Tagebuchbloggen am 5. Juni

Was machst du eigentlich den ganzen Tag – oder kurz: wmdedgt? Das fragt Frau Br├╝llen an jedem 5. des Monats. Mein Tag heute:

Um f├╝nf ist die Nacht zu Ende. Drau├čen krakeelen die Spatzen und ich bin wach. Da stehe ich lieber auf, als weiter im Bett zu liegen. Eine Tasse mit Glaubersalz – schmeckt nicht, ist aber n├╝tzlich, wenn ich eine Woche fasten m├Âchte. Das mache ich gelegentlich – aus mehreren Gr├╝nden. Damit sich der fiese Geschmack im Mund wieder verzieht, koche ich mir hinterher noch eine gro├če Tasse Kaffee und lese Zeitung, w├Ąhrend ich den Kaffee trinke. In der K├╝che h├Âre ich den Fr├Âschen zu, die zwei Grundst├╝cke weiter den Gartenteich bev├Âlkern und ein Morgenkonzert geben.

Dann setze ich mich an den Laptop, der fr├╝he Vogel ist auch schon da. Die Kohlmeise hat entdeckt, dass seit gestern wieder ein Meisenkn├Âdel im Futterh├Ąuschen liegt, fliegt diesen gewisserma├čen im Minutentakt an, pickt den Schnabel voll und startet wieder. Der Nachbar von gegen├╝ber kommt mit einem Koffer aus seiner T├╝r. Hurra: Jetzt brauche ich mir – wenigstens f├╝r eine Weile – nicht mehr die Finger├╝bungen auf dem Keyboard anzuh├Âren. Da der Nachbar dabei immer sein Fenster offen l├Ąsst, haben alle etwas davon. Vielleicht sollte ich einfach nur froh dar├╝ber sein, dass er kein Geld daf├╝r haben will? Ich wei├č es nicht.

Ich sitze an meinem ersten Text, da dr├Âhnt das M├╝llauto durch die Stra├če und die beiden M├╝llm├Ąnner poltern mit den M├╝lltonnen vom B├╝rgersteig hin zum Auto, dann hebt die Mechanik die Tonne hoch – fzschsch – anschlie├čend wird die Tonne wieder zur├╝ckgerumpelt. Ganz nach dem Motto: Nur dort, wo Krach und Dreck entstehen, wird auch richtig gearbeitet. Gut. Dann arbeite ich eben nicht richtig, schreibe allerdings trotzdem weiter. Die Deadline grinst schon.

Zwei Stunden weiter sind bereits zwei Texte fertig. Ich bin ganz stolz auf mich und belohne mich mit einem P├Ąuschen, mache mir einen Tee, lese Zeitung und h├Âre zu, wie es in meinem Bauch gluckst und gluckert. Huh. Mir f├Ąllt ein, dass ja gestern – trotz Feiertag – die Gem├╝sekiste kam. Da muss ich nachher aussortieren, in: Kommt in den K├╝hlschrank und wartet auf die Lieblingshausziege und in: Muss ich verarbeiten und einfrieren. Fasten hei├čt ja, nichts essen. Auch wenn ich damit nicht das Gem├╝se davor bewahren kann, dass es sich ein wei├čes Pelzchen ├╝berzieht. Achja: Weiter mit dem n├Ąchsten Text, damit bis Mittag alles geschafft ist.

Zw├Âlf Uhr mittags: Fertig mit der Arbeit. Jetzt geht es in die K├╝che, Gem├╝se putzen und verarbeiten. Auf dem Balkon ist es mir um diese Zeit entschieden zu hei├č. Also: Jalousien runter. Dann ist es zwar dunkel, bleibt aber k├╝hl. Ich mache mir noch einen Tee, und fange mit der K├╝chenarbeit an.

Ein Uhr: P├╝nktlich zum Beginn der Mittagsruhe f├Ąngt der Nachbar, mit dem wir hier und hier schon viel Freude hatten, damit an, die Pf├Ąhle f├╝r seinen neuen H├╝hnerstall mit einem kleinen R├╝ttelfrosch und viel Krach in die Erde zu rammen. Toll. Vermutlich ist er dann bis drei Uhr nachmittags damit fertig.┬áDabei ist er gar kein Maurer, sondern Steinmetz, br├Ąuchte also gar nicht p├╝nktlich zu arbeiten. *fingerindieohrenstopf* So. Gulasch ist eingefroren, die dicken Bohnen m├╝ssen noch abk├╝hlen, der Spitzkohl ebenso.

Da ich mich heute – glaubersalzbedingt – immer wieder auf der Toilette aufhalte, habe ich f├╝r die Fastenzeit zwei sch├Âne Kochb├╝cher als passende Lekt├╝re ausgesucht. Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit ich pl├Âtzlich habe, wenn sowohl das Kochen, als auch das Essen selbst einfach wegf├Ąllt. Ich habe Zeit – und putze eben mal das Fenster der Lieblingshausziege und hoffe einfach, dass sie sich dar├╝ber freut, wenn sie wieder zu Hause ist. Auf dem Balkon stehen noch zwei T├Âpfchen mit Freugem├╝se, die darauf warten, dass ich sie in die Balkonk├Ąsten an den Stellen einpflanze, wo es inzwischen – saisonbedingt – die ersten L├╝cken gibt: S├Ąmtliche Hornveilchen und Stiefm├╝tterchen haben n├Ąmlich jetzt endg├╝ltig beschlossen, dass es ihnen mit Bl├╝hen reicht.

Zur├╝ck am Laptop st├╝rmt neben mir eine dicke Fliege immer wieder auf das Fenster ein, und haut sich den Kopp an. Ob die irgendwann kapiert, dass sie Glas so nicht zum Platzen kriegt? Solange sie mich nicht weiter bel├Ąstigt, au├čer ihrem ssssss-bong, lasse ich die Fliegenklatsche noch in der K├╝che. Aber wenn, dann wehe! Puh. (Hab ich schon gesagt, dass es heute hei├č ist, ich meine: Richtig hei├č, so mehr als 30 Grad im Schatten. Da gehe ich doch nicht raus, jedenfalls jetzt noch nicht.)

Der Blattspinat ist auch schon in der Pfanne vorbereitet, wird gleich in ein Plastikt├Âpfchen gesperrt und anschlie├čend – abgek├╝hlt, versteht sich – in das ewige Eis versenkt. Jetzt ist genau die richtige Gelegenheit, in der K├╝che den Boden zu wischen: Wenn niemand kocht, wird schlie├člich auch nicht so schnell wieder etwas dreckig, logisch. Zwischendrin hat der Postbote geklingelt, und zwei Pakete abgegeben. In dem gro├čen Paket sind die Kugelauflagen f├╝r die Autositze drin, das ist genau richtig bei diesen Temperaturen. Und im kleinen Paket sind zwei St├Âffchen drin, eines f├╝r mich und eines f├╝r die Lieblingshausziege, au├čerdem ein Garnkn├Ąuel f├╝r Socken. Damit ist mein Programm f├╝r heute beschlossen: Schnitt raussuchen, zuschneiden, n├Ąhen. Oder so. Viel Spa├č allen anderen noch bei: wmdedgt aka: Was machst du eigentlich den ganzen Tag.

mhl pfingsten 419

 

 

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