Rites de passage – von Katzen und Mäusen

Hui. Wieder ein Regal aus- und wieder eingeräumt, jetzt ohne Staub und mit etwas weniger Büchern. Erstaunlich, was noch alles so da ist. Ich hätte ja am liebsten gleich in einigen geblättert, aber das nutzt ja nichts, so werde ich nicht fertig. Den Salinger habe ich zurück ins Regal geräumt, ich trau mich irgendwie nicht, dort nochmal reinzugucken. Vielleicht finde ich Holden Caulfield dann nicht mehr so cool wie einst, wer weiß?

Fast jeden Tag kommt die Katz mit einer Maus, legt sie vor der Tür ab oder bringt sie mit ins Haus. Doch, sie kriegt genug Futter.

Mäuse sollten sich daher zu Recht vor den Katzen fürchten. Diese Angst ist ihnen sogar angeboren, sie brauchen sie gar nicht zu lernen. Sobald sie die Katze riechen, haben sie Angst, sogar dann, wenn sie – wie im Labor – noch nie Kontakt zu Katzen hatten.

Infiziert sich die Maus jedoch mit Toxoplasma gondii, einem findigen Einzeller, schaltet dieser im Mäusehirn die Angst vor Katzen aus. Dann lassen sich die Mäuse quasi widerstandslos von der Katze fangen und fressen – genau wie der Einzeller das geplant hat. Dieser kann sich erst dann weiter entwickeln, wenn die Maus von der Katze gefressen wurde. In den Darmzellen der Miez richtet er sich kuschelig ein und pflanzt sich dort fort.

So weit so gut. Oder vielmehr: so schlecht für die Maus, wenn Toxoplasma gondii die Hirnsteuerung übernimmt.

Mit dem Einzeller können allerdings sich auch Menschen infizieren (Link). Schwangeren wird beispielsweise empfohlen, weder rohes Fleisch zu essen, noch Katzen zu streicheln, jedenfalls dann, wenn sie Freigänger sind und damit Mäuse fangen. Alles nur, weil die Toxoplasmose, wie die Infektion mit Toxoplasma gondii heißt, das Ungeborene schädigen kann. Ist ein Mensch hingegen nicht schwanger, merkt er im Prinzip überhaupt nichts von der Infektion, denn diese geht meistens ohne Symptome und Beschwerden vorüber.

Doch der Erreger erregt auch bei den Menschen etwas, vielmehr: er schaltet und waltet in deren Gehirn. Mit Toxoplasma infizierte Menschen ändern ihr Verhalten: Zwar lassen sich die Menschen gewöhnlich nicht von Katzen fressen, doch sie werden risikofreudiger und langsamer. Gäbe es noch Säbelzahntiger, würde sie sich freuen.

Zwar pflanzt sich Toxoplasma gondii im Menschen nicht fort, trotzdem wäre ich lieber allein bei mir im Häuschen. Oder ich entschuldige mich das nächste Mal einfach damit, dass ich das nicht war. Sondern Toxoplasma gondii.

 

 

 

 

 

 

 

Und noch ein passendes Lied für den Tag gefunden:

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