Aus und vorbei – keine Juden mehr in Adelsdorf

Manchmal reichen kleine Gesten aus, die zeigen, ob man dazugehört oder eben nicht: Als am Kirmesmontag im Oktober 1938 die Kirmesburschen stumm am Haus von Salomo David in Adelsdorf vorbeizogen und hier kein Ständchen mehr spielten, fand Sohn Ludwig seinen Vater weinend in der Garage. Beide hatte verstanden, dass Juden ab jetzt nicht mehr zur Gesellschaft gehörten.
Bis zu dieser Zeit war die Familie im Dorf beliebt und hatte als Mehl- und Getreidehändler ein gutes Auskommen. Die Kinder bekamen beim Einkauf ein Bonbon geschenkt. Hatten die Erwachsenen nicht genug Geld, durften sie anschreiben lassen. Salomo David war Mitgründer des Adelsdorfer Sportvereins und hatte die Trikots gesponsert. Trotzdem durfte er ab 1933 kein Mitglied im Verein mehr sein.

Auch wenn anstelle des ursprünglichen Wohnhauses von Familie David jetzt ein anderes Haus errichtet wurde, existiert das einstige Lagerhaus dahinter noch. In ihm  befindet sich heute das Adelsdorfer Heimatmuseum.

Gästeführerin Christiane Kolbet führte am Jahrestag der Kristallnacht, wie die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 genannt wurde, durch das fränkische Dorf im Aischgrund. Sie erklärte, warum sich die Juden gerade in den fränkischen Dörfern niederlassen konnten, und zeigte, wie sie mitten im Dorf lebten, Tür an Tür mit den Christen und gelegentlich sogar unter einem Dach mit ihnen.


Dort, wo im Herbst 1938 noch die Synagoge gestanden hatte, in der damals das letzte Jom Kippur Fest gefeiert wurde, erklang dank moderner Technik noch einmal leise das „Kol nidre“, die gesungene Auftaktmelodie zum höchsten jüdischen Fest.
Nur wenige Tage danach zündeten die SA-Leute aus dem nahen Forchheim ein Feuer, ließen in der Ortsmitte Flammen hoch lodern. Es brannte alles, was die SA-Leute aus der Synagoge gerafft und auf einen Haufen geworfen hatten: Bücher, Schriftrollen, Gebetsmäntel, Vorhänge und Bänke. Sie hatten sich noch Unterstützung von Arbeitsdienstlern geholt, die in Weppersdorf an der Begradigung der Aisch arbeiteten. Adelsdorfer selbst waren bei der Aktion kaum dabei, lebten sie doch seit vielen Jahren friedlich mit den Menschen zusammen.


Der kurze Rundgang durch Adelsdorf zeigt: Die Juden wohnten mitten im Dorf, Christiane Kolbet zeigt Fotos von früher, von den Menschen, die hier lebten. Manche hatten Glück. Sie konnten nach Palästina oder in andere sichere Gebiete fliehen und dadurch überleben. Die meisten Adelsdorfer Juden wurden jedoch deportiert, nach Riga, nach Lublin und damit nach Belzec, Majdanek, Sobibor oder Theresienstadt.
Heute gibt es keine jüdischen Mitbürger mehr im Ort und ein im Jahr 2000 errichtetes Denkmal nennt alle 29 Namen der einst von den Nationalsozialisten verschleppten und schließlich ermordeten Menschen.

Verbunden mit „Das war’s“ von Cubus Regio.
(erschienen im Fränkischen Tag, geschrieben und fotografiert von mir)

2 Gedanken zu „Aus und vorbei – keine Juden mehr in Adelsdorf

    • Ja, von Menschen, die es entweder nicht mehr gibt, oder die anderswo leben. Die Gästeführerin hat einen von ihnen besucht, einen, der mit 12 Jahren nach Israel kam – und bis heute Deutsch mit fränkischem Akzent spricht.

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