Die Synagoge in Uehlfeld

Man muss schon zweimal gucken, wenn man erkennen will, dass das schlichte LagergebĂ€ude mit der Rampe an der Traufseite einmal eine Synagoge war: Der Erker, in dem die Thorarollen im Schrein aufbewahrt wurden, ist an der Ostseite noch zu sehen, ebenso wie die fĂŒnf großen Fenster an der sĂŒdlichen LĂ€ngsseite. Auch die zwei EingĂ€nge an der Westseite lassen sich noch erahnen. Durch den nördlichen betraten die Frauen das GebĂ€ude, der sĂŒdliche war den MĂ€nnern vorbehalten.

Nach dreijĂ€hriger Bauzeit war die Uehlfelder Synagoge Anfang 1818 fertiggestellt und wurde im MĂ€rz feierlich eingeweiht. Von diesem Tag existiert noch ein Bericht, erzĂ€hlte Christiane Kolbet, GĂ€stefĂŒhrerin im Aischgrund. Sie hatte zu einer FĂŒhrung rund um die ehemalige Synagoge eingeladen, der immerhin mehr als 50 Menschen gefolgt waren.

Da den Juden erst seit der Zeit Napoleons ĂŒberhaupt das Erlernen eines Handwerks erlaubt war, wurden die meisten Arbeiten am GebĂ€ude von christlichen Handwerkern der Umgebung ausgefĂŒhrt. Die neue Synagoge ersetzte damit das alte, 1696 errichtete GebĂ€ude und wurde vom christlichen Maurer als „Zierde von Uehlfeld“ bezeichnet. Das nach Osten ausgerichtete Bauwerk war ein modernes SakralgebĂ€ude einer liberalen jĂŒdischen Gemeinde. In seiner ersten Predigt beschwor der Rabbiner die Gemeinsamkeiten der christlichen und jĂŒdischen Religion, berichtet Kolbet. Samson Wolf Rosenfeld predigte jedoch nicht nur Integration, sondern setzte sich aktiv dafĂŒr ein, dass Juden die gleichen Rechte wie Christen erhalten sollten. Wie fortschrittlich die vermeintliche Provinz war, lĂ€sst sich bereits daran ablesen, dass die Uehlfelder Synagoge die erste Synagoge war, in der in deutscher Sprache gepredigt wurde und eine Orgel den Gesang begleitete.

GĂ€stefĂŒhrerin Christiane Kolbet vor dem Fenster, an dem einmal der Eingang der MĂ€nner in die Synagoge war.

Auch wenn die hiesigen Rabbiner Freundschaften zu den ortsansĂ€ssigen Pfarrern pflegten und die Gemeindemitglieder mehr als 100 Jahre friedlich mit den Christen Haus an Haus wohnten, half es nicht gegen die Schrecken der Nationalsozialisten. Seit den 20er Jahren war die NSDAP in Uehlfeld ansĂ€ssig und bereits 1933 so stark, dass sie vor ihrem Vereinslokal einen Galgen mit Judenpuppe aufstellten, an dem ein Schild verkĂŒndete, dass hier Platz fĂŒr alle Juden sei. Obwohl bereits Verkaufsverhandlungen fĂŒr die Synagoge liefen, schĂŒttete der Ortsgruppenleiter der NSDAP am 10. November 1938 gemeinsam mit zwei anderen MĂ€nnern Petroleum und Benzin auf das Mobiliar und zĂŒndete alles an. Bis auf die Außenmauern brannte die Synagoge nieder. Nach Ende des Krieges erwarb die Raiffeisengenossenschaft die Ruine und baute das GebĂ€ude als Lager um. Heute befindet es sich in Privatbesitz und eine Tafel erinnert an die wechselvolle Geschichte des GemĂ€uers und an die Menschen, die einst hier lebten und von denen viele nicht ĂŒberlebten.

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