Tagebuchbloggen am 5. Mai

Da die Katz so gem├╝tlich auf der Bettdecke lag, blieb ich noch ein paar Minuten liegen, ich meine, ich komme ohnehin fr├╝h genug zu sp├Ąt und da ich momentan nur wenig verpassen kann, ist es v├Âllig egal, ob ich meinen Kaffee zehn Minuten fr├╝her oder sp├Ąter trinke. Daf├╝r schmeckt er aber, neuer Kaffeekanne sei Dank.

Ich habe mich lange und beharrlich geweigert, doch Corona hat mich ├╝berstimmt: Wer gelegentlich mitliest, wei├č, dass ich in N├╝rnberg Pekip-Kurse gebe. Die Ausbildung habe ich vor gut zwanzig Jahren gemacht und es ist eine sch├Âne Abwechslung zu meiner sonstigen Arbeit, bei der ich doch gelegentlich recht einsam vor dem Computer sitze und die Buchstaben auf der Tastatur in einer Reihenfolge tippe, dass auf dem Bildschirm sinn- (ja, jetzt wollte ich eigentlich -freie Texte, aber nunja) -volle Texte entstehen.

Als Coronaseidank diese Kurse nicht mehr stattfinden konnten, habe ich die noch ausstehenden Termine online umgestellt. Ich wollte sie ordentlich abschlie├čen, den M├╝ttern noch Gelegenheit zum Austausch und zu Fragen geben, ein paar Spielanregungen vorstellen, na, und so weiter. Obwohl dann die Kurse zu Ende waren, blieben manche M├╝tter, wir trafen uns weiter an einem Termin online, schw├Ątzten, hielten den Kontakt, auch wenn das, was da stattfand, mit Pekip nicht viel ├ähnlichkeit hat.

W├Ąhrend der Pekip-Stunde sind wir in einem muckelig warmem Raum, die Babys sind nackt, die M├╝tter in Shirts und leichten Hosen. Die Kinder haben hier Gelegenheit, sich selbst, ihre Umgebung und die anderen Babys spielerisch zu entdecken, w├Ąhrend die M├╝tter zusehen, sie begleiten und sie die eine oder andere Anregung ausprobieren lassen, mit denen sie ihre Bewegung und Sinne, ja, trainieren ist irgendwie nicht ganz richtig, aber die Kinder nehmen die Anregungen in der Regel gerne an und probieren vieles aus und die M├╝tter lernen, genau hinzusehen.

Jetzt sehe ich alle nur auf dem Bildschirm, genau genommen, fast nur die M├╝tter. Sie haben immer noch den Wunsch, sich wenigstens virtuell zu treffen und auszutauschen. Die Babys sind auf dem Scho├č, liegen auf dem Boden, ja, manche schlafen sogar. Weil die analogen anderthalb Stunden einfach zu lang sind, treffen wir uns eine Stunde online. Da bleibt gen├╝gend Zeit zum Schw├Ątzen, zum Erz├Ąhlen, zum Austausch dar├╝ber, welcher Trinklernbecher oder welches L├Ątzchenmodell beispielsweise sinnvoll ist. Die M├╝tter berichten, was die Kinder interessiert, mit was sie sich lange besch├Ąftigen und was schnell wieder uninteressant ist, ganz so, wie in der richtigen Pekip-Zeit.

Ich gebe jeweils passende Anregungen, versuche sie mit der Puppe ├╝ber Video zu zeigen, schreibe sie anschlie├čend auf und verschicke alles per Mail: Dann k├Ânnen alle in Ruhe nachlesen und zu Hause ausprobieren. Keiner verpasst etwas, selbst dann nicht, wenn das Kind gerade mehr Aufmerksamkeit fordert. Noch eine Liederrunde, fast wie im richtigen Kurs, jedoch: Weil das mit der Technik anders nicht funktioniert, schalten sich die M├╝tter stumm. Ich singe und jede singt f├╝r sich mit oder auch nicht. Ich kann es ja nicht h├Âren, ich singe eben alleine und sehe nur, wie manche mitmachen und ihre Lippen bewegen. Gl├╝cklicherweise ist der Mitbewohner dann anderswo unterwegs und h├Ârt mich nicht.

Zum Mittag haben wir Schupfnudeln, die der Mitbewohner als echter Franke schon wieder ganz anders bezeichnet. Doch das ist mir egal, Schupfnudel bleibt Schupfnudel. Basta. Oder?

Nach dem Mittag schreibe ich noch einen Beitrag: In einer Gemeinde soll eine Fl├Ąche mit drei Mehrfamilienh├Ąusern bebaut werden, sozialer Wohnungsbau, da regt sich Widerstand und pl├Âtzlich sind drei alte Obstb├Ąume am Ende ihres Lebens ein wertvolles Biotop. Ich telefoniere daher mit dem B├╝rgermeister und lese, was die B├╝rgerinitiative per Mail mitgeteilt hat. Leider hat der Verfasser keine Telefonnummer angegeben und da er nicht im Telefonbuch verzeichnet ist, muss ich auf ein Telefonat mit ihm verzichten und mich mit der Mitteilung begn├╝gen. Schade eigentlich.

(Der eigentliche Grund ist jedoch ein ganz anderer, wie so oft in dieser Welt sind auch die drei alten Obstb├Ąume nur das ├Âkologische Feigenblatt. Aber das geh├Ârt hier nun wirklich nicht hin.)

Jedenfalls ist alles irgendwann geschafft und ich kann mich zur├╝cklehnen. Heute abend jedenfalls. Vielleicht stricke ich am zweiten Socken weiter, da muss ich mich beeilen, schlie├člich soll dieser fertig werden, bevor die Wolle alle ist. Resteverwertung kann hei├čen, dass zwei Socken schlussendlich unterschiedliche Spitzen kriegen. Kann sein, mal sehen.

Daher w├╝nsche ich allen einen sch├Ânen Abend. Wer wissen will, was alle anderen so den ganzen Tag lang gemacht haben, der schaut einfach bei der freundlichen Blognachbarin vorbei. Die fragt jeden Monatsf├╝nften immer wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

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