Rites de passage – Splitter

Die Strahlen der Sonne liegen lange warm auf wimpernlosen Lidern, dringen in Glasaugen, bis sie tief im Innern Eis schmelzen, eine Kernschmelze. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn ich nur sein will, was andere von mir erwarten, ich optimiere mich auf Anweisung der Algorithmen. Sie bestimmen meinen Takt, meinen Tag, die Frequenz von Atem und Schlaf, gönnen mir unter dem Primat der Effizienz noch nicht einmal eine Pause zum Pinkeln.

Ich soll authentisch sein. Und lege mir eine Maske auf, eine, die sich anpasst, eng anschmiegt, so sehr mit dem Gesicht verwächst, dass sie nicht davon zu trennen ist. Das wirkliche Ich wage ich nicht zu zeigen.

Dabei war es Zeit f√ľr kleine Gesten, ein gemeinsames Lied vom Balkon, es war Zeit, hinter dem Trecker zu fahren, ganz gleich, ob jemand entgegenkommt oder nicht. Zeit, den Gesang der V√∂gel √ľberhaupt wahrzunehmen.

Innen ist noch ein kleiner Kern.

Der Sonnenstrahl weckt ihn, lässt ihn wachsen Рund plötzlich ist Optimierung nicht mehr so wichtig. Miteinander wertvoller als Qualität, selbst dort, wo mir der Nächste unbeholfen auf den Zeh tritt, weil er nicht mehr weiß, wie sich Tango tanzen lässt.

Ich weiß es doch auch nicht.

Es gibt einen Moment, in dem der Sonnenstrahl durch die br√ľchige Maske ins Auge trifft, aus grau bunt werden l√§sst.

Hoffen wir, dass dann noch Schmetterlinge tanzen.

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