Nachfeierblues

Das Wochenende mit Geburtstagsfeier ist ĂŒberstanden, die Makrelen auf dem Grill am Sonntag Mittag waren ausgezeichnet und die RĂŒckfahrt nach Franken ĂŒberaus erfolgreich, schließlich waren die Hagebutten am Hainich genau reif und in einer halben Stunde genĂŒgend von ihnen zusammengepflĂŒckt, dass es fĂŒr einen Ansatz im großen Weinballon reichen wird.

Auf der RĂŒckfahrt nach Franken ging es am WindmĂŒhlenwald vorbei.

Und mir passen die Fragen vom Wortmischer gerade so gut in den Plan, die ich heute bei Frau Novemberregen beantwortet fand, dass ich sie spontan selbst beantworte:

1. – MĂŒnchener Oktoberfest? (Unbedingt! / Keinesfalls! / Was ist das?)

Dort war ich noch nie und dort will ich auch nicht hin. Mir reichen die Volksfeste in Franken (Walberla, Bergkirchweih, Annafest) völlig aus, wenn ich Lust auf ein Bad in der Menschenmenge habe. Mehr brauche ich nicht.

2. – Haben Sie Ihren Volkswagen schon abgestoßen?

Einen Volkswagen habe ich tatsÀchlich nur einmal leihweise gefahren, der hatte ein Automatikgetriebe und gehörte meiner Schwiegermutter. Ich selbst fahre solche Autos, die jeder Autodieb freiwillig stehen lÀsst: Citroen.
3. – Erinnern Sie sich noch an das erste MusikstĂŒck, das Sie sich gekauft haben? (Vinyl, CD, Download?) Hören Sie sich das heute noch gerne an?

Das ist so lange her, da muss ich erst mal nachdenken. Auf alle FĂ€lle war es Vinyl, CD und Download gab es schließlich noch nicht. Eine der ersten Schallplatten, die ich mir selbst gekauft habe, war „Die Moldau“ von Bedrich Smetana. „The best of Manhattan Transfer“ war ebenfalls eine meiner ersten Platten. Die erschien 1984 von Supraphone, einer tschechoslovakischen Plattenfirma, ich habe mir die Platte einfach wegen des Titels gekauft. Schließlich kannte ich das Buch „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos, das stand bei meinem Großvater im BĂŒcherregal und ich fand es toll. Also musste Musik mit diesem Namen ebenfalls toll sein. Dachte ich. Sie war es ĂŒberraschenderweise wirklich und ich höre sie bis heute gerne – aber das Experiment mit dem Unbekannten hĂ€tte auch anders ausgehen können.

4. – Spielen Sie ein Musikinstrument? Trauen Sie sich damit vor Zuhörer?

Leider nein. Ich hab zwar als Kind mal was angefangen, aber da niemand darauf geachtet hat, ob ich ĂŒberhaupt ĂŒbe, habe ich es schnell wieder gelassen.

5. – Im Preisausschreiben gewinnen Sie eine Penthauswohnung in Berlin, London, Paris, Prag oder Wien. Welche suchen Sie sich aus?

Prag. In Prag wĂŒrde ich wirklich gerne wohnen und an einem lauen Sommerabend vom Kloster Strahov auf die Stadt schauen, wĂŒrde warten, bis die Moldau am Abend einen Dunstschleier ĂŒber die HĂ€user und Kirchen, PalĂ€ste und BrĂŒcken legt und das feine Gespinst von den goldenen Kreuzen, Kugeln und WetterhĂ€hnen auf den TĂŒrmen und DĂ€chern so lange zerrissen wird, bis die Nebelfrau auch die letzten Löcher gestopft hat. Ich möchte hören, wie der singende Brunnen im Regen klingt und im Kleinseitner Gasthaus „Zu den zwei Sonnen“ die „Kleinseitner Geschichten“ von Jan Neruda lesen. Also: Wo bleibt mein Gewinn?

 6. – Bevor Sie den Löffel abgeben: Welches Ding mĂŒssen Sie vorher unbedingt noch gedreht haben?

Eine Bucket-List habe ich nicht. Ich lebe, wie es mir gefĂ€llt – und versuche, andere damit nicht zu nerven. Das gelingt zwar nicht immer, aber ich arbeite daran.

7. – Halb acht Uhr abends. Sie kommen völlig gerĂ€dert (aus der Arbeit) nach Hause. Was passiert, sobald der Mantel an der Garderobe hĂ€ngt und die Schuhe in der Ecke stehen?

Das passiert nicht, weil ich zu Hause arbeite. Wenn es halb acht Uhr abends ist, kann ich im Sommer auf den Keller gehen oder im Winter zugucken, wie das Feuer im Ofen brennt.

8. – Kochen Sie selbst? Was kommt auf den Tisch, wenn die leeren Teller schon nach einer Stunde im GeschirrspĂŒler stehen mĂŒssen?

Ich koche selbst. Gerichte, die schnell fertig sind, gibt es eine ganze Menge, mal ganz abgesehen von den obligatorischen Nudeln mit Tomatensauce. Da ich Tomatensugo eingefroren und zusÀtzlich wie Marmelade in GlÀser gesperrt habe, geht das wirklich super-schnell.

9. – Golf, Ski, oder Tennis? (Oder doch lieber die TV-Fernbedienung?)

Nichts von allem. Ich gehe lieber wandern – manchmal nur die Runde um den nĂ€chsten Weiher, manchmal auch etwas weiter oder etwas weiter weg. Kommt ganz darauf an. Ist das Wetter wirklich mies, gehe ich in die Muckibude. Als SchreibtischtĂ€ter brauche ich vor allen Dingen Auslauf, und das möglichst tĂ€glich.

10. – Wir schreiben das Jahr 2025. Was ist fĂŒr Sie die auffĂ€lligste Neuerung im Vergleich zu heute?

Ich hoffe mal, das niemand rosa Gras erfindet und den Himmel passend grĂŒn fĂ€rbt. Also hoffe ich auch, dass auch 2025 die wesentlichen Dinge noch so wie heute sind: Gras grĂŒn, BĂ€ume wachsen nach oben, Fische schwimmen im Weiher, na, und so weiter. Obwohl: Neulich lag ein großer Karpfen neben dem Waldweg. Wie, zum Kuckuck, kam der dorthin?

11. – Sie packen Ihren eigenen FlĂŒchtlingskoffer. Was muss da rein? (FĂŒnf Dinge braucht der Mensch.)

  • meine Kamera
  • dickes Notizbuch und Stift (zĂ€hlt als ein Ding)
  • Taschenmesser
  • Feuerzeug
  • Tablet/ Laptop/ Taschentelefon: Ich kann mich nicht fĂŒr eines entscheiden. Jedenfalls wĂŒrde ich ein GerĂ€t mitnehmen, mit dem ich mich unterwegs orientieren und mit anderen in Verbindung bleiben kann.

Jetzt soll ich mir noch elf Fragen ausdenken. Also:

  1. Wo bist du jetzt und: Wolltest du dahin?
  2. Was ist GlĂŒck fĂŒr dich?
  3. Schreibst du Tagebuch?
  4. Wann kannst du so richtig aus der Haut fahren?
  5. Wie oft bist du schon die Treppe heruntergefallen?
  6. Wenn du es könntest: WĂŒrdest du eine Abzweigung heute anders nehmen?
  7. Hast du einen Sehnsuchtsort?
  8. Mit wem wĂŒrdest du dich gerne einmal treffen?
  9. Was hast du mit deinem Lieblingsteddy gemacht? Oder hattest du keinen?
  10. Was machst du, um dich selbst zu trösten?
  11. Wie sorgst du fĂŒr dich, wenn du deine Ruhe haben möchtest?

Ich nominiere einfach jeden, der Lust darauf hat, diese Fragen zu beantworten. Manchmal ist das ja ganz praktisch, vor allen Dingen dann, wenn einem sonst manchmal nix einfÀllt. Einfach beantworten und verlinken. Das war es schon.

edit: Tippfehler beseitigt.

5 Gedanken zu „Nachfeierblues

  1. Es freut mich, dass Sie so viele schöne Antworten auf meine Frage haben. Danke sehr! – Mein Liebling ist ĂŒbrigens der Karpfen neben dem Waldweg. Und die Geschichte ĂŒber MusikstĂŒcke.

    Und natĂŒrlich hatte ich einen Lieblingsteddy. Besser gesagt: Ich hatte nur einen einzigen Teddy. Der ist dann irgendwann verschwunden, als er merkte, dass meine ungeteilte Gunst nicht mehr alleine ihm galt. Sicher ist er auf Wanderschaft gegangen. Aber er ist spĂ€ter wieder zurĂŒckgekommen. Genau rechtzeitig zu dem Tag, an dem meine Kinder zum ersten Mal alleine bei ihren Großeltern ĂŒbernachtet haben. So sind Teddys eben.

    • Ja, ich freue mich auch immer, wenn ich in den Blogs, die ich lese, ĂŒber neue und andere Blogs stolpere. Deswegen hab ich mir die Fragen geschnappt und heute wirklich gerne beantwortet.
      FĂŒr den Karpfen neben dem Weg – der keinerlei Verletzungen hatte – gibt es möglicherweise eine profane ErklĂ€rung: Jetzt ist Herbst und die Weiher werden abgefischt. Dann werden die Karpfen in großen BehĂ€ltern – immer noch lebend – zum FischhĂ€ndler oder so gefahren. Vielleicht wollte sich dieser mit einem krĂ€ftigen Schwanzflossenschlag befreien und ist dann neben dem Weg gelandet, wo natĂŒrlich kein Weiher war.

  2. Hallo, interessant, Deine Antworten auf die Fragen. Aber ich hoffe doch sehr, daß ich mir ĂŒber Frage 11 nie Gedanken machen muß. Einmal FlĂŒchtling hat mir gereicht. Einen schönen Tag und liebe GrĂŒĂŸe Edith

    • Ja, die Frage 11: Dass ich hoffentlich nieundnimmernicht den allernötigsten Kram packen und mitnehmen muss, das hoffe ich auch sehr. Wie fragil manche Dinge allerdings sein können, die wir als stabil und unverĂ€nderlich wĂ€hnen, sehen wir ja gerade.
      Ich wĂŒnsche Dir auch einen sonnigen und schönen Tag.
      Jaelle

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