der hier Truppenübungsplatz war und von oben Bomben fielen.

Verbunden mit Cubus Regio und der Rostparade, auch wenn diesmal der Rost ein ganz anderer ist und dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.

3 Gedanken zu „Am Stadtrand unterwegs

  1. 1. grundsätzlich kann ich mich auch über soviel gedanken-/rückssichts-losigkeit aufregen
    2. eigentlich müsste man zwischen Roost und Rost unterscheiden, aber es gibt halt nur die eine Schreibweise, die Unterschiede empfinde ich nur in meinem „inneren Ohr“

  2. Herrlich nach einem Gewitter in ruhiger Natur zu spazieren, mache ich auch gerne. Bei uns im Garten fallen auch schon die ersten gelben Blätter von den Obstbäumen. Da bekomme ich auch einen dicken Hals wenn ich sehe was einfach alles liegen gelassen wird. Das Littering Gesetz sollte viel strenger durchgesetzt werden.
    L G Pia

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