Tagebuchbloggen am 5. Februar

Es ist wieder der 5. des Monats und weil die freundliche Blognachbarin immer so nett daran erinnert, will ich auch wieder brav tagebuchbloggen; bei ihr treffen sich ganz viele zum WMDEDGT.

Wache ich morgens auf, ist es noch dunkel. Der Kaffee schmeckt trotzdem, die Zeitung raschelt, ab und an miaut die Katz, die nur dann NĂ€he sucht, wenn sie was zu fressen möchte. Anschließend schreibe ich ĂŒbers Schreiben, ĂŒber Handschriften, Schulausgangs- und eingangsschriften, Tablets, die sich mit Stift fast wie Papier beschreiben lassen, staune ĂŒber Tintenrezepte, FĂŒller und was man da so alles braucht. Seit deutlich weniger mit der Hand geschrieben wird, nimmt die Auswahl hochpreisiger Stifte und Schreibblöcke zu, scheint mir. Vielleicht scheint es auch nur mir so, dabei schreibe ich immer noch viel und gerne mit der Hand, beispielsweise auf die einseitig bedruckte Tagesordung der letzten Gemeinderatssitzung.

Mittags dreht der Mitbewohner in der KĂŒche Lammfleisch durch den Wolf, zeigt der Katze, wo der Balkon ist und weil ich ahne, dass einschließlich der Fotos alles etwas lĂ€nger dauert, belege ich zwei KĂ€sebrote und setze mich vor den Ofen und sinniere ein wenig vor mich hin. Gestern hatte meine Mutter Geburtstag, unsere Mutter, die Frau, die mich geboren hat und die ich doch so wenig kenne, obwohl ich sie einst ganz zu kennen glaubte. Wie viel von dem, was uns als Kindern gesagt wird, nehmen wir tatsĂ€chlich auf?

MĂ€dchen werden bis heute eher verbessert, kritisiert, zurechtgerĂŒckt, zurĂŒckgepfiffen, nichts ist oder scheint gut an dem, was und wie sie es machen. Sie kriechen von Tadel zu Niederlage, richten sich immer wieder von Neuem auf. Sie stellen sich immer schon selbst in Frage, schauen um sich, bevor sie etwas machen, schauen auf den, der sie dafĂŒr loben oder tadeln wird, leben auf, vom und durch den Blick des Anderen. Kommt von der Mutter oder vom Vater kein Lob, sondern nur ein: Wird aus dir nie etwas?, wissen sie schon lĂ€ngst, dass SelbststĂ€ndigkeit, UnabhĂ€ngigkeit und ein starker Wille gerade bei MĂ€dchen und spĂ€ter bei Frauen selten gefragt ist. Statt dessen: HĂŒbsch sein, lieb sein. Liebe ist, wenn du lieb bist, hat mir die Mutter auf meine Frage danach geantwortet,

Bei Jungs dagegen ist alles ok, alles wunderbar, sie ziehen von Triumph zu Sieg, gleich, was sie anstellen, gleich, wie sie aussehen.

Nach einer Weile setze ich mich wieder an die Arbeit, schreibe, gucke der Sonne hinterher, registriere am Rande das, was gerade in ThĂŒringen lĂ€uft und ziehe mir eine Jacke ĂŒber. Raus jetzt. Einfach nur ein StĂŒck raus, laufen, am Kanal entlang, hier ist es relativ ruhig. Gelegentlich ein Radfahrer, gelegentlich ein Hund mit Herrchen. Frische Luft ist immer gut, sie hilft beim Nachdenken. Anschließend essen wir das, was der Mitbewohner heute nach einem Rezept aus Kenia zubereitet hat. Der Geschmack ist aus Afrika, das schon, was aber fehlt, ist der ganz eigene Geruch, die WĂ€rme und die Luftfeuchtigkeit, all das, was ich sofort in der Nase habe, selbst wenn ich nur Bilder von dort sehe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist es draußen dunkel, und innen hell, dank Strom und Lampen und ĂŒberhaupt. Als ich vor ĂŒber 40 Jahren die Eltern in Westafrika besucht habe, war das keinesfalls selbstverstĂ€ndlich. Der Strom fiel dort regelmĂ€ĂŸig aus, war gesperrt, was auch immer. Ich weiß noch, dass wir im Kino waren, der Vater den Film simultan aus dem Französischen ĂŒbersetzt hat, plötzlich war Strom und Licht und Film einfach weg. Wir haben noch eine Weile gewartet, und sind dann vermutlich zurĂŒckgefahren, nicht gegangen, wir waren dort nur wenig zu Fuß unterwegs.

Hier kommt der Strom zuverlĂ€ssig und selbstverstĂ€ndlich aus der Steckdose, der Computer lĂ€uft und ich setze mich fĂŒr den Rest des Abends mit einem Buch aufs Sofa. #Olgalesen.

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