#Mein Tag ohne mich

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade ‚ÄěEin Tag ohne mich‚Äú von #femnetz. Hashtag ist #MeinTagohnemich

W√ľrde ich am Internationalen Frauentag, also heute, meine Arbeit verweigern und im Bett liegen bleiben, w√ľrde nichts passieren. Ich arbeite freiberuflich, muss aber f√ľr heute keinen Text fertig schreiben. Da das j√ľngste Kind schon gro√ü ist, kann es sich selbst versorgen, auch die W√§sche mault nicht, wenn sie l√§nger liegen bleibt.

√úberhaupt sehe ich die Hausarbeit nicht als das an, was sich grunds√§tzlich nur von Frauen erledigen lie√üe. Ich kann Dinge gut liegen lassen und bestehe auch nicht darauf, dass es nur die eine Art gibt – n√§mlich meine – wie Dinge erledigt werden m√ľssen. Das musste ich allerdings auch erst lernen. Der Mensch ist ja grunds√§tzlich nicht nur ein Gewohnheitstierchen, sondern auch eines, das viel durch Nachahmung lernt. Bekommt also ein M√§dchen vorgelebt, dass die Mutter f√ľr alles sorgt, ja, was wird sie wohl lernen?

Wer hat eigentlich den Frauen beigebracht, dass sie f√ľr diese d√§mliche Hausarbeit allein zust√§ndig sein sollen? Das kam doch nicht so von allein, so qua g√∂ttliche oder wie auch immer Eingebung? Nein, kam es nicht. Es war eine gro√üangelegte Werbekampagne, die den Frauen erz√§hlte, welche Aufgaben sie denn als Hausfrauen h√§tten, wie sie f√ľr W√§sche, Kinder und den aush√§usig arbeitenden Ehemann zu sorgen h√§tten. Das alles geschah zu einer Zeit, an die wir uns nicht mehr erinnern k√∂nnen, weil keiner mehr lebt: So lange ist das her – und so sicher sitzt das. Dabei betraf das nur eine geringe Schicht an Frauen. Wer zu dieser Zeit einen Ehemann hatte, der in der Fabrik oder in einer Grube schuften musste, der hat mitgearbeitet, die Kinder ebenfalls in vielen F√§llen. In der Autobiografie „Meine Jugend“ von Hans Marchwitza sind Skizzen aus dem Leben von Arbeiterfamilien zu lesen, bei denen schon die Kinder sehr jung mit unter Tage arbeiten mussten.

Was Frauen gelernt haben, das k√∂nnen sie aber auch wieder verlernen. Daf√ľr m√ľssen sie nur aufh√∂ren, dass sie selbst diejenigen sind, die wissen, wie alles geht. Kann schon sein, dass dann W√§sche anders gewaschen und vielleicht ungeb√ľgelt getragen wird. Na und? Aber dann m√ľssen sie auch ertragen, dass der Mann vielleicht das Waschbecken ungeputzt l√§sst. Vielleicht lassen sie zum Ausgleich daf√ľr die dreckigen Kaffeetassen stehen.

Aber was mir noch einf√§llt: Eigentlich sind ja die M√§nner zu bedauern. Die M√§nner, die in ihrem ganzen Leben nie geschafft haben, sich von der Mama zu l√∂sen. Setzen sie sich, l√§ngst √ľber 50 Jahre alt, auf die Eckbank in der elterlichen K√ľche, dann warten sie nur darauf, dass das Abendbrot aufgetischt wird – statt selbst zuzupacken. Die M√§nner, deren Mutter immer noch einmal im Monat vorbeikommt, ihnen das Bett frisch bezieht und den Boden putzt – statt selbst f√ľr Ordnung und Sauberkeit zu sorgen.

Sicher, entlassen M√ľtter ihre Kinder in die Selbstst√§ndigkeit, haben sie keine Kontrolle mehr √ľber diese. Dann wird wom√∂glich die Schule geschw√§nzt, werden die Hausaufgaben vergessen und statt dessen lieber endlos gespielt. Ja und? Solange die M√ľtter die Verantwortung f√ľr ihre – irgendwann auch erwachsenen Kinder – √ľbernehmen, k√∂nnen sich diese zur√ľcklehnen. Und da der Mensch ein bequemes Tierchen ist, bleibt das auch so. Es sei denn, wir verweigern die Arbeit. Dann aber f√ľr immer.

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