Rites de passage – für mich sorgen

Die Tage, in denen ich nicht für andere sorge, für sie koche und darauf achte, dass genügend Gemüse im Haus ist, sind selten, waren es jedenfalls in den vergangenen Jahen. Jetzt muss ich nur für mich sorgen, entscheiden: Lohnt sich das überhaupt? Immerhin bin ich ohne Aufsicht, ohne Kontrolle, kann gewissermaßen machen, was ich möchte und wenn ich den Löffel im Glas mit Nutella stehen lasse, gibt es keinen, der mir das streitig macht.

Weil ich Reste nicht einfach wegwerfen mag, wenigstens dann nicht, solange sie noch gut sind, schnippele ich Zwiebel, den halben Spitzkohl, einen einsamen grünen Paprika und eine Möhre, schmore alles in der Pfanne, koche kleine Kartöffelchen dazu und weil es draußen so heiß ist, lasse ich das Essen kalt werden.

Die Lieblingshausziege kommt kurz vorbei, wir falten Stoff, sie misst an mir, welche Größe wohl passt. Ich bin schon ganz vorfreudig, die Katze ebenso und nutzt den Stoff gleich als Liegewiese. Lange genug lag er jetzt im Schrank, morgen wird zugeschnitten und gesteckt und genäht.

Abends wäre Zeit genug fürs Essen, doch da ploppt eine Erinnerung auf, ich gucke zur Uhr, es ist schon spät, ich ziehe mich um, fahre in die nahe gelegene Stadt, das E-Werk spielt Diary Slam. Mit mir sitzen S. und C. und noch jemand am Tisch, es duftet nach Knoblauch und es gibt Pommes, und was soll ich sagen, soll doch das Gemüse warten, morgen ist auch noch ein Tag.

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