Mitleid im Spiegel #Rostparade

Kennt nur derjenige den Wert der Freiheit, der selbst an Grenzen stieß, für den es Zeiten ohne grenzenloses Reisen gab? Zeiten, in denen Menschen auf das achten mussten, was sie sagten, was sie zu wem sagten, immer im Bewusstsein, dass jede Aussage auch in ihr Gegenteil verdreht werden konnte, ganz egal, wie klar und eindeutig sie sprachen.

Heutzutage glauben wir, dass wir nicht mehr darauf achten müssen, was wir sagen, die Gedanken sind sowieso frei, sogar dann, wenn sie einigen missfallen, doch die Sicherheit, dass Worte flüchtig und nur dann als Beweismittel zugelassen sind, wenn sie festgehalten, ist längst dahin. Jede Bewegung, jede Regung, jedes Wort wird aufgezeichnet, gespeichert, für jetzt und in alle Ewigkeit. Das „du hast es mir doch versprochen“ als beliebtes Druckmittel nicht nur der Kinder, die mit Hilfe von Erpressung aus einer ausgesprochenen Möglichkeit konkrete Realität werden lassen wollen. Im Spiel der Konjunktive ist der Irrealis nicht weit, selbst wenn ich wünschte, ein Vogel zu sein, ich werde keiner, ganz egal, was ich mache.

Nein, und auch die Gedanken sind nicht frei, ganz im Gegenteil, sie hängen an alten Gewissheiten, die ihre Gültigkeit längst verloren haben. Ja, irgendwann war vielleicht jeder Satz einmal wahr, versprach Sicherheit und garantierte Nestwärme.

Jetzt gilt es, Unterschiede als Geschenk zu sehen – und nicht als etwas, das es zu nivellieren gilt, im Vergleich mit den anderen.

Was sehe ich, wenn ich in den mir vorgehaltenen Spiegel schaue? Sehe ich wirklich mich oder sehe ich das, was andere in mir sehen wollen?

Das Bild ist eine Skulptur, eine Station auf dem Weg der Hoffnung, zu finden am ehemaligen Point Alpha, geschaffen von Ulrich Barnickel, heute ein Teil der Rostparade bei Cubus Regio.

 

 

4 Gedanken zu „Mitleid im Spiegel #Rostparade

    • Danke sehr. Die vierzehn Skulpturen sind wirklich sehr beeindruckend und es gibt Zeiten, an denen sind sie kaum besucht. Dann kann ich in aller Ruhe dort laufen und sinnieren.

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