Jetzt in Tracht…

Die gesteckten Borten werden aufgenÀht.

Bis alles so sitzt, wie es soll und perfekt zu den persönlichen Formen der TrĂ€gerin passt, waren gut fĂŒnfzig Stunden konzentrierter Arbeit in der Kulturwerkstatt Morschreuth nötig. Jede Tracht ist ein Unikat, einzeln zugeschnitten und maßgeschneidert. Immer wieder ĂŒberprĂŒfte Schneidermeisterin Marianne Bogner den Sitz des Mieders, stellte fest: „Das ist immer noch zu weit!“ und steckte die Nadeln noch etwas enger. Damit der Rock spĂ€ter nicht zipfelt, wurde die RocklĂ€nge mit Kreide angezeichnet. So fĂ€llt alles gleichmĂ€ĂŸiger. Ist bei einem fertig konfektionierten Rock die gesamte LĂ€nge einheitlich, trifft das bei einem maßgeschneiderten Rock nur selten zu. Schließlich trĂ€gt jede Frau ihre ganz persönlichen Rundungen, an die sich die Rockbahnen schmiegen, so dass der Rocksaum hier ein wenig höher und dort ein wenig tiefer hĂ€ngen kann.

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SorgfĂ€ltig wird in jeden Punkt des Stiftelbandes eingestochen, damit der Rockbund hinterher gleichmĂ€ĂŸig gefaltet ist.

An den ersten beiden Wochenenden des TrachtennĂ€hkurses herrschte emsige Stille: Besonders das Stifteln des Rockes nahm einige Stunden in Anspruch. Das Stiftelband war auf der drei Meter weiten Rockbahn schnell aufgenĂ€ht. Anschließend musste der Stiftelfaden sorgfĂ€ltig mit der Hand eingezogen werden: Immer hĂŒbsch sorgfĂ€ltig in den Punkten mit der Nadel einstechen – damit sich der Stoff zum Schluss in gleichmĂ€ĂŸig enge Falten legt. Am dritten Wochenende wurde es deutlich hektischer: Die Schneidermeisterin eilte von einer NĂ€herin zur nĂ€chsten, achtete darauf, dass diejenigen, die nicht so schnell arbeiteten, den Anschluss nicht verpassten. Die Tracht sollte schließlich fertig werden.

12 202Nach dem Kurs verabredeten wir uns alle im Gasthaus in Morschreuth: Gelegenheit, nun endlich die fertige Tracht zu tragen und den anderen vorzufĂŒhren. (Und vor allen Dingen auch ein Grund, sie tatsĂ€chlich fertigzustellen, so ein-zwei Dinge musste fast jede noch zu Hause nĂ€hen. Bei mir waren es die Haken und Ösen, mit denen das Mieder geschlossen wird – und die SchĂŒrze). Im Gegensatz zur oberbayerischen Tracht sind die Blusen hier in Franken ordentlich geschlossen, dafĂŒr ist bei den richtig alten Trachten der Ausschnitt des Mieders eigentlich noch tiefer.

Zur Goldenen Hochzeit der Eltern trugen die Lieblinghausziege und ich unsere Trachten, die anderen GĂ€ste im Gasthaus guckten uns auch hĂŒbsch hinterher.

Heute war noch so eine Gelegenheit, die Tracht zu tragen: Die „Kulturwerkstatt FrĂ€nkische Schweiz“ hatte Tag der offenen TĂŒr, es gab Kaffee und Kuchen und Bratwurst. Zwar wollten wir hinterher noch ein wenig wandern, die Regentropfen scheuchten uns jedoch zurĂŒck zum Auto.

Vielleicht besticke ich mein Mieder spĂ€ter noch. Mal sehen. Ich hab so viele schöne Beispiele gesehen – allein, es fehlt oft die Zeit fĂŒr solche Dinge.

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Ein mit Borten und Stickereien geschmĂŒcktes Mieder.

Übrigens erzĂ€hlte heute eine der Frauen, dass die Hochzeitstracht ursprĂŒnglich schwarz war: Mit dem Tag der Hochzeit hörte schließlich jeder Spaß auf.

Und jetzt ist der Beitrag beim Me Made Mittwoch 🙂

Verbunden mit: Daily prompt „create“

5 Gedanken zu „Jetzt in Tracht…

    • Das geht auch bei Hosen…(und die passen dann tatsĂ€chlich sehr gut, und wursteln sich nicht nur dank „Stretch-Anteil“ ĂŒber sĂ€mtliche Polster ;-))

    • Naja: Dreimal Freitags von zwei bis sieben, dreimal Samstags von neun bis sechs. Dazu noch einige Stiche zuhause. War schon ein bissi Arbeit, das stimmt wohl. Wie gesagt, vielleicht rappelts mich noch und ich besticke das bisher noch schlicht schwarze Mieder…

  1. Respekt. Ist sehr schön geworden dein Dirndel. Und schön gestiftelt. Ich war dafĂŒr mal zu faul, da hab ich lieber alles in Falten gelegt, das ging deutlich schneller. Aber meins ist auch viel schlichter wie deins.
    Lg Iris

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