Stäubchen aufwirbeln

Irgendwie will ich – und doch wieder nicht. Ich fange lieber tausend Dinge an, statt mich hinzusetzen und zu schreiben. Ich räume den Schreibtisch frei, finde Sachen, die ich nicht gesucht habe, wische den Staub weg, pussel die Krümel aus den Zwischenräumen der Tastatur und würde am liebsten alles ausräumen, freiräumen, neue Tapeten an die Wand, weil, ja, die alten hängen schon so lange dort und wenn ich schon nichts richtig Neues machen kann, ist ein Tapetenwechsel nicht verkehrt.

Es riecht nach Staub, lange abgelagertem altem Staub, er kriecht in die Nase, reizt sie zum Niesen, flockt und erinnert mich, dass ich eigentlich etwas anderes machen wollte.

Bleiben manche Ecken im Haus länger unberührt, sammelt sich hier Staub, legt sich auf die blanken Stellen, lässt sie trüb werden, ganz langsam und allmählich, da hilft es gelegentlich, einen Ausputz zu machen, das Wollen vom Müssen zu sortieren, schauen, warum ich Dinge mache: Wie wichtig ist mir der Blick von außen, der Blick von anderen. Wie wichtig ist es mir, wie sie mich wahrnehmen? Und wie gut geht es mir in dem, was ich meine Räume nenne, ob sie nun um mich herum oder in mir drinnen sind? Sieht mich niemand, fühle ich mich darin wohl. Ist es mir wichtig, dass sich darin auch andere wohlfühlen können?

Forsythienblüte.

Für alles gibt es eine Zeit: Erst wollte ich Dinge haben, sie besitzen, meinte, sie zu brauchen, weil nur mit ihnen das Leben glücklich gelingt. Später erst sah ich, dass ich in den meisten Fällen getäuscht wurde, mich aber gerne habe täuschen lassen, ich gebe es zu. Es ist eine Illusion – und manche beherrschen das Spiel einfach besser.

Deswegen lasse ich beim Schreiben die Kerze brennen, genau wie das Feuer im Ofen. Die Wärme zieht durchs Haus, vertreibt Kälte und verteilt Licht in dunklen Ecken, sie macht, dass andere kommen, sich wärmen, gleich wie kalt der Rest drumherum ist.

Nein, nicht ganz. So etwas wie Ordnung und Sauberkeit hätte ich schon gerne.

Gelegentlich.

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