Das Weihnachtskind

Die Hebamme richtete sich vor dem Fernseher gem├╝tlich ein und legte eine DVD mit prasselndem Kaminfeuer in den Player, der Grog dampfte. Die Katze ignorierte alles, schloss ihre Augen und legte sich neben das Kissen auf den Sitz. Endlich Weihnachten in ihrem neuen H├Ąuschen.

Bevor sich die Hebamme auf ihrer Katze niederlie├č, witschte diese weg, erklomm die Sessellehne und spielte Nackenkissen. Die Hebamme kraulte ihr das Kinn und sie begann zu schnurren.

Hatte es geklopft? Die Hebamme schaute pr├╝fend zum Feuer. Funken stoben ├╝ber den Bildschirm, als das Scheit in sich zusammenfiel. Die Hebamme sch├╝ttelte den Kopf. Es klopfte noch einmal. Sie stand auf und ├Âffnete die T├╝r. Drau├čen stand ein Mann.

┬╗Du bist die Hebamme?┬ź

franken 10481┬╗Ja, so steht es auf dem Schild, das hier h├Ąngt.┬ź

┬╗Maria kriegt ein Kind. Kannst Du kommen?┬ź

┬╗Ja┬ź, seufzte die Hebamme, die so gerne sitzen geblieben w├Ąre. Sie griff nach ihrer Tasche.Der Mann ging vor.

┬╗Wohin gehen wir?┬ź

┬╗Es ist nicht weit.┬ź

Er bog links um die Ecke, noch ein paar Schritte, ├Âffnete eine kleine T├╝r zu einem Garten.

┬╗Wohnt ihr in einer Laube?┬ź, wunderte sich die Hebamme.

┬╗Ja,┬ź, antwortete der Mann. ┬╗Genau genommen ist es sogar ein Stall.┬ź

M├╝des Licht funzelte von der Decke. Eine Frau lag auf einem Haufen Stroh. Sie st├Âhnte. Eine Kuh muhte.

┬╗Bist du Maria?┬ź, die Hebamme hockte sich zu ihr und legte die Hand auf den Bauch der Schwangeren.

┬╗Ja.┬ź

┬╗Alles in Ordnung?┬ź

┬╗Ja┬ź, antwortete Maria. ┬╗Die Geburt geht jedes Mal gut.┬ź

┬╗Wie viele Kinder hast du denn?┬ź

┬╗Jedes Jahr eins┬ź, antwortete Maria.

┬╗Willst du nicht mal was dagegen machen?┬ź, wandte die Hebamme ein, doch Maria sagte nichts..┬╗Ich meine┬ź, fing die Hebamme von Neuem an, ┬╗das ist doch beschwerlich: Jedes Jahr neun Monate schwanger, st├Ąndig auf die Ern├Ąhrung achten, nichts trinken, nicht rauchen…┬ź

Maria lachte, bis die n├Ąchste Wehe kam. Als diese vor├╝ber war, rief sie: ┬╗Josef?┬ź

Er nahm die Hebamme bei der Hand, ging mit ihr nach hinten, wo K├╝he, Ziegen und Schafe standen. Hinter diesen hing eine Decke an der Wand, die Josef zur Seite zog: ┬╗Hier wohnen wir, wenn der Trubel jedes Mal vorbei ist. Kaum ist das Kind da, kommen die Hirten und die K├Ânige zu Besuch. Solange bleiben wir vorne bei den Tieren. Das Gold, das die K├Ânige immer bringen, haben wir genutzt, um das Haus hinter dem Stall zu bauen.┬ź

Josef brachte die Hebamme zu Maria zur├╝ck.

┬╗Ich dachte gar nicht, dass es euch wirklich gibt┬ź, staunte die Hebamme. ┬╗Wie lange… ┬╗

┬╗Uns gibt es so lange, wie noch Menschen an uns glauben┬ź, nickte Maria zu Josef. ┬╗Doch es werden weniger. Au├čer den Kindern, den Hirten und den K├Ânigen kommt inzwischen niemand mehr┬ź, erg├Ąnzte dieser.

Als die Hebamme am n├Ąchsten Tag sich wieder im Sessel gem├╝tlich einrichtete, sch├╝ttelte sie den Kopf. Wahrscheinlich hatte sie gestern im Grog zu viel Rum.

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