Runter vom Sofa und ab zum Sport #6

Es ist wieder Zeit fĂŒr einen Trainingstermin mit Kerstin. Sie kommt mit ihrem DamengrĂŒppchen am Treffpunkt an, verabredet noch die nĂ€chste Trainingszeit, verabschiedet sich – und wir ziehen zu zweit los, wieder durch den Kellerwald.

Das Joggen fĂ€llt mir hier deutlich schwerer, als beispielsweise auf der Sportinsel, wo die Strecke eben ist. Ich bin in meinen alten Turn- und Wanderschuhen unterwegs, die sich schon auf so vielen Strecken bewĂ€hrt haben. Diese sind zum einen wunderbar bequem und grĂŒndlich eingelaufen, zum anderen begleiten sie mich wirklich schon eine sehr lange Zeit: Ich lief mit ihnen die zweihundert Kilometer von Eisenach bis nach Marburg auf dem Elisabethpfad (hier beschrieben), ich war mit ihnen im Harz und in den Alpen ebenso unterwegs, wie auf einem still gelegten Eisenbahngleis, das inzwischen einer neuen Autobahn weichen musste.

frÀnkischer tag 1724

Meine alten Turnschuhe.

Doch diese Schuhe, mit denen ich so viele Tage und Kilometer unterwegs war, fangen an, sich langsam zu verabschieden. So ist beispielsweise die Sohle lÀngst nicht mehr so griffig, wie am ersten Tag. Ganz im Gegenteil: Bin ich auf steilen Wegen in der frÀnkischen Schweiz unterwegs, muss ich aufpassen, dass ich nicht wegrutsche.

Ich frage also Kerstin als Fachfrau fĂŒrs Laufen und Sport, worauf ich achten sollte, wenn ich mir neue Schuhe kaufen möchte. Sie erzĂ€hlt mir, dass es Laufschuhe gibt, mit denen der Fuß gestĂŒtzt wird. Andere Laufschuhe haben Sohlen, mit denen die StĂ¶ĂŸe vom Laufen gedĂ€mpft werden. Dazu gibt SportgeschĂ€fte, die eine Laufstilanalyse anbieten. Ich bin ein wenig verwirrt: Schließlich möchte ich weder den ganzen Tag in Sportschuhen laufen, noch den nĂ€chsten Marathon in Rekordzeit absolvieren. Nur ein bisschen laufen und wandern – das muss doch auch ohne High-Tech möglich sein. Schließlich war meine Großmutter einst mit einem simplen Damenrad unterwegs und hat damit ihre EinkĂ€ufe erledigt. Weder hĂ€tte sie bei einem Rennrad gewusst, wo sie ihre Kartoffeln unterbringen soll, noch hĂ€tte sie mit einem Mountainbike den Berg hoch zu ihrem Haus bewĂ€ltigt. Nehme ich mal an.

Mannmannmann. Die Menschheit lĂ€uft schon so lange auf ihren FĂŒĂŸen herum, dass ich nicht glaube, dass fĂŒr Schuhe eine solche Technik nötig ist. Wenn dieses Verfahren so miserabel wĂ€re, wie es mir die Werbung fĂŒr Laufschuhe weismachen möchte, hĂ€tte es sich sicherlich in der Evolution nicht so durchgesetzt. Wie dem auch sei: Kerstin empfiehlt mir, einfach Sportschuhe anzuprobieren, auch im SportgeschĂ€ft damit zu laufen und so zu spĂŒren, ob ich in diesen bequem unterwegs sein kann. Das klingt erst einmal vernĂŒnftig. Ich werde mal sehen, ob sich das umsetzen lĂ€sst.

Wieder daheim, klemme ich mich hinter den Computer. Ich will wissen, was in Sportkleidung alles an Chemie verarbeitet wird. Hier hilft mir die Zeitschrift Öko-Test weiter: So fanden Labore in Laufhosen beispielsweise Weichmacher, die wie Hormone wirken oder zinnorganische Verbindungen, die sich sowohl auf das Immun-, als auch auf das Hormonsystem des Menschen auswirken können. Manche Textilien werden mit halogenorganischen Verbindungen ausgerĂŒstet, obwohl lĂ€ngst bekannt ist, dass sie Allergien auslösen können und zum Teil unter dem Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Das finde ich weniger erfreulich und beschließe, dass fĂŒr meine sportlichen Zwecke mein Baumwoll-.T-Shirt reicht, auch wenn es nicht so fesch aussieht, wie manch andere Shirts. Da ich nach dem Sport ohnehin nach Hause fahre, stört es mich nicht, wenn die Klamotten verschwitzt sind. Nach dem Duschen kommen sie in die WĂ€sche – und gut ist. Insgesamt fĂŒhle ich mich von der FĂŒlle der Materialien und Angebote ein wenig erschlagen. Fast sehne ich mich nach der Zeit zurĂŒck, in der es nur Sporttrikots aus Baumwolle gab, die sich lediglich durch ihre Farbe voneinander unterschieden. Mal sehen.

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